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21.07.2017  |  Text: Dirk-Boris, Heide Heim, Jula Reichard  |   Bilder: Björn Lexius, Nicole Baier
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Sommer, Sonne und Tattoos


Je weniger Klamotten es braucht, umso besser kann man seine Tattoos herzeigen – ein paar Dinge sollten dabei aber beachtet werden, denn Tattoos sind zwar langlebig, aber nicht unzerstörbar. In einem großen »Sommer, Sonne und Tattoo«-Beitrag widmeten wir uns den wichtigsten Facts…


Tattoos raus, es ist Sommer! Monatelang war die Hautkunst unter Wollpullovern und Daunenjacken begraben, jetzt ist endlich die Zeit gekommen, in der man stolz herzeigen kann, was man auf der Haut trägt. Das macht ja auch Sinn, denn Tätowierungen haben auch einen kommunikativen Aspekt: Man zeigt seiner Umwelt, was einem gefällt, was einem wichtig ist, wofür man steht. Und das geht natürlich nur, wenn die anderen die Tattoos auch sehen … So weit, so logisch. Damit man das aber auch noch in zwanzig Jahren machen kann, ohne dass die Umwelt denkt, man wolle per Tattoo mitteilen, dass man auf grau-grünen Farbmatsch steht, sollten gerade im Sommer einige Punkte beachtet werden.

Foto: Björn Lexius  |  Model: Kim Alena

Tattoos bestehen aus Farbe – und Farbe verblasst nun mal unter der Einwirkung von UV-Licht. Dem kann man entgegenwirken, indem man a) sich entweder möglichst wenig dem UV-Licht aussetzt (also im Schatten bleibt) oder b) die Tattoos mit Sonnencreme und Sunblocker schützt oder c) am besten beides zusammen macht. Denn das Sonnenlicht wirkt der Tattoopracht gleich auf zwei Arten entgegen: Zum einen lässt es die Tätowierfarbe ausbleichen, zum anderen wird die Haut durch Sonnenbaden dunkler, wodurch die Kontraste zwischen Haut und Tattoo zusätzlich schwinden.

Aber auch abgesehen vom eigentlich selbstverständlichen UV-Schutz sollte beim Thema Sommer, Sonne und Tattoos einiges berücksichtigt werden: so eignet sich die heiße Jahreszeit nur bedingt, um die Kunstsammlung auf der Haut zu erweitern. Starkes Schwitzen bei hohen Temperaturen ist dem Abheilungsprozess von brandneuen Tattoos eher hinderlich, und auch wer gern regelmäßig ins Freibad geht, sollte bedenken, dass Schwimmen mit einem frischen Tattoo für eine ganze Weile tabu ist.

Foto: Björn Lexius  |  Model: Kim Alena

Und schließlich ist da noch die Sache mit dem Urlaubstattoo. Tätowierungen haben schon seit der Zeit, als sie bei Seeleuten beliebt waren, die schöne Funktion, von Reisen in ferne Länder zu berichten. Und ein Tattoo aus einem tollen Urlaub kann auch nach Jahren noch schöne Erinnerungen wecken. Allerdings sollte man dabei nicht vergessen, dass in manchen Ländern andere Vorstellungen von Hygiene gelten als bei uns. Wer aus dem Urlaub nur ein neues Tattoo und nicht zusätzlich noch eine Hepatitis-Infektion mitbringen möchte, ist gut beraten, bei der Wahl des Studios keine Kompromisse bei der Sauberkeit und Professionalität einzugehen. Auch der Zeitpunkt für ein tätowiertes Urlaubssouvenir sollte gut überlegt sein. Egal ob Bade-, Aktiv- oder Kultururlaub – niemand hat Lust darauf, im Urlaub die ganze Zeit auf ein frisches Tattoo aufzupassen. Daher macht es Sinn, einen Tattootermin eher auf das Urlaubsende zu legen, so dass man die frische Tätowierung dann bis zum Ende der Abheilphase zuhause ordentlich pflegen kann.

