Harald Glööckler - Tätowierter Modezar mit Message

25.11.2016  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Annegret Arnold
Harald Glööckler - Tätowierter Modezar mit Message Harald Glööckler - Tätowierter Modezar mit Message Harald Glööckler - Tätowierter Modezar mit Message Harald Glööckler - Tätowierter Modezar mit Message Harald Glööckler - Tätowierter Modezar mit Message Harald Glööckler - Tätowierter Modezar mit Message Harald Glööckler - Tätowierter Modezar mit Message Harald Glööckler - Tätowierter Modezar mit Message Harald Glööckler - Tätowierter Modezar mit Message
Harald Glööckler - Tätowierter Modezar mit Message
Alle Bilder »
Harald Glööckler ist im internationalen Modehimmel sicherlich eines der auffälligsten Design-Genies. Er fällt allein schon durch seine bloße Erscheinung auf und sorgt mit seinem Schaffen, vor allem aber mit seiner klaren Haltung zu gesellschaftlichen Standards für Aufsehen. Wir trafen ihn bei einem Kampagnen-Shooting in der idyllischen Pfalz.


In Sachen Posing auch ein Profi: Die rockige Jacko-Perücke hatte der exzentrische Stardesigner extra für uns im Schlepptau – yay! Harald Glööckler weiß ganz genau, welche Knöpfe er drücken muss.
 
Wie bringt man Glamour, Glanz und Gloria in eine feierliche Jubiläumsausgabe? Richtig, in dem man sich zum Beispiel mit einer selbst erschaffenen Kunstfigur, dem selbst ernannten »Prince of Pompöös«, zum Kaffee trifft und ein ganz ehrliches Pläuschchen über Tattoos und Curvymodels  hält. So haben wir es nämlich gemacht. Wir fuhren in die malerische Pfalz, die Toskana Deutschlands, und fanden uns in einem ultraschicken Hotel ein, in dem der »Prince of Pompöös«  Harald Glööckler ein Kampagnen-Shooting hatte. In diesem Rahmen wollte sich der geschäftige Modezar auch gerne mit uns treffen – einer Einladung, der wir freudig folgten. Denn bevor wir es uns bei einem Kaffee gemütlich machten, wurden wir Zeuge, wie so ein Imperium in der Praxis funktioniert: Zunächst war das pompööse Shooting dran. Worum ging es hier?

Der Stardesigner, Modemacher und Tausendsassa in allen Gassen bringt passend zur glamouröösen Weihnachts- und Silvestersaison eine neue Kollektion in Zusammenarbeit mit einer deutschen Modehauskette an den Start, und diese galt es wunderbar in Szene zu setzen und zu fotografieren. Wie soll es anders sein, richtet sich auch diese Kollektion, die auf den Namen AMOURÖÖS hört, an die kurvige Frau. Harald Glööcklers Credo »Jede Frau ist eine Prinzessin!«, ist bei ihm nicht nur ein platter Werbeslogan, mit dem er Produkte vertreibt, die er selbst nie gesehen hat, so wie höchst wahrscheinlich Helene Fischer die Pullover, die sie bei Tchibo vertickt. Er ist »pompöös«, er ist »amouröös«, wo Glööckler drauf steht, ist Glööckler drin. Hier gibt es Schönheit in allen Größen –
bei AMOURÖÖS gehen diese von 44 bis zur stattlichen 62.

Harald Glööckler inmitten seiner kurvigen Musen. Beim Kampagnen-Shooting für die »AMOURÖÖS«-Kollektion war sogar Dynelle Rhodes von den Weather-Girls dabei. Ihr leuchtender Kaftan beweist: Frauen mit großen Größen müssen sich keineswegs verstecken.
 
Um zu zeigen, wie das aussieht, lud sich der stark tätowierte Modeschöpfer – ja, über Tattoos sprechen wir auch noch – drei zauberhafte Damen ein. Eine von ihnen kennen die 80ies Soul-Pop-Fans unter euch sicherlich: Dynelle Rhodes von den Weather Girls. Als sie den lichtdurchfluteten Raum betrat, wurde das Leuchten noch ein klein wenig stärker – und die Party kam ins Rollen. »Wir brauchen hier jetzt mal ein bisschen Musik, hierbei schlafen einem ja die Füße ein!«, kommentiert Harald Glööckler die chillige Lounge-Musik, die der Fotograf auswählte, weil man die bei Shootings dieser Art wohl normalerweise so standardmäßig spielt, wie David Guetta in der Großraumdisse.  Es dauert nicht lange und »It’s Raining Men« ertönt. Der Modezar und seine kurvigen Musen tanzen und das Blitzlichtgewitter bricht über unseren Köpfen herein.

