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24.02.2017  |  Text: Boris Erbrecht  |   Bilder: Liss Eulenherz Photographie, Live Foto: www.monstershark-media.com
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»Ich bin auch ein Goonie!« - Dave von der Metal-Core/Post-Hardcore-Band Annisokay


Dave, Sänger der Metal-Core/Post-Hardcore-Band Annisokay, ist ein echter Retro-Dude und auch großer Tattoofan, weshalb wir ihm zu Hause und beim Tätowierer einen Besuch abstatteten.


Man kann die Mannschaft um Shouter Dave Grunewald wohl als die großen Aufsteiger am modernen Metal-Himmel bezeichnen. Grob einzuordnen im Metal-Core/Post-Hardcore schaffen Annisokay einen lockeren Spagat zwischen dem US-Sound und einer eigenen europäischen Pop-Note. Darüber hinaus ist Dave ein echter Retro-Dude und auch großer Tattoofan, weshalb wir ihm zu Hause und beim Tätowierer einen Besuch abstatteten. 

Shouter Dave hat einen ganz eigenen Look, der sich sofort einprägt.

Deine Vorliebe für 80er-Jahre-Zeug ist kaum zu übersehen. Woher kommt dieses Faible?
Die 80er waren höher, schneller, weiter und das hat mich schon im Kindesalter angesprochen. Ich bin zwar erst 1986 geboren, doch in den frühen 90ern wurden Filme und Serien der 80er im TV und die Musik dieses Jahrzehnts im Radio gespielt. Ich stand als kleiner Bub auf He-Man, Nummer 5, Hulk Hogan, Alf, die Ghostbusters, Marty McFly und die Goonies.

Und da meine Eltern nach der Wende den Videotheken-Boom voll mitgenommen haben, sah ich vielleicht etwas zu früh Filme wie »Das Ding aus einer anderen Welt«, »Terminator«, »Rambo« und so weiter. Pokemon und Co. hat mich nie gepackt, sondern ich hab meine Fühler in die Vergangenheit ausgestreckt. Du glaubst gar nicht, wie sehr dieses Jahrzehnt alles, was wir heute geil finden, beeinflusst hat. Damals war ich darauf angewiesen, was meine Eltern mitgebracht haben und was im Free-TV oder im Radio lief. Heute habe ich das Geld, mir den ganzen geilen Scheiß von damals zu kaufen. 

Die Goonies-Schatzkarte, allerdings noch in Arbeit. Gestochen von Mario (A Perfect Circle Tattoo Studio, Wittmund).

Was sind denn deine Lieblingsfilme und Serien aus der Zeit?
Es gibt einen Film, der in meinem Leben über allem steht. Es sind »Die Goonies«! Es ist ein Coming-of-Age-Film über eine Gruppe Kids, die eine Schatzkarte auf dem Speicher finden und auf großes Abenteuer gehen. »Die Goonies geben niemals auf« ist der Leitspruch im Film. Diese Mentalität hat mich als Kind so beeinflusst, dass ich heute sagen kann: »Japp, ich bin auch ein Goonie!« 

Was ist denn das für eine riesige CD? Das System kenne ich gar nicht, kannst du dazu was erzählen?
Fast! Das ist eine LaserDisc, ein Format, das in Deutschland leider nie so gefragt war. Dieses Format war aber bis ins Jahr 2001 koexistent und hat auch seinen größten Widersacher überlebt, die VHS-Kassette, wenn auch nur kurz. Kleiner Trivia-Fakt: der letzte Film, der auf dieser Disc produziert wurde, war »Star Wars: Episode 1 – Die dunkle Bedrohung«. 

Interessant ist auch, dass sie nicht, wie es den Anschein hat, ein digitales System ist, sondern dass das Bild komplett analog übertragen wird. Aber sie haben Dolby-Ton, der Sound kommt digital, und damit hat man zuhause den originalen, unverfälschten Kinosound. 

Eine echte Rarität: Das in Deutschland extrem seltene Video-system LaserDisc, das die VHS-Kassette nicht ablösen konnte.
 
Was sind denn deine drei Lieblingssongs aus den 80ern? 
An erster Stelle steht Madonna mit »Into the Groove«, an zweiter The Human League mit »Human« und an dritter Daryl Hall & John Oates mit »Out of Touch«.

Und welches ist dein Lieblingssammlerstück?
Meine Lieblingssammelstücke sind Erinnerungen und Freunde! Auf der Suche nach neuen Filmen oder Musik lernte ich viele tolle Menschen kennen, die zu meinen Freunden geworden sind. In Löhne bei Herford beispielsweise gibt es Hen­drik vom Film-Retro-Shop, in seinem Laden bekommt man nur Filme auf VHS. Wenn du einen Film aus deiner Kindheit suchst, bin ich mir ziemlich sicher, dass er ihn hat! 

