Der Newcomer des Jahres: Dustin Levi

26.01.2018  |  Text: Dirk-Boris Rödel  |   Bilder: Annegret Hirschmann, Dustin Levi
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Der Newcomer des Jahres: Dustin Levi
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Dustin Levi gewann auf der Convention in Kassel beim »Battle of the Best« den ersten Platz im TM-Nachwuchscontest 2017. Mit seinem Hasen-Tattoo im Graffiti-Style überzeugte er die Jury. Wie er seinen Stil in nicht einmal drei Jahren entwickelte erklärt er im Interview.


Es sind einige Wochen vergangen, seitdem du im »Battle of the Best« Sieger des TätowierMagazin-Nachwuchscontests 2017 wurdest. Was ist seither passiert?
Klar, ich hab natürlich ganz viel Feedback von Freunden und der Familie bekommen und auch die Kunden, die seitdem zu mir kamen, haben mich gleich darauf angesprochen, sobald sie zur Tür reinkamen. Aber die größte Veränderung kam eigentlich von einer ganz anderen Seite. Es ist nämlich so, dass ich mit meiner Freundin Ashtray Arts und meinem Kollegen Rootist das Studio übernehmen werden, weil Jessy Manchester auf Reisen geht.

Es überrascht immer wieder, dass bereits junge Tätowierer ihren Stil gefunden haben und diesen straight durchziehen können.

Nach dem Gewinn auch noch ein renommiertes Studio weiterzuführen – mehr kann man sich kaum wünschen. Ihr übernehmt das Studio komplett von Jessy Manchester?
»Ja, das Studio hat inzwischen den Namen ›Atelier Klammheimlich‹ bekommen. Bisher hatte es ja noch keinen, sodass man von außen nicht sah, dass es ein Tattoostudio ist. Wir haben hier schon vorher viel selbst gemacht, jetzt müssen wir uns natürlich auch um alle Bestellungen kümmern und so, ich werde vielleicht nicht mehr so oft auf Messen fahren können, aber viel ändert sich wahrscheinlich gar nicht.


Warst du während des »Battle of the Best« wirklich so gechillt oder hat das nur von außen so gewirkt?
Nö, ich war da schon entspannt. Ich hab mir da auch keinen großen Kopf gemacht und so gearbeitet, wie ich das immer tue. Klar, kurz bevor das Thema bekannt gegeben wurde, war ich schon ein bisschen aufgeregt. Aber das Thema Kindheitserinnerungen (die Teilnehmer mussten ein Tattoo zu diesem erst im Finale bekanntgegebenen Thema stechen, Anm. d. Red.), das war ja wirklich super, und ab da war alle Aufregung verflogen.

Es überrascht immer wieder, dass bereits junge Tätowierer ihren Stil gefunden haben und diesen straight durchziehen können.

Vielleicht hattest du auch dadurch einen leichten Vorteil, dass du schon ziemlich oft auf Conventions gearbeitet hast, deine allererste war die Hamburger Tattooconvention in der Markthalle, bei der es immer ziemlich trubelig zugeht. Hattest du in Kassel überhaupt Zeit, mal zu schauen, was die anderen beiden Finalisten machen?
Wir haben uns alle drei sehr gut verstanden und am Freitagabend vor der Convention waren wir zusammen essen und haben uns ausgetauscht. Auch während der Convention haben wir uns immer wieder unterhalten und geschaut, was die anderen machen.


Wie würdest du denn jetzt eure drei Arbeiten beurteilen?
Ich fand, das Thema war von allen gut umgesetzt, aber eben von allen dreien in komplett unterschiedlichen Stilen. Das Tattoo von Carmela fand ich super, bei Franks Tattoo – also, als ich seinen Entwurf gesehen hab und wie er schon am Samstag angefangen hat zu tätowieren –, da dachte ich: Okay, den ersten Platz mach ich schon mal nicht! Aber vielleicht hätte sich Frank mit einem kleineren Tattoo einen Gefallen getan, das er nicht auf zwei Tage verteilt hätte stechen müssen.

Es überrascht immer wieder, dass bereits junge Tätowierer ihren Stil gefunden haben und diesen straight durchziehen können.

Was wäre da der Vorteil gewesen?
Ich glaube, bei seinem Kunden Pirmin war die Haut nach dem ersten Tag schon sehr gereizt. Ich denke, dass dadurch die Farben verfälscht waren. Sonst sind Franks Arbeiten von den Farben viel kräftiger, leuchtender, es kann sein, dass davon etwas durch die gereizte Haut verloren ging.


Du hast ja beim »Battle of the Best« deinen eigenen, sehr individuellen Stil umgesetzt – wo kommt der her, wie hat sich der entwickelt?
Ich komme aus dem Graffiti-Bereich, Auftrags- und Fassadenarbeiten, das sah bei mir immer schon eher wild und abstrakt aus. Das heißt, ich hab gar nicht versucht, bewusst in die Richtung zu gehen, das hat sich mehr so ergeben. Natürlich hab ich mich da weiterentwickelt, bin da klarer geworden, achte darauf, dass es haltbar ist und nicht zu viele kleine Details drin sind.

Es überrascht immer wieder, dass bereits junge Tätowierer ihren Stil gefunden haben und diesen straight durchziehen können.

Du hast deinen Stil von der Street Art auf das Tätowieren übertragen?
Ja, schon, ich mach jetzt dickere Linien außen und arbeite nicht mehr so verspielt, früher gingen da die Striche drunter und drüber, das ist jetzt alles klarer, weniger chaotisch.


Reizen dich auch mal andere Stile, wie Japanisch, Traditional?
Ich hab eine Ausbildung in Kiel gemacht und da tatsächlich alles tätowiert, was mein Mentor mir zugetraut hat, also auch Japanisch, Tribal, viele Anker und Unendlichkeitsschleifen, Blumen, realistische Sachen … Aber inzwischen würde ich solche Anfragen an andere Kollegen weiterleiten, die das besser umsetzen können.


Du kannst dir jetzt den Luxus erlauben, nur noch Anfragen zu deinem Stil anzunehmen?
Ja, genau, da hat natürlich auch der Contest mit dazu beigetragen!

Es überrascht immer wieder, dass bereits junge Tätowierer ihren Stil gefunden haben und diesen straight durchziehen können.


Das Contest-Tattoo: Wilder Graffiti-Hase

Die Jury überzeugte Dustin mit diesem Hasenmotiv, das er in seinem Stil gut auf seiner Kundin Pia umgesetzt hat. Die Linien, selbst wenn sie sich kreuzen, sind stimmig gesetzt, die wilden »Krakel« mit »richtigen« Schattierungen unterlegt. Den Charakter einer gescribbelten Zeichnung hat er überzeugend auf die Haut übertragen.


Das Contest- und Gewinner-Tattoo: Wilder Graffiti-Hase




Auch im Online-Porträt: Der Zweitplatzierte des TM-Nachwuchscontests war Frank Danisch und die Drittplatzierte Carmela Sullivan. 





KONTAKT

Atelier Klammheimlich

Hamburg

IG: Atelier_klammheimlich 


Das Klammheimlich-Team v.l.n.r.:Sunni (IG: sunshine_sun_art.tattoos)Philipp (IG: rootist_tattoo)Dustin (IG: dustin_tattoo_art)Romina (IG: ashtray_arts_tattoos)
 
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