Melodic-Death-Metal-Drummer Christian von Heaven Shall Burn über seinen Bodysuit

25.11.2016  |  Text: Boris Erbrecht  |   Bilder: Andreas Bradt / Live-Fotos: Christian Thiele
Melodic-Death-Metal-Drummer Christian von Heaven Shall Burn über seinen Bodysuit Melodic-Death-Metal-Drummer Christian von Heaven Shall Burn über seinen Bodysuit Melodic-Death-Metal-Drummer Christian von Heaven Shall Burn über seinen Bodysuit Melodic-Death-Metal-Drummer Christian von Heaven Shall Burn über seinen Bodysuit Melodic-Death-Metal-Drummer Christian von Heaven Shall Burn über seinen Bodysuit Melodic-Death-Metal-Drummer Christian von Heaven Shall Burn über seinen Bodysuit Melodic-Death-Metal-Drummer Christian von Heaven Shall Burn über seinen Bodysuit
Melodic-Death-Metal-Drummer Christian von Heaven Shall Burn über seinen Bodysuit
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Christian Bass ist nicht nur der Schlagzeuger einer der erfolgreichsten deutschen Melodic-Death-Metal-Bands, sondern auch Deutschlehrer, Betreiber eines kleinen Vinyl-Platten-Labels und zu guter Letzt auch ein großer Tattoofan. Wir wollten wissen, was es mit seinem Ganzkörperkonzept auf sich hat, das der Tragödie »Faust« von Goethe gewidmet ist.


Christian live mit Heaven Shall Burn.
 
Wo kommst du her und wo wohnst und arbeitest du im Moment?
Geboren bin ich Dinslaken, also in der Region zwischen Niederrhein und Ruhrgebiet, ich habe lange in Essen und Hamburg gewohnt  und bin nun seit zwei Jahren in Berlin. Und aktuell gibt es auch keinen Grund, daran was zu ändern.

Du bist Deutschlehrer. Seit wann übst du diesen Job denn schon aus?
Ich habe recht spät mit dem Studium angefangen und vorher jahrelang als Grafiker in diversen Agenturen gearbeitet. Mit dem Studium bin ich seit 2013 fertig und somit noch recht frisch im Beruf. Ganz ehrlich, das war eine meiner besten Entscheidungen, da mir der Beruf wirklich Spaß bereitet. Natürlich gibt es auch Schüler, die einem den Tag nicht leicht machen. Aber so »Kollegen« hat man in jedem Berufsfeld. Dann vielleicht nicht in Form von Schülern, sondern eher als Kunden, betreute Künstler oder wie auch immer diese dann genannt werden.

Faust ist für mich einfach das Buch der Bücher, es behandelt alles, was für mich relevant ist.
 
Glaubst du, dass du es bei Schülern manchmal leichter hast, weil du ein »cooler« Lehrer bist?
Na ja, dazu müssten alle Schüler Bescheid wissen und dann auch noch die Band mögen und letztendlich noch im Fan-Modus sein. Schüler, die die Band kennen, sind manchmal aber schon aufgeschlossener und interessierter. Während der Unterrichtszeit rede ich da aber nicht mit ihnen drüber. Darüber hinaus gefällt es mir aber generell, dieses Lehrerfeindbild zu zerstören und auch ein Mensch mit Interessen und Hobbys zu sein, dessen Leben nicht nur aus Radtouren und Schulaktivitäten besteht. Dieses Bild steckt in vielen Köpfen noch drin und das ist mit Blick auf mein Kollegium definitiv nicht immer so.

Wann und wie hast du mit dem Schlagzeugspielen angefangen? Hattest du Unterricht oder bis du Autodidakt?
Mein älterer Bruder spielt auch Schlagzeug, somit hatten wir schon immer ein Drumset im Keller. Eigentlich war mal die Idee, Gitarre spielen zu lernen und dann mit meinem Bruder eine Band zu gründen. Na ja, daraus ist dann nichts geworden. Irgendwann habe ich mit meinem damaligen besten Freund angefangen, Danzig-, Misfits-, Alice-Cooper- und Slayer-Songs nachzuspielen, und bin da am Schlagzeug gelandet. Da war ich zwölf Jahre alt. Bisher hatte ich vier Stunden Unterricht in meinen sechsundzwanzig Jahren am Schlagzeug. Ich würde gerne mehr Unterricht nehmen, stoße aber auch da an meine zeitlichen Grenzen.