Foto: Björn Lexius  |  Model: Kim Alena


Sonnenschutz für Tattoos


Tatsächlich ist es mit dem richtigen Sonnenschutz so in etwa wie mit den lästigen Diäten: Es reicht nicht zu wissen, dass Schokolade dick macht, man sollte schon auch aufhören, jeden Abend eine Tafel davon zu essen. Ebenso ist es für neunzig Prozent der Tattooträger wohl längst kein Geheimnis mehr, dass häufige Sonneneinstrahlung die Leuchtkraft und Langlebigkeit der Tätowierung stark beeinträchtigt. Doch wird unter den Tätowierten wirklich so verantwortungsvoll eingecremt und geschützt? Die Krux ist – und das kennen sicher viele aus eigener Erfahrung – mit der Zeit und auch mit steigender Anzahl der Tätowierungen wird man gerne mal nachlässiger. Und aus leidenschaftlichen Sonnenanbetern werden vermutlich auch mit Tattoos langfristig keine verhüllten Im-Schatten-Bleiber. Ebenso heimtückisch ist, dass man das Verblassen der Tattoos nicht gleich feststellen kann und somit auch nicht direkt zum verantwortungsbewussten Tattooschutz ermahnt wird.

Wer aber mal die Augen aufhält, der kann unterm bunten Volk bei abgeheilten und älteren Tattoos erhebliche Unterschiede erkennen. Längst nicht immer ist die Farbqualität und Technik des Tätowierers dafür alleine verantwortlich. Es kommt auf den Umgang des Kunden im Nachgang an. Werden die tätowierten Stellen mit hohem Lichtschutzfaktor (idealerweise LSF 50) eingecremt oder bleibt der Träger auch mal im Schatten oder lässt gar ein Shirt an? Sicherlich könnte aber schon die Aufklärung durch den Tätowierer hinsichtlich des Sonnenschutzes besser sein. Wird ein Tattoo im Winter gestochen, ist die Pflegeanweisung für den Hochsommer sicher nicht Thema Nummer 1.

Fragt man Personen, mit krass-leuchtenden Tattoos, wie neulich den WFF-Festivalbesucher Sven, dessen Julian-Siebert-Tattoos (Corpsepainter) uns schier umgehauen haben, weshalb die Farbe hier noch so knallt, heißt es nicht selten, und so auch in Svens Fall: »Direkte Sonneneinstrahlung meide ich eigentlich so gut es geht. Ich gehe mit den Tattoos nicht Sonnenbaden.« 

Erhebliche Veränderung beim Aussehen des Tattoos riskiert obendrein jeder, der mit frischen Tattoos baden oder zu lange ungeschützt in die Sonne geht: Die Haut ist bei einem frischen Tattoo besonders empfindlich. Sie kann durch die Sonne schneller verbrennen und sich durch Schweiß, Sand und zu langes Baden entzünden – ein Alptraum für das neue Kunstwerk. Es ist ratsam, mindestens drei, eher sogar vier Wochen zu warten, bis man mit einem frischen Tattoo wieder ausgiebig baden geht. Schnell mal eben abkühlen ist hierbei natürlich weniger das Problem, als stundenlanges Plantschen. Wenn’s dann aus dem Wasser rausgeht, ist es empfehlenswert, das Tattoo sauber abzuspülen, zu trocknen und wieder mit Sonnenschutzcreme zu versorgen.

Foto: Björn Lexius  |  Model: Kim Alena

Produktübesicht: Für schöne Tattoos und eine noble Sommerblässe – Sonnencreme ist unerlässlich!


Um die Haut und die Tattoos vor schädlichen UVA- und UVB-Strahlen zu schützen, sollten Sonnenschutzprodukte benutzt werden. Gerade sehr fein ausgeführte und farbige Tattoos leiden unter starker Sonnenbestrahlung. Fotorealistic-Tätowierer wie Randy Engelhard legen ihren Kunden sogar die Verwendung von Sunblockern nahe, wenn die Tätowierung über die Jahre noch in all ihrer Schönheit erhalten bleiben soll.

Die Wirkungsweise der Produkte beruht entweder auf organisch-chemischen Lichtschutzstoffen, die in die Haut einziehen und UV-Strahlung in Wärme umwandeln, oder auf mineralisch-anorganischem Lichtschutz. Dieser verbleibt auf der Hautoberfläche und reflektiert und streut die Strahlung. Besonders für empfindliche Haut, wie die von Kindern und sehr hellhäutigen Menschen, werden im Allgemeinen mineralische Filter empfohlen, da sie meist ein breites Wirkspektrum im UVA- und UVB-Bereich aufweisen.

