Die Monster aus der Nachbarschaft

24.09.2014  |  Text: Fabienne Anthes  |   Bilder: Sascha Goldbach (www.itwaitsart.de), Luisa Sole (www.lulugraphie.de)
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Die Monster aus der Nachbarschaft
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Als Walking Act treten die Mitglieder der Horror-Truppe FrightGuys auf Veranstaltungen auf. Mit ihren kunstvollen Kostümen und aufwendiger Maske erwecken sie die Horror-Charaktere aus den Gruselfilmen zum Leben.
Vor fünf Jahren gründeten die beiden leidenschaftlichen Horrorfilm-Fans Axel und Mike auf dem »Weekend of Horrors«, Europas größter Horror-Convention, die jährlich in Oberhausen stattfindet, die Horror-Truppe »FrightGuys«. Motivation waren schlicht die Begeisterung fürs Horror-Genre und der Wunsch, mit professionellen Ko-stümen und Masken verkleidet die eigenen Lieblings-Horror-Charaktere darzustellen.
Die »FrightGuys« in voller Pracht (von links nach rechts): Kristiane, Daniel, Miriam und Axel.
Die »FrightGuys« in voller Pracht (von links nach rechts): Kristiane, Daniel, Miriam und Axel.
Nach einigen Umbesetzungen der Gruppe umfasst »FrightGuys« aktuell vier Mitglieder, die in Solingen, Monheim, Borken und Magdeburg wohnen und keine Wege scheuen, auf Events wie Horror-, Tattoo-, Biker- und Film-Conventions in ganz Deutschland sowie in Frankreich und Belgien aufzutreten. Meist mit einem eigenen, von Daniel aufwendig ausgestatteten Horror-Stand vertreten, erschrecken sie vor Ort als sogenannter »Walking Act« die Besucher, lassen sich mit ihnen in ihren kunstvollen Kostümen fotografieren und beantworten Fragen zu Kostümen, Masken und Horror-Make-ups. Auch uns stehen die »FrightGuys« in unserem Horror-Special Rede und Antwort und lassen uns zudem einen Blick auf ihre Horror-Tattoos unter den Kostümen werfen.
Miriam trägt ein Porträt von Mona, ihrem Mops, unter der Haut. Gestochen wurde dies von Freulein Fux aus dem Studio Eisenherz in Magdeburg.Miriam wirft sich zur Zeit gerne als Zombie-Cheerleaderin in Schale.
Miriam wirft sich zur Zeit gerne als Zombie-Cheerleaderin in Schale. Sie trägt ein Porträt von Mona, ihrem Mops, unter der Haut. Gestochen wurde dies von Freulein Fux aus dem Studio Eisenherz in Magdeburg.

Worin liegt der Reiz, bei einer Gruppe wie  den »FrightGuys« mitzumachen?
Miriam: Horror gehört für mich zum Leben dazu, seit ich denken kann. Meine Mama erzählte mir, wie sie mit mir im Bauch Horrorfilme der 80er (»The New York Ripper«, »Muttertag«, etc.) geguckt hat. Somit wurde mir diese Leidenschaft quasi in die Wiege gelegt. Der Reiz, Kostüme zu entwerfen und zu tragen, liegt für mich darin, die Reaktionen der Menschen zu beobachten. Manche sind fasziniert, manche erschrecken sich. Ich bin 31 Jahre alt und studiere im Master Psychologie mit dem Schwerpunkt »kognitive Neurowissenschaften« in Magdeburg. Die »FrightGuys« lernte ich damals auf einer Convention kennen, es entwickelte sich eine enge Freundschaft und auf einmal war ich Teil dieser verrückten Spezies. Unsere Leidenschaft, unsere Liebe zum Detail verbinden uns. Schwierig ist für mich die Entfernung, da ich in Magdeburg wohne und sich der Großteil der Horrorszene im Ruhrgebiet und Umgebung abspielt. Das zu koordinieren ist nicht einfach.
 
