Drei Zahlen ein Phänomen - die Berliner Gangsta-Rapper 187 Strassenbande

25.11.2016  |  Text: Victoria Hiebsch  |   Bilder: Hanna Heider
Drei Zahlen ein Phänomen - die Berliner Gangsta-Rapper 187 Strassenbande Drei Zahlen ein Phänomen - die Berliner Gangsta-Rapper 187 Strassenbande Drei Zahlen ein Phänomen - die Berliner Gangsta-Rapper 187 Strassenbande Drei Zahlen ein Phänomen - die Berliner Gangsta-Rapper 187 Strassenbande Drei Zahlen ein Phänomen - die Berliner Gangsta-Rapper 187 Strassenbande Drei Zahlen ein Phänomen - die Berliner Gangsta-Rapper 187 Strassenbande Drei Zahlen ein Phänomen - die Berliner Gangsta-Rapper 187 Strassenbande Drei Zahlen ein Phänomen - die Berliner Gangsta-Rapper 187 Strassenbande Drei Zahlen ein Phänomen - die Berliner Gangsta-Rapper 187 Strassenbande Drei Zahlen ein Phänomen - die Berliner Gangsta-Rapper 187 Strassenbande Drei Zahlen ein Phänomen - die Berliner Gangsta-Rapper 187 Strassenbande Drei Zahlen ein Phänomen - die Berliner Gangsta-Rapper 187 Strassenbande Drei Zahlen ein Phänomen - die Berliner Gangsta-Rapper 187 Strassenbande Drei Zahlen ein Phänomen - die Berliner Gangsta-Rapper 187 Strassenbande
Drei Zahlen ein Phänomen - die Berliner Gangsta-Rapper 187 Strassenbande
Alle Bilder »
Deutscher Gangsta-Rap ist wieder wer – und das beste und derzeit fetteste Pferd im Stall ist eine Combo aus Rappern, Sprayern und Tätowierern aus dem »Haramburger« Kiez, die auf den Namen 187 Strassenbande hört. Wir trafen Gzuz, Maxwell, Track und Co. in ihrer geliebten Homebase beim Grünen Jäger und verbrachten ein paar ehrliche Stunden.
 
187 – drei Zahlen mit großer Bedeutung. Gestochen von Paco Sanchez im 187 Ink.
 
An dieser Rap Crew führt momentan kein Weg vorbei. Von der Straße in die Top Ten; die 187 Strassenbande schafft es mit dem Kollaboalbum »Palmen aus Plastik« von Anführer Bonez MC feat. RAF Camora auf Platz 1 der Albumcharts. Maxwell und LX wurden mit dem Album »Obststand« für den Echo nominiert. Ganz zu schweigen von vergangenen Erfolgen von »High und Hungrig« oder Gzuz’ Soloalbum »Ebbe und Flut«. Oben drauf packen die 187er jetzt noch ein Tattoostudio, was auch Merchandise-Shop, Lager und Homebase für die Jungs und ihre Fans darstellt.

Dennoch sind die Hamburger weit weg von Starallüren. Okay, an Selbstbewusstsein mangelt es ihnen nicht, aber das sind eben die dicken Eier, die es in diesem Business braucht. Zumal Bonez MC, Gzuz, Maxwell, LX, Track, Frost, SA4 und der Rest der Bande keine Vorstadtsöhnchen mit reichem Familienbackground sind. Sie mussten lange »Scheiße fressen«, um dort hin zu kommen, wo sie jetzt sind – in den Olymp des deutschen Hip Hop. Gerade das macht sie und ihre Musik so authentisch und erfolgreich, du glaubst ihnen jedes Wort und kannst dir vorstellen, dass alles genau so passiert.

Vor allem bewahren sie gern die Kontrolle über alles, was im 187-Dunstkreis vor sich geht. Über Produktion, Promo, Videos und allem, was dazugehört behalten sie noch immer das letzte Wort. Natürlich versuchen sich bei diesen Verkaufszahlen einige einzuklinken, die auch gern etwas vom Kuchen abbekommen wollen. Aber den teilen die 187er nur mit sorgfältig ausgewählten Menschen. Sogar die meisten Interviews im Netz lassen sie in regelmäßigen Abständen löschen. Außerdem stehen sie nicht einfach so jedem Rede und Antwort. Umso geehrter fühlte ich mich, für einen Tag mittendrin sein zu dürfen.