Auf dem rechten, dem Faust-Bein, steht der Kernkonflikt, der bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat. Der Mensch muss sich immer wieder zwischen zwei Optionen entscheiden.
 
Wie kam dann der Kontakt zu Heaven Shall Burn zustande?
Über tausende Musikprojekte, die ich vorher schon gemacht habe. Ich war mit meiner vorherigen Band eine Zeit lang auch mal beim gleichen Plattenlabel. Auf einem Konzert habe ich mich dann mit Matze ein bisschen über Drums unterhalten und als er bei einem Auftritt nicht konnte, ging bei mir das Telefon. Also bin ich erstmal als Live-Sub eingesprungen, da es anfangs noch die Idee war, dass Matze irgendwann wieder zurückkommt. Ich selbst habe zudem auch noch studiert und wusste nicht, ob ich immer Zeit haben würde. Das passte also ganz gut zusammen. Als ich 2013 mit dem Studium fertig war, haben wir uns entschlossen, dass ich voll in die Band einsteige.

Wie schafft man es, in einer Profiband zu spielen und trotzdem noch einen Fulltime-Job als Lehrer auszuüben?
Mit Kaffee, Augenringen und Enthusiasmus. Die Tage sind meist recht voll, gerade wenn die Abiturphase ansteht und Erörterungen korrigiert werden müssen. Aber wie bereits erwähnt, mir macht es Spaß. Dankenswerterweise habe ich auch eine Schulleitung beziehungsweise Abteilungsleitung, die mich unterstützt. Das ist nicht selbstverständlich.

»Faust ist für mich einfach das Buch der Bücher, es behandelt alles, was für mich relevant ist, und das, obwohl es schon über zweihundert Jahre auf dem Buckel hat.«
 
HSB ist eine sehr politisch geprägte Band, manche Mitglieder verzichten auch auf Alkohol oder leben vegan. Wie stehst du zu den Themen?
In einer Band spielen zu können, die wirklich was zu sagen hat, bedeutet mir sehr viel. Es gibt so viele Bands, die mit irgendwelchen Promo-Kampagnen versuchen, immer ein aktuelles Image aufzulegen oder politischen Trends folgen. Da hat sich das schon immer gut angefühlt, die Musik nicht nur zum Spaß am Instrument zu nutzen, sondern auch, um was mitteilen zu können. Nach einer Phase im Vegetarismus bin ich seit Jahren auch wieder zurück in der veganen Ernährung. Aber die Gründe dafür sollten den meisten bekannt sein und darüber möchte ich hier nicht referieren.

Die Musik von HSB gibt ja schon ziemlich auf die Zwölf. Hörst du privat auch gerne andere Sachen und wenn ja, was?
Ja, sicher. Auf dem Plattenteller liegt gerade Audio88s »Halleluja«, Ho99o9s »Horrors of 1999« und Platten, die einfach immer gefallen wie Frank Carter & The Rattlesnakes »Blossom«.
Wenn ich für die Schule arbeite, dann sind es auch gerne instrumentale Hip-Hop-Platten von Clutchy Hopkins oder Atmosphärisches von Hidden Orchestra.

Christian Bass im Gespräch mit Boris Erbrecht.

Wie muss man sich denn die CD-Produktion eines HSB-Albums vorstellen? Geht ihr den klassischen Weg, also alle zusammen ins Studio, oder macht das jeder für sich, gerade so, wie es sich jeder zeitlich einrichten kann?
Ganz so romantisch ist es nicht. Die Songs werden von Maik und Alex sehr weit vorbereitet und es bleibt nur noch ein kleiner Spielraum, um sich auszutoben. Deshalb nehmen wir auch erst die Drums auf. Vielleicht fühlen sich manche Parts nach den Drumaufnahmen anders an und brauchen vielleicht noch eine abgeänderte Gitarrenidee. Da wir glücklicherweise ein wenig Zeit im Studio haben, können wir noch Änderungen vornehmen und müssen nicht den ersten Take nehmen.

Was machst du genau mit und auf deinem Platten-Label »Affront Vinyl«?
Kurz und knapp: Ich mache 7-Inch-Schallplatten von befreundeten Bands in Kleinauflagen und hoffe, diese dann auch zu verkaufen.
Aktuell gibt es drei Releases von Titi Niti mit Christof Kater von Japanische Kampfhörspiele, Negativ Null und Optimist. Zwei weitere Veröffentlichungen stehen an, sind aber noch nicht offiziell, da beide noch aufnehmen müssen. Wer sich das mal ansehen möchte kann mal unter www.affront-vinyl.com schauen.