Es macht Spaß, Harald Glööckler bei seiner Arbeit zuzusehen. Wer ihn in eine Schublade stecken möchte mit den ausgeflippten Jury-Mitgliedern, die der Quote wegen in jeder deutschen Castingshow sitzen und  dadurch auffallen, dass sie mit männlich-weiblichen Attributen spielen und einen komischen Akzent besitzen, und wer ihm darüber hinaus keine Daseinsberechtigung gewähren möchte, der tut dem Virtuosen unrecht. Harald Glööckler ist eine selbst erschaffene Kunstfigur, die schon immer nicht sonderlich viel darauf gab, was andere von ihm halten. Das begann schon früh als er anfing, Mode zu entwerfen, die man so noch nicht gesehen hatte. Auf den Vorschlag hin, er solle designen wie es Armani und Co. machen, konterte er lapidar: »Wieso etwas entwerfen, was es doch schon gibt.«

Es ist nicht übertrieben, Harald Glööckler als Visionär zu bezeichnen. Man könnte sogar so weit gehen, und ihn einen Revoluzzer nennen. Denn auf die Schnelle fällt mir nicht ein einziger, gleichermaßen erfolgreicher Modeschöpfer ein, der so viel für Frauen getan hat, die aus dem vorherrschenden Schönheitsideal der Modeindustrie rauspurzeln. Sein Verdienst für die Curvy-Modeindustrie ist tatsächlich immens. Darüber hinaus sollte seine Attitude eigentlich gerade uns Tätowierten gefallen, denn der »Prince of Pompöös« erschuf mit einer Selbstsicherheit sein Aussehen nach ganz eigenem Wunschbild und ließ sich von anderen hierbei noch nie beirren und vor allem nicht beeinflussen.

»Ich bin ein lebendes Kunstobjekt. Ich brauche keine Inspiration, da ist so viel in mir. Man sagt, ich sei ein Vulkan voller Ideen.«
 
Harald Glööckler macht nicht nur in Mode: Es gibt kaum etwas, was es nicht gibt. Vom Glööckler-Monopoly-Spiel über Accessoires für den eigenen Vierbeiner bis hin zu Gardinen, Tapeten oder Make-up – es gibt überall Raum für Glööckler’schen Glanz und Gloria. Weil das den Selfmade Man natürlich noch nicht ausfüllt, kommen Buchveröffentlichungen, Kunst, Charity und TV-Auftritte obendrauf. Mit Letzterem sorgte er unlängst deutschlandweit für Furore: Er war das prominenteste Gesicht von »Curvy Supermodel«, einer deutschlandweiten Castingshow, in der die schönsten Kurven der Nation gesucht wurden. Ein Projekt das Harald Glööckler, der in einer Familie aufwuchs, in der die meisten Frauen füllig waren, sehr am Herzen liegt – wie er auch im Laufe des Tages häufiger betonte.

Natürlich waren wir nicht die Einzigen, die sich in das hübsche Pfälzer Hotel verirrten, Harald Glööckler ist aktuell bei den Vertretern aus Funk und Fernsehen mehr als gefragt. Ihre Fragen drehten sich rund um »Curvy Supermodel« – für den Modezar einmal mehr Gelegenheit, sich klar zu positionieren. Ihm stinkt es gewaltig, welches Bild die Modeketten vermitteln: »Eine Größe 38 ist nicht curvy, basta! Die durchschnittliche deutsche Frau trägt eine Größe 42 und das muss in den Köpfen und in den Kaufhäusern endlich ankommen.«