Sicherlich Gzuz bekanntestes Tattoo: Das »Ebbe & Flut«-Lettering, das er auch auf dem Cover seines gleichnamigen Albums in die Kamera hält. Verantwortlich dafür war Flo Höllwarth von Forever St. Pauli.

Ins kalte Wasser

Angekommen im 187 Ink werden wir freundlich von Shopgirl Anna empfangen und Track, einem der beiden Tätowierer, vorgestellt. Er ist 187-Mitglied der ersten Stunde und kam über das gemeinsame Sprayen von Graffiti zur Bande. »Das war noch so ziemlich in der Anfangsphase, so 2005 oder 2006, da hat Bonez auch noch mit Frost zusammen gesprüht. Gzuz und Carlos waren auch schon dabei. Wir haben oft im Schanzenpark abgehangen, zusammen gesprüht, Fußball gespielt, Mucke gehört oder gesoffen. Irgendwann rief Bonez an und meinte, bei Aldi gibt es eine Kamera für einhundert Euro. Er hat sich die Kohle von seiner Mama geliehen und die Kamera gekauft. Zusammen mit einem Samsung Schiebehandy, worauf der erste Song »Toprott« lief, haben wir einfach unser erstes Video gedreht.

Genauso war es mit dem Tätowieren – wir haben es einfach gemacht. Erstmal keine Ahnung von Tuten und Blasen, aber direkt losgelegt. Kamera war da, Rapper war da, Handy und Graffiti auch. Das Schneideprogramm gab es zu der Kamera dazu. Lucky, ein Hamburger Geschäftsmann, hat das Video gesehen und war begeistert. Wir haben CDs bei meinem Großvater gedruckt und haben sie bei Da Source Hip Hop Store zum Verkauf angeboten. Lucky hat sie gesehen, seine Nummer hinterlassen und war mit im Boot. So kam das Schneeballsystem ins Rollen und wurde immer größer.«

Maxwell auf die Frage, welche Lebensperspektive ihm die Bande bietet: »Ich kann mit dem, was ich machen will, Geld verdienen und habe zudem noch ne Freundschaft oder viel eher eine Familie gefunden, die sich andere nur wünschen können.«

»Ein Tattoo stechen ist für mich wie ein Kind zeugen«

Aufgrund seiner Graffiti-Skillz bekam Track von einem Kumpel ein Tätowierset geschenkt, das er wochenlang erstmal nur anstarrte. »Frisch getrennt, der Spielsucht verfallen, durch verschiedene Jobs geschleppt, angekommen an einem Tiefpunkt in meinem Leben. Dann waren da diese Gedanken daran, was ich alles falsch machen könnte. Ein Tattoo stechen ist für mich wie ein Kind zeugen. Mit den Verpflichtungen, der Pflege, den Krankheiten und so weiter.

Nach zwei, drei Monaten Anstarren des Equipments kam einer meiner engsten Freunde aus der Bande, Carlos, auf mich zu und meinte: »Digga, ich ertrage das nicht mehr, ich hab keine Angst. Ich bin seit zwei Tagen auf Koks, fang an zu stechen.« Also hat er mich eingesammelt, wir sind zu einem bekannten Haustätowierer in Hamburg gefahren und haben einen »§129« auf seine Wade gescheppert. Das war der Durchbruch. Ohne meine Freunde, die zu dem Zeitpunkt mehr an mich geglaubt haben, als ich an mich selbst, wäre ich nie in der Lage gewesen, diesen Schritt zu gehen.«

Paco Sanchez ist ein Hamburger Graffitikünstler und tätowiert im 187 Ink.

»Du kannst auf Schweinehaut üben,
du kannst dir auch selbst einen runterholen« 

Also nix mit auf Schweinehaut üben, als 187er muss man schnell lernen, in kalten Gewässern zu schwimmen. »Das ist wie beim Sex: Du kannst auf Schweinehaut üben, du kannst dir auch selbst einen runterholen. Aber du wirst nie das Gefühl für den Menschen bekommen. Ob er abklappt, weil die Schmerzen unerträglich werden, oder ob du mit der Nadel zu tief reingegangen bist. Das alles sagt dir die Schweinehaut nicht.

