Schwert auf dem Hals, Schwert in dem Hals

23.03.2018  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: siehe Bildunterschrift
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Schwert auf dem Hals, Schwert in dem Hals
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Das längste Schwert, das Lucky Hell schlucken kann, misst 60 Zentimeter. Dass die schöne Künstlerin dazu überhaupt in der Lage ist, fand sie per Zufall heraus. Wir plauderten mit der unglaublichen Lucky Hell bei einer ihrer Shows übers Schwertschlucken, Selbstvertrauen, Tattoos und andere Body Modifications.
»I am the most free woman in the world«, stellt Lucky Hell fest, während sie beim Interview nach einer ihrer fulminanten Bühnenshows über ihr bewegtes Leben nachdenkt. Ich lebe in einer Gesellschaft, in der ich tun und lassen kann, was ich möchte. »Ich bin stark tätowiert. Ich reise um die ganze Welt und werde für diesen wirklich verrückten Job bezahlt. Ich könnte nicht freier sein.« Lucky Hell schluckt Schwerter und das ganz ohne Tricks. Nicht nur diese unglaubliche Tatsache macht die in Finnland lebende Künstlerin zu einer besonderen Erscheinung. 

Lucky Hell trägt eines ihrer glitzernden Bühnenoutfits, als wir sie zum Interview treffen. Es sieht aus, als wäre es ihr auf den trainierten Körper gemalt. Ihn bedecken außerdem unzählige Tattoos. Die blonde Mähne fällt in Wellen über ihre Schultern, manchmal gewährt sie einen kurzen Blick auf ihre gespaltene Zunge. Wenn Lucky Hell so strahlt und über ihr Leben spricht, dann umgibt sie eine faszinierende Aura. Die gerade mal 1,63 Meter große Schwertschluckerin hat echtes Entertainerblut in ihren Venen. Ein bisschen erinnert sie an Madonna und Gwen Stefani. 



Dass Lucky Hell Schwerter schlucken kann, entdeckte sie per Zufall. Eigentlich war es ihr Ex-Mann, der das unbedingt lernen wollte. Inspiriert wurde er von befreundeten Schwertschluckern. »Er versuchte es wieder und wieder, doch es gelang ihm nicht. Er stellte sich auch wirklich blöd an, konnte das Schwert nicht mal richtig mit der Zunge berühren. Was für ein Theater!« Um dem ein Ende zu setzen, und weil Lucky Hell von der Szenerie genervt war, schnappte sie sich das Schwert und probierte es kurzerhand selbst. »Ich sagte ›Oh wow, was für ein Drama. Jetzt gib mal her, das kann doch so schwer nicht sein!‹ Ich meinte das natürlich nicht wirklich ernst.«
Doch Lucky Hell konnte das Schwert gleich beim ersten Mal schlucken. »Wir waren schockiert.« Das erste Schwert rutschte so ziemlich gleich den ganzen Weg hinunter, das bedeutet, ihr Körper besitzt die Voraussetzungen dafür – etwas, was nicht ganz normal ist. Gleich nachdem Lucky das herausgefunden hatte, suchte sie halbwegs besorgt einen Arzt auf. »Ich habe einen wirklich netten Hausarzt, mit dem man über alles reden kann. Ich sagte zu ihm ›Okay, schau mal, ich glaube, ich bin eine Schwertschluckerin. Können wir reden?‹«

Der Arzt stellte ihr Fragen, wollte wissen, ob Lucky Hell in der Vergangenheit schon häufiger Probleme mit Sodbrennen hatte. Sie erinnert sich sofort. »Wir sprachen auch über Wege, wie ich den Reflux selbst kontrollieren und steuern kann. Eine Eigenschaft, die für einen Schwertschlucker immens wichtig ist.« 
Aus medizinischer Sicht ist Schwertschlucken kaum erklärbar, das ist es, was die Sache so besonders macht«, sagt Lucky Hell, die sich seit Jahren mit der Thematik befasst. »Obwohl wissenschaftlich offenbar ein Mysterium, gibt es doch einige von uns auf der Welt.«



Wie viele Frauen es sind, die Schwerter schlucken können, sei schwer einzuschätzen. »Man weiß von vielleicht zwanzig oder dreißig Frauen. Doch wie viele es tatsächlich sind, wie viele es nur einmal alle paar Monate machen und wer tatsächlich regelmäßig auf der Bühne steht, das ist kaum abzuschätzen.« Die Entdeckung ihrer Fähigkeit veränderte das Leben von Lucky Hell grundlegend. Sie arbeitet mittlerweile seit Jahren als Schwertschluckerin und ist international gefragt. »Der Job erlaubt es mir, die ganze Welt zu bereisen. Ich habe einen Weg gefunden, andere Menschen zu inspirieren, ihnen zu zeigen ›Hey, es ist völlig okay, anders zu sein!‹« 