Profi-Drummer, Lehrer und Indie-Label-Manager. Bleibt da noch Zeit für Hobbys und wenn ja, welche?
Na ja, eigentlich sind das alles schon Tätigkeiten, die mir Spaß machen und keine zusätzlichen Hobbys erfordern. Außer ein bisschen Sport zusätzlich brauche ich da nichts.

Christian Bass im Gespräch mit Boris Erbrecht.
 
Du hast ein wirklich interessantes und großes Gesamtkörperkonzept bezogen auf Goethes »Faust«. Wie bist du darauf gekommen und wer setzte das Tattoo um?
Jakub Settgast von Conspiracy Inc. aus Berlin tätowiert mir das Gesamtkunstwerk. Ich kenne ihn schon länger, weil er früher auch in Hamburg gelebt hat, genauso wie ich. Mit ihm zusammen habe ich viel Zeit verbracht und auch die Idee letztendlich entwickelt. »Faust« ist für mich einfach das Buch der Bücher, es behandelt alles, was für mich relevant ist, und das, obwohl es schon über zweihundert Jahre auf dem Buckel hat. Übrigens mag ich Faust II überhaupt nicht (lacht).

Soll dein Faust-Tattookonzept eines Tages über den ganzen Körper gehen, oder ist es ab einem bestimmten Punkt abgeschlossen?
Es wird letztendlich ein Bodysuit werden. Zwischen den von mir ausgewählten Motiven wird es auch einen optischen Zusammenhang geben. Damit bin ich dann auch irgendwann fertig. Vielleicht sehen wir uns dann ja auch wieder.

Wie bist du auf den Kupferstichstil gekommen? Gab es dazu eine bestimmte Idee oder Vorlage?
Ich habe lange überlegt, ob es eine abstrakte moderne oder klassische Darstellung werden soll. Es gab verschiedene Künstler, mit denen ich mich unterhalten habe, um unter diesen womöglich jemanden zu finden, der oder die was Neues daraus macht. Schlussendlich habe ich mich an die Originale gehalten, da diese die Ursprünglichkeit des Textes und Relevanz der Themen bereits im 17. Jahrhundert widerspiegeln.

Das linke Bein ist das Mephisto-Bein, dem Faust für Jugend und Erkenntnis seine Seele verkauft hat. Das Tattoo zeigt Mephistopheles mit Blick auf Faust. Oberhalb, auf dem Knie, setzt Mephistopheles den Vertrag auf.
 
Welche Szene deines Tattoos gefällt dir denn am besten?
Da alles noch in Arbeit ist, warte ich mal ab. Aktuell sind es die Knie. Auf dem linken Knie sieht man Mephisto, wie er den Vertrag zwischen Faust und ihm aufsetzt. Auf dem rechten Knie dann das Gegenstück: Faust wie er den Vertrag mit seinem Blut unterzeichnet. Auch gefällt mir die Idee der Aufteilung der beiden Protagonisten auf beide Beine immer noch gut. Mein rechtes Bein ist das »Faust-Bein« und das linke das »Mephisto-Bein«.

Wieso hast du gerade den Spruch mit den »Zwei Seelen« gewählt?
Der Spruch spiegelt auch ein stückweit meine eigene Persönlichkeit wider, da ich sehr viel hinterfrage. Oft trifft man Entscheidungen und weiß, dass sie eigentlich nicht gut sind, zum Beispiel bei ganz banalen Sachen wie dem Kauf von Schuhen oder Handy. Man weiß, dass es in Kinderarbeit hergestellt wird oder Menschen dafür ausgebeutet wurden. Das sind Themen, die mich beschäftigen, und ich treffe bewusst Entscheidungen gegenüber genau solchen Gütern. Es gibt aber auch einfach Situationen, wo man das Engelchen und das Teufelchen auf der Schulter sitzen hat und sich entscheiden muss, da trifft es der Spruch eben auch
ganz gut.

 
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Stand:20 November 2017 13:01:15/szene/zwei+seelen+wohnen+ach++in+meiner+brust+-+christian+bass_1611.html