Schaut man sich die Mode an, die unter seinem Namen erscheint –  etwa die Stücke, die wir an diesem Tag live bewundern konnten –, sehen wir deutlich, mit wie viel Fingerspitzengefühl die kurvige Frau in Szene gesetzt und zum Strahlen gebracht wird. Denn, wer hätte gedacht, wie atemberaubend eine – schätzungsweise – Größe 48 in einem schwarzen, figurbetonten Samtkleid aussehen kann? Auf die Frage, wie denn eigentlich Ausstrahlung funktioniere, antwortet der perfekt gestylte Modemacher: »Auch ein Harald Glööckler geht morgens mal ins Bad und sieht aus wie ein Gewitter! Aber dann frage ich mich ›Worauf hast du heute Lust?‹ und ziehe mich genau danach an. Ist dir nach etwas Verrücktem, dann lass deine Kleider für dich sprechen. Ich erzähle Frauen immer, sie mögen es so machen, wie Hildegard Knef gesagt haben soll:  ›Trag’ erstmal ’nen Lippenstift auf, damit man weiß, wo vorne und hinten ist.‹ Dann greift euch mal in die Haare – und schon sieht alles anders aus.«

Seine Tattoos hat er alle selbst entworfen und unter anderem im Berliner Body Tempel unter die Haut bringen lassen. Er trägt Schutz- und Wappentiere, eine Krone, den »Prince«-Schriftzug und mehrere Lilien – eine Bedeutung haben sie alle.
 
In Harald Glööcklers Haare fasste an diesem Tag ein persönlicher Stylist. Er sorgte stets dafür, dass der Lipgloss saß und keine Strähne im Gesicht hing. Dem Zufall überlässt der Modezar ohnehin nicht viel, doch vermutlich liegt genau hier sein Erfolgsrezept. Das fing bei der Begleitmusik an und hörte bei der Farbe von Dynelles Lippenstift auf.

Als es Zeit für unseren gemeinsamen Kaffee war, fragte ich ihn zunächst, was er dachte, als eine Tattoozeitschrift bei ihm anfragte. Doch für Harald Glööckler war das gar nicht so ungewöhnlich. »Ich habe viele Fans in der Tattooszene, die gut finden, was ich mache. Gerade bei den ganz Jungen kommt gut an, dass ich so authentisch bin. Ich lebe mein Leben, wie ich es für richtig halte und das finden die gut. Es gab damals sogar ein paar Punks, die einen Kult daraus machten, wenn meine Teleshopping-Sendung lief, und dazu ’ne Kiste Bier aufmachten.« Seine Tattoos entwirft der Designer alle selbst, an Inspiration mangelt es ihm dabei nicht. »Ich bin ein lebendes Kunstobjekt. Ich brauche keine Inspiration, da ist so viel in mir. Man sagte schon über mich, ich sei ein Vulkan voller Ideen. Ich weiß immer im richtigen Moment, was ich machen soll und ich erfinde mich dabei immer neu.«

Man sagt, ich sei ein Vulkan voller Ideen.

Sein Berliner Tätowierer sagte immer, seine Tattoos seien immer schon da gewesen, er habe sie nur zum Vorschein gebracht, sie nur wieder freigelegt. Eine Bedeutung haben dabei alle seine Tattoos. Da ist zum Beispiel der »Prince«-Schriftzug, denn er ist der »Prince of Pompöös«, dazu passend gibt es auch eine Krone. Außerdem hat Harald Glööckler Schutz- und Wappentiere tätowiert, teilweise mit adligem Mittelalterbezug, so zum Beispiel einen Greif und einen Drachen. Auf seiner Brust prangt ein fliegendes Einhorn, wie er es gerne nennt, eigentlich ist es ein Pegasus. »Ich habe auch Lilien tätowiert, die waren das Brandmal der Huren im Mittelalter – so hat das alles eben seine Bewandtnis. Ich mag meine Tattoos alle, ausnahmslos«.

Weitergehen soll die Reise, wenn der Modezar wieder mehr Zeit hat. Nach unserer Bestandsaufnahme seiner eigenen Tattoo-History betonte Harald Glööckler, wie gut es ihm gefällt, dass wir ebenfalls ausgerechnet an diesem Tag vorbeikamen, denn in seinen Augen haben Curvymodels und Tätowierte durchaus etwas gemeinsam: »Menschen, die tätowiert sind, gelten in der Gesellschaft oftmals immer noch als Außenseiter, genau wie die Curvymodels auch. Doch beide werden sie immer mehr. Am Ende haben beide Randgruppen ihr Selbstbewusstsein gemein, ihnen ist es größtenteils egal, ob sie anderen gefallen oder nicht. Ich finde, das passt ausgezeichnet zusammen.«

Wer einen Tag in der Aura des Erfinders von Glanz und Gloria verbringt, spürt, weshalb die Marke Glööckler so ausgezeichnet funktioniert: Denn so exzentrisch, wie er ist, so authentisch ist er dabei.
 