Überall Goonie-Devotionalien.

Oder im letzten Jahr habe ich John Landis (Anm. d. Red.: Regisseur von »Blues Brothers«, »American Werwolf in London«) und Mark L. Lester (Anm. d. Red.: Regisseur von  »Phantom Kommando«, »Feuerkind«) kennenlernen dürfen. Mit Letzterem stehe ich noch heute in Kontakt. 
Doch du wolltest ein Highlight: Wie du ja weißt, sind »Die Goonies« mein absoluter Lieblingsfilm und ich war als Fanboy letztes Jahr auf der Weekend of Hell, einer Convention in Oberhausen, dort war Corey Feldman, ein Darsteller aus dem Film. Ich habe mir von ihm brav ein Autogramm auf meine LaserDisc geben lassen. So weit alles nerdig, aber normal. Später am Tag kam er auf mich zu und wir unterhielten uns über alles Mögliche, so dass wir am Folgetag mit ihm und den anderen Stargästen gefeiert haben. Zum Schluss saßen wir noch in einem italienischen Restaurant in Köln zum Essen und haben das Wochenende ausklingen lassen. Vom Fanboy zum Freund an einem Wochenende!


Allerlei drolliger Schnickschnack aus den 80ern und 90ern.
 
Was hast du denn alles an 80er-Tattoos?
Ich habe ja erst damit angefangen. Ich habe Madonna auf der linken Hand, Alf und die ikonische ET-Mond-Silhouette darüber auf dem Unterarm. Auf der rechten Hand ist Rambo und auf dem Unterarm diverse Gegenstände aus dem Film »Die Goonies«. Aber der Arm ist noch »under construction«. Und es  sind noch weitere 80er-Projekte geplant, ich plaudere mal ein wenig aus dem Nähkästchen: Das rechte Bein steht voll im Zeichen der »Masters of the Universe« und auf dem linken Bein möchte ich meine dunkle Seite zeigen … das Thema dort wird dann Horror und Suspense sein. Am linken Unterarm ist noch Platz, da kommen noch Howard die Ente und Johnny Nr. 5 hin. 

Ganz im Zeichen der 80er! Ein Tattoo der jungen Pop-Sängerin Madonna, darüber der puschelige Alien Alf (beide gestochen von Valesca) mit seinem Lieblingsessen Katze, ähh, Pizza natürlich, und darüber die E.T.-Silhouette.
 

Eine Frage zur Band, die euch sicherlich noch nie jemand gestellt hat. Was hat es mit dem Bandnamen Annisokay auf sich und wie würdest du euren Stil bezeichnen?
Die Namensfindung ist zwar vor meiner Zeit passiert, doch die Geschichte haben wir wirklich schon so oft erzählen müssen, dass ich sie im Schlaf aufsagen kann. Der King of Pop, Michael Jackson, singt in seinem Hit Smooth Criminal »Annie, are you okay?«, und um dieser Frage ein Happy End zu verleihen, haben wir uns eben »Ann is okay« genannt. Ausgesprochen wird es als ein Wort: Annisokay!

Es gibt viele Schubladen, in die man uns stecken kann. Ob es Metalcore, Post-Hardcore, Emocore oder Modern Metal ist, das könnt ihr euch aussuchen. Wenn mich jemand fragt, sage ich immer, wir machen modernen Metal mit Pop-Einschlag. Ich finde, das trifft es am besten und jeder kann sich schon ein wenig vorstellen, was da aus den Boxen kommt.

Was steht jetzt bei euch noch so an 2017?
Als Erstes steht im März und April unsere große Devil-May-Care-Headline-Tour quer durch Europa an. Weißt du, selbst als Haupt-Act auf Tour zu gehen, ist immer was Besonderes, denn das 
Publikum kommt wegen dir und ist meist auch sehr textsicher. Ich freue mich schon auf schwitzige Nächte mit all diesen schönen Menschen. Im Sommer warten die Festivalbühnen auf uns und für die zweite Hälfte des Jahres gibt es zwar schon Pläne, aber das lasse ich mal noch offen für euch, seht es als Cliffhanger … haha!


Dave in Action auf der Bühne mit seiner Band Annisokay.
 


Text: Boris Erbrecht
Bilder: Liss Eulenherz Photographie, Live Foto: www.monstershark-media.com

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Stand:17 August 2017 09:55:27/szene/ich+bin+auch+ein+goonie_172.html