Der Zauber der Oushem-Tattoos

08.05.2015  |  Text: Travelingmic  |   Bilder: Travelingmic
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Der Zauber der Oushem-Tattoos
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Das Märchenland Marokko bietet nicht nur den Zauber von Tausendundeine Nacht, sondern auch eine der ältesten Tattookulturen der Welt. Die stolzen Berberfrauen im Atlas, dem Hochgebirge im Nordwesten Afrikas, ließen sich noch bis vor nicht allzu langer Zeit ihre Oushem ins Gesicht und auf die Arme stechen.
Das Märchenland Marokko bietet nicht nur den Zauber von Tausendundeine Nacht, sondern auch eine der ältesten Tattookulturen der Welt. Die stolzen Berberfrauen im Atlas, dem Hochgebirge im Nordwesten Afrikas, ließen sich noch bis vor nicht allzu langer Zeit ihre Oushem ins Gesicht und auf die Arme stechen. Die Zeiten ändern sich auch in Nordafrika, aber die Magie der traditionellen Tätowierungen der Imazighen, wie sich die ursprüngliche Ethnie und die Bewohner der nordafrikanischen Länder selbst nennt, bleibt.
 
Eine der tätowierten Berberinnen um Amizmiz in Marokko, die stolz sind auf ihre traditionellen Tattoos. Die circa 18 Millionen Berber leben in einem Raum, der sich von der Atlantikküste Marokkos bis in den heutigen Irak erstreckt.
(l) Die circa 18 Millionen Berber leben in einem Raum, der sich von der Atlantikküste Marokkos bis in den heutigen Irak erstreckt. (r) Eine der tätowierten Berberinnen um Amizmiz in Marokko, die stolz sind auf ihre traditionellen Tattoos.

 
Man ahnt es schon, wenn man das uralte Lied der Berberinnen über das Tätowieren hört: Die Bewohner der Berge und Wüsten Marokkos nehmen ihre Tattoos ernst. Kein Mann aus den Berberclans in den Tälern des Atlas und den Ausläufern der Sahara hätte jemals daran gedacht, sich ein Mädchen zur Frau zu nehmen, das nicht die Oushem trägt. Sie wäre keine echte Berberin gewesen, die mit Stolz die Traditionen eines der ältesten Völker der Welt hochhält.

 
 Traditionelles Berberlied
 
»Afakem, Afakem, oh du Tätowiererin!
Du bist unvergleichlich im Gebrauch der Nadel, ob groß oder klein!
Du weißt, wie du den Ruß der Lampe und den Saft des Efeus zu verwenden hast,
damit das Blau deiner Tattoos nie verblasst!
Im ganzen Atlas bietest du die schönste Kunst,
Frauen und Mädchen in unseren Dörfern raufen um deine Gunst,
suchen deinen Rat.
Kein Mann heiratet uns,
bevor er sich nicht sicher ist, dass es deine Nadel war, die uns gestochen hat.
Oh, geliebte Tätowiererin, möge Gott dich segnen,
dich überschütten mit seinen Gaben!«
 
Tattoos aus Ruß und Dornen

Und es waren fast immer ältere Frauen aus dem gleichen Clan, die der jungen Berberin mit Dornen des Zitronenbaums und einem Gemisch aus Lampenruß und zerstoßenen Blättern die Siyalamuster aufs Kinn oder die heilige Palme Chedjra auf die Stirn tätowiert haben. Sie waren die Hüterinnen des uralten Wissens von der Wirkung der magischen Medizin und wie man sich vor dem bösen Blick und den heimtückischen Geistern schützt, die sich in den Körper der unschuldigen Mädchen bohren. Beim Tätowieren gaben sie den jungen Frauen auch Ratschläge; teilten ihre Erfahrungen, wie sie es in ihrer Ehe halten sollte, um den Zukünftigen unter allen Umständen des Lebens zufrieden stellen zu können.
 
Tätowierte Berberinnen bei Amizmiz, Marokko.Tätowierte Berberinnen bei Amizmiz, Marokko.

Als Mutter würden sie dann noch zusätzlichen Schutz brauchen, die segnende Hand von Fatima, der Tochter des Propheten. Der Legende nach war sie es, die den Berbern die Oushem geschenkt hatte, und oft wird erzählt, dass sie selbst tätowiert gewesen sei. Die junge Mutter musste wissen, was zu tun ist, wenn das Kind krank würde und welche heilenden Tattoos es braucht. Die Kindersterblichkeit war hoch, Mütter mussten häufig den Verlust mehrerer Babys verkraften. Zum Schutz könnte ein tätowierter Punkt auf der Nase oder am Auge die Geister fern halten. All dieses Wissen musste weiter gegeben werden. An diesem einen Tag, wenn die Mädchen die Oushem erhielten, wurden sie zu Frauen, noch bevor die Hochzeitszeremonie gefeiert wurde.

Es ist auch keine Überraschung, dass den Oushem unterschwellig immer wieder sexuelle Bedeutungen nachgesagt werden, zumal noch vor 50 Jahren Tattoos auf dem ganzen Körper gestochen wurden. In der umfangreichen französischen Literatur über die Berber gibt es zahlreiche Hinweise auf die erotische Komponente der Oushem, bei denen auch die Fruchtbarkeitssymbolik eine Rolle spielt.

Der vollständige Artikel ist im TätowierMagazin 05/2015 nachzulesen.
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