Im Prinzip ist es vergleichbar mit Prostitution: Du musst in beiden Berufsgruppen auf Hygiene achten. Außerdem sieht man jemandem nicht an, ob er gut tätowiert oder gut fickt. Dann muss vorher erstmal ein Beratungsgespräch geführt werden. Was möchte man, was stellt man sich vor? Die Leute sollten sich auch nicht davon irritieren lassen, ob jemand schon fünfzehn oder erst zwei Jahre tätowiert. Es ist ein stetiger Lernprozess. In meiner Zeit als Tätowierer hab ich sicher schon so circa fünfzehn verschiedene Schwarztöne benutzt. Jeder arbeitet anders, zieht die Nadel anders oder empfiehlt eine andere Heilcreme. Das sind Dinge, die sich immer weiter entwickeln.«

Jeder Schriftzug Ist selbst entworfen und ein Unikat.


Tätowierer ohne Tattoos

Track ist einer der wenigen Tätowierer, die selbst keine Tattoos haben. Aus gutem Grund, sagt er: »Ich habe die künstlerische Ader von meinem Vater geerbt und bin Gott sehr dankbar für zwei gesunde Hände. Mein Opa hatte Lungenkrebs und ich war derjenige, der seine Hand hielt, zu Hause, mit Morphium und dem ganzen Scheiß. Ich versprach ihm damals zwei Dinge: Eines davon war, mich solange er lebt, nicht tätowieren zu lassen. Das andere Versprechen erfüllte ich letztes Jahr, als ich meine Oma zu Grabe trug. Da mein Opa eher wie eine Vaterfigur für mich war, ist dieses Versprechen, solange er immer noch so präsent ist, nicht vergessen. Mittlerweile ist es aber auch der Stolz meiner Mutter, wenn sie ihren Freunden davon erzählt, dass ihr Sohn tätowiert, aber selbst kein Tattoo hat.«

Neben Track arbeiten noch Paco Sanchez und Lino, der Azubi, als feste Tätowierer im 187 Ink. Trotz der engen Reihen des 187-Universums sind Gasttätowierer gern gesehen, lässt Track mich wissen. »Es gibt immer die Option, auch bei uns zu Gast zu sein. Demnächst kommt jemand aus Bulgarien. Wir haben alles ziemlich gut aufgeteilt. Jeder hat seinen eigenen Raum und wir haben genug Platz, falls jemand zu Besuch ist. Bedingt durch die enorme Reichweite der Jungs haben wir echt viele Anfragen. So können auch Leute aus anderen Städten bei uns arbeiten. Also nicht nur Schulklassen von Bayern bis Itzehoe wollen uns besuchen, sondern auch Tätowierer von überall her wollen bei uns Guestspots. Aber wir müssen das selbst erstmal aufbauen hier.

Wir haben den ersten Monat hinter uns und jetzt ziehen wir Resümee. Wir müssen jetzt in erster Linie wachsen und schauen, wie sich alles findet. Wir haben hinten das Lager, vorn tätowieren wir und machen unser 187-Merchandise, dazu ist natürlich noch immer viel los, was das Publikum angeht – wir akklimatisieren uns noch. Wenn das durch ist, können sich die Tätowierer vorstellen. Wir suchen gezielt aus und möchten der Graffiti treu bleiben. Oft kennen wir die Leute auch über ein paar Ecken. Der Style soll schon zum Shop passen.«

Track und Pacho Sanches sind die beiden Tätowierer, die in der Homebase der 187 Strassenbande Farbe unter die Haut bringen.

Apropos treu bleiben …

Eines der wichtigsten Credos der Strassenbande ist, sich selbst treu zu bleiben. Sich in keine Schablone zwängen zu lassen. Das gilt Tracks Meinung nach genauso für die Tattooszene. »Ich komme aus dem Graffiti-Bereich und da heißt es eigentlich ›Each One Teach One‹. Ich höre immer nur ›der redet den schlecht, der hat Streit mit dem, der zieht zu viel Kokain‹ und so weiter. Als wir den Laden eröffnen wollten, bekam mein damaliger Chef Anrufe von anderen Tätowierern, warum denn noch ein Laden eröffnet werde. Nie würden solche Menschen anrufen, um dir zum Ausbildungsplatz oder zur gelungenen Eröffnung zu gratulieren. Lieber neidisch sein, weil man unzufrieden ist. Die sollen mir alle privat schreiben und ich schicke gerne die Kunden, die Unendlichkeitszeichen und Anker haben wollen, rum. Wenn die Fressneid haben – bitte. Aber erzählt mir nichts von Ehre und Kodex!«

Aufgrund dessen wird man Track auch so schnell auf keiner Convention antreffen. »Für mich ist das erstmal kein Thema. Da ich von diesen ganzen Menschen aus der Szene eher enttäuscht bin. Ich hab einfach keinen Bock auf diese ›Tattooconvention-sich-selber-feiern-Szene‹. Tattoos kommen aus der dreckigen Ecke. Das ist kein Modeschmuck, nur weil die ganzen Kirmesaffen ihre Unendlichkeitszeichen unter die Menschen bringen. Ich habe nichts dagegen, aber sage auch ehrlich, dass ich bei jedem Beratungsgespräch Männern und Frauen von diversen Tattoos abrate. Nicht aus Egoismus, sondern weil ich deren Kreativität fordern will.

Du willst was Eigenes, dann erzähl mir was und sag, wer du bist und wir finden etwas. Dafür muss ich weder im Knast gewesen, noch tätowiert sein, um klar denken und Entscheidungen treffen zu können, die die Kunden zu einem geilen Ergebnis führen. Dieses Gefühl, diese Leidenschaft, diese Liebe zu den Buchstaben, die seit sechzehn Jahren Teil meines Lebens sind und immer sein werden – das alles kann dir auch keine Tattooschule der Welt beibringen. Meine Design-Fachabi-Lehrer meinten früher, ich solle aufhören, meine Zeit mit dem Gekritzel zu verschwenden. Ich sollte mein Hauptaugenmerk nicht auf meine Graffitistyles legen, wenn ich meine Mappe anfertige, um Kunst zu studieren. Kein Lehrer hat mir Hilfe gegeben, alle haben meine Kreativität gefickt. Grüße an Herrn Peterlik aus meinem Kunstkurs, der mir jedes Jahr ’ne Fünf gegeben hat, weil ich nie das getan habe, was er wollte.«

Das »Love Mom«-Tattoo ist eines seiner ersten, gestochen ist es von Marc »Moral«. In seiner Jugend bereitete er seiner Mutter oft Kummer, gibt Gzuz zu.
 
Selbstverständlich legen sich Gzuz, Bonez MC und der Rest der Gang auch unter Tracks oder Pacos Nadel. Bunte Tattoos sind nicht so deren Ding, eher Black-and-Grey, erzählt mir Gzuz, nachdem wir ihn zu Hause abgeholt und vorher noch kurz beim Friseur abgesetzt haben. »Die Seiten sind way too long«, sagt er und nimmt noch einen schnellen Zug von seiner Zigarette, als wir vor dem Nachbarkiosk stehen. Tattoos sind für ihn wie eine Therapie. »So eine Art Selbstfindung auf jeden Fall. Es bringt dich zwar nicht durch eine schwere Zeit, aber symbolisiert vielleicht einen wichtigen Lebensabschnitt.«

2010 saß er für knapp drei Jahre in Santa Fu, einem Knast, in dem nur die richtig schweren Kaliber sitzen. Hier sind die »57« und das »Fuck Cops« auf Gzuz’ Schultern entstanden. Da die Gefängnisgrundausstattung kein komplettes Tattooequipment beinhaltet, macht Not bekanntlich erfinderisch. Da könnte sich selbst MacGyver noch was abgucken. »Ich hab im Knast für die Hofreinigung gearbeitet und da war ein Kassettenrecorder. Ich wusste, dass man aus der Maschine darin eine Tätowiermaschine bauen kann. Also hab ich’s geklaut und meinem Tätowierer im Knast gebracht. Der hat dann daraus an einem Tag eine Maschine gebaut und bekam von seinem Chef Nadeln und Farbe. Die Beamten kamen sogar nach Einschluss zu ihm und wollten von ihm was gemalt haben. Die Führungsschiene war der Strohhalm von ’nem Durstlöscher und dann gings los. Der Typ hat teilweise ganze Arme im Knast gemacht – mit allem Drum und Dran. Er hat mit einer Nadel schattiert. Bezahlt wurde mit Kaffee, Tabak, Schokolade oder Blättchen, das ist die Währung im Knast«, erzählt er mir, während er sich einen Joint dreht.

