Kängurus mit Eingeweiden

01.10.2015  |  Text: Lars Krutak Übersetzung: Boris »Bobs« Glatthaar und Heide Heim  |   Bilder: Tattoo Lu
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Kängurus mit Eingeweiden
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Obwohl Aborigines nie tätowiert waren, wurden Symbolik und Stil ihrer traditionellen Kunst zur Inspirationsquelle für die australische Tätowiererin Tatu Lu und ihre Kunden – gerade für die mit Aborigine-Abstammung. Motive und Stilmittel der Kunst der Ureinwohner Australiens finden sich in ihren Tattoos wieder.
 
Die Tätowiererin Tatu Lu in Mullumbimby in New South Wales setzte sich schon früh mit der Aborigine-Kunst auseinander. Um so mehr freut sie sich darüber, dass sich heute viele Australier – ob Aborigine oder nicht – davon angezogen fühlen. Lu erklärt: »Meine Tätowierarbeiten umfassen alle möglichen Stile und viele meiner Tattoos handeln von Identität, besonders von australischer Identität. Viele Australier suchen heutzutage nach Ausdrucksformen zur Identifikation mit dem Land. Meine Pflanzendarstellungen sind von der australischen Natur inspiriert. Ich bin im Busch aufgewachsen und ich kenne die Gestalt der Buschpflanzen gut. Diese Pflanzen zu tätowieren, führt mich zurück in meine Kindheit. Einheimische Pflanzen sind generell für Menschen jedweder Region ein Symbol, um ihre die Verbundenheit mit der Heimat auszudrücken, und zwar auf eine sehr positive Art.«

Respekt vor der Kultur der Ureinwohner

Wie die Aborigine-Künstler auch, benutzt Tatu Lu meist nur gedeckte Farben für ihre Tätowierungen, wie hier bei diesem Waran-im-Kampf-mit-einer-Schlange-Motiv.Abb. links: Ein Emu, ein flugunfähiger, in Australien beheimateter Laufvogel. Tatu Lu offenbart in ihrer Tätowierung das Herz, die Lunge und den Dickdarm und übernimmt damit das künstlerische Stilmittel des »Röntgenblicks«, das auch die Ureinwohner Australiens für ihre Kunstwerke verwenden. Abb. rechts: Wie die Aborigine-Künstler auch, benutzt Tatu Lu meist nur gedeckte Farben für ihre Tätowierungen, wie hier bei diesem Waran-im-Kampf-mit-einer-Schlange-Motiv.

Lu weiter: »Meine im indigenen Stil gehaltenen Arbeiten sind ganz offensichtlich von der Aborigine-Kultur und -Kunst beeinflusst. Ich wuchs mit dieser Kunst in meiner Umgebung auf und hatte schon als junges Mädchen ein großes Interesse am Australien der Aborigines. Die Mehrheit meiner Kunden, die diese Tattoos haben wollen, ist indigener Abstammung und will ihre kulturellen Wurzeln und kulturelle Identität unterstreichen. Die anderen Kunden haben Respekt vor der Kultur der Aborigines und wollen das ausdrücken – mit der Tinte, die sie von mir bekommen.«
Eine der charakteristischsten Bestandteile der Aborigine-Kunst ist der »Röntgen«-Blick: Ein Stilmittel, das Lu in ihren an Tribals angelehnten Arbeiten aufnimmt. Wie der Name impliziert, werden bei tierischen oder menschlichen Figuren die normalerweise unsichtbar unter der Haut liegenden inneren Organe und die Knochenstruktur sichtbar gemacht – Wirbelsäule, Herz, Lunge, Schwimmblasen bei Fischen und die Eingeweide wurden gewissenhaft nachgezeichnet, weil man die innere Erscheinung eines tierischen Körpers für die Quelle der lebensspendenden Energie hielt. Viele der gezeichneten Tiere waren übrigens rituelle Clansymbole und sind mit Geschichten verbunden, die sich auf die Vorfahren des jeweiligen Clans beziehen. Und so waren die Bilder nicht nur Dekoration, sondern sichtbare Gebete oder Bitten, insbesondere um reiche Ernten und damit ausreichend Nahrung.


KONTAKT
 
Tattoo Lus im indigenen Stil gehaltenen Arbeiten sind ganz offensichtlich von der Aborigine-Kultur und -Kunst beeinflusst.Tatu Lu's Tattoos
18 Burringbar St.
Mullumbimby, NSW, 2482
Australia
www.tatulus.com.au

Der vollständige Artikel ist in der Oktober-Ausgabe, 10/2015, des TätowierMagazins nachzulesen.
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Stand:22 November 2017 08:11:17/szene/kaengurus+mit+eingeweiden_159.html