Wieso du auf ein Tattoo warten musst

30.10.2017  |  Text: Dirk-Boris  |   Bilder: Archiv TM
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Wieso du auf ein Tattoo warten musst
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Warten gehört für die allermeisten nicht zu den Lieblingsbeschäftigungen. Beim Wunsch nach einem neuen Tattoo führt aber meist kein Weg dran vorbei. Wieso es teils zu langen Wartezeiten kommt und wie man auch ohne (allzu lange) Wartezeiten zu einem Tattoo kommen kann, erfahrt ihr hier.

Viele Wege zum Tattootermin

Tattoostudios haben unterschiedliche Arten, ihre Termine zu vergeben; bei manchen ist die Terminvereinbarung online möglich, andere bestehen auf einem persönlichen Vorgespräch im Studio. Nicht selten ist auch erst mal ein Termin für das Vorgespräch nötig. In anderen Fällen wiederum vergibt der Shop Guy die Termine, und einige Studios haben Terminvergabe-Tage, also Tage, an denen lediglich Termine für die nächsten Monate vereinbart werden; auch hier wird in der Regel verlangt, dass der Kunde persönlich zur Terminvereinbarung anwesend ist. 
Informiert euch über die Homepages oder Social-Media-Seiten, wie das in eurem ausgewählten Studio gehandhabt wird. Wenn der Tätowierer oder das Studio über die Praxis der Terminvergabe nichts veröffentlicht hat, einfach mal telefonisch oder via E-Mail nachfragen.

»Bitte warten Sie …«

Früher lief das so: Wenn ein Schiff im Hafen eingelaufen war und die Matrosen auf Landgang waren oder die Arbeiter an den Docks Zahltag hatten, bildeten sich lange Warteschlangen vorm Tattoostudio. Die Seeleute und Arbeiter wollten ihr Tattoo jetzt, sofort, und den Tätowierern war dran gelegen, diese Nachfrage so schnell wie möglich zu befriedigen, solange die potentiellen Kunden ihre Heuer oder ihren Wochenlohn noch nicht in den Hafenkneipen und Hurenhäusern verprasst hatten. Gearbeitet wurde bis spät in die Nacht, denn wenn der Ansturm vorbei war, war im Tattoostudio für die nächsten Tage wieder Flaute.

Reinkommen und drankommen gibt es heute nur noch beim 10-Euro-Friseur, beim Tätowierer muss man in den allermeisten Fällen auf einen Termin warten – bei manchen länger, bei anderen kürzer. 
Nun gilt gemeinhin als Faustregel, je länger man warten muss, umso besser ist der Tätowierer. Das stimmt aber nur bedingt und trifft genauso zu oder auch nicht zu wie die Behauptung, gute Tattoos seien grundsätzlich teurer als schlechte. Fakt ist jedoch: Die Qualität eines Tätowierers erkennt man ganz einfach an der Qualität seiner Tattoos, nicht am Preis oder an der Wartezeit. 

Es ist natürlich naheliegend, dass ein sehr guter Tätowierer, der zudem für seine Qualität bekannt ist, sehr viele Anfragen erhält und demzufolge auch eine lange Warteliste hat. Bei den »Stars« der Szene ist ein Vorlauf von bis zu einem Jahr oder sogar darüber hinaus keine Seltenheit. Oft gilt hier die Wartezeit regelrecht als Prädikat; je länger, desto Fame, und viele Kunden sind froh und dankbar, wenn es ihnen gelingt, überhaupt mal einen Termin bei einem der Stars zu ergattern, völlig egal, wann das sein wird. 

Klar, manche Tattookünstler haben einen so ausgeprägt individuellen Stil, eine so unverkennbare eigene Handschrift, dass es für den Fan tatsächlich keine Alternative zu genau diesem Artist gibt. Und oft genug geht es für die Kunden ja auch um den Namen – man will nicht nur irgendein Porträt- oder Grafik-Tattoo, sondern einen »echten« Andy Engel oder Randy Engelhard oder auch einen authentischen Chaim Machlev auf der Haut haben. Da hilft dann nix – da ist dann eben Warten angesagt. 

Wenn man jedoch nicht auf einen ganz bestimmten Künstler festgelegt ist, kann man in vielen Fällen Studios finden, die in vergleichbarem Stil arbeiten und auch in der Qualität den großen Namen kaum noch in etwas nachstehen, aber aufgrund geringerer Bekanntheit Termine schon deutlich kurzfristiger anbieten können. Das erfordert zwar etwas Rechercheaufwand, kann sich aber auch finanziell lohnen, da weniger bekannte Künstler oft auch zu einem günstigeren Kurs arbeiten als solche, die aufgrund höherer Medienpräsenz auch höhere Stundensätze veranschlagen können.

