Willy Iffland der Alles-Blogger

23.02.2018  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Ruben Rheinländer, Willy Iffland
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Willy Iffland der Alles-Blogger
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Der Mann hinter »Dressed Like Machines«, ist wohl das, was man einen Influencer nennt. Seit zehn Jahren ist Willy Iffland Blogger und als Gründer hauptverantwortlich für den Blog, der uns täglich mit lustig-kuriosen Internetfundstückchen versorgt. Wenn Willy seine Webseite mit einem Wort beschreiben sollte, wäre es »kunterbunt«. Dieses Attribut passt übrigens auch bestens auf den Alles-Blogger.
Blogger, das sind doch die Leute, die in erster Linie wissen, wie man ein Smartphone und eine Community bedient. Die keinen Bock auf anständige Arbeit haben und dafür auch noch allen möglichen Kram geschenkt bekommen. Dicker Lifestyle durch ein bisschen Internet also, richtig? Nicht ganz. Denn das Über-einen-Kamm-Scheren funktioniert hier nicht. Unter den erfolgreichsten Bloggern Deutschlands gibt es nämlich ein paar sehr fleißige, geschäftstüchtige Jungs und Mädels, deren Erfolgsgeschichte im Kinderzimmer begann, die ihre komplette Zeit für das Blog-Business geopfert haben, ohne dafür zunächst die große Kohle zu kriegen, und die trotz all der Einladungen und Geschenke bescheiden geblieben sind. Willy Iffland ist einer von ihnen. Der 28-Jährige ist zweifelsohne einer der Top-Blogger in Deutschland und war schon am Start, als das Thema Blog noch in den Kinderschuhen steckte und das Wort »Influencer« vor allem an eine Diagnose vom Arzt erinnerte. »Vor zehn Jahren machte ein Kollege von mir aus der Schule das so semiprofessionell, es hat kaum jemanden interessiert. Doch ich fand das super faszinierend. Er erzählte mir von dreihundert Followern und fünfzig Euro, die er jeden Monat über Google verdiente.« An einem gewöhnlichen Sonntagnachmittag begann Willy dann, seinen eigenen Blog – »Dressed Like Machines«. Gestartet als reiner Musikblog, erweiterten sich die Themengebiete rasch. 

»Ich sehe mich gar nicht als Model, eher als Allrounder. Vielleicht bin ich ein ganz süßer Boy, aber das war’s auch schon.« (lacht) Bescheiden ist er, und das gefällt den Auftraggebern, die mit Willy zusammenarbeiten wollen.

»Nur Musik war mir irgendwann zu einseitig. Dann habe ich angefangen, alle möglichen Themen abzudecken. Es wurde ein bunter Mix draus, den wir auch heute noch haben.« Willy hat mittlerweile ein Team aus mehreren Mitarbeitern, die für »DrLima« (so kürzt sich der Blogtitel ab, daher auch die Spritze im Logo) arbeiten. »Das, was keiner macht, das machen wir – ganz grob umrissen. Es ist ein Lifestyleblog mit vielen Facetten.« Dressed Like Machines speist sich oft einfach aus den Interessen der Mitwirkenden. »Wir machen viele Inhalte zu Mode und Musik, das gefällt mir selbst ja auch am besten. Oder teilen eben lustige Katzenvideos, Memes oder Sprüche. Kunterbunt, querbeet einmal durchs Netz.« Damit erklärt sich Willy auch den Erfolg des Blogs. »Die Mühe würden sich andere Blogger gar nicht machen, das alles zusammenzutragen und auf einer Seite zu posten. Klar, wir haben das Rad nicht neu erfunden, aber es geht uns ja auch einfach darum, die Leute zu unterhalten. Und das klappt.« Regeln gibt es bei DrLima kaum, aber eine klare politische Haltung – und die ist konsequent anti-rechts. 

Der Blog wächst noch immer stetig – seit damals, als Willy zur richtigen Zeit mit der richtigen Idee rausging. Es gab zwar Blogs, aber kein Instagram und keine Instagramstars etc. »Ich hatte Glück, zu einer Zeit angefangen zu haben, in der man noch gut wachsen konnte. Da war es auch noch einfach, bei Facebook eine ordentliche organische Reichweite aufzubauen.«

Die längste Zeit betrieb er seinen Blog nebenher, hatte oftmals 20-Stunden-Tage. Nach seinem Abi machte Willy erstmal eine bodenständige Ausbildung. »Ich war das Paradebeispiel des stinkfaulen Schülers, habe ein 3er-Abi. Ich wollte danach gern was studieren, was es in meiner Nähe aber nicht gab. Also machte ich eine Ausbildung zum Lebensmitteltechniker.« Statt im Medienmanagement-Studium landete Willy also in einer Fabrik. »Ich habe in der Keksbude Kekse gebacken. Schön im Schichtbetrieb. Das würde ich nie wieder machen wollen.« Durch seinen Blog kam er in Kontakt mit dem Internet-Musiksender tape.tv. und wurde zu einem Praktikum eingeladen. Willy ergriff die Chance, packte seine Koffer und ging nach Berlin.

»Ich sehe mich gar nicht als Model, eher als Allrounder. Vielleicht bin ich ein ganz süßer Boy, aber das war’s auch schon.« (lacht) Bescheiden ist er, und das gefällt den Auftraggebern, die mit Willy zusammenarbeiten wollen.

