Travelin Jack: Zwei Tätowierer leben den Glam-Rock

26.01.2018  |  Text: Boris Horn  |   Bilder: Andreas Bradt
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Travelin Jack: Zwei Tätowierer leben den Glam-Rock
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Vintage und Retro-Bands sind angesagter denn je. Zwei Menschen, denen das völlig egal ist und die einfach ihr Ding durchziehen, sind die Berliner Tätowierer Alia Spaceface und Flo the Fly. Sie führen ein spannendes Doppelleben zwischen Tattooliege und 70er-Jahre-Musikbühne, zwischen dem Tattoostudio Iron Cobra Tattoo in Berlin und mit der Band Travelin Jack. Wir trafen sie auf Tour.
Alia, du kommst eigentlich aus Neuss, wieso hat es dich nach Berlin verschlagen?
Alia: In Neuss war einfach nichts los, da gab es auch keine Musikszene. Ich bin in erster Linie nach Berlin gezogen, um in einer Band zu spielen und Modedesign zu studieren. Das mit dem Studium hatte sich relativ schnell von allein erledigt und weil ich kein Geld für Tattoos hatte, aber welche wollte, hab ich angefangen, mich selbst zu tätowieren. Das hat sich im Freundeskreis herumgesprochen und so kam ich zu mehr und mehr Kunden. Gregor Schwarzbach von New Jack Tattoo in Duisburg war zu dieser Zeit mein Mentor und hat mir noch einiges beigebracht. Das war vor circa zwölf Jahren.

Wie habt ihr euch dann als Band zusammengefunden?
Flo: Alia und ich haben schon hier und da in kleinen Punk-Bands zusammengespielt. Steve, unseren Bassisten, hab ich einfach gefragt, ob er einsteigen möchte, worauf er direkt am nächsten Tag von Köln nach Berlin gezogen ist. Drummer Monty hat sich sogar ganz klassisch auf einen gemalten Aushang gemeldet.

Travelin Jack, Alia & Flo

Ihr seid mit eurer neuen, zweiten Platte bei SPV/Steamhammer unter Vertrag genommen worden. War das für euch eine gute Entscheidung?
Flo: Absolut. Wir haben mehr Reviews bekommen, wurden finanziell unterstützt und natürlich hat das Label auch gute und wichtige Kontakte, von denen wir profitiert haben. Die erste Platte wurde leider kaum wahrgenommen, das lief jetzt unter der SPV-Flagge um einiges besser. Und ganz wichtig finde ich auch, dass die Leute da selbst noch »Fan« und mit Herzblut dabei sind.

Nervt euch der Retro-Hype eher oder findet ihr das gut?
Alia: Ich finde das super, ist doch besser, als wenn alle nur Lady Gaga hören würden.
Flo: Ich bin da geteilter Meinung. Prinzipiell ist das schon gut, dass die Art von Musik wieder mehr Menschen erreicht und dass auch wieder Platten in dem Bereich gekauft werden. Was mich daran eher stört, ist, dass kaum Inhalte transportiert werden und viele Bands einfach nur ’ne Show daraus machen.

Flo noch ungeschminkt vor dem Gig beim Interview.

Bereut ihr Tattoos, weil sie jetzt vielleicht nicht mehr zeitgemäß sind oder nicht dem Travelin-Jack-Look entsprechen?
Alia: Nein, überhaupt nicht. Ich kann auch die Leute nicht mehr sehen, die innerhalb eines Jahres super perfekte Tattoos aus einem Guss am ganzen Körper haben. Da kommen Tattoos nicht her und das hat für mich nichts mehr mit der einstigen Subkultur zu tun. Tattoos müssen asozial sein!
Flo: Tattoos müssen nicht perfekt sein, weder in der Intention noch im Prozess – was natürlich nicht heißt, dass man sie nicht so gut wie möglich machen sollte. Aber letztendlich geht es nicht um Perfektion, sondern um das, was dahinter steht: Eine Idee, eine Message oder eine Attitüde. Und beim Rock ’n’ Roll ist es genauso.

