Ratgeber Tattoonachsorge: Frischhaltefolie, Suprasorb 
oder Dry Loc Pads?

27.10.2017  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Diverse Tätowierer/TattooMed/Magic Moon
Ratgeber Tattoonachsorge: Frischhaltefolie, Suprasorb 
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Wer sich heute tätowieren lässt, geht nicht mehr einfach mit einem wundsekret- und tintesiffendem Tattoo unter dem fusselnden Wollpulli nach Hause – und das ist auch gut so. Doch was ist ratsam, wenn es um den Einsatz von Folie geht und was hat es mit der neuartigen Superklebefolie auf sich?
Vorbei die Zeit, in der Bettdecken nach der ersten Nacht am frischen Tattoo klebten und du dich fragen musstest, ob du gleich nicht nur Todesschmerzen erleiden, sondern dir auch deinen Dreimaster wieder vom Schienbein ziehen wirst. Wer ein frisches Tattoo gestochen kriegt, bekommt obendrauf in fast allen Fällen eine Schutzfolie über das neue Bildchen. Jahrelang diente hier vorrangig Frischhaltefolie. Ja, ganz genau die, die man auch im Supermarkt bekommt und in der Mutti sonntags die Reste vom Schweinsbraten einpackt. Dem gegenüber stehen mittlerweile noch weitere Methoden, die sich eignen, das Tattoo in den ersten 24 Stunden – oder teilweise sogar länger – zu schützen. Wir erklären euch die drei gängigsten Methoden.

Suprasorb


Die gute alte Frischhaltefolie


Wer viele Tattoos unterschiedlicher Tätowierer trägt, kennt diese Form des Tattooschutzes vermutlich: die gute alte Frischhaltefolie. Wenn der Tätowierer fertig ist mit seiner Arbeit, macht er das Tattoo erstmal mit speziellem Reinigungsspray und Zewa sauber. Ja, das brennt meistens so schön. Dann lässt er es idealerweise etwas »ausbluten«, bis der erste Schmodder ausgetreten ist. So nennen wir das alle gerne, was beim frischen Tattoo heraussuppt: nämlich Blut, Wundflüssigkeit und Farb­reste. Dann wird das Tattoo mit Folie umwickelt und mit hautfreundlichem Klebeband oder herkömmlichem Kreppband festgeklebt und die Ränder verschlossen. Bei Tattoos an Armen und Beinen ist das besonders easy, bei anderen Flächen wird eben etwas gebastelt. Die Frischhaltefolie sollte dann eigentlich höchstens drei bis vier Stunden draufbleiben, manche Tätowierer raten dazu, es sogar die erste Nacht draufzulassen. Ratsamer ist aber, die Folie zu Hause erstmal zu entfernen und das Tattoo behutsam mit lauwarmem Wasser und mit einer pH-hautneutralen Seife abzuspülen.

Frischehaltefolie

Danach sollte es mit einem Zewa oder fusselfreiem Tuch trockengetupft und gegebenenfalls jetzt schon mit einer Wund- und Heilsalbe versorgt werden. Danach wird empfohlen nochmal neue Frischhaltefolie aufzubringen und zu befestigen. Am Morgen kommt die Folie ab, das Tattoo wird wie am Tag zuvor gewaschen und dann sollte viel frische Luft dran kommen. Gecremt wird alle paar Stunden, etwa wenn das Tattoo anfängt zu spannen. Bloß nicht überfetten! Den Vorgang mit der Folie könnte man noch für die ersten zwei bis drei Nächte wiederholen, in der Regel ist das aber nicht nötig. Die Folie sorgt dafür, dass euer Tattoo geschützt ist und vor allem über Nacht nicht zu sehr austrocknet.

Frischehaltefolie war über viele Jahre das Mittel der Wahl, um frisch gestochene Tätowierungen zu versorgen. Blut, Wundflüssigkeit und Farbreste blieben unter der Folie und nicht auf der Kleidung, und die Hautstelle war fürs Erste vor Schmutz geschützt und trocknete bzw. krustete nich


Selbstklebende Spezialfolie


Seit geraumer Zeit kursiert ein Name in der Tattoowelt, der immer wieder für Gesprächsstoff sorgt: Suprasorb. Für viele scheint sich hinter diesem Wort der heilige Gral der Tattoonachsorge zu verstecken, Kunden fragen immer häufiger explizit danach und viele Tätowierer sind genervt. Doch was verbirgt sich dahinter? Suprasorb F von der Firma Lohmann und Rauscher ist eine selbstklebende Spezialfolie, die in der Medizin bei der Nachsorge von Hautverletzungen bereits ein alter Hut ist. Der transparente Wundverband passt sich den Körperkonturen auch an Stellen wie den Gelenken oder Knöcheln super an und hat einen hohen Tragekomfort. Die transparente Folie ermöglicht eine einfache Wundkontrolle und schützt die Wunde – denn ja, ein frisches Tattoo ist nichts anderes als eine Verletzung der Haut – vor äußeren Einflüssen wie Keimen und Flüssigkeit.

Die Suprasorb-Folie hält ein feuchtes Wundmilieu aufrecht und unterstützt somit die Wundheilung. Es gibt Hersteller, wie zum Beispiel TattooMed, die ein vergleichbares Produkt nun extra für die Verwendung im Tattoobereich auf den Markt gebracht haben. Die Anwendungshinweise sind sehr nutzerfreundlich, die Vorteile gleichen denen der Suprasorb-F- Folie: »Bevor du den ›TattooMed Protection Film‹ aufbringst, sollte die frisch tätowierte Hautstelle gründlich gereinigt, trocken und keimfrei sein. Schneide dir vorher die Größe des ›TattooMed Protection Film‹ zurecht oder benutze wenn nötig mehrere Streifen – leicht überlappend – für größere Tattoos.«
 Der selbstklebende, transparente Wundverband Suprasorb F ist wasserdicht und schützt die Wunde vor Bakterien. Das Wundmilieu bleibt feucht, überschüssige  Feuchtigkeit kann laut Herstellerangabe verdunsten. Tattoo in progress von Ma Reeni (Pechschwarz Tattoo, Berlin).

Das Tolle an den Spezialfolien: Sie können bis zu fünf Tagen auf dem Tattoo draufbleiben. Bis dahin ist der erste »Ärger« vorüber und das Tattoo konnte in freundlichem Milieu heilen, so heißt es. Idealerweise bringt diese Folie entweder der Tätowierer auf, nachdem er das Tattoo erstmal »suppen« lässt und es gereinigt hat, oder man bringt die Spezialfolie selbst an, nachdem man das Tattoo zu Hause wie eben beschrieben nochmal gereinigt hat.

Aber Achtung: Vorsicht ist geboten, wenn die Folie abgezogen wird. Das sollte unter der Dusche geschehen und am besten gegen Ende des Duschvorgangs – dann ziept es nicht so. Und nicht erschrecken: Die Folie trägt dann meist ein recht deutliches Abziehbild des Tattoos, was aber nicht heißt, dass euer Tattoo nun irgendwie beschädigt ist. Danach sollte das Tattoo noch einige Zeit mit Salbe gepflegt werden.

Hier schön zu sehen: Wenn die Spezialfolie feinsäuberlich und vorsichtig aufgetragen wird, ist diese kaum zu erkennen. Am Tattoo hingegen kann man sich bereits erfreuen und auch die Wunde gut kontrollieren. Tattoo von Finn Laudwein (Der Grimm, Berlin)

Manch einer kritisiert, dass sich unter der Folie eben das Wundsekret sammelt und es zu einem echten Bakterienherd kommen könnte. Doch was sagt der Hautarzt dazu? Wir haben bei dem Dermatologen Dr. Walter Trettel nachgefragt: »Ich kenne die Suprasorb-Folie seit Längerem in der Versorgung von Wunden. Sie schafft ein feuchtes Milieu, das gut für die Wundheilung ist. Das verhindert eine Bakterienbesiedlung, da die Wunde vor äußeren Einflüssen geschützt ist und erlaubt aufgrund der Transparenz eine Kontrolle der Wunde. Ich kann mir den Vorteil beim Abdecken von frischen Tätowierungen daher durchaus gut vorstellen.«


