Silverstein über ihr neues Album und die Tattooleidenschaft

24.11.2017  |  Text: Amadeus Thüner  |   Bilder: Wyatt Clough, Tattoo-Close-ups: Amadeus Thüner
Silverstein über ihr neues Album und die Tattooleidenschaft Silverstein über ihr neues Album und die Tattooleidenschaft Silverstein über ihr neues Album und die Tattooleidenschaft Silverstein über ihr neues Album und die Tattooleidenschaft Silverstein über ihr neues Album und die Tattooleidenschaft Silverstein über ihr neues Album und die Tattooleidenschaft Silverstein über ihr neues Album und die Tattooleidenschaft Silverstein über ihr neues Album und die Tattooleidenschaft
Silverstein über ihr neues Album und die Tattooleidenschaft
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Silverstein gelten als eine der am härtesten tourenden Post-Hardcore-Bands der Welt. Auf ihrem Stopp in Berlin traf TM-Mitarbeiter Amadeus den Fünfer zum Interview. Silverstein über Freundschaftstattoos, Bandlife und Tattoosessions auf Tour.
Wer nach gut achtzehn Karrierejahren lediglich zwei Mitgliederwechsel zu verzeichnen hat, kann sich nicht nur glücklich schätzen, sondern muss zwangsläufig auch eine ganz besondere Form der bandinternen Freundschaft pflegen. So oft und lang wie die kanadische Post-Hardcore-Band Silverstein durch die Weltgeschichte tourt und demzufolge aufeinander hängt, gibt es nur wenige Tage im Jahr, an denen sich die Bandmitglieder nicht sehen. Sänger Shane, die beiden Gitarristen Josh und Paul Marc, Bassist Bill sowie Schlagzeuger Paul sind eben nicht nur live eine gut funktionierende Gruppe, auch abseits der Bühne verbindet sie viel. Unter anderem Freundschaftstattoos.



Euer erstes Album »When Broken Is Easily Fixed« erschien vor fünfzehn Jahren. Mit »Dead Reflection« veröffentlicht ihr nun eure neunte Platte. Wie schwierig ist es, sich nicht zu wiederholen?
Josh: Auf der einen Seite bleiben wir uns treu, auf der anderen Seite versuchen wir immer wieder neue Details hinzuzufügen, die jede Platte einzigartig werden lassen. Aber es stimmt schon, dass einige Alben recht ähnlich klingen. Und natürlich ist es irgendwie ein Klischee, wenn man das über sein neues Album sagt, aber Dead Reflection ist tatsächlich unser bestes Album geworden. Und das liegt womöglich auch daran, weil es im Vergleich eben stärker vom Backkatalog abweicht.
Paul Marc: Es ist ein bisschen so, als hättest du fünfzehn Jahre lang jeden Morgen einen Apfel gegessen und jeder Apfel wäre besser gewesen als der am Morgen zuvor. Und eines Morgens isst du eine Banane und denkst dir  »What the fuck?! Wieso esse ich erst jetzt eine Banane?«.
Josh: Richtig! Letztendlich handelt es sich bei beiden um Früchte. Es ist also das gleiche – und doch ganz anders. 

Paul Marc ließ sich passend zum Release das Logo der neuen Platte auf die Hand tätowieren.

Dead Reflection ist also die Banane unter den Äpfeln!?
Paul Marc: (lacht) Genau! Eigentlich sollte das noch zum Albumtitel dazu gehören.

Trotz all des Spaßes wird das Album dennoch durch eine düstere, oft sehr schwere Stimmung getragen.
Paul Marc: Shane und ich haben die Platte geschrieben und sind beide nicht durch die beste Zeit unseres Lebens gegangen. Außerdem passiert so viel Schlechtes auf der Welt. Das nimmt natürlich alles Einfluss auf das, worüber man schreibt. Es gibt immer noch so viele Dämonen, mit denen man zu kämpfen hat …

Ein fröhlicher Brühwürfel? Man weiß es nicht genau.

Wenn man jung ist, denkt man oft, einige der Probleme, Ängste oder eben Dämonen ließen sich über die Zeit besiegen. Und dann merkt man, dass der Kampf wohl ein ganzes Leben lang andauern wird.
Paul Marc: Das ist hart, ja.
Bill: Als man jung war, dachte man wahrscheinlich auch im Hinblick auf die älteren Menschen, dass sie keine Probleme haben. Und dann wird man älter und merkt, dass sich bei vielen Problemen nur die Art, aber nicht ihre Existenz geändert hat, und das Alter eigentlich gar keine Rolle spielt.
Paul Marc: Man schaut sich diese Leute an und glaubt, sie hätten alles in der Hand und wüssten, wie das Leben läuft. Und dann wird man selber älter und stellt fest, dass das überhaupt nicht der Fall ist. Man kommt ja nicht »an«. Es gibt nicht den Punkt, an dem man das Leben vollends verstanden hat. Zumindest glaube ich das. Und das macht es auch etwas einfacher für mich (lacht).