Szeneshop-Angebote
Max Laloi gefällt … das Schädeltattoo von Christian Otto.

Max Laloi gefällt … das Schädeltattoo von Christian Otto.

 

Tätowierer haben naturgemäß einen kritisch-professionellen Blick auf die Arbeiten anderer Tätowierer. Wir fragen Tattookünstler, welches Werk von Kollegen…

24. Internationale Tattoo-Convention Frankfurt - Die Wikinger am Main

24. Internationale Tattoo-Convention Frankfurt - Die Wikinger am Main

 

Auf der Tattoo-Convention Frankfurt 2016 wurde die Tätowierkunst der Nordmänner zelebriert.

Der große TätowierMagazin Nachwuchscontest 2015

Der große TätowierMagazin Nachwuchscontest 2015

 

Die TM-Redaktion hat aus den eingesandten Bewerbungen die zehn Halb-Finalisten des diesjährigen TM-Nachwuchswettbewerbs ausgewählt, jetzt seid ihr dran,…

Ein Tattoo ist keine Psychotherapie

Ein Tattoo ist keine Psychotherapie

 

Akribisch bis ins letzte Detail hebt die US-Amerikanerin Teresa Sharpe realistische Tierdarstellungen in eine abgefahrene Dimension. Dabei hält sie nichts…

Das etwas andere Cover-up: Blast over!

Das etwas andere Cover-up: Blast over!

 

Ein Blast-over ist eine Cover-up-Variante für Tätowierungen, die im eigentlichen Sinne gar keine ist: Das neue Tattoo wird über das alte gestochen, ohne…

Rapper eRRdeKa: Mit Tattoos ins Paradies

Rapper eRRdeKa: Mit Tattoos ins Paradies

 

eRRdeKa ist zielstrebig; der junge Rapper will so schnell wie möglich viele Tattoos haben. Hauptsache Black-and-Grey und der Tätowierer ist kein Arschloch.

Ten Years of Awesomeness

Ten Years of Awesomeness

 

Die London Tattoo Convention, die wohl wichtigste Versammlung von tätowierten Menschen auf diesem Globus, feiert Jubiläum! Seit zehn Jahren gibt es dieses…

"Mein erster Dreier" - Chaim Machlev von tätowiert die komplette Band Biffy Clyro

"Mein erster Dreier" - Chaim Machlev von tätowiert die komplette Band Biffy Clyro

 

Biffy Clyro verstehen sich nicht nur als Band, sondern als Familie. Der Tätowierer Chaim Machlev hat der engen Verbindung der drei Musiker mit einem ganz…

Speedrocker V8 Wankers

Speedrocker V8 Wankers

 

Gegründet im Jahr 2000, können die Offenbacher Kult-Speedrocker V8 Wankers nun auf 15 Jahre Bandgeschichte zurückblicken. Zum 15-Jährigen erzählt Frontmann…

Realistic-Tattoos von Naktata aus Neuss

Realistic-Tattoos von Naktata aus Neuss

 

Auf der Dortmunder Convention gewann der charismatische Tätowierer Nakata den Preis für »Best Realistic«, für »Best of Saturday« sowie für »Best of Sunday«…

Schlaflos um die Welt – Tätowierer David Cote

Schlaflos um die Welt – Tätowierer David Cote

 

Gerade mal 24 Jahre, jettet der Kanadier David Cote um den Globus. Seine Mission: Menschen mit seinen Tattoos glücklich zu machen. Zeit zu schlafen bleibt…

Tattoo Starlet 2016: Sara Surprisink

Tattoo Starlet 2016: Sara Surprisink

 

Sara Surprisink wurde auf der Tattoo Expo Leipzig zum TATTOO STARLET 2016 gekürt. Wir sprachen mit der 24-Jährigen über den Wahlsieg, Modelaufträge und…

Battle of the Best - Der TätowierMagazin-Nachwuchscontest 2016

Battle of the Best - Der TätowierMagazin-Nachwuchscontest 2016

 

Deutschlands einziger Tätowierer-Nachwuchscontest mit spektakulärem Finale auf der Tattoomenta in Kassel!

Szeneshop-Angebote
Stand:22 November 2017 08:13:06/szene/modezar+mit+message+-+harald+gloeoeckler_1611.html