Der junge Maxwell ist ebenfalls ein bekannter Vertreter der 187 Strassenbande. Sein Durchbruch gelang ihm mit dem Kollaboalbum »Obststand«, das er mit LX aufnahm. Dieser ist gerade auf Urlaub und kann den Ruhm nicht ganz so genießen.

Keine Angst vorm Knast

Selbst jetzt, wo der Hype um ihn und seine Brüder, wie er sie gerne nennt, ins fast Unermessliche ausufert, hat der 28-jährige Rapper keine Angst, nochmal einwandern zu müssen. »Knast ist nie schön, aber manchmal ist er unumgänglich. Also ich hab keinen Schiss davor. Wenn es nochmal so weit kommt, dann ist das eben so. Sicher nicht ohne Grund, aber es kann jederzeit passieren. Wenn ich jetzt in eine Auseinandersetzung gerate oder so, werde ich nicht den Schwanz einziehen, nur weil ich Angst vorm Knast hab. Wenn mir jemand sagt, da sind 200.000 Euro drin, würde ich da auch einbrechen.«

Alles echt

Für genau diese »street credibility« werden sie so von ihren Fans gefeiert. Es vergingen keine zehn Minuten am Stück, ohne dass Gzuz nach einem Selfie gefragt wurde. Egal ob jung oder alt, ob Mutter mit Baby oder Grundschüler, der Gazo schlägt seinen Fans selten ein Foto ab. »Ich finde es nicht anstrengend. Okay, wenn ich bis in den Abend bis zu vierzig Fotos gemacht habe und dann noch eine Gruppe kommt, dann muss ich auch mal durchschnaufen. Aber es ist wirklich ganz selten bei mir der Fall, dass ich nein sage. Außer vielleicht, wenn ich meine Tochter auf dem Arm habe oder so. Ansonsten mach ich immer mit den Fans Fotos und hab ein nettes Wort für jeden. Bonez MC antwortet dann häufig auf die Facebook-Kommentare und hat da auch ein gutes Gespür für. Ich antworte lieber live. Ich hab da nicht so den Bezug zu.« Der Erfolg gibt ihm auf jeden Fall Recht, sich gegen die ursprünglich angepeilte Zuhälter- oder Drogendealer-Karriere entschieden zu haben.

Heute sitzen Gzuz und seine Jungs neben mir auf der Couch, im 187-eigenen Tattoostudio, geben Interviews, trinken Jägermeister und haben fast schon ein eigenes Imperium erschaffen. Doch so rosig waren die Zeiten längst nicht immer. »Ich bin mit vierzehn zu Hause rausgeflogen, weil meine Mutter alleinerziehend war und viel gearbeitet hat. Sie konnte das eben nicht so handeln. Wir mussten damals jeden Cent umdrehen. Dann hat sie mich zu Recht der Wohnung verwiesen. Ich hab ihr sehr viel Kummer gemacht und mir in der Zeit auch nichts sagen lassen«, erzählt er mir und ganz kurz mischt sich unter seine Coolness für einen Moment Nachdenklichkeit.

Der fette Hamburg- Schriftzug auf Gzuz Brust hat Track gezeichnet, gestochen ist er  von Bernd von Tattoo Freestyle. Die Wolken und Skyline sind von Paco, ebenso die Frau mit dem Reifen auf Gzuz Seite.

Haste was, biste was

Damals war gar nicht daran zu denken, in die angesagten Clubs reinzukommen, wo die 187er heute in Jogginghose mit offenen Armen und Magnum-Flaschen von Was-immer-sie-wollen empfangen werden. Das erzählt mir Maxwell und redet sich bei diesem Thema fast etwas in Rage, als er uns zum Bahnhof bringt. »Eigentlich ziemlich traurig, dass man nur so gesehen wird, wenn man erfolgreich ist und Kohle hat.« Aber trotz dicker Autos, immer genug Weed in der Tasche und fetten Goldketten chillen die Jungs eigentlich am liebsten auf der Straße oder im 187 Ink und machen ihre eigene Party. Die Strassenbande ist eben eine große Familie, ein Kreis mit eigenen Regeln, ohne Rivalitäten, Neid oder Missgunst. Einer steht für den anderen ein, kompromisslos und mit allen Konsequenzen.


Rappen, Sprayen und Tätowieren geht ja gerne Hand in Hand.
 