Das erste Tattoo von Gitarrist Josh. Ein Klassiker.

Fühlt man nach so vielen Veröffentlichungen eigentlich immer noch ein gewisses Maß an Druck und Stress?
Josh: Ich glaube, man denkt immer darüber nach, was die Fans wohl sagen werden, ob ihnen die Songs gefallen, wie das Album wohl ankommt. 
Paul Marc: Auf der anderen Seite habe ich aber auch gedacht, wenn es so sein sollte, dass wir ein Album veröffentlichen, das wir wirklich lieben, die Fans aber hassen, wir wenigstens bis dahin einen echt guten Run hatten – denn das wäre das erste von neun Alben. Wir hoffen immer, dass das Album gut ankommt und den Leuten gefällt. Aber in erster Linie geht es darum, dass es uns gefallen muss. 
Bill: Und glücklicherweise gefällt es den Fans auch.



Was euch dreien ebenfalls gut gefällt sind Tattoos. Lass uns bei dir anfangen, Josh: Wann hast du dein erstes bekommen?
Josh: Tatsächlich zum selben Zeitpunkt, als Bill sein erstes bekommen hat.
Bill: Ich glaube, du hattest deines einen Tag eher.
Josh: Wirklich? Okay, dann einen Tag vorher. Es war auf jeden Fall in Orlando, als wir mit From Autumn To Ashes, Walls Of Jericho und Most Precious Blood auf Tour waren. Mike Ski, der später übrigens auch das Artwork zur unserer Short-Songs-Platte umsetzte und heute ein großartiges Studio in Philadelphia mit dem Namen »True Hand« sein Eigen nennt, hat es gestochen. Auf jeden Fall hatte er sein Tattooequipment mit und so ließ ich mir während der Tour in einem Hotelzimmer eine traditionelle Rose auf mein Handgelenk tätowieren.
Bill: Da warst du zwanzig oder einundzwanzig. Ich war auf jeden Fall erst achtzehn und ich glaube, bei mir war es nicht in einem Hotelzimmer, sondern im Tourbus. Da ließ ich mir ein Zitat aus dem Film High Fidelity stechen. Auf jeden Fall so ein Tattoo, das man sich in dem Alter stechen lässt. 
Seitdem lag ich bestimmt schon fünfzehn Mal unter Mikes Nadel. Ein toller Typ und guter Freund.
Paul Marc: Ich habe auch eins von ihm. Ein Friday-the-13th-Tattoo – einen Tag zu spät. 

Entweder Jeansjacke oder Streifenshirt, auf jeden Fall steht den Kanadiern von Silverstein ihre Volljährigkeit sehr gut.

Was war denn dein erstes Tattoo, Paul Marc?
Paul Marc: Also, daheim, zuhause in Kanada, gibt es eine großartige Tätowiererin, bei der wir alle drei auch schon waren. Bill wollte damals ein Schiff mit »No Regrets«. Also etwas, was man kennt. Ein Klassiker. Dummerweise fehlte auf dem Stencil das zweite ›R‹ und so ergab es »No Regets«. Und tatsächlich ist es auch nur mir aufgefallen, als es schon zu spät war. (lacht) Also habe ich mir noch an Ort und Stelle in Gedenken an diese Situation ein »No Regets«-Tattoo auf meinen Knöchel stechen lassen. Und auf dem anderen steht »Oh – Regret«. 
Bill: Ich hab meins mittlerweile fixen lassen.
Josh: Und mittlerweile haben dieses Tattoo sogar noch ein paar andere Freunde von uns. Es hat sich verbreitet wie ein Lauffeuer!
Bill: Der Drummer von City & Colour, Doug, den ich damals gar nicht kannte, hat Wind von der Geschichte bekommen und es sich stechen lassen – als sein erstes Tattoo! Eine tolle Story …

Tattoos auf Tour – das Normalste der Welt für Silverstein.

Aber ihr habt generell kein Problem damit, euch auf Tour tätowieren zu lassen?
Josh: Na ja, ich würde eher sagen, dass wir uns fast nur auf Tour tätowieren lassen. Eigentlich sind wir ja auch fast durchweg auf Tour.
Bill: Aber es ist manchmal schon hart. Sich den Bauch auf Tour tätowieren zu lassen, war vielleicht nicht so klug, wenn man den ganzen Abend seinen Bass da drüber tragen muss. Aber was muss, das muss.
Paul Marc: Ich musste mir zuletzt meine Vans zu Slip-ons umschneiden, weil meine Füße so angeschwollen waren. Aber wie Bill schon sagte: Was muss, das muss! 


Kontakt
www.silversteinmusic.com 
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Stand:26 February 2018 00:38:45/szene/silverstein+ueber+ihr+neues+album+und+die+tattooleidenschaft_171120.html