Die Tätowierungen von Adam Vu

24.02.2017  |  Text: Marco Annunziata / Übersetzung: Dirk-Boris  |   Bilder: Marco Annunziata, Adam Vu
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Die Tätowierungen von Adam Vu
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Der kalifornische Tätowierer Adam Vu ist momentan auf großer Weltreise. Im Sommer wird er auch für einige Zeit in Berlin seine vorwiegend schwarzen Tattoos stechen.
»Ich bin jetzt seit acht Monaten auf Reisen. Ich habe in Erste- und Dritte-Welt-Ländern gelebt. Ich besitze zwei Hosen, fünf Hemden, eine Weste und eine Jacke. Fliegenstiche hab ich mehr, als ich zählen kann. Einiges von meinen Socken, meiner Unterwäsche und meinem Tattooequipment ist verloren gegangen und im Moment sitz ich im Louvre, um mich herum wuseln Touri-Gruppen, angeführt von ziemlich enthusiastischen Reiseführern. Mir geht’s hervorragend!«

Bei den Arbeiten des jungen Kaliforniers muss man oft mehrmals hinschauen; im Spinnennetz verbirgt sich ein Schädel, die acht Arme der Tänzerin lassen sie wie eine Spinne wirken.

Adam wuchs in Südkalifornien auf, lebte später in Los Angeles und arbeitete in einem Privatstudio am Strand in Orange County. Zur Zeit dieses Interviews reist er gerade quer durch die Welt und tätowiert die traditionellen Black-and-Grey-Motive der West Coast, gemixt mit orientalischen Einflüssen und esoterischen Ideen.
Seine frühesten Erinnerungen an Tattoos gehen auf TV- und Kinofilme zurück: Das Schlangentattoo, das Kurt Russell in »Die Klapperschlange« auf dem Bauch trug, oder Robert Mitchum, der in »Night of the Hunter« einen Prediger spielte, der »Love« und »Hate« auf den Knöcheln tätowiert hatte. Oder Robert de Niros Knasttattoos in »Kap der Angst« und natürlich die ganzen Pro Wrestler im Fernsehen, die mit Tribals und Stacheldraht-Tattoos zugeballert waren. Da war es für Adam sowieso schon abgemacht, dass er eines Tages ebenfalls völlig zutätowiert sein wollte.

Adams Arbeiten sind stilistisch ziemlich dicht am Look russischer Knast-tattoos dran.

Das erste Tattoo


Zum ersten Mal ließ sich Adam mit fünfzehn Jahren tätowieren. »Ein paar Ältere an meiner Schule hatten mir die Nummer von einem Typ gegeben, der sich ›Wizard‹ nannte. Ich hatte extra ein Motiv aus einem Heft rauskopiert, einen New-School-Dolch, verbogen und mit Chromeffekt, und machte mich mit der Kopie auf, um ihn zu treffen. Er hatte mich zu einem Holiday-Inn-Hotel bestellt und es dauerte zwei Stunden, bis er die Tür öffnete, weil er sich gerade einen Schuss gesetzt hatte und high war. Eine Stunde später verließ ich das Hotel und mein Bein sah aus, als ob ein blauer Clown darüber gekotzt hätte.«
Natürlich sah das Tattoo noch nicht mal entfernt so aus wie die Vorlage, aber heute sieht Adam das ganz positiv. Wenn es besser geraten wäre, hätte er sich vielleicht danach nicht mehr so oft tätowieren lassen, um von der beschissenen ersten Tätowierung abzulenken.  

Adams Markenzeichen, die »Junge Witwe«, die er in immer neuen Varianten tätowiert.

Ab dieser Zeit hing Adam vor oder in Tattooshops ab und nervte die Tätowierer so lange, bis sie nachgaben und ihn tätowierten, obwohl er minderjährig war. »Das gehörte alles zusammen: Skateboards, Punkrock, in unterschiedlichen Gegenden aufwachsen, sich tätowieren lassen. Die meisten Kids dort hatten schon im gleichen Alter wie ich ihre ersten Tattoos. Und viele wollten natürlich Tätowierer werden, weil man da zum ersten Mal sieht, wie das eben aussehen kann, wenn man sein eigener Boss ist, wenn man frei ist. Ich war da nicht anders, auch ich wollte ab dieser Zeit unbedingt Tätowierer werden.«

 Zwei schlichte, aber filigrane Röschen – bleibt zu hoffen, dass sie an der Stelle auch halten.

