Tierrechtsaktivist Alfredo Meschi trägt 40 000 schwarze Kreuze als Tattoos

27.01.2017  |  Text: Travelingmic  |   Bilder: Travelingmic, Luca Gaetano Pira, Francesca Truddaiu
Tierrechtsaktivist Alfredo Meschi trägt 40 000 schwarze Kreuze als Tattoos Tierrechtsaktivist Alfredo Meschi trägt 40 000 schwarze Kreuze als Tattoos Tierrechtsaktivist Alfredo Meschi trägt 40 000 schwarze Kreuze als Tattoos Tierrechtsaktivist Alfredo Meschi trägt 40 000 schwarze Kreuze als Tattoos Tierrechtsaktivist Alfredo Meschi trägt 40 000 schwarze Kreuze als Tattoos Tierrechtsaktivist Alfredo Meschi trägt 40 000 schwarze Kreuze als Tattoos Tierrechtsaktivist Alfredo Meschi trägt 40 000 schwarze Kreuze als Tattoos
Tierrechtsaktivist Alfredo Meschi trägt 40 000 schwarze Kreuze als Tattoos
Alle Bilder »
Alfredo Meschi aus Livorno würde auch in einem Armani-Anzug eine gute Figur machen. Doch der Bilderbuchitaliener bevorzugt es, sich mit nichts als seiner »Trauerhaut« fotografieren zu lassen: Alfredo trägt 40 000 schwarze Kreuze als Tattoos auf seinem Körper. Der vegane »Artivist« inszeniert sich mit viel Leidenschaft als Mahnmal für all die Tiere, die für Menschen ihr Leben lassen.
Der vegan lebende Alfredo setzt sich für Tierrechte ein. Er bezeichnet sich selbst dabei als »Artivist«, eine Wortkombination aus Artist und Aktivist: »Ein Artivist nutzt seine Talente, um sich gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu wehren, und zwar mit Hilfe ›aller notwendigen künstlerischen Hilfsmittel‹, wie es der amerikanische Autor MK Asante ausdrückt. Artivisten waren bisher viel zu Umweltschutz und sozialen Themen aktiv. Nun wird es Zeit, sich für den Tierschutz ein-zusetzen«, erklärt Alfredo.

Viele fühlen sich von Alfredos Tattoo und seiner Message angegriffen – die oft unschönen Reaktionen verarbeitet der Artivist wiederum in seinen Bildern.
 
»Kunst heißt für mich, meinen Körper für Performances zu nutzen. Diese zeigen wiederum meinen Aktivismus, da sie den Zuschauer zur Interaktion provozieren. Jedes Mal, wenn jemand an mir vorbeigeht, anhält und einen Blick auf mich wirft, habe ich etwas erreicht. Wenn ich ein Gespräch zum Thema veganes Leben oder Tierschutz provoziere, habe ich etwas erreicht. Immer wenn jemand meine 40 000 Kreuze fotografiert und das Bild ins Internet setzt, habe ich etwas erreicht. Egal ob einmal oder hundertausendfach.« 
 
Alfredo trägt 40 000 schwarze Kreuze als Tattoos auf seinem Körper.
 
Wenn man sich mit Alfredo unterhält, wird seine Leidenschaft für seine Mission spürbar. Seit drei Jahren lebt er schon vegan, aber er belässt es nicht dabei, diesen Lebensstil in den eigenen vier Wänden zu praktizieren. Er wollte ein Zeichen setzen – tatsächlich wurden es am Ende 40 000 Zeichen.   

»Unmittelbar nachdem ich damit begonnen hatte, mich vegan zu ernähren, beschloss ich, dass ich mich von nun an in den Dienst des Tierschutzes stellen werde. Jeden einzelnen Tag meines Lebens. Und ich wollte so schnell wie möglich loslegen mit meinen geplanten Performances. Jede Sekunde zählt. Die 40 000 Kreuze stehen für die Zahl der Tiere, die jede Sekunde getötet werden, um unseren Appetit zu stillen. Das ist keine symbolische Zahl, sondern Realität.

Das X steht dafür, dass wir unsere nichtmenschlichen Mitwesen einfach konsumieren, sie als Sache behandeln. Im Januar 2016 fing ich an, mich tätowieren zu lassen. Vorher hatte ich mit Tattoos gar nichts zu tun, ich hatte auch keine. Im März 2016 war das Werk vollendet, nach über einhundert Stunden, zwei Monate lang jeden Morgen eine Sitzung. Die Künstler sind Stefano Cabula und Manuela Ruiu von Red Island Tattoo in Bosa auf Sardinien. Sie sind selbst keine Veganer, aber als Aktivisten für soziale Themen engagiert.«

Im März 2016 war das Werk vollendet, nach über einhundert Stunden, zwei Monate lang jeden Morgen eine Sitzung war Alfredos Körper mit Kreuzen übersät.
 
