Maßgeschneiderte Tattoos

28.08.2015  |  Text: Heide Heim   |   Bilder: Archiv TM
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Maßgeschneiderte Tattoos
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Bei der Suche nach dem Tätowierer sollte man sich vor allem nach dem Stil richten, der einem am besten gefällt, denn eine Motividee kann in vielen Stilrichtungen und Variationen in ein individuelles Bild umgesetzt werden.

Bei der Suche nach dem Tätowierer sollte man sich vor allem nach dem Stil richten,
der einem am besten gefällt, denn eine Motividee kann in vielen Stilrichtungen und
Variationen in ein individuelles Bild umgesetzt werden.


Conventionbesuch: Eine gute Gelegenheit für langjährige Tattoofans und Neulinge, sich im Tattoodschungel zu orientieren. Die Convention in Frankfurt bietet 600 Tätowierer aus der ganzen Welt, die Messe in Dortmund wirbt mit 400, selbst auf kleineren Veranstaltungen kommen locker 100 Tätowierer, die ihre Arbeit präsentieren und anbieten. Wer sich da auf die Suche nach einem Tätowierer begibt, hat ein strammes Programm vor sich. Und so ziehen zahlreiche Besucher von Tisch zu Tisch und blättern im Schnelldurchlauf durch die Fotomappen der Realistic-Experten, ziehen weiter zu den Tischen der Dotworker, es folgen Neo-Traditionalisten. Ein rascher Griff nach den ausliegenden Fotomappen der Tätowierer, hektisches Herumreißen der Seiten, der Blick fliegt über die Tattoos auf der Suche nach … Ja, nach was eigentlich? Oh, ein Schmetterling! Der Kunde wähnt sich am Ziel: Hier hat einer Schmetterlinge im Portfolio. Hoffnung macht sich breit, dass die Suche nach dem richtigen Tätowierer jetzt beendet ist. In den Fotomappen der anderen war nämlich kein Schmetterling – also bieten diese wohl das gewünschte Motiv auch gar nicht an.

Mit dem Wunschmotiv »Unendlichkeitsschleife« kamen Mutter und Tochter ins Rockland Tattoo. Für Studiochef Günna eine »Steilvorlage«, wie er sagt, er liebt es, sich mit den Kunden zu unterhalten und aus ihnen herauszukitzeln, wie man den abstrakten Begriff der »immerwährenden Verbundenheit« mit konkreten Motiven darstellen kann. »Im Gespräch kam heraus, dass die beiden jedes Jahr zusammen nach Florida in den Urlaub fliegen«, erklärt Günna.




Allerdings: Eine solche Vorstellung, die viele Einsteiger von der Praxis der Tätowiererauswahl haben, basiert auf Arbeitsweisen, wie sie vor zwanzig Jahren üblich waren. Rückblende: Aus großen Vorlagebüchern mit Kopien gekaufter »Flashes« (Tattoovorlagen) konnte der Kunde damals im Studio »sein« Motiv auswählen. Die Info »20000 Vorlagen!« versprach ein Höchstmaß an standardisierter Individualität, Änderungswünsche an Größe und Farbkomposition waren bis zu einem gewissen Grad möglich. Tätowierer, die des Kopierens der immer gleichen Vorlagen müde waren, warben nach einiger Zeit mit »Custom-Tattoos«, individuelle, für den Kunden erstellte Tätowierungen, in der zweiten Ausbaustufe »Freehand« auf die Haut gebracht, also ohne Vorzeichnung auf Papier.
Flashes, Custom-Tattoos, Freehand – das sind Begriffe, die kaum ein 20-Jähriger noch kennt. Tattoomotive werden
heute von einem großen Teil der Tätowierer mit den Kunden zusammen konzipiert,
gezeichnet und als Tattoo umgesetzt. Das ist mittlerweile Standard, egal ob Schmetterling, Erinnerungstattoo an die geliebten Großeltern oder die Unterwasserlandschaft.





Motivklassiker »Glaube, Liebe, Hoffnung« sehr individuell umgesetzt von Simone Pfaff und Volker Merschky von Buena Vista Tattoo Club aus Würzburg in dem von ihnen kreierten Realistic-Trash-Polka-Stil.




Das Kriterium, nach dem Kunden ihren Tätowierer auswählen, ist zunehmend nicht das Motiv, sondern allein der Stil, in dem der Tätowierer arbeitet: Black-and-Grey, Dotwork, Blackwork, Tribal, New Black, Aquarell, Grafik, Realistic, Hyperrealismus, Oldschool, Neo-Traditional, Newschool, Line Art, Cross-over … Die künstlerische Ausbildung vieler junger Tätowierer hat das stilistische Repertoire der Szene zu einer sehr innovativen und experimentierfreudigen, aber auch schwer überschaubaren Spielwiese gemacht. Immer weiter verästeln sich die Sub-Genres, dazu kommt noch die individuelle Handschrift. Zeichnen, also das Wunschmotiv auf Papier und dann auf die Haut zu bringen, ist heute eher eine Selbstverständlichkeit als ein Alleinstellungsmerkmal des Tätowierers.



 

Blackwork rules und das Thema Hobby auch:
Schwimmerin von Philippe Fernandez vom AKA Berlin.



Es ist also die eher alte Herangehensweise, im Portfolio des Tätowierers nach einer Vorlage für sein Tattoo zu suchen. Üblicher ist es heute, sich mit den unterschiedlichen Stilrichtungen auseinanderzusetzen und sich zu entscheiden, ob man es realistisch, grafisch, traditionell oder newschoolig, avantgardistisch oder sonstwie mag – fast jedes Motiv ist in der jeweiligen Stilrichtung tätowierbar. Freilich mit Ausnahmen: Ein Porträt des Hundes als polynesisches Tribal ist nur mit Abstrichen an den Wiedererkennungswert des Tieres möglich, ein Dotworker scheut meist davor zurück, das Kinderporträt allein mit Punkten zu realisieren.


Der vollständige Artikel ist in der September-Ausgabe 2015 des TätowierMagazins zu lesen.

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Stand:22 November 2017 08:19:25/szene/massgeschneiderte+tattoos_158.html