Von Elfenohren und anderen Körperidealen

29.09.2017  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Cakie, Photography MadeByKevin
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Alternativemodel Hedwig von Hohenstein erzählt, wie sie mit 18 Jahren anfing, ihr Äußeres nach ihren Vorstellungen zu verändern und wie sie heute mit Ehemann Jan im Mindener Tattoostudio Artcore ein erfolgreiches Business betreibt.
Schon mit 15 Jahren wusste Hedwig, dass sie mal Elfenohren haben will. »Ich hab mir die Ohren damals sogar mit Tesa abgeklebt, das war natürlich so ’ne Kinderaktion. Doch der Wunsch blieb, ich wusste, später will ich das haben!« Mittlerweile hat Hedwig nicht nur ihre Lauscher zu echten Elfenohren modifizieren lassen, sondern auch ihre Zunge spalten lassen, sie trägt außerdem dauerhaft spitze Vampirzähne an Stelle ihrer Eckzähne, Magnetimplantate unter der Haut, hat eine Silikonform in ihrem Handrücken, gedehnte Ohrlöcher und diverse Piercings. Außerdem schmücken zahlreiche Tattoos den Körper des Alternativemodels Hedwig von Hohenstein – auch an sichtbaren Stellen, wie dem Hals und dem Gesicht. Dass sie bunte Haare hat, wirkt dagegen wirklich völlig normal.

»Ich habe nicht das Gefühl, anders zu sein.«

Vor Hedwigs 18. Geburtstag wäre das alles nicht denkbar gewesen, doch danach hat sie ziemlich schnell losgelegt. »Tattoos fand ich ja immer schon toll, doch das durfte ich vor meiner Volljährigkeit noch nicht. Das hätte Ärger gegeben.« Ab dem 18. Geburtstag legte Hedwig dann los. Seit 2012 modelt sie nun sogar als Alternativemodel und die Anfragen häuften sich rasch. »Ich habe mich damals ganz simpel in der Modelkartei eingeschrieben, weil ich einfach Bock drauf hatte. Und recht bald hat mich dann ein Fotograf angefragt, ob ich nicht Lust hätte, für TATTOO EROTICA zu shooten. Das haben wir dann auch gemacht.«

Doch wieso diese Veränderung? Auf den ersten Blick könnte man meinen, Hedwigs Bestreben sei es gewesen, anders sein zu wollen und sich von der Masse abzuheben. Doch tatsächlich ging es ihr darum nie: »Selbst wenn jeder so rumlaufen würde, wäre mir das ganz egal. Ich wollte das einfach für mich haben und nicht, um mich abzuheben, wie viele glauben. Ich habe das alles machen lassen, weil ich es einfach sehr schön finde.« Wer mit üppiger rosa Haarpracht, Elfenohren, spitzen Zähnen und krassen Tattoos durch die Welt geht, fällt allerdings zwangsläufig auf und sticht aus der Masse hervor. Wie geht man damit um, wenn das doch gar nicht das Ziel war? 

Für Shootings hält sich Piercerin und Tattoomodel Hedwig die Wochenenden gerne frei. Unter der Woche arbeitet sie im Studio Artcore.

Model Hedwig sagt: »Ich habe nicht das Gefühl, anders zu sein.«

»Da meine Veränderung peu à peu kam, habe ich das so nie wahrgenommen. Es hat mit der Zunge angefangen, aber eine gespaltene Zunge fällt ja keinem auf. Für mich war das dennoch ein großer Schritt, eine Überwindung.« Der Bedeutung dessen, was Hedwig da nun mit ihrem Körper anstellt, war sie sich immer bewusst. »Den Körper tatsächlich zu modifizieren war schon krass. Ich habe mich natürlich gefragt, was ist, wenn es mir hinterher nicht gefallen könnte. Aber ich habe schnell gemerkt, das ist voll mein Ding.« Und so kam stückchenweise immer mehr dazu. »Dir fehlt dann schnell das Gefühl für die Außenwirkung, da es für dich selbst ganz normal ist. Ich habe zum Beispiel nicht das Gefühl, anders zu sein.« Bewusst wird es Hedwig nur dann, wenn sie etwa mit ihrer Mutter in Göttingen Kaffee trinken geht und sie ihre Tochter dann darauf hinweist, es würden ja alle Leute gucken. Ihr ist es dann oft unangenehm, noch bevor das Model überhaupt merkt, dass jemand schaut. 

Einen großen Beitrag dazu, dass Hedwig sich so frei entfalten kann und sich nicht anders fühlen muss, bringt das Umfeld mit, in dem sie arbeitet. Während des Abiturs hat Hedwig als Aushilfe in einem Piercingstudio gejobbt. Zunächst hat sie dort nur geputzt und zugeguckt. Schnell hat sie aber Blut geleckt und nach einem Jahr besuchte sie Seminare und fing an, selbst zu piercen. Von Göttingen zog es die heute 24-Jährige nach Köln, von der Domstadt ging es nach Hannover und von dort letztlich nach Minden. Hier lebt sie seit drei Jahren, seit zwei Jahren arbeitet sie hier selbstständig als Piercerin. 

