Carlos Torres – Meister des Lichts

27.02.2015  |  Text: Travelingmic  |   Bilder: Carlos Torres, Travelingmic
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Carlos Torres – Meister des Lichts
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Carlos Torres begann seine Karriere als ehrgeiziges Chicano-Kid im Süden von Los Angeles. Seine atmosphärisch dichten Gemälde faszinieren genauso wie die detaillierten Tattoos. Mittlerweile sind seine Tätowierungen fest in der europäischen Bilderwelt verankert, seine Wurzeln im Latino-Fineline-Stil sind aber nach wie vor spürbar. So fungiert er als perfekte Brücke zwischen der Alten und der Neuen Welt.

 
 
Sinnlich und gefährlich: die Jaguar-Lady. Tattoo von Carlos Torres, Timeline Gallery, San Perdro.Genial! Mit Schwarz-und Grauabstufungen baute Carlos Torres dieses sehr plastische Motiv auf: Der Zombie-Kapitän im Vordergrund, die Piratendamen dahinter und in der Ferne die Seeschlacht.(l) Genial! Mit Schwarz-und Grauabstufungen baute Carlos Torres dieses sehr plastische Motiv auf: Der Zombie-Kapitän im Vordergrund, die Piratendamen dahinter und in der Ferne die Seeschlacht. (r) Sinnlich und gefährlich: die Jaguar-Lady. Tattoo von Carlos Torres, Timeline Gallery, San Perdro.


 
Nur allzu oft sieht man, dass sich ein Tätowierer nach den ersten Erfolgen – und mit zunehmend vollem Terminkalender und Bankkonto – allmählich zurücklehnt und die künstlerische Entwicklung schleifen lässt. Ein Paradebeispiel, dass es auch anders geht, und man sich bei nie nachlassender Motivation zu immer neuen kreativen Höhen aufschwingen kann, ohne dabei je verbissen ehrgeizig zu werden, ist Carlos Torres, Eigentümer und Mastermind der Timeline Gallery in Los Angeles.

 
 Carlos Torres' Gemälde
 
Viele Tätowierer versuchen sich zumindest zeitweise als Kunstmaler, aber nur wenige sind dabei so gut und erfolgreich wie Carlos Torres. Seine im realistischen Stil gehaltenen nachdenklichen Diven in historischen Gewändern, aber auch Familienporträts und bizarr-morbide Skelette verkaufen sich im vier- bis fünfstelligen Preisbereich; ein kleiner Schädel wurde 2014 in Zwickau für einen guten Zweck versteigert und erbrachte 2000 Euro.
Locker könnte Carlos nur damit seinen Lebensunterhalt verdienen, doch vor dem Haifischbecken des Kunstmarktes hat er einen Heidenrespekt.

 
Seine im realistischen Stil gehaltenen Gemälde mit nachdenklichen Diven in historischen Gewändern verkaufen sich im vier- bis fünfstelligen Preisbereich.Seine im realistischen Stil gehaltenen Gemälde mit nachdenklichen Diven in historischen Gewändern verkaufen sich im vier- bis fünfstelligen Preisbereich.
 
Interessanterweise sind seine Tattoos meist schwarz-grau gehalten, während er Gemälde recht farbenfreudig ausführt. Dafür hat Carlos ein gute Erklärung: »Wenn ich so tätowieren würde, wie ich male, das würde Ewigkeiten dauern. Ich mische die Farben auf der Palette, mache ein zwei Pinselstriche, und denke wieder lange nach … Mein Tattookunde würde mich umbringen!«
Richtig erlernt hat er das Malen erst vor etwa sieben Jahren, nachdem er Seminare seiner Freunde Shawn Barber und Michael Hussar besucht hat. Schnell fand er heraus, wie zeitraubend, aber auch künstlerisch befriedigend dieses Hobby ist. »Die Workshops gehen oft die ganze Nacht; wir malen und diskutieren über die Resultate bis in den Morgen, und dann geht es oft direkt ins Studio zum Tätowieren«, erklärt er. »Das tut richtig weh, aber man profitiert ungemein davon, leibhaftige Modelle zu malen. Wenn ich jetzt ein Foto betrachte, verstehe ich viel besser den Lichteinfall, den Körperbau, die Bewegung der Schatten.«
 
Hunger nach Kunst
Nachdem der talentierte Junge im renommierten Studio SoCal Tattoo schnell zu einem lokalen Star der Chicano-Szene von Los Angeles herangewachsen war, konnte er sich schon früh kaum beklagen: Seine meist mexikanischstämmigen Kunden fragten brav die übliche Latino-Kost nach, der Shop von Ethan Morgan lief prächtig, die Familia wohnte um die Ecke, und das süße Leben in Southern California bot Sonne, Fun, Dollars und Chicas zuhauf. Was kann man mehr verlangen?
  Aber Carlos Torres ist anders gestrickt, und die Babyporträts und Guadelupe-Madonnen fingen schnell an, ihn zu langweilen. Das Reisevirus packte den ruhigen, aber entschlossenen Künstler, und bald wurden die regelmäßigen Trips nach Europa eine süchtig machende Gewohnheit.
Hier öffneten sich die Augen von Carlos Torres, und die Leidenschaft für die Kunst der Alten Welt wurde schnell in seinen Tattoos sichtbar. Schon bald nahm er Pinsel und Leinwand zur Hand, um es den großen Meistern der Renaissance nachzutun. Die Karriere von Carlos bekam neuen Schwung, die ersten Magazinartikel folgten, und schnell erreichte er wieder einen Punkt, an dem er es hätte gut sein lassen können.
 
 
Viele von Carlos Torres' Vorlagen existierten vorher als Gemälde. Für die Umsetzung als Tätowierung beschränkt er sich auf Black-and-Grey. Viele von Carlos Torres' Vorlagen existierten vorher als Gemälde. Für die Umsetzung als Tätowierung beschränkt er sich auf Black-and-Grey.

 
Der ewige Kunststudent
Wir spulen ein wenig in der Zeit vor, bis zu den ersten Monaten des Jahres 2015: Ein freundlicher Mann mit stets lachenden Augen belegt nun schon seit Stunden eine der raren Ruhebänke im Louvre in der französischen Hauptstadt. Er skizziert schnell auf seinen Block, schattiert den Faltenwurf einer Statue von Bellini, unbeirrt von den endlosen Strömen der Touristengruppen. Ein Kunststudent, der an seiner Semesterarbeit schwitzt?
Nein, es ist Carlos Torres, der sich einige Tage frei genommen hat, weit weg von Freunden und Partnerin, um mit nie endendem Hunger die Kunstgeschichte Europas aufzusaugen.
 
 
Carlos Torres von der Timeline Gallery, San Pedro.KONTAKT

Carlos Torres
Timeline Gallery
1117 South Pacific Avenue,
San Pedro, CA 90731, USA

Tel.: +1(310) 833-6900
www.carlostorresart.com

Der komplette Artikel ist im TätowierMagazin 03/2015 nachzulesen.
 
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