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29.09.2017  |  Text: Felix Rauh  |   Bilder: Felix Rauh - Ottergraphy
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Tattoo-Party am Millerntor


Die Hamburger Ink & Ride ist eine Veranstaltung, die den Rahmen normaler Tattooconventions sprengt – das kommt besonders beim jungen Publikum gut an! Wir waren auch in diesem Jahr vor Ort und haben uns auf dem besonderen Event für Tattoo-Enthusiasten für euch umgesehen.


Der Dauerregen gibt der Ink & Ride, die am zweiten Septemberwochenende in Hamburg über die Bühne geht, die typisch hanseatische Note. Aber der Hamburger kennt ja kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung. Unter diesen Vorzeichen findet am Millerntor-Stadion, im Herzen von St. Pauli, unter der Leitung von Bernd Muss wieder die Messe der besonderen Art statt, eine Mischung aus Alternativprogramm, Inspiration und Fantasie – eine Institution in Hamburg! 

Ein Treffen mit Freunden meets Kunstausstellung meets BMX- und Skate-Event meets Millerntor. Diese Mischung macht eine wunderbare Tattooconvention, die sich von den anderen abhebt und gerade deshalb so beliebt ist.

Als Erstes fällt einem auf, dass diese Messe einen ganz anderen Charme versprüht als andere bekannten Großveranstaltungen. Keine Menschenmassen, die einen durch die Gänge schieben, und auch keine dicht an dicht gedrängten Tische von Tätowierern. Man hat eher das Gefühl gemütlich durch eine Vernissage zu schlendern. Alles wirkt entschleunigt und die großzügigen Stände und Bildaustellungen laden zum Verweilen ein.



Tattoos aus der Blindbox sorgen für Nervenkitzel

Große Aufmerksamkeit erregt die sogenannte Blinde-Box, eine Art Tattoo-Überraschungsei. Durch Erwerb eines Whiskey-Drinks an der Bar erhält man ein Los, das einem die Teilnahme an diesem Projekt ermöglicht. Es erinnert ein wenig an eine Tattoovariante von Russisch Roulette: Bei Ziehung des Loses weiß der Betroffene nur, welcher Künstler in der Box sein wird und dass er ein Motiv aus einer Vorauswahl an kleinen Wanna-dos gestochen bekommt, aber nicht welches davon. Also Körperteil rein halten und los geht’s. Das Konzept kommt an. Nach etwa 30 Minuten – und manch kleinem Stoßgebet durch den Vorhang, nicht dieses oder jenes Motiv zu bekommen – kann man dann seine neueste Errungenschaft begutachten. 

Bei der Blinde-Date-Tattooaktion ist zunächst nur bekannt, wer tätowiert und wie die Wanna-dos aussehen, nicht, welches es wird.

Ähnlich hält es ein Stand schräg gegenüber: Kodiak Tattoo aus Hamburg hat einen Kaugummiautomaten statt mit Süßigkeiten mit Wanna-dos gefüllt. Welche Motive noch im Rennen sind, können Tattoointeressierte vor dem Automaten ersehen. Für fünfzig Euro einmal drehen, Kugel rausnehmen und hoffen, dass das Motiv auch zusagt, das man dann gestochen bekommt.

Was macht ein Silikonkissen an einem Tattoopflege-Stand? In erster Linie Aufmerksamkeit erregen. Hat geklappt.

Von Brustimplantaten und Tattoocremes

Und was haben Brustimplantate auf einer Tattoomesse verloren? Eigentlich nichts, aber der Schönheitschirurg Dr. med. Timo Spanholtz aus Köln hat viel tätowierte Kundschaft, die sich zwar ausgiebig mit den Motiven, aber wenig mit der Nachsorge beschäftigt. Um dem entgegenzuwirken, entwickelte er kurzerhand eine eigene Tattoocreme zur Pflege und Nachsorge. Heraus kam »Pro Tac«, ein auf der Spirulina-Alge basierendes Produkt mit integriertem UV-Schutz. Und das ausliegende Silikonkissen? Dient eher als Aufhänger und Einstieg ins Gespräch – und funktioniert! 
Die Ink & Ride hält genau, was sie verspricht. Im Innenbereich auf zwei Ebenen verteilt bringen Artists Farbe auf die Haut sowie eine Vielzahl an Ausstellern ihre Produkte an den Mann. Dabei gibt es nicht nur den obligatorischen T-Shirt-Stand, sondern auch vielerlei Kleinkunst, angefangen von bemalten Tellern, Treibholz, Prints, Skateboards und einem Herrenbarbier bis hin zu individuell gefertigten Plugs, deren Designs von bekannten Tätowieren stammen. 

Skateboarder sorgen für das »ride« in Ink & Ride

Im Außenbereich kann man die Skateboardfahrer beim Skate-contest auf der Halfpipe bewundern sowie die große Anzahl an Custombikes begutachten, während man stilecht sein Astra in der Strandliege genießt. Kulinarisch wird mit ein paar Foodtrucks für Vielfalt gesorgt. Auch ein paar Graffitikünstler stellten hier ihr Können unter Beweis. 

Am Abend gesellen sich viele Tätowierer und Aussteller nach getaner Arbeit zu den Gästen mit einem Bierchen auf die Tribüne. Auch hier hat man eher das Gefühl bei einer Feier unter Freunden, als auf einer Messe zu sein. Auf der anschließenden Aftershowparty im nahegelegenen Grünen Jäger wird bis in die Morgenstunden getanzt, gelacht und gefeiert. 

Skate or die.

Die Ink & Ride ist vieles, aber nicht gewöhnlich. Angefangen bei der außerordentlichen Location bis hin zu den qualitativ sehr guten Artists haben es Bernd Muss und sein Team geschafft, eine Veranstaltung zu etablieren, die jedes Jahr aufs Neue facettenreich und abwechslungsreich zu begeistern vermag. 

Mehr unter www.ink-ride.com

Text: Felix Rauh
Bilder: Felix Rauh - Ottergraphy

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Stand:23 October 2017 02:43:00/szene/tattoo-party+am+millerntor_17925.html