Raben und Krähen

31.08.2012  |  Text: Jan Burger  |   Bilder: TM-Archiv
Raben und Krähen
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Die intelligentesten aller Vögel, die Raben, wurden von den Christen verdammt, sie galten als unzuverlässige und geschwätzig. Ein besseres Ansehen genossen sie in der nordischen Mythologie: Odin hat sich ihre Fäigkeiten zu nutze gemacht und sie an seine Seite gestellt: Hugin und Munin waren seine Göterboten.
Die intelligentesten aller Vögel wurden von Christen verdammt und von Göttern gebraucht.

Tattoo von Ryan Mason, Scapegoat Tattoo, Portland (US)

In diesem Tattoo von Ryan Mason von Scapegoat Tattoo im amerikanischen Portland, kommt die ganze Königlichkeit des Raben zum Ausdruck.


Raben und Krähen, lateinisch Corvus, sind mehr oder weniger dasselbe. Sie unterscheiden sich biologisch nicht, sondern nur in ihrer Größe. Die kleineren Krächzer nennt man also Krähen, die größeren sind Raben. Ein so genannter Kolkrabe wächst auf eine Länge von 54 bis 67 Zentimeter heran und seine Spannweite beträgt bis zu 1,30 Meter. Dagegen kommt die Saatkrähe auf gerade mal 46 Zentimeter Körpergröße. Insgesamt gibt es 42 Arten von Raben und Krähen, aber nicht alle sind komplett Schwarz. Der Schildrabe hat einen weißen Rumpf und kann vom Laien auch mal mit einer Elster verwechselt werden. Andere Arten schimmern leicht Silber oