Rauschebart und bunter Hals

29.01.2016  |  Text: Boris »Bobs« Glatthaar  |   Bilder: Andreas Bradt
Rauschebart und bunter Hals Rauschebart und bunter Hals Rauschebart und bunter Hals Rauschebart und bunter Hals Rauschebart und bunter Hals Rauschebart und bunter Hals Rauschebart und bunter Hals Rauschebart und bunter Hals Rauschebart und bunter Hals Rauschebart und bunter Hals Rauschebart und bunter Hals Rauschebart und bunter Hals Rauschebart und bunter Hals
Rauschebart und bunter Hals
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Überall eröffnen Herrensalons im Stile klassischer Barbershops, deren Betreiber und Kunden auffällig häufig und viel tätowiert sind. Auch auf Tattooconventions sind die Haar- und Bartschneider mehr und mehr zu sehen. Warum? Ein Besuch bei »Deutschlands bestem Barber« bringt Aufklärung.
Der Bart gewichst, das Haar gefettet, gescheitelt geht der Gentleman von heute in Gesellschaft. Schön auch, wenn unter dem Hemd ein paar Tattoos vorstechen, gern Traditionals, ein Zeichen des Sinns für Bewährtes. Dazu Boots, Chucks oder Vans, die enge Hose ist derzeit ein Muss, die Fliege ein Kann. Das Kultivierte ist mehr und mehr Trend, wobei »Trend« zu schreiben gefährlich ist, weil viele das Wort nicht mögen.

 
Seit September 2015 betreibt Marco Sailer seinen Sailer’s Barber in Mannheims Szenebezirk Jungbusch und wurde im selben Jahr zu Deutschlands bestem Barbier gekürt.Eine Behandlung im Barbershop bedeutet nicht einfach nur rasiert zu werden. Sie ist vielmehr eine Auszeit für Männer, ein Wellnessprogramm mit scharfer Klinge, heißen Tüchern und ätherischen Bartpflegemitteln.
(Links) Seit September 2015 betreibt Marco Sailer seinen Sailer’s Barber in Mannheims Szenebezirk Jungbusch und wurde im selben Jahr zu Deutschlands bestem Barbier gekürt. (Rechts) Eine Behandlung im Barbershop bedeutet nicht einfach nur rasiert zu werden. Sie ist vielmehr eine Auszeit für Männer, ein Wellnessprogramm mit scharfer Klinge, heißen Tüchern und ätherischen Bartpflegemitteln.

 
Doch gerade um den Trend ging es beim Barber schon früher, als sein Berufsstand im 19. und 20. Jahrhundert Hoch-Zeiten feierte: Man wollte, dass alles akkurat war, nichts individuell, sondern der Bart immer die angesagte oder dieselbe Form hatte und aussah wie die Bärte der anderen im Herrenclub. Entweder top en vogue. Oder dem Motto folgend: verlässlich, beständig, stil-treu und deshalb bewusst über den Trend erhaben. Abweichung von Mode oder Tradition bedeutete Ablehnung und die eigene Ausgrenzung aus der Haute­vo­lee. Langes Zottelhaar, rausgewachsene Koteletten und Wildwuchs am Kinn waren undenkbar. Ein Mann, der etwas auf sich hielt, trug das gesamte Kopfhaar geordnet.

Derzeit eröffnen allüberall in Deutschland neue Barbershops im Stile früherer Herrensalons und können über mangelnde Nachfrage nicht klagen. Das liegt nach Ansicht einiger Barbiere daran, dass die Salons Refugien der Männlichkeit sind: Während das biologische Geschlecht in der Mode an sich immer unwichtiger wird, suchen viele Männer den Ausdruck ihres maskulinen Bewusstseins in tradierten Herrenritualen, die sich allesamt um eines der männlichsten Körpermerkmale ranken: um den Bart.


Den kompletten Bericht könnt ihr im neuen TätowierMagazin 02/2016 lesen! Die Februar-Ausgabe bekommt ihr ab dem 29.01.2015 an den bekannten Verkaufsstellen oder könnt ihr versandkostenfrei im SzeneShop.com bestellen.
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Stand:24 November 2017 15:48:38/szene/rauschebart+und+bunter+hals_161.html