Damals lebte er von dreihundert Euro Praktikumsgehalt, das komplett für sein Zimmer draufging, zweihundert Euro monatlich machte er mit Dressed Like Machines. Doch solche Geldsorgen kennt er heute nicht mehr: Willy erscheint zum Interviewtermin, der im Studio seines Stammtätowierers Sebastian Domaschke stattfindet, in teuren Stone-Island-Klamotten. Aus den Ärmeln schauen seine stark tätowierten Arme und Hände. An den Füßen trägt er ein besonderes Paar Sneaker. Den extravaganten Fake-Fur-Mantel von Supreme schmeißt er sich über, als er für eine Kippenpause nach draußen geht. Es ist unschwer zu erkennen, der 28-Jährige hegt neben dem Bloggen zwei große Leidenschaften: Mode und Tätowierungen.

Willy, der in einer sehr überschaubaren sächsischen Kleinstadt aufgewachsen ist und jetzt in Leipzig lebt, konnte seinen Eltern bis heute noch nicht so richtig erklären, womit er eigentlich sein Geld verdient. »Ich weiß noch, vor ein paar Jahren, als so die ersten größeren Summen geflossen sind, verwalteten meine Eltern noch mein Girokonto. Da rief mich meine Mutter irgendwann an und fragte: ›Kind, verkaufst du Drogen?‹ Das war ein einprägsamer Moment.« Er lacht. Heute vertrauen die Ifflands darauf, dass ihr Sohn schon weiß, was er da tut. Er geht das Business jetzt komplett professionell an. 

Der Laptop ist Willys wichtigstes Tool. Damit arbeitet er von überall aus, auch auf Domaschkes Tattooliege.

Einen Plan B gibt es nicht und den hat Willy momentan auch nicht nötig. Neben seinem Blog macht er sich gerade als Influencer einen Namen, dem die großen Marken zu Füßen liegen. Das alles läuft über seinen Instagram-Account (@willy). Darin geht es um Mode und ab und zu nimmt er seine Follower digital mit, wenn er auf Reisen geht. »Das Profil lasse ich fernab des Blogs laufen und auch hier wachse ich stetig – aktuell 61000 Follower, organisch. Hier kommen viele Werbeanfragen und Kooperationsangebote, das ist schon sehr viel wert für mich.« Finanziell bräuchte Willy den Blog nicht mehr, könnte allein von Instagram leben, verrät er. 

Willy arbeitet häufig mit etablierten Marken zusammen, etwa mit dem Rasiererhersteller Braun, für den er seit drei Jahren Testimonial ist. Eine große AXE-Kampagne machte er im vergangenen Jahr, da klebte er deutschlandweit auf Plakatwänden. Willy erscheint in Männermagazinen wie der GQ oder der MensHealth. Als Model sieht er sich aber nicht. »Dafür fehlt mir die Statur. Ich bin vielleicht ein ganz süßer Boy, aber davon abgesehen ja doch ganz normal.« Wieder lacht er. Dass Markenhersteller aus sämtlichen Branchen heute auf Influencer zurückgreifen, um ihr Produkt zu vermarkten, hat System: »Viele Instagram-Stars oder YouTuber haben eine viel größere Fanbase, erreichen eine viel größere Masse, als es etablierte Schauspieler, Sportler oder Musiker heute tun. Da ist für die Werbung heute interessanter.« Mittlerweil wird Willy sogar von Followern erkannt und um Fotos gebeten. »Das ist im ersten Moment immer total krass, weil ich mich selbst ja nicht als so jemanden sehe. Aber das ist eben die neue Generation, für die sind wir eben die Stars. Wir sind cool, aber trotzdem nahbar und normal.« 

Sneaker und Tattoos – beides große Leidenschaften von Willy Iffland. Ohne ein perfektes Paar Turnschuhe geht er nicht aus dem Haus.

Dass Willy sich mal tätowieren lassen möchte, war ihm früh klar. Die Tattoos seines leiblichen Vaters haben ihn immer gereizt. Mit achtzehn war es dann so weit und er stieg direkt rasant ein. Willy kann so nun auf eine sehr beachtliche Sammlung blicken, an der viele große Namen der deutschen Szene beteiligt waren. »Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass die Tattoos damals nicht mit dem Wunsch zusammenhingen, cool sein zu wollen und rauszustechen. Es konnte nicht schnell genug gehen, viel nachgedacht habe ich nicht. Ich wusste nur, ich möchte so viele Tattoos wie möglich.«

In seinen jungen Jahren hat Willy vieles ausprobiert. Erst durch den Blog merkte er aber, was wirklich zu ihm passt. »Ich wollte ein Image um mich herum aufbauen und Tattoos gehörten einfach dazu.« In den vergangenen fünf Jahren ist Willy in seiner Selbstfindungsphase angekommen. »Ich habe meinen Style gefunden und auch den Tätowierer, der zu mir passt.« Und das ist Sebastian Domaschke. Er hat Willy bereits ein Frontpiece gestochen, der Rücken ist bald fertig. 

Von einem Jungen, der oft gehänselt wurde und immer anders sein wollte, wurde Willy zu einem reifen, vielbeschäftigten Influencer, der einen Zeitgeist verkörpert und damit großen Erfolg hat.


Fünf Dinge, ohne die Willy Iffland nicht das Haus verlässt:

- Sein Smartphone

- Ein gutes paar Turnschuhe

- Seine Kette, ein Glücksbringer

- Den Laptop, weil er fast immer arbeitet

- Eine Packung Kaugummis

Sneaker und Tattoos – beides große Leidenschaften von Willy Iffland. Ohne ein perfektes Paar Turnschuhe geht er nicht aus dem Haus.


Mehr zu Willy Iffland:

Willy Iffland
postfach@drlima.net
www.drlima.net
Facebook: DressedLikeMachines
Instagram: @willy

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