Viele Produkte beinhalten entzündungshemmende Inhaltsstoffe wie Calendula oder Aloe Vera, die der Haut zwar nicht schaden, jedoch laut Öko-Test die Hautrötung bei einen Sonnenbrand nur verzögern können, den Sonnenbrand selbst aber nicht verhindern können. Hier ist also erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Menschen mit dem Hang zur sogenannten Mallorca-Akne sollten Produkte mit PEG-Verbindungen meiden (in der Inhalts-

liste zu erkennen an der Abkürzung »PEG« oder »PPG«). Die juckenden Pustelchen entstehen als Reaktion von UV-Strahlen mit fetthaltigem Sonnenschutzmittel bzw. körpereigenem Talg, die eine Entzündungsreaktion der Haarfollikel auslöst. Duft- und Parfümstoffe können ebenfalls phototoxische Reaktionen in der Haut bewirken, aber auf diese Inhaltsstoffe kann man ja auch gut verzichten.

Bei der Auswahl haben wir Produkte mit LSF 30 und LSF 50 gewählt. Der Lichtschutzfaktor (LSF) gibt an, um wie viel länger man im Vergleich zum Eigenschutz der Haut in der Sonne bleiben kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Es ist daher kein absoluter Wert! Menschen mit empfindlicher Haut können weniger Zeit in der Sonne verbringen als solche, die eine höhere Eigenpigmentierung haben. Um den Sonnenschutz von Anfang an zu gewährleisten, wird das Cremen mindestens eine halbe Stunde vor dem Sonnenbaden empfohlen, und zwar nicht zu sparsam. Nachcremen nach circa zwei bis drei Stunden ist sowieso notwendig, wie auch direkt nach dem Schwimmen.
 


Produkte aus der Szene


Marke: Eco Cosmetics Produktname: Tattoo Sonnenlotion LSF 30Preis: 24,99 Euro / 100 ml   Infos: Mineralischer Lichtschutz für tätowierte Haut mit Noni-Extrakt, Naturkosmetik, wasserfeste Lotion, vegan.www.ecco-verde.de
Marke: Eco Cosmetics
Produktname: Tattoo Sonnenlotion LSF 30
Preis: 24,99 Euro / 100 ml   
Infos: Mineralischer Lichtschutz für tätowierte Haut mit Noni-Extrakt, Naturkosmetik, wasserfeste Lotion, vegan.
www.ecco-verde.de

Marke: TattooMed®Produktname: TattooMed sun protection Creme LSF 50Preis: 18,95 Euro / 100 mlInfos: Breitband-Filtersystem (mineralischer und chemischer Filter), das speziell auf die Bedürfnisse und zum Farbschutz tätowierter Haut entwickelt wurde, vegan.www.tattoo-med.de

Marke: TattooMed®
Produktname: TattooMed sun protection Creme LSF 50
Preis: 18,95 Euro / 100 ml
Infos: Breitband-Filtersystem (mineralischer und chemischer Filter), das speziell auf die Bedürfnisse und zum
Farbschutz tätowierter Haut entwickelt wurde, vegan.
www.tattoo-med.de

Marke: BelievaProduktname: Tattoo Sunprotect LSF 50Preis: 12,90 Euro / 100 mlInfos: Mineralischer Lichtschutz, der speziell auf die Bedürfnisse und zum Farbschutz tätowierter Haut ausgerichtet sein soll, für UVB wird ein Lichtschutz +50 und im UVA-Bereich ein Schutz von +95 erreicht.www.believa-tattoo.de

Marke: Believa
Produktname: Tattoo Sunprotect LSF 50
Preis: 12,90 Euro / 100 ml
Infos: Mineralischer Lichtschutz, der speziell auf die Bedürfnisse und zum Farbschutz tätowierter Haut ausgerichtet sein soll, für UVB wird ein Lichtschutz +50 und im UVA-Bereich ein Schutz von +95 erreicht.
www.believa-tattoo.de
 

Aus Apotheke und Drogeriemarkt



Marke: La Roche-PosayProduktname: Cicaplast Baume B5 LSF 50Preis: 12,90 Euro / 40 mlBesonderheit: Mineralischer Lichtschutz, die Kombination aus UV-Schutz mit Wundpflege (5% Panthenol) ist auch für frisch tätowierte Haut gedacht, schützt vor Pigmentflecken, ohne Parabene, ohne Duftstoffe, ohne Lanolin.www.larocheposay.de