Kürzere Wartezeiten und niedrigere Preise müssen also kein Hinweis auf schlechtere Qualität sein. Gerade in Ballungsgebieten mit einer sehr hohen Dichte an Tattooshops sorgt einfach auch der Markt dafür, dass auch Studios mit sehr hoher Qualität oft in überschaubaren Zeiträumen Termine anbieten können und sich auch bei der Preisgestaltung dem regionalen Preisgefüge anpassen müssen – zum Vorteil des Kunden.

Und grundsätzlich ist eine Wartezeit ja auch nichts Schlechtes. Tattoos und Spontanentscheidungen sind nur in den seltensten Fällen eine gute Kombi. Natürlich freut sich kein Tätowierer über abgesagte Termine, aber wenn man innerhalb der Wartefrist zum Schluss kommt, dass das geplante Tattoo doch nicht das richtige für einen ist oder einem noch die ein oder andere Veränderung zum geplanten Motiv einfällt, dann ist die Zeit ja auch sinnvoll genutzt. Die Motivation, dass man ein Tattoo unbedingt bis zu einem Termin X haben muss, ist ohnehin der falsche Ansatz. Ein Tattoo hat man für den Rest des Lebens, und ob das vor oder erst nach dem nächsten Sommerurlaub fertig wird, sollte da bei der Planung keine Rolle spielen. Und um noch einen ziemlich abgegriffenen, aber dennoch wahren Spruch anzubringen: Vorfreude ist halt immer noch die schönste Freude. Auch heute noch ist ein Tattoo ein kleines Ritual, etwas Nicht-alltägliches und Besonderes, das eben auch dadurch zu etwas Außergewöhnlichem wird, dass man es nicht jetzt und sofort bekommen kann. Die Vorfreude auf das, was man sich da gönnt, kann und sollte man dann auch ruhig entsprechend zelebrieren und genießen. 

Shortcut:
Ohne (all zu lange) Wartezeit zum Tattoo

Gut, du hast bis hier hin gelesen, willst aber trotzdem deine Tätowierung von einem Spitzenkünstler und das Vorfreude-Zelebriereren geht dir am Arsch vorbei, weil du nicht einsiehst, was daran toll sein soll, monatelang auf dein Tattoo zu warten? Gut, dann speziell für dich ein paar Tipps, wie du auch bei angesagten Tätowierern noch vor Eintritt ins Rentenalter zu einem neuen Hautbild kommst. 

Terminausfälle
Bei kurzfristigen Terminabsagen durch Kunden geben viele Tätowierer über Social Media wie Facebook bekannt, wann sie außer der Reihe jemanden reinschieben können. Wenn du zeitlich flexibel bist und dein Motivwunsch innerhalb des frei gewordenen Zeitfensters umsetzbar ist, kannst du unter Umständen schon morgen dran kommen. 

Walk-in-Tage 
Viele Studios haben inzwischen Tage, an denen – wie in der guten alten Zeit – kleine bis mittelgroße Tattoos ohne Termin gestochen werden. Je nach Kundenandrang musst du natürlich auch da unter Umständen warten, aber kannst dein Tattoo immerhin noch am selben Tag bekommen.

Wanna-dos
Tätowierer zeichnen immer häufiger Motivvorlagen, die sie gerne tätowieren würden. Entscheidest du dich für solch ein Wanna-do, hast du gute Chancen, dass du in der Warteschlange einige Plätze aufrücken kannst. 

Conventions 
Wenn du kein Problem damit hast, dich auf einer Tattooconvention vor Publikum stechen zu lassen, kommst du hier unter Umständen schneller an einen Termin als im Studio. Manche Tätowierer vergeben tatsächlich erst auf den Conventions Termine, bei anderen solltest du schon rechtzeitig im Voraus einen Termin vereinbaren. Manche Tätowierer stechen auf Tattooshows gern große, prestigeträchtige Tätowierungen, mit denen sie gute Chancen auf einen Preis bei den Contests haben. Wer sich dazu bereit erklärt, kann ebenfalls relativ rasch zu seiner neuen Tätowierung kommen, sollte sich aber über den enormen Stress einer Drei-Tages-Tattoosession im Klaren sein.

 
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