Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler

30.09.2016  |  Text: Amadeus Thüner  |   Bilder: Friedrich Übler
 Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler  Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler  Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler  Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler  Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler  Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler  Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler  Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler  Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler  Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler  Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler  Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler  Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler  Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler  Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler  Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler
 Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – Tätowierer Friedrich Übler
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Friedrich Übler hat viele Talente. Eines davon ist das stechen melancholischer Tätowierungen.
Es ist ein altes Lied, das von jungen, wilden Tätowierern handelt, die schnell zu Ruhm und Ehre gelangen und nach kurzer Zeit ein Standing vorweisen, bei dem die alten Hasen erstaunt die Augen aufreißen. Klar ist dabei aber auch: Nicht alles, was glänzt, ist Gold.

Der 26-jährige Gießener Friedrich Übler gehört zwar zu den jungen Wilden, muss seine Arbeiten aber weder hinter Hashtags noch Photoshopskills verstecken. Erst seit gut zwei Jahren tätowiert der gebürtige Leipziger im Team des Gießener Traditionsshops Clownfish Tattoos, und doch hat er nicht nur bei seiner Stammkundschaft das Prädikat Nachwuchstalent hinter sich gelassen. Dass ihm eine rosige Zukunft bevorsteht, mag man verstehen, wenn man sich seine Arbeiten anschaut. Zeit also für ein ausgiebiges Gespräch.

Friedrich hochkonzentriert beim Zeichnen.
 
Friedrich, bevor du Tätowierer wurdest, warst du Koch. Wie kommt man denn aus der Küche ins Studio?
Die beiden Berufe haben ja auch Gemeinsamkeiten: Es sind beides kreative Berufe, die man auf der Grundlage eines Handwerks ausübt. Beim Tätowieren spielt die Kreativität vielleicht eine noch größere Rolle, ansonsten würde man die Motive ja nur stupide umsetzen, nichts Eigenes schaffen. Insgesamt war ich inklusive Ausbildungszeit sechs Jahre Koch. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass mein Interesse für Tattoos immer größer wurde und mich gleichzeitig auch der Küchenjob genervt hat. Man hat in diesem Beruf sehr unflexible Arbeitszeiten und ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass ich das mein Leben lang machen möchte. Auch die Bezahlung war nicht gut, obwohl ich in einem Gourmet-Restaurant gearbeitet habe.

Selbst mit unrasiertem Kopf wäre der WalkoSelbst mit unrasiertem Kopf wäre der Walkopf zu sehen.pf zu sehen.

Wirklich? Ich hätte gedacht, dass gerade da das große Geld wartet?
Wenn man sich ein paar Jahre tot gearbeitet hat, dann sicherlich. Ich war ja nur zwei Jahre als ausgebildeter Koch dort – da ist nicht viel zu holen. Nach meiner Zeit in Österreich und Paris wurde mir klar, dass ich da raus will. Also habe ich mein Abitur nachgeholt und gleichzeitig angefangen, daheim und privat meine ersten Gehversuche im Tätowieren zu machen. Auf der einen Seite hatte ich durch die erneute schulische Ausbildung etwas mehr Zeit, zum anderen habe ich einfach gemerkt, dass mich das Tätowieren so sehr interessiert, dass ich das auf jeden Fall ausprobieren will. 

Wann hast du den Schritt gewagt, dich in einem Studio vorzustellen?
Ich bin als Kunde immer schon zu Clownfish gegangen und habe dann vor gut zwei Jahren den Inhaber des Studios, Holger Engel, gefragt, ob er mich ausbilden würde. Das hat ihn wohl gereizt und glücklicherweise konnte ich ihn mit meinen Flash-Sets überzeugen, also haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, wie wir das neben meinem Abitur angehen könnten. Ich war dann zwei, drei Mal die Woche nachmittags im Laden und konnte dort die Grundlagen lernen. Das war nicht ganz so klassisch, wie man das vielleicht kennt, wo man erst als Shopboy anfängt und erst viele Monate später auch wirklich tätowieren darf. Ich konnte direkt anfangen, wenn auch natürlich erst an Freunden und bei Leuten, die damit einverstanden waren.