Die erste Maschine


Seine erste Tattoomaschine bekam Adam von Sean Jackson vom Legacy Tattoo in Sacramento. Adam war während der College-Sommerferien einige Tage zu ihm gefahren, um ein bisschen was aufzuschnappen. Eine Fahrt dauerte neun Stunden  und Sean sah, dass es Adam wirklich ernst war. Als Bezahlung für ein Familienporträt, das Adam für ihn malte, gab Sean ihm eine Shader-Maschine. »Sie war einfach scheiße schwer, aber ich war total glücklich, meine erste Tattoomaschine zu besitzen – leider konnte ich damit nichts anfangen, schließlich hatte ich keine Liner. Und selbst dann hätte ich immer noch nicht gewusst, wie ich damit tätowieren soll.«
Im Sommer 2007 verließ Adam die USA für einige Zeit und traf in Rom auf Sara Samez, die ihm Hilfestellung bei seinen Zeichnungen gab und ihm die grundlegenden Dinge über das Tätowieren beibrachte. Daran anschließend absolvierte er eine Lehre bei Jose Lopez vom Lowrider Tattoo in Orange County und schließlich zog er nach Los Angeles, wo er vier Jahre bei Norm Will Rise arbeitete. Sara vermittelte ihm die Basics, Jose bildete ihn aus und Norm gab ihm den letzten Schliff. »Drei völlig unterschiedliche Stile und Typen, denen ich viel zu verdanken habe.«

Adams Markenzeichen, die »Junge Witwe«, die er in immer neuen Varianten tätowiert.

Adams Trademark-Tatto


Eine Schwarze Witwe, eine Spinne mit einem Frauengesicht, das zwischen ihren Beinen versteckt ist. Adam nennt sie die »Junge Witwe«. Er hat dabei noch nie ein Design zwei Mal tätowiert, er gibt jedem einen eigenen, individuellen Touch.

Der ideale Kunde


Adam freut sich besonders über Kunden, die seine Kunst schätzen und zum Typ Sammler zählen. Er ist immer glücklich, wenn Kunden nach seinen Designs fragen, anstatt selbst welche mitzubringen.
 

Tätowieren auf sieben Kontinenten


»Ich fühle mich einfach lebendig, wenn ich unterwegs bin. Wenn jeder Tag etwas Neues bringt und es keine Routine gibt, dann entfalte ich mich am besten. Ich bin selten auf Touri-Strecken unterwegs, eher auf abgelegenen Pfaden, wo es skurrile Dinge
zu entdecken gibt. Dafür lebe ich. Und ich will auf allen sieben Kontinenten tätowiert haben!«
Vermisst er etwas aus Kalifornien? »Liebe Freunde, Mexican Food und In-N-Out Burger. Sonst absolut gar nichts. Wenn man im Stadtverkehr von L.A. den Leuten in ihre schlechtgelaunte Fresse schaut, da reicht’s einem doch schon. In anderen Ländern schau ich mir gern die Nachrichten an, aber in Kalifornien? Da kann man sich doch am besten einfach mit ’nem Hammer auf den Kopf hauen, bevor man sein Gehirn mit diesem Schwachsinn schädigt.«

Adam Vu und Social Media


»Social Media haben auf alle Fälle eine Menge Türen geöffnet und es leichter gemacht, zu reisen und
andere Künstler zu treffen. Man kann seine Kunst einem breiteren Publikum zeigen und in Kontakt kommen. Ich würde nicht sagen wollen, dass meine Arbeiten bekannt sind, ich fühle mich in der Beziehung nicht anders als zu der Zeit, als ich angefangen habe. Ich arbeite heute noch genauso hart an mir selbst wie damals. Nur meine Ziele ändern sich: Sobald ich etwas erreicht hab, setze ich mir neue Ziele, so dass ich immer etwas habe, auf das ich hinarbeiten kann. Mir geht’s nicht um Bekanntheit oder um Anerkennung durch Kollegen, ich stelle meine Sachen online in der Hoffnung, dass Leute sehen, wie viel ich reingesteckt habe.«

Schrecklich schön: Der Tod als hübsche Lady in High Heels.

Copycats


»Ich hab schon Kopien meiner Arbeiten auf Instagram gesehen. Wenn es schlechte Kopien sind, dann amüsiert es mich. Und es ist ja auch schmeichelhaft, wenn irgendjemand da draußen denkt, du wärst so gut, dass er dich nachmachen muss. Aber egal, ob eine Kopie nun gut oder schlecht ist, man sollte immer sagen, wer einen zu einem bestimmten Design inspiriert hat, das ist doch einfach eine Sache der Höflichkeit.«

ADAM VU NOIR
On the road
www.adamvunoir.com
www.instagram.com/adamvunoir
www.facebook.com/adamvtattoo
Mail: adamvunoir@gmail.com

Der italienische Fotograf und Autor Marco Annunziata traf Adam Vu, als dieser während seiner Weltreise in Paris Station machte.
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Stand:24 November 2017 15:47:26/t%C3%A4towierer/die+taetowierungen+von+adam+vu_176.html