Marke: La Roche-Posay
Produktname: Cicaplast Baume B5 LSF 50
Preis: 12,90 Euro / 40 ml
Besonderheit: Mineralischer Lichtschutz, die Kombination aus UV-Schutz mit Wundpflege (5% Panthenol) ist auch für frisch tätowierte Haut gedacht, schützt vor Pigmentflecken, ohne Parabene, ohne Duftstoffe, ohne Lanolin.
www.larocheposay.de

Marke: Alverde NaturkosmetikProduktname: Sensitiv Sonnencreme Jojoba LSF 50Preis: 4,95 Euro / 75 ml (6,60 Euro / 100 ml)Infos: Mineralischer Lichtschutz, ohne Aluminiumsalze, ohne Konservierungsstoffe, ohne Parabene, ohne Paraffine/Mineralöle, ohne Parfum, vegan.www.dm.de


Marke: Alverde Naturkosmetik
Produktname: Sensitiv Sonnencreme Jojoba LSF 50
Preis: 4,95 Euro / 75 ml (6,60 Euro / 100 ml)
Infos: Mineralischer Lichtschutz, ohne Aluminiumsalze, ohne Konservierungsstoffe, ohne Parabene, ohne Paraffine/Mineralöle, ohne Parfum, vegan.
www.dm.de

Marke: Lavera NaturkosmetikProduktname: Sonnencreme LSF  30Preis: 7,99 Euro / 75 ml (10,65 Euro / 100 ml)Infos: Mineralischer Lichtschutz mit Bio-Calendulaextrakt (hautberuhigend) und Bio-Sonnenblumenöl (pflegend), natürliche Zutaten aus kontrolliertem Anbau, wasserfest.www.lavera.de



Marke: Lavera Naturkosmetik
Produktname: Sonnencreme LSF  30
Preis: 7,99 Euro / 75 ml (10,65 Euro / 100 ml)
Infos: Mineralischer Lichtschutz mit Bio-Calendulaextrakt (hautberuhigend) und Bio-Sonnenblumenöl (pflegend), natürliche Zutaten aus kontrolliertem Anbau, wasserfest.
www.lavera.de

Marke: Eucerin Produktname: Sun Spray Transparent LSF 50Preis: 15,99 Euro / 200 ml (8,00 Euro / 100 ml)Infos: Mineralischer Lichtschutz, wasserfest, für normale und fettige Haut geeignet, parfümierender Inhaltsstoff.www.eucerin.de
Marke: Eucerin
Produktname: Sun Spray Transparent LSF 50
Preis: 15,99 Euro / 200 ml (8,00 Euro / 100 ml)
Infos: Mineralischer Lichtschutz, wasserfest, für normale und fettige Haut geeignet, parfümierender Inhaltsstoff.
www.eucerin.de


Wie sensibilisiert sind junge Tattooträger für diese Themen?


Das beantworteten die Freunde Chris, Benedikt, Theresa und Sebastian, die gerade erst sonnige Tage auf Mallorca verbrachten.

Chris, 27 Jahre:»Ich bin noch nicht lange tätowiert und habe mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken darüber gemacht, ob ich das Tattoo jetzt besonders eincremen muss. Ich creme mich ein wie sonst auch und dann geht’s ab in den Pool.«

Chris, 27 Jahre:
»Ich bin noch nicht lange tätowiert und habe mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken darüber gemacht, ob ich das Tattoo jetzt besonders eincremen muss. Ich creme mich ein wie sonst auch und dann geht’s ab in den Pool.«

Theresa, 22 Jahre:»Da ich zurzeit ein Baby erwarte und deshalb gerade ohnehin die direkte Sonne meide und den Schatten vorziehe, haben da auch meine Tattoos was davon. Vielleicht pass ich da auch in Zukunft mal besser auf.«

Theresa, 22 Jahre:
»Da ich zurzeit ein Baby erwarte und deshalb gerade ohnehin die direkte Sonne meide und den Schatten vorziehe, haben da auch meine Tattoos was davon. Vielleicht pass ich da auch in Zukunft mal besser auf.«

Benedikt, 30 Jahre:»Ich habe mein Tattoo noch nie explizit eingecremt. Und gemessen an der Häufigkeit meiner bisherigen Sonnenbrände auch den Rest noch nie so gewissenhaft. Ich schmeiße mich lieber gleich mit einer Büchse San Miguel auf das Einhorn.«

Benedikt, 30 Jahre:
»Ich habe mein Tattoo noch nie explizit eingecremt. Und gemessen an der Häufigkeit meiner bisherigen Sonnenbrände auch den Rest noch nie so gewissenhaft. Ich schmeiße mich lieber gleich mit einer Büchse San Miguel auf das Einhorn.«