An diesem gelungenen Balm-Tattoos wird die Trägerin lange Freude haben.

Für die Kürze der Zeit sehen deine Arbeiten sehr clean und sicher aus. Würdest du dich als Naturtalent bezeichnen?
Ich glaube, dass ich kann, was ich tue, und es sicherlich auch hilft, dass ich meine Arbeit liebe. Ich gebe mir einfach sehr viel Mühe. Mich jetzt als Naturtalent bezeichnen zu wollen, halte ich für übertrieben. Da draußen gibt es so viele gute Tätowierer und das spornt einen natürlich auch an, immer besser zu werden. Es ist schön zu sehen, dass es eine gute und große Szene in Deutschland gibt. Ich hoffe, dass ich meinen Teil dazu beitragen kann und natürlich, dass meine Kunden sehr lange Zeit viel Freude an ihren Tattoos haben. 

Wie würdest du deinen Stil denn beschreiben?
Ich tätowiere Traditionals. Wobei ich auch immer versuche, von dem klassischen »Bold will hold« weg zu gehen und mit feineren Linien zu arbeiten. Ich denke, das spiegelt meinen eigenen Stil gut wider. Das ist einfach die Art, wie ich gerne tätowiere und was ich persönlich auch am liebsten mag. Es fühlt sich einfach natürlich an.

Auch dieses Motiv verbindet elegant Tattookultur und Moderne.

Einen Neo-Einfluss sehe ich auch in deinen Arbeiten …
Ja, da hast du Recht. Den Einfluss gibt es auf jeden Fall auch. Ein wenig Neo, ein wenig feinere Linien, aber am Ende schon unter dem Dach von dem, was man als Traditional bezeichnen würde. Meine Tattoos sollen aussagekräftig sein, sie brauchen Dynamik. Außerdem sind mir starke Kontraste sehr wichtig. Ich arbeite mit reduzierten Farben. Oder wie mein Chef sagt: »Mit traurigen Farben« (lacht).

Interessante Beschreibung. Hast du denn das Gefühl, dass deinen Tattoos etwas Trauriges innewohnt?
Ja, schon, doch. Auf jeden Fall ein gewisses Maß an Melancholie.

Friedrichs Tattoos wohnt ein gewisses Maß an Melancholie inne.

Sehen das deine Kunden genauso?
Tatsächlich habe ich Kunden, die diese Melancholie in meinen Arbeiten zu schätzen wissen und genau aus diesem Grund auch zu mir kommen. Das klingt jetzt so, als wäre ich als Person selbst ein trauriger Mensch oder so. Das stimmt natürlich nicht (grinst). Aber ein Mensch hat ja nie nur eine Seite, sondern birgt immer mehr in sich. In meinen Arbeiten drückt sich meine melancholische Seite aus. Das hat aber ja auch irgendwo wieder etwas Schönes.

Haben deine Kunden häufig eine besondere Geschichte, die sie durch dich in ihrer Haut verewigt wissen wollen?
Ja, diese Geschichten gibt es auf jeden Fall. Ich bin aber auch ein aufgeschlossener Mensch und rede gerne mit den Leuten und gehe auf sie ein. Ich denke, das hilft am Ende auch meinen Arbeiten, da man einen anderen Bezug zu den Motiven hat. 

Wauzi hat anscheinend eine Leidenschaft für Spielotheken.
 
Wer oder was inspiriert dich?
Klassische Antwort: das Leben. Aber ich schaue natürlich auch gerne mal in Tattoobücher oder checke, was Instagram zu bieten hat. Gleichzeitig bin ich aber auch großer Fan von Renaissancegemälden, denn auch dort kann man sich immer interessante Eindrücke rausziehen. Es klingt lustig, aber das Tätowieren dreht sich ja im Prinzip immer um die gleichen zwanzig Designs, die abgeändert oder kombiniert werden. Umso spannender ist es, dass heute traditionelle Designs aus dem 19. Jahrhundert von Christian Warlich, Amund Dietzel oder Sailor Jerry die gleiche Faszination haben wie früher. Das war in den 80ern und 90ern noch anders, da waren sie regelrecht verpönt und out. 

