Peggy Miksch bietet Gewaltopfern Gratis-Tattoos zur Narbenüberdeckung

29.10.2017  |  Text: Dirk-Boris Rödel  |   Bilder: Peggy Miksch
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Peggy Miksch bietet Gewaltopfern Gratis-Tattoos zur Narbenüberdeckung
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Die 24-jährige Tätowiererin Peggy Miksch vom Studio Stichgebiet in Leipzig will Frauen, die Gewalterfahrungen machen mussten, den Umgang mit ihren Narben leichter machen und bietet ihnen Gratis-Überdeckungen an. Mehr zu ihrer Tattooaktion erfahrt ihr hier …

Peggy Miksch, Inhaberin des Leipziger Tattoostudios »Stichgebiet«, hatte den Wunsch, sich sozial zu engagieren, aber dabei nicht einfach nur für irgendein Projekt Geld zu geben. Peggy wollte mit ihrer Tätigkeit als Tätowiererin Gutes tun. Das Beispiel der brasilianischen Tätowiererin Flavia Carvalho, die Opfern von Misshandlung und Gewalt kostenlose Tattoos zum Überdecken von Narben anbietet, inspirierte Peggy dazu, in Leipzig ein ähnliches Projekt zu starten. Sie wollte Frauen, die Gewalterfahrungen machen mussten oder sich auch aufgrund von Borderline-Erkrankungen selbst verletzt haben, mit Tätowierungen dabei helfen, diese Erfahrungen besser zu verarbeiten. Ihr erster Ansprechpartner war das Frauenhaus in Leipzig, wo sie ihre Idee vorstellte und das Angebot unterbreitete, betroffenen Frauen Narben aus solchen oft traumatischen Erlebnissen gratis mit einem Tattoo zu überdecken. »Da kamen dann die ersten Frauen auf mich zu und haben mir ihre Geschichten erzählt.« 

Die individuellen Hintergründe und jedes einzelne Schicksal, mit dem Peggy konfrontiert wird, stellen natürlich eine Herausforderung dar, die weit über das Technische hinausgeht: »Jede Frau hat da ihre eigene Story. Aber ich war teilweise auch selbst von dem Thema betroffen und habe mich damit befasst, insofern weiß ich auch damit umzugehen.« Aber auch technisch wird Peggy bei dieser ehrenamtlichen Arbeit mit den unterschiedlichsten Herausforderungen konfrontiert: »Wichtig ist, dass die Betroffenen erst mal ins Studio kommen, damit ich mir das ansehen kann.

Fotos reichen da auch nicht, ich muss wirklich die Haut sehen, anfassen, um zu sehen, um was für eine Art von Narben es sich handelt, ob sie glatt oder wulstig sind, rot oder blass, und auch wie groß.« In einzelnen Fällen musste Peggy Frauen auch schon unverrichteter Dinge wieder wegschicken. »Manchmal sind die Narben so zahlreich und ausgedehnt, dass die Hautoberfläche wirklich völlig zerstört ist, da würden Tätowierungen nur auslaufen oder auch einfach nicht halten.« 

Zwei Narben überdeckende Tattoos pro Monat

Natürlich muss Peggy neben dieser Arbeit auch zahlende Kundschaft bedienen. Zwei bis drei Frauen pro Monat möchte Peggy jedoch diesen Service anbieten, pro Kundin nimmt sie sich drei bis vier Stunden Zeit. Und auch wenn das Tattoo gratis ist, fällt es vielen Frauen nicht leicht, das Angebot anzunehmen, da sie zunächst natürlich doch wieder mit den Spuren konfrontiert werden, die die Gewalt auf ihren Körpern hinterlassen hat. »Für viele ist es schon ein großer Schritt, überhaupt nur hier anzurufen, das fällt vielen schon schwer. Aber wenn es jemand dann mal hierher geschafft hat, wenn ich mir die Narben angeschaut habe und denke, dass man da was machen kann, dann sind sie auch dabei und kommen eben auf eine Warteliste.«

Motivmäßig muss man oft – ähnlich wie bei Cover-ups – Kompromisse mit den Gegebenheiten eingehen: »Was sich bei Narben eher eignet sind große Flächen ohne zu viele Details, die verlaufen könnten. Schriften eignen sich eher weniger, da hier zum Beispiel ein verlaufener Buchstabe das ganze Motiv ruinieren kann. Aber ich gehe natürlich schon so weit es geht auch auf die Wünsche der Kundinnen ein.« Die Designs, die die Kundinnen sich wünschen, sind allerdings nicht nur lieblich und positiv. Es zeigen sich im Motivwunsch auch die unterschiedlichen Arten und Strategien, mit Gewalterfahrungen umzugehen: »Manche wünschen sich Motive, die sie stärken und ihnen Mut machen, andere wollen aber zum Beispiel das Motiv einer Rasierklinge, die sie davon abhalten soll, sich wieder zu verletzen, und die sie daran erinnern soll, wie schlimm das Erlebnis war.«

Wer Peggys Angebot in Anspruch nehmen möchte, kann sie über E-Mail, Telefon oder direkt bei einem Besuch im Studio kontaktieren.


Zur Tätowiererin:



Peggy Miksch
Peggy arbeitet stilistisch vor allem in den Bereichen Black ’n’ Grey, Blackwork, Fineline, Scripts, Oldschool und Comic, kann aber auch darüber hinaus gehende Motivwünsche erfüllen. 

Stichgebiet
GutsMuthsstraße 15, 04177 Leipzig
Telefon: 0341 / 126 92525
Email: kontakt@stichgebiet.de
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Stand:24 November 2017 15:54:17/szene/peggy+miksch+bietet+gewaltopfern+gratis-tattoos+zur+narbenueberdeckung_17926.html