Die stark tätowierte Künstlerin springt von einem Flugzeug ins nächste, hat Auftritte auf den Seychellen ebenso wie in Stuttgart. Dabei besucht sie häufig Tattooconventions, macht aber auch andere, ausgefallene Events. Das aufregende Showgirl arbeitet rund um die Uhr, denn nach dem Auftritt ist auch bei ihr vor dem Auftritt. Die Choreografien für ihre Performance erarbeitet sie sich selbst, auch die Musik wählt sie aus und wenn es sein muss, repariert sie auch ihre Kostüme eigenhändig, wenn sie bei einer Show in Mitleidenschaft gezogen wurden. »Die ganze Social-Media-Pflege und Beantwortung von E-Mails nimmt auch sehr viel Zeit in Anspruch, eigentlich mehrere Stunden täglich.« Lucky Hell nimmt ihre Follower zum Beispiel auf ihrem Instagram-Account @luckyhell mit auf einen Streifzug durch ihr spannendes Leben. Auf Youtube hat sie einen eigenen Channel. Dort redet Lucky Hell über Make-up, Lebensweisheiten und Tattoos. 



Hautkunst, das ist ihre große Leidenschaft. »Tattoos halfen mir schon immer, meinen Körper mehr zu lieben und zu akzeptieren. Es fühlt sich an, als gehöre er mir erst durch meine Tätowierungen so richtig selbst.« In Deutschland geht die Künstlerin besonders gern zu Tätowiererin Lorena Morato. Und sie hat noch weitere Pläne, was ihre Tattoos betrifft.
Im Gespräch betont sie immer wieder, wie wichtig ihr Selbstliebe und Aktzeptanz seien. Sie gibt auch zu, dass sie damit an manchen Tagen so ihre Probleme hat. »Wir Frauen haben viel zu oft das Gefühl, nicht schön oder gut genug zu sein. Wir verlieren aus den Augen, wie wichtig es ist, gesund zu sein und sich wohl zu fühlen.« Lucky Hell setzt sich für diese Sache nicht nur online ein, sie hat auch schon häufig als Gastrednerin an Universitäten gesprochen oder dort Perfomance-Art aufgeführt.

Ursprünglich kommt die Künstlerin aus Australien, besitzt aber einen britischen Pass und einen kroatischen Nachnamen. Aufgewachsen ist Lucky Hell als Waisenkind, doch viele enge Freunde bezeichnet sie als ihre Familie. Sie wohnte bereits in New York, Paris, London, Melbourne und China. Aktuell lebt sie in Finnland und spricht sogar Finnisch. 



Wenn Menschen Lucky Hells unglaubliches Talent zum ersten Mal sehen, sind viele schockiert. »Dann ist es vor meiner Bühne immer mucksmäuschenstill.« Doch die zierliche Künstlerin hat einen Weg gefunden, mit dieser Situation souverän umzugehen und das Publikum für sich zu gewinnen: »Wenn ich dann zwischen den Songs mit ihnen rede und Witze mache, entspannen sie sich. Das lockert alles auf. Andere Menschen zum Lachen zu bringen, ist der wesentlich schwierigere Part, als Schwerter zu schlucken.« 

Manchmal sei das Publikum sehr schüchtern oder irritiert, die Frage nach dem »Wie zur Hölle funktioniert das?« schwebe dann erstmal in ihren Köpfen. Und schließlich sind da auch manchmal schlüpfrige Witze männlicher Zuschauer. »Es ist nicht so, als würde man das nicht erwarten. Ich schlucke nun mal Schwerter. Und ich spiele mit dieser Tatsache natürlich ein klein wenig auf der Bühne. Es ist nur blöd, wenn es creepy oder unhöflich wird.«  
Das betörende an Lucky Hells Perfomance ist das Zusammenspiel aus sorgfältig gewählter Musik, zu der sie sich geschmeidig und sexy, aber niemals lächerlich bewegt, dem frechen Augenzwinkern, das ihr angeboren scheint, und dem gekonnt inszenierten Höhepunkt – dem Schlucken verschiedener Schwerter und Dolche. 



Don’t try this at home

Die Bezeichnung Schwertschlucker ist eigentlich falsch: Geschluckt werden darf das Schwert nämlich gar nicht, sondern der Schwertschlucker muss in der Lage sein, den natürlichen Würgereflex im hinteren Rachenraum zu unterdrücken. Normalerweise schützt dieser Reflex vor dem Eindringen von Fremdkörpern in die Atemwege. Vom Rachenraum aus wird die Klinge auf ihren langen Weg in den Magen geschickt, mit der Gefahr der Perforation der Speiseröhre. Zudem hat diese anatomisch bedingte Engstellen, was leicht zu Verletzung des angrenzenden Aortenbogens oder der Bronchien führen kann. 
Der Warnhinweis »Don't try this at home« ist also nicht nur so daher gesagt, die Sword Swallowers Association International weiß von neunundzwanzig dokumentierten Todesfällen in den letzten 150 Jahren.
(Text: Heide Heim)




Lucky Hell
Findet die unglaubliche Schwertschluckerin im Netz unter:
Facebook: TheLuckyHell
Instagram: @luckyhell
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