Hast du als noch junger Tätowierer klassische Vorbilder oder bleibst du lieber autark?
Zunächst orientiere ich mich an meinen Arbeitskollegen in meinem direkten Umfeld. Klaus Kummer, der ein kreativer und dazu handwerklich begnadeter Tätowierer ist, und Holger Engel, der mich in meiner Entwicklung zum Tätowieren super unterstützt hat. Dann natürlich die Kollegen, von denen ich mich selber tätowieren lasse, wie beispielsweise Marco Schmidgunst oder Ibi Rothe. Auch bei meinen bisher wenigen Guestspots konnte ich viel an Inspiration gewinnen. Sich jedes Mal auf ein anderes Arbeitsumfeld einzulassen, hat mich auch weitergebracht. Vorbilder, deren Arbeiten mir sehr gefallen, sind zum Beispiel Joe Ellis, Paul Anthony Dobleman, Tony Nilsson, Bobeus, James McKenna und Alex Bage. Was für mich ebenfalls eine wichtige Rolle spielt, ist der Austausch mit befreundeten Tätowierern, zu denen ich unter anderem Lucas Wagner, Rene Zinn und Sebastian Rauch zähle.

Der Tausendfüßler ist grafisch interessant umgesetzt und als Filler ideal plaziert.
 
Wie wichtig sind dir die sozialen Medien?
Natürlich sind diese Medien super, um Werbung für sich und seine Arbeiten zu machen. Warum sollte man sie dann nicht nutzen? Ich bewundere Tätowierer, die null auf soziale Medien angewiesen sind und sich ihren guten Ruf anderweitig erarbeitet haben. Als junger Tätowierer, mit der Dichte an guten Kollegen, ist es heute kaum noch machbar, keine Werbung zu machen. Ich darf mich aber auch glücklich schätzen, so viele korrekte Leute mit super Motivideen als Kunden zu haben und somit auch genug Output präsentieren zu können. Durch soziale Medien wie Facebook und Instagram ist die Zeit viel schnelllebiger geworden. So kann man sich Skills und Motivideen viel schneller aneignen als früher, wovon wir alle profitieren. Wenn ich an die Tätowierer von früher denke, die ohne Internet oder selbst ohne Fachbücher auskommen mussten, habe ich großen Respekt vor dem, was diese Menschen geschaffen haben. Anatomisch korrekte Tier- und Menschenmotive sind sehr schwer aus dem Kopf zu zeichnen. Heute haben wir da viel mehr Möglichkeiten, an unterschiedliches Bildmaterial zu kommen.

Neben dem Kreativen und Handwerk-lichen, was braucht ein Tätowierer in deinen Augen noch für diesen Beruf?
Mag vielleicht blöd klingen, aber eine gewisse Stressresistenz ist ganz hilfreich. Das kenne ich auch schon aus meiner Zeit als Koch. Und was ebenfalls dazu gehört, ist ein hohes Maß an Konzentrationsfähigkeit. Sich während der Arbeit keine Fehler zu leisten, ist eine Herausforderung, die man nicht unterschätzen sollte.

Seit gut zwei Jahren tätowiert der gebürtige Leipziger im Team des Gießener Traditionsshops Clownfish Tattoos.
 
Stechbrief
Friedrich ist nicht nur den Weg vom Koch zum Tätowierer gegangen, um seiner Kreativität Ausdruck zu verleihen, der 26-jährige Gießener hat auch noch zwei andere große Passionen: Zum einen verbringt er seine restliche Freizeit damit, als Drummer für die Hardcore-Kapelle Harm/Shelter aktiv zu sein und den Moshpits des Landes den Takt vorzugeben. Zum anderen schneidet er gerne auch mal die Frisuren seiner Kumpel auf den Millimeter genau. Tattoonadel, Kochlöffel, Drumstick und Schere – das wäre mal ein interessantes Tattoomotiv.
 
Friedrich Übler
Clownfish Tattoos
Schulstraße 9, 35390 Gießen

www.clownfish-tattoo.de 
www.instagram.com/friedrichuebler
www.facebook.com/friedrichuebler
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Stand:22 November 2017 08:16:09/t%C3%A4towierer/+tattoonadel+kochloeffel+drumstick+und+schere_169.html