Axel mit Jason-Voorhees-Maske. Axel hat sich von Heinz Graynd von Bunte Haut in Solingen auch »FrightGuys« und deren Gründungsjahr 2009 als geritzten Schriftzug tätowieren lassen.

Axel mit Jason-Voorhees-Maske. Er hat sich von Heinz Graynd von Bunte Haut in Solingen auch »FrightGuys« und deren Gründungsjahr 2009 als geritzten Schriftzug tätowieren lassen.
Fertigt ihr eure Kostüme komplett selbst?
Daniel: Da wir die Kostüme so perfekt wie möglich erscheinen lassen wollen, ist es uns nicht immer möglich, alles selbst zu machen. Wir sind alle handwerklich geschickt und kreativ, so bin ich ja gelernter Schauwerbegestalter und Krissy ist Mediengestalterin, aber bei manchen Materialien stoßen wir bei der Verarbeitung an unsere Grenzen. Ein Teil der Masken und Waffen, die wir tragen, stammt also von verschiedenen Verkäufern. Den Rest machen wir selbst. Dabei verlieren wir uns gerne in Details und arbeiten lange dran, die spezifischen Merkmale der Figuren herauszuarbeiten. Mit zunehmender Erfahrung steigern wir uns natürlich konstant und werden immer besser.
 
Kristiane ist nicht nur Horror-, sondern auch Comicfan. Auf ihre Wade bekam sie von Sascha Niedenführ den Marvel-Antihelden »Deadpool« tätowiert.Kristiane trägt nicht nur ein Scarecrow-Tattoo am Oberarm, sondern verkörpert den Bösewicht auch im selbstgeschneiderten Kostüm.Kristiane trägt nicht nur ein Scarecrow-Tattoo am Oberarm, sondern verkörpert den Bösewicht auch im selbstgeschneiderten Kostüm.
Kristiane trägt nicht nur ein Scarecrow-Tattoo am Oberarm, sondern verkörpert den Bösewicht auch im selbstgeschneiderten Kostüm. Kristiane ist nicht nur Horror-, sondern auch Comicfan. Auf ihre Wade bekam sie von Sascha Niedenführ den Marvel-Antihelden »Deadpool« tätowiert.