Szeneshop-Angebote
Der Heilige Gral - das Original-Vorlagenalbum des Tätowierers Christian Wahrlich

Der Heilige Gral - das Original-Vorlagenalbum des Tätowierers Christian Wahrlich

 

Über fünfzig Jahre nach dem Tod von Christian Warlich rückt das Lebenswerk der Hamburger Tätowierers wieder in den Blickpunkt der Szene. Mit dazu beigetragen…

Realistic in Black-and-Grey von Harry Weiss aus dem Hamburger Basement Ink Studio

Realistic in Black-and-Grey von Harry Weiss aus dem Hamburger Basement Ink Studio

 

Nicht kleckern, sondern klotzen, ist die Devise von Harry Weiss. Der Black-and-Grey-Realistic-Tätowierer macht aus seinem Lifestyle keinen Hehl, im Hamburger…

Max Laloi gefällt … das Schädeltattoo von Christian Otto.

Max Laloi gefällt … das Schädeltattoo von Christian Otto.

 

Tätowierer haben naturgemäß einen kritisch-professionellen Blick auf die Arbeiten anderer Tätowierer. Wir fragen Tattookünstler, welches Werk von Kollegen…

Realistic-Tattoos von Naktata aus Neuss

Realistic-Tattoos von Naktata aus Neuss

 

Auf der Dortmunder Convention gewann der charismatische Tätowierer Nakata den Preis für »Best Realistic«, für »Best of Saturday« sowie für »Best of Sunday«…

Rapper eRRdeKa: Mit Tattoos ins Paradies

Rapper eRRdeKa: Mit Tattoos ins Paradies

 

eRRdeKa ist zielstrebig; der junge Rapper will so schnell wie möglich viele Tattoos haben. Hauptsache Black-and-Grey und der Tätowierer ist kein Arschloch.

Der große TätowierMagazin Nachwuchscontest 2015

Der große TätowierMagazin Nachwuchscontest 2015

 

Die TM-Redaktion hat aus den eingesandten Bewerbungen die zehn Halb-Finalisten des diesjährigen TM-Nachwuchswettbewerbs ausgewählt, jetzt seid ihr dran,…

Neo-Traditionals von Cionka und Jesper Jorgensen

Neo-Traditionals von Cionka und Jesper Jorgensen

 

Zwei Tätowierer, zwei unterschiedliche Konzepte. Mit Cionka und Jesper Jørgensen stellen wir zwei Traditional-Tätowierer vor, die unterschiedlicher gar…

Der König der Tätowierer

Der König der Tätowierer

 

Das Hafenmilieu und Tattoos sind seit jeher eng miteinander verbunden – so auch in Hamburg. Wir sprachen mit dem Kunsthistoriker Ole Wittmann über die…

Das etwas andere Cover-up: Blast over!

Das etwas andere Cover-up: Blast over!

 

Ein Blast-over ist eine Cover-up-Variante für Tätowierungen, die im eigentlichen Sinne gar keine ist: Das neue Tattoo wird über das alte gestochen, ohne…

Ten Years of Awesomeness

Ten Years of Awesomeness

 

Die London Tattoo Convention, die wohl wichtigste Versammlung von tätowierten Menschen auf diesem Globus, feiert Jubiläum! Seit zehn Jahren gibt es dieses…

Mimi Erhardts Kolumne: Mimi erklärt, warum Freundschaftstattoos fetzen

Mimi Erhardts Kolumne: Mimi erklärt, warum Freundschaftstattoos fetzen

 

In ihrer monatlichen Kolumne »Die Kippe danach« schreibt Autorin Mimi Erhardt, Boss Lady des Sexblogs Mimi&Käthe, über kuriose Geschichten und Beobachtungen…

Speedrocker V8 Wankers

Speedrocker V8 Wankers

 

Gegründet im Jahr 2000, können die Offenbacher Kult-Speedrocker V8 Wankers nun auf 15 Jahre Bandgeschichte zurückblicken. Zum 15-Jährigen erzählt Frontmann…

Rap im Nirvana-Style

Rap im Nirvana-Style

 

Seine Reime haut er raus, als würde er ein Maschinengewehr abfeuern: schnell und aggressiv. Aber der US-Rapper sieht sich mittlerweile eher als »Rock Artist…

Szeneshop-Angebote
Stand:22 November 2017 08:25:07/szene/drei+zahlen+ein+phaenomen+-+187+strassenbande_1611.html