Bei Flo ist auf den Armen eigentlich auch kein Platz mehr – den linken Arm hat Ilja Hummel von »Glaube Liebe Hoffnung« in Essen gefüllt. Besonders schön sind das Fake-Iggy-Autogramm und das zeitlos furchtbare Ellenbogen-Tribal, die Flos rechten Arm zieren.

Macht ihr die ganzen Designs selbst oder geht ihr dafür auch an andere Künstler ran?
Flo: Wir machen das alles selbst und ergänzen uns da auch perfekt. Alia und ich zeichnen und Steve ist super fit im Fotografieren und digitaler Umsetzung.

Flo, seit wann tätowierst du und wie ist es dazu gekommen?
Flo: Ich zeichne schon mein Leben lang und mit fünfzehn hab ich dann mein erstes Tattoo bekommen. Das war die maximale Rebellion, die im Dorf möglich war (lacht). Dafür gab es dann auch mal aufs Maul. Der Rest kam von alleine.

Die Glam-Krönung von Alias Sleeves ist natürlich das David-Bowie-Porträt von Lars Uwe aus dem Loxodrom Berlin.

Habt ihr das Gefühl, dass das Tätowieren gerade seinen absoluten Höhepunkt erreicht hat?
Flo: Definitiv! Gerade in Berlin spürt man das sehr. Es gibt viele wirklich gute Kollegen, die kaum noch was zu tun haben, weil Tätowiererin XY die perfekten Instagram-Bilder macht und zwischendurch noch ein Tittenbild postet. Da kommt das Tattoourgestein einfach nicht mehr mit, selbst wenn er der eigentlich viel bessere Artist ist. Viele bezeichnen sich auch als Künstler, ein Begriff, vor dem ich viel Respekt habe. Entschuldigung, aber Sailor-Jerry-Bücher zu kopieren ist keine Kunst. Meiner Meinung nach ist jemand ein Künstler, der etwas zustande bringt, was andere Menschen zum Nachdenken bewegt oder in ihren Denkmustern erschüttert, jemand der provokant und kritisch ist und zudem inspirierend wirkt – wie zum Beispiel David Bowie.

Alia Spaceface beeindruckt live mit voluminöser Rockröhre.

Habt ihr euch mal überlegt, auf Tour zu tätowieren?
Alia: Auf keinen Fall, entweder man macht das eine oder das andere. Beides gut zu machen, ist echt schwierig.
Flo: Man muss sich auch auf das Konzert vorbereiten, das ist nur unnötiger Stress und macht dann auch keinen Spaß.

Habt ihr eine skurrile Tattoogeschichte, die euch irgendwie auch verbindet?
Flo: Ja, die gibt es tatsächlich. Die Tochter von Gregor (New Jack in Duisburg; Anm. d. Red.) hat uns beiden einen Totenkopf mit Strom-Haaren tätowiert und ich glaube, verschrieben hat sie sich auch noch (lacht).

Zwei mal »Totenkopf mit Strom-Haaren« als Filler in den Sleeve eingefügt – alles klar, oder?

Abschließende Frage, kann man euch auf Tattooconventions 2018 treffen?
Flo: Ich hab tatsächlich vor, ein paar kleine Messen zu machen, aber noch nichts konkret geplant oder gebucht.
Alia: Ich mag Conventions, zumindest so, wie sie heute sind, nicht mehr: Zu laut, zu viel Trubel und das Tätowieren selbst steht mir zu wenig im Fokus. Ich hab einfach kein Bock, auf einer Klamottenmesse zu tätowieren.

Alia, ebenfalls noch unkostümiert, beim Interview.


Travelin Jack
Commencing Countdown 
(SPV/Steamhammer)
Travelin Jacks zweites Studioalbum »Commencing Countdown«
erschien im September 2017.

Travelin Jacks zweites Studioalbum »Commencing Countdown«

KONTAKT
Alia Spaceface und Flo The fLy
Iron Cobra Tattoo
Petersburger Straße 96
10247 Berlin
FB: ironcobratattoo
IG: spacefacetattoo, flo_kraemer

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