Werden die Charaktere in der Truppe miteinader abgesprochen oder aufeinander abgestimmt?
Axel: Natürlich versuchen wir, uns vorher abzusprechen, wer welche Figur darstellt, allein schon, damit wir nicht als die gleichen Charaktere auftauchen. Das wäre ja schade um die ganze Mühe, die man sich bei der Kostümherstellung macht. Die Ausgangsfrage ist eigentlich immer: »Was passt zu mir, zu meiner Statur usw. und wen möchte ich darstellen?« Diese Idee wird dann vorgestellt und obwohl man sich natürlich am meisten ins eigene Kostüm einbringt, versuchen wir dann auch gemeinsam daran zu arbeiten, um möglichst nahe an das Original ranzukommen.Ist man als Frau in der Wahl seiner Kostüme eingeschränkter oder spielt das keine Rolle?
Kristiane: Ich finde schon, dass man als Frau eingeschränkter ist. Die meisten bekannten Horrorfiguren sind männlich. Dennoch bin ich der Meinung, dass sich vieles machen lässt. Ich finde, als Frau kann man ruhig auf männliche Rollen zurückgreifen, solange man die Figur glaubwürdig darstellen kann. Ein 1,69 großer, schmaler Jason würde natürlich nicht ganz so gut ankommen.
Miriam: Im Horror-Genre ist es schwierig als Frau Filmrollen zu finden, bei denen die Frau nicht das Opfer ist. Dazu kommen Probleme wie eine stark abweichende Figur oder die falsche Haarfarbe. Für das »Weekend of Horrors« im letzten Jahr färbte ich mir die Haare braun, so dass ich die Figuren »Frankensteins Braut« und Iris aus »30 Days of Night« perfekt verkörpern konnte. Nicht einmal enge Freunde erkannten mich auf dem Event – das war ein großer Spaß.
Nachdem Daniel bei den »FrightGuys« unter anderem als Horror-Clown und Mumie performte, verkörpert er zur Zeit Leslie Vernon, einen Serienkiller aus dem Horrorfilm »Behind the Mask«.
Nachdem Daniel bei den »FrightGuys« unter anderem als Horror-Clown und Mumie performte, verkörpert er zur Zeit Leslie Vernon, einen Serienkiller aus dem Horrorfilm »Behind the Mask«.
Bei Faschings- und Halloween-Kostümen wählen Frauen und Mädchen gerne Kostüme, die nicht zu sehr entstellen und immer noch sexy sind. Habt ihr eigenen Beobachtungen dazu gemacht?
Kristiane: Oh ja, bei jeder Kostüm-Recherche treffe ich auf das Thema »Sexy Kostüm« und ich glaube, diese Ausrichtung der Rollenbilder beim Verkleiden wird sich auch nicht wirklich ändern. Klar spiele ich auch gerne mit meinen weiblichen Reizen, aber für mich muss es zum Kostüm passen. Aktuell bin ich ja als Scarecrow verkleidet und da habe ich schon drauf geachtet, dass das Fetzenkleid etwas figurbetonter genäht ist – aber bei der Maske hat man keine Chance und das ist auch okay. Wie würde das denn aussehen: eine Vogelscheuche mit sexy Make-up? Nicht gerade gruselig, oder? Und auch bestimmt nicht irre.
Miriam: Ich achte bei Kostümen immer darauf, nicht entstellt zu sein, und mich selbst noch weiblich zu fühlen. Als Zombie kann man gut knappe, enge Kostüme tragen und zu dem Dracula-Kostüm gehören für mich ebenfalls Korsage und hohe Schuhe.
 
Kristianes Lieblingsfilm: Silent Hill.
Miriams Lieblingsfilm: Haus der 1000 Leichen.
Axels Lieblingsfilm: Freitag der 13.
Kristiane
»Ich mag Filme, die mich so in ihren Bann ziehen, dass ich drumherum alles vergesse. So ein Film ist für mich ›Silent Hill‹. Er schafft es, dass ich den Atem anhalte. Ich mag die Idee mit der Parallelwelt und finde Stadt und Monster sehr gut umgesetzt.«
Miriam
»Mein liebster Lieblingshorrorfilm ist Rob Zombies ›Haus der 1000 Leichen‹.
Der Film ist bunt, kreativ, blutig und abgedreht. Sheri Moon Zombie ist für mich eine der schönsten Frauen der Welt, und Sid Haig ist als Captain Spaulding großartig.«
Axel
»Ich bin immer noch ein treuer Fan der ›Freitag der 13.‹-Reihe. Jason kriegt sie alle – egal wie sehr man ihn schädigt, er kommt wieder. Diese Filmreihe inspirierte mich zu meinem ersten Kostüm und damit fing dann auch die Geschichte
der ›FrightGuys‹ an.«
Daniel
»Im Gegensatz zu Axel bin ich ein großer Fan der ›Nightmare on Elm Street‹-Reihe. Ich liebe den Kontrast zwischen Traumwelt und Realität. Hinzu kommt, dass Freddy Krueger einfach einer der fiesesten Filmbösewichte
aller Zeiten ist .«

Axel, du bist Gründungsmitglied der Truppe: Welche Charaktere hast du schon dargestellt und in welchen Intervallen schlüpfst du in ein neues Kostüm?
Axel: Bisher habe ich den Jason Voorhees, Freddy Krueger, Michael Myers, den Wolfman und Leatherface verkörpert. Hin und wieder spielte ich auch einen Zombie, der aber eigentlich nicht zu meinem festen Programm gehört. Welches Kostüm ich wann trage, hängt vom Event, aber auch mal von meiner eigenen Stimmung ab. Schließlich sind manche Kostüme auch einfach angenehmer zu tragen als andere. Wann ein neues Kostüm
dazukommt hängt davon ab, ob man eine Idee hat und auch die Möglichkeit, sie umzusetzen.