Ein heftiges Projekt, das in Rekordzeit fertiggestellt wurde und Alfredo einiges abverlangte. Da stellt sich unwillkürlich die Frage, ob die Schmerzen, die er dabei auf sich nahm, auch so etwas wie eine Art Buße sind? Aber Alfredo versichert: »Nein, mit Selbstkasteiung oder so hat das nichts zu tun.« 
Über den Support, vor allem auch aus der Tattooszene, freut sich der 48-Jährige sehr.

Aber nicht alle Reaktionen sind positiv. Man kann das Feedback auf das starke Statement in drei Kategorien einteilen: Bewunderung und uneingeschränkte Zustimmung, vollkommene Ablehnung bis hin zum offenen Hass. Und dann gibt es noch die, die sich einfach über das Thema lustig machen. Alfredo sieht seine Aufgabe aber nicht darin, zu diskutieren: »Mein Aktivismus umfasst auch, dass ich mich nicht verbal in meinen Performances äußere. Daher ist es äußerst selten, dass ich auf Social-Media-Kommentare reagiere. Ich weiß, dass meine Körperkunst polarisiert und sie von jedem Individuum anders empfunden wird. Das akzeptiere ich und denke sogar, dass die Vielschichtigkeit der Reaktionen einen gewaltigen Gewinn für die Sache darstellt.«

Dafür, dass es auch zukünftig Reaktionen geben wird, sorgt er in den kommenden Monaten mit den Performances »Every Second Counts« und »Grief, Sorrow, Wake, Mourning«. »Erstere ist eine interaktive Performance an öffentlichen Plätzen und umfasst die kollektive Visualisierung des X. Die zweite Performance ist ein Trauermarsch, die Totenwache für unsere tierischen Kameraden. Zu beiden Anlässen werde ich lediglich meinen Traueranzug  tragen, also nur mit den Tattoos bekleidet performen.« 

Anmerkung: Die offiziellen – aber natürlich geschätzten – Zahlen der FAO der Vereinten Nationen sehen die Anzahl der für menschlichen Konsum getöteten Tiere bei circa 5 000 pro Sekunde. Eine exakte Erfassung ist einerseits unmöglich und ist je nach Sicht- und Erhebungsweise höchst subjektiv. 


Provokant: Nackt und wie eine Schweinehälfte lässt sich der Veganer Alfredo im Schlachthaus aufhängen.
 
Szeneshop-Angebote
Neon Judas

Neon Judas

 

Dunkel, beklemmend, beinahe paranoid erscheinen die Tattoos von David Rinklin auf den ersten Blick. Bizarr, brillant beobachtet und offen für Interpretation…

Kängurus mit Eingeweiden

Kängurus mit Eingeweiden

 

Obwohl Aborigines nie tätowiert waren, wurden Symbolik und Stil ihrer traditionellen Kunst zur Inspirationsquelle für die australische Tätowiererin Tatu…

Max Laloi gefällt … das Schädeltattoo von Christian Otto.

Max Laloi gefällt … das Schädeltattoo von Christian Otto.

 

Tätowierer haben naturgemäß einen kritisch-professionellen Blick auf die Arbeiten anderer Tätowierer. Wir fragen Tattookünstler, welches Werk von Kollegen…

Die Tattoosammlung von »Stick to your Guns«-Gitarrist Josh James

Die Tattoosammlung von »Stick to your Guns«-Gitarrist Josh James

 

Von Hundehütten- bis zu Fantattoos: »Stick to your Guns«-Gitarrist Josh James trägt nicht nur roten Nagellack, sondern auch ’ne ziemlich schräge Tattoosammlung.…

Planet Unisex – Tätowiererin Sasha Unisex

Planet Unisex – Tätowiererin Sasha Unisex

 

Sasha Unisex hat eine eigene Welt im Watercolor-Stil erschaffen: Überstrahlt von einem Regenbogen wird er von friedlichen Lebewesen in den freundlichsten…

Ten Years of Awesomeness

Ten Years of Awesomeness

 

Die London Tattoo Convention, die wohl wichtigste Versammlung von tätowierten Menschen auf diesem Globus, feiert Jubiläum! Seit zehn Jahren gibt es dieses…

Über Geld spricht man!

Über Geld spricht man!

 

Über Geld spricht man in Deutschland ungern, so auch kaum über Preise von Tattoos, was nicht immer hilfreich ist. Unerfahrene sollten zumindest grob wissen,…

Sommer, Sonne und Tattoos

Sommer, Sonne und Tattoos

 

Je weniger Klamotten es braucht, umso besser kann man seine Tattoos herzeigen – ein paar Dinge sollten dabei aber beachtet werden, denn Tattoos sind zwar…

Szeneshop-Angebote
Stand:20 November 2017 12:59:02/szene/40000+leben+-+40000+kreuze_171.html