Suprasorb

… und dann ist da noch die Sache mit den Dry Loc Pads


Da aller guten Dinge drei sind, gibt es noch eine weitere Form der unmittelbaren Tattoonachsorge: Dry Loc Pads. Jörn Elsenbruch, Gründer und Geschäftsführer von Magic Moon Tattoo Supply und selbst Tätowierer hat vor vielen Jahren spezielle Pads entwickelt, die einen echten Gegenentwurf zu den eben vorgestellten Folien bilden. Statt Schmodder unter einer Folie zu sammeln, nehmen die Pads diese Flüssigkeiten auf und sollen somit viel besser für die Erstversorgung des Tattoos geeignet sein. Laut Hersteller ist es keine gute Idee, Blut, Farbe und Wundflüssigkeit unter Folie zu sammeln und mit den Dry Loc Pads bietet er hierfür eine echte Alternative.

Die dritte Variante: Nach dem Reinigen des frischen Tattoos wird es mit den Dry Loc Pads von Magic Moon abgedeckt. Wundflüssigkeit, Blut und überschüssige Farbe werden von den Pads absorbiert, die für circa vierundzwanzig Stunden auf der Wunde verbleiben.

Was ist das Besondere an den Pads? »Die Pads können direkt nach dem Fertigstellen des Tattoos aufgelegt werden und mehrere Stunden auf der Haut bleiben, bis die gesamte Wundflüssigkeit aufgenommen wurde. Die innere Schicht der Pads ist perforiert, die Wundflüssigkeit wird direkt von der reinen Zellstoffschicht in der Mitte des Pads absorbiert und daraufhin verschließen sich die Löcher. Das Tattoo kann somit atmen, ohne auszutrocknen. Das Pad haftet oder klebt nicht auf der Haut.« 

Die Dry Loc Pads sind für die ersten vierundzwanzig Stunden nach dem Tätowieren gedacht, danach wird die Reinigung mit lauwarmem Wasser und ph-hautneutraler Seife und das Auftragen von Wund- und Heilsalbe empfohlen. Frische Luft sollte zudem reichlich ans Tattoo.

Die dritte Variante: Nach dem Reinigen des frischen Tattoos wird es mit den Dry Loc Pads von Magic Moon abgedeckt. Wundflüssigkeit, Blut und überschüssige Farbe werden von den Pads absorbiert, die für circa vierundzwanzig Stunden auf der Wunde verbleiben.

Und das sagt die Facebook-Community …


Es scheint so, als gäbe es für die optimale Pflege eures frischen Tattoos mehr als eine Variante, die ihre Daseinsberechtigung hat. Klar ist, dass auch jeder Mensch ganz unterschiedlich auf diese und jene Methode reagiert. Manch einer verträgt den Kleber der Superklebefolie nicht, beim einen suppt das Tattoo mehr, beim anderen weniger. Uns hat interessiert, wie ihr es da draußen mit der Tattoonachsorge haltet. Das sagt die Facebook-Community:

»Die gute alte Frischhaltefolie und Panthenol. Immer noch des Beschde was gibt!« (Jaqueline K.)

»Suprasorb natürlich und die Ränder klebe ich mit Kinesio-Tapes fest ... Und nach ein paar Tagen ab und alles schön verheilt!« (Andreas V.)

»Den ersten Tag Frischhaltefolie, dann Frischluft und ein wenig Wund- u. Heilsalbe.« (Anne S.)

»Frische Luft! Folie nervt mich und Suprasorp ist für mich Mist. Jeder so wie es für ihn und sein Tattoo am besten ist! Nach über zwanzig Jahren hab ich für mich schon alles ausprobiert und lass mir auch von niemand was sagen. « (Jürgen K.)

»Für längere Nachhausewege gibt es intergalaktische Suprasorb, damit das Wundwasser nicht zu sehr raussifft. So schnell es geht warmes Wasser zum Abwaschen, ganz dünn Panthenol und frische Luft.« (Andreas T.)

»Bei mir sind es Dry Loc Pads. Lass ich dann über Nacht drauf – schön gepolstert = guter Schlaf. Am nächsten Tag entfernen, warm abduschen bis der Siff weg ist. Vorsichtig trocknen. Anschließend Surprasorb o. Pflege.« (Felix R.)

 
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Stand:22 November 2017 08:27:21/szene/tattoonachsorge+oldschool+frischhaltefolie+intergalaktische+suprasorb+%3F%3Foder+dry+loc+pads+_171024.html