Sebastian, 29 Jahre:»Meinen Asia-Sleeve habe ich damals nicht extra gepflegt und mir im Griechenlandurlaub auch gleich mal einen ordentlichen Sonnenbrand abgeholt. Es nervt mich natürlich, wie blass das Tattoo bereits geworden ist. Bei den Neotraditionals auf meinem anderen Arm passe ich deshalb besser auf: 50er-Sonnencreme und die Farbe knallt noch immer wie am ersten Tag!«

Sebastian, 29 Jahre:
»Meinen Asia-Sleeve habe ich damals nicht extra gepflegt und mir im Griechenlandurlaub auch gleich mal einen ordentlichen Sonnenbrand abgeholt. Es nervt mich natürlich, wie blass das Tattoo bereits geworden ist. Bei den Neotraditionals auf meinem anderen Arm passe ich deshalb besser auf: 50er-Sonnencreme und die Farbe knallt noch immer wie am ersten Tag!«


Sonne, der große Tattookiller?


Ralf Michels, Geschäftsführer von Deep Colours! und the inkfactory, erklärt, welchen Einfluss UV-Strahlen auf die Pigmente in der Haut haben.

Sonnenbaden gilt ja als Tattookiller. Was passiert denn in der Haut mit der Tattoofarbe, wenn man sich der Sonne aussetzt?
Durch den Einfluss von UV-Strahlen werden Pigmente aufgespalten und verlieren dadurch ihre Farbe, das Tattoo verblasst.

Wenn die UV-Strahlen die Pigmente zerstören, was machen denn dann die Spaltprodukte?
Hier gibt es keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, es ist aber durchaus wahrscheinlich, dass diese Spaltprodukte teilweise über das lymphatische System abtransportiert werden.

Gibt es spezielle Farben, die besonders unter Sonneneinstrahlung leiden und eher verblassen als andere?
Zu den stabilsten Pigmenten gehören Grün und Blau, gefolgt von Schwarz. Gelb-, Rot- und Orange-Pigmente sind dagegen etwas weniger lichtecht.

Viele kennen den Effekt, dass einige Stellen des Tattoos bei Sonneneinstrahlung aufpoppen, also erhaben werden, teilweise die entsprechenden Stellen auch anfangen zu jucken. Was passiert denn da in der Haut?
Hierfür gibt es unterschiedliche Gründe. Das kann zum Ersten ein phototoxischer Effekt* auf das Pigment sein, zum Zweiten ein phototoxischer Effekt auf eine Pigmentverunreinigung, hier sind zum Beispiel die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe aus einigen Rußen zu nennen. Das ist aber heute eher seltener. Und zum Dritten passiert das bei Vernarbung des Gewebes, oftmals ist das bei Außenlinien zu beobachten.

Es kursiert ja die These, dass Tattoos quasi als Schutz vor Hautkrebs dienen, weil die Tattoopigmente die UV-Strahlen wahlweise entweder adsorbieren oder reflektieren. Könntest du das mal klar stellen?
Die überwiegende Zahl von Hautkrebserkrankungen sind UV- induziert. Da die Pigmente über dem kritischen Gewebe liegen, können in der Tat adsorbierende und reflektierende Eigenschaften das Risiko von Hautkrebs senken. Diese Theorie wurde von Prof. Serup, dem Leiter der Tattoo-Klinik Kopenhagen vor zwei Jahren aufgestellt, gilt aber als noch nicht bewiesen.

Noble Blässe ist ja nach wie vor nicht in Mode, sondern der aktive Mensch ist ja sonnengebräunt. Ist das Solarium eine empfehlenswerte Alternative, mit der man braun wird, ohne das Tattoo zu zerstören?
Klare Antwort: nein.

 
* Phototoxische Reaktionen: Hautveränderungen, die durch Wechselwirkungen zwischen einer chemischen Substanz, dem UV-Licht und körpereigenem Gewebe entstehen.

Text: Dirk-Boris, Heide Heim, Jula Reichard
Bilder: Björn Lexius, Nicole Baier

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Aktuell am Kiosk: TätowierMagazin 8/17

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Ausgabe 9/17 erscheint am 25. August

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Stand:17 August 2017 09:57:41/szene/sommer+sonne+und+tattoos_177.html