Alternativemodel Hedwig von Hohenstein erzählt, wie sie mit 18 Jahren anfing, ihr Äußeres nach ihren Vorstellungen zu verändern und wie sie heute mit Ehemann Jan ein erfolgreiches Business betreibt.
In Minden fand Hedwig nicht nur beruflich ihre Erfüllung, sondern auch ihren besten Freund und die große Liebe in ihrem Ehemann und Geschäftspartner Jan Hartmann. Vor ein paar Monaten haben die beiden ihre Liebe mit einem Ja-Wort besiegelt. Jan ist seit acht Jahren Tätowierer und betreibt seit vier Jahren das Studio Artcore Tattoo in Minden. Gerade erst feierten Jan und Hedwig Neueröffnung. Größer, schöner, lifestyliger ist Artcore geworden. Das Studio verbindet jetzt, was schon lange für viele Menschen zusammengehört: Tattoo und Piercing mit Beauty und Lifestyle. Das bedeutet, Kunden können sich hier nicht mehr nur tätowieren und piercen lassen, sondern erhalten auch Beauty-Treatments wie Permanent-Make-up und Wimpernverlängerungen. Wer möchte, nimmt sich außerdem noch stylische Klamotten und ausgefallenen Schmuck mit nach Hause. Hiermit hat sich Jan einen großen Traum erfüllt, bei dem ihn Hedwig sehr unterstützt. Sie leitet den Piercingbereich, ist ein bisschen das Mädchen für alles und hält damit den Künstlern den Rücken frei. Weil die junge Powerfrau danach immer noch Energie übrig hat, macht sie per Fernschule gerade noch eine Zusatzausbildung zur Make-up-Artist, um diesen Bereich ebenfalls unterstützen zu können und nicht bloß zu piercen. »Das ist zwar immer noch ein Job, der mich absolut erfüllt, aber irgendwann suchst du ja ein wenig Abwechslung. Und so ein Piercingvorgang geht eben auch schnell über die Bühne.« 

Tattoos, wie das Mandala auf Hedwigs Schläfe stießen zu Hause nicht sofort auf Begeisterung. Heute gefällt es ihrer Mama aber sogar.

Piercerin unter der Woche, Model am Wochenende

An den Wochenenden widmet sich Hedwig, die sich Hedwig von Hohenstein nennt, vor der Kamera ihrem Dasein als Alternativemodel. Mit ihrem außergewöhnlichen Aussehen und ihrer Ausstrahlung konnte sie schon häufig die Aufmerksamkeit von Fotografen und kleineren Labels auf sich ziehen. 
Obwohl Hedwig auf Bodymodifications und Tattoos abfährt, hat sie Grenzen. »Es muss noch ästhetisch aussehen. Gerade die Gesichtszüge sollten nicht verändert werden. Bei mir ist wie gesagt das Gesicht die Grenze, das würde ich mir nicht komplett tätowieren lassen.« Amputationen kämen bei Hedwig auch nicht in Frage (ja, es gibt Menschen, die sich aus Überzeugung Fingerglieder o. Ä. amputieren lassen). Auch gibt es gesundheitliche Aspekte, aufgrund derer Hedwig diese oder jene Modifizierung nicht macht, da ist sie vernünftig. »Ich hätte sehr gerne am Hals Silikonimplantate, die aussehen wie Kiemen, allerdings ist mir da meine Gesundheit zu wichtig. Es gibt erstens keine Langzeiterfah-rungen, außerdem sind mir da zu viele wichtige Adern.«

Hedwigs Ehemann Jan, der seit acht Jahren als Tätowierer arbeitet, betreibt seit vier Jahren in Minden ein Tattoostudio, das auf den Namen »Artcore Tattoo« hört.

Artcore Tattoo

Hedwigs Ehemann Jan, der seit acht Jahren als Tätowierer arbeitet, betreibt seit vier Jahren in Minden ein Tattoostudio, das auf den Namen »Artcore Tattoo« hört. Hier ist Hedwig seit zwei Jahren als Piercerin fest im Studio integriert. Sie kümmert sich außerdem um Organisatorisches, macht Termine und schaut, dass alles läuft. Bald wird auch sie Permanent-Make-up im Studio anbieten.

Das Piercinggeschäft hält Hedwig auf Laufkundschafts-Basis. »Ich finde, für ein Piercing muss man spontan den Mut aufbringen und sagen ›Ich zieh’s jetzt durch‹, vor einem Termin kneifen doch viele.« Mit Inhaber Jan kümmern sich zwei feste Tätowierer um die Tattoowünsche der Kunden. Gut aufgehoben sind bei Jan vor allem diejenige, die auf farbenfrohen Watercolor-Stil stehen, diesen mischt er gerne mit Realistic-Motiven und verleiht so seinen Custom-Tattoos einen originellen Twist. Gasttätowierer kommen hier ebenfalls häufig zu Besuch und machen den Mix perfekt. Neu bei Artcore Tattoo ist der Kosmetikbereich, der es den Kunden erstmals ermöglicht, dort auch Permanent-Make-up, Wimpernverlängerungen und mehr in Anspruch zu nehmen.

Artcore Tattoo
Markt 16
32423 Minden
FB: ArtcoreTattoo
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