Schmetterlinge

Schmetterlinge
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Denkt man an den Schmetterling als Tattoo-Motiv, kommen einem schnell Bilder von kleinen, naiven Darstellungen auf den Schulterblättern der weiblichen Nation in den Sinn. Doch längst hat das bunte Insekt aufgeholt und ziert in den verschiedensten Variationen sowohl Männer als auch Frauen, sei es als Solokünstler oder als Element größerer Arbeiten.
Und auch die Stilrichtungen in denen der Falter als Tätowierung umgesetzt wird sind erstaunlich variantenreich. 

 
Dass der Schmetterling nicht mehr nur ein typisch weibliches Motiv ist, zeigt auch HipHop-Star The Game, der sich den Falter vor kurzem auf seine rechte Wange tätowieren ließ. Seine Wahl begründet der Musiker mit dem Gangster-Image laut MTV folgendermaßen: »Der Schmetterling ist ein Symbol für ›Neues Leben‹ und nach all dem Shit durch den ich gegangen bin, die Schießereien und auch nach dem Geburtstag meines Sohnes vor einigen Wochen, bin ich für ein neues Leben bereit.«

Nicht nur The Game bringt den Schmetterling mit Veränderung und Wachstum in Verbindung. Wie kein anderes Symbol steht der Schmetterling für Wandlung und vollkommene Transformation. Seine bemerkenswerte Entwicklung von der Raupe zum farbenprächtigen Insekt fasziniert Menschen seit jeher und gerade sein »Erwachen« aus dem anscheinend leblosen Kokon ließ den Schmetterling schon in der Antike zum Sinnbild für Wiedergeburt und Unsterblichkeit der Seele werden. Hieraus erklärt sich auch sein griechischer Name »psyché«. Und sogar in der christlichen Kunst ist er noch heute das Symbol für die Auferstehung. In diesem Zusammenhang machte die Sterbeforscherin Dr. Elisabeth Kübler-Ross eine bemerkenswerte Entdeckung. Sie fand Schmetterlings-Zeichnungen auf einer KZ-Wand in Polen und deutete dies als Hinweis auf die Hoffnung der Insassen auf ein Leben nach dem Tod.


Die Mayas glaubten,
Schmetterlinge wären die Seelen der Toten, die zur Erde zurückkehren. Und auch in vielen asiatischen Regionen wird der Schmetterling mit dem Tod in Verbindung gebracht. Dies allerdings eher in einem weniger positiven Sinn, denn nach asiatischem Aberglauben ist der Schmetterling Todesbote und Unglücksbringer. Neben dieser negativen Bedeutung ist der schmucke Falter in Japan wegen seiner Leichtigkeit und seiner bunten Schönheit das Symbol der Frau.

Und natürlich verbinden auch wir das zarte Tier mit Leichtigkeit.
Seine Fähigkeit zu fliegen, lässt uns an Freiheit denken, sein Erscheinen im Frühling und Sommer bringen wir mit Lebensfreude, Lust und Glück in Verbindung. In Zusammenhang mit Lust und Sinnlichkeit steht auch die Namensgebung des »Schuppenflüglers«, da sich »Schmetterling« von dem mittelalterlichen Wort Schmetten ableitet. Schmetten war offenstehender Milchrahm, von dem die Falter sich immer wieder verführen ließen.


Im Sinnbild des Schmetterlings wandelt sich die Leichtigkeit
und Lustorientierung schnell in Unbeständigkeit und Unzuverlässigkeit. So hat schon Hans Christian Andersen in seinem Märchen »Der Schmetterling« die Geschichte eines Falters erzählt, dessen Suche nach der zu ihm passenden Blüte aufgrund seiner Unschlüssigkeit erfolglos blieb.

Eher ungewöhnlich ist die ehemalige Bedeutung
dieses Tattoo-Motivs in russischen Gefängnissen. In dem umfassenden System von Tätowierungen und deren Aussagen über den Träger, gab es sogar Motive, welche die sexuellen Vorlieben der Gefangenen anzeigten. Trug jemand einen Schmetterling, bedeutete dies, dass er kein Prostituierter war und es rein privat mochte sich mit jemandem einzulassen.

Die Umsetzung des Schmetterlings als Tattoo
ist annähernd so vielseitig wie die Artenvielfalt des farbenfrohen Insektes. Wir finden ihn als Tribal oder als dynamische Ergänzung eines Blumenmotivs. Oft wird das Schmetterlings-Tattoo mit Elfen in Verbindung gebracht. Eine große Rolle spielt der Schmetterling auch bei Old und New School-Motiven, wo manchmal nur seine Flügel in Verbindung mit beispielsweise Totenköpfen oder Puppengesichtern dargestellt wird. Und selbstverständlich finden wir den Schmetterling bei den japanischen Tätowierungen.

Aber auch als Vorlage für ungewöhnliche und eigenständige
Tattoos ist der Schmetterling mit seiner Symmetrie, Form und Dynamik perfekt geeignet. So inspiriert er zu immer neuen Umsetzungen, die den persönlichen Bezug des Trägers ermöglichen. Und ganz abgesehen von seinem vielfältigen Symbolgehalt, gibt es einen überzeugenden Grund ihn sich tätowieren zu lassen: er ist einfach nur schön!


Weitere Infos Schmetterlinge (Lepidoptera) bilden eine der artenreichsten Insekten-Ordnungen die, außer in der Antarktis, weltweit verbreitet ist. Über 170 000 Arten sind bisher bekannt, davon 3000 Arten in Mitteleuropa. Jedes Jahr werden 700 neue Arten beschrieben. Der Körper von Schmetterlingen kann zwischen drei und 70 mm groß werden. Die größten Schmetterlinge sind der Kometfalter und der Königin-Alexandra-Vogelflügler mit einer Flügelspannweite von ca. 30 cm. Die Metamorphose vom Raupenstadium zum »Imago«, dem erwachsenen Tier, findet im Puppenstadium statt, in der das Tier unbeweglich ist und keine Nahrung nimmt. Die erwachsenen Tiere nehmen mit ihrem Rüssel nur flüssige Nahrung auf, meist Blütennektar, es gibt sogar Pflanzen, die ausschließlich von Schmetterlingen bestäubt werden können. Abgesehen von der Bestäubung sind insbesondere die Raupen ein Schädling fast aller Nutzpflanzen. Der Schmetterlingsflug ist einer der bemerkenswertesten Flugverhalten. Die Flügel bewegen sich nicht auf und ab, sondern beschreiben eine Acht. Wegen ihrer oft großen und farbenprächtigen Flügel stellen die Tagfalter begehrte Sammelobjekte dar, was dazu führt, dass die Verbreitung mancher Arten stark zurückgegangen ist. Gerade in asiatischen Staaten werden Schmetterlinge im industriellen Maßstab gesammelt. Aber auch die Industrialisierung führt dazu, dass viele Schmetterlingsarten vom Aussterben bedroht sind.

Text: Sonja • Fotos: Archiv TätowierMagazin
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Stand:26 April 2018 00:00:38/motive/schmetterlinge_081.html