Wie geht es weiter mit den »FrightGuys?«
Daniel: Wir möchten noch viele Leute erschrecken, allen zeigen, was wir können, und
noch mehr begeistern! Kurz und knapp: Man kann uns für verschiedene Veranstaltungen buchen. Auch für Hochzeiten.
 
 Ingo Niedballa, 38, Maskenbildner
Ingo Niedballa, 38, Maskenbildner, bei der Arbeit.Das ist keine echte Wunde – das ist Kunst.Wie wird man Maskenbildner und wie bist du persönlich dazu gekommen?
Maskenbildner ist ein anerkannter Ausbildungsberuf, den ich an einer Privatschule erlernt habe. Natürlich gibt es auch staatliche Schulen. Ich habe diesen Beruf gewählt, weil mich skurrile Verwandlungen schon immer fasziniert haben. So war ich zum Beispiel schon als Teenager von der Filmreihe »Nightmare on Elmstreet« und speziell der Freddy-Krueger-Maske begeistert. Nehmen Horror-Make-ups einen großen Teil dessen ein, was du so machst? Maskenbildnerei ist ein Gebiet, in dem man die Möglichkeit hat, sehr frei zu arbeiten. Von Make-up über Masken, Prothesen bis zur Herstellung von Überziehmasken sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Ich selbst habe mich mehr dem Bereich SFX zugewandt, das sind Special-Effects für Film und Fernsehen, da das meine große Leidenschaft ist. In letzter Zeit boomen aufgrund von Fernsehserien wie »The Walking Dead« Zombie-Masken. Man kann also sagen, das Horror-Genre ist gerade im Aufwind, daher hat man auch als Maskenbildner mehr zu tun.

In nur zwei bis drei Stunden wird eine attraktive junge Frau zum Zombie.Worin besteht bei horrorspezifischen Make-ups die größte Schwierigkeit und was ist schwer umzusetzen?
Generell ist es nicht schwer, ein Horror-Make-up oder eine Horror-Maske herzustellen, wenn man das richtige Werkzeug und das richtige Material zur Verfügung hat. Eine Herausforderung wird es natürlich, wenn man etwas Aufwändigeres in einem kurzen Zeitraum herstellen muss. Eine Maske, also eine Silikon-Prothese nahtlos aufzukleben, so dass man keine Ränder sehen kann, kann unter Zeitdruck stressig werden.
Hast du einen Tipp für unsere Leser, wie man ein effektvolles Horror-Make-up zaubern kann?
Hier ist natürlich Kreativität gefragt. Es gibt Materialien wie zum Beispiel Zwei-Komponenten-Silikon, welches direkt auf die Haut aufgetragen wird und womit tolle Wunden modelliert werden können. Dazu noch ein wenig Kunstblut und fertig ist der Hingucker.

Würdest du zu selbstgemischtem Kunstblut wie dem Klassiker aus Traubensaft und Kakao raten oder lieber zu fertig gemischten Industrieprodukten, die man im Internet bestellen kann?
Ich als Maskenbildner nehme natürlich industriell hergestelltes Kunstblut, aber generell kann man ja alles nehmen, was schön ekelig aussieht. Wenn es zu Hause schnell gehen muss, kann man auch Lebensmittelfarben in Rot, Grün und Braun mit Zucker und Wasser anrühren, auch das gibt einen guten Effekt.


Ingo Niedballa
»IN Arts« Make-up-Studio
Künkelstraße 123
41063 Mönchengladbsch
www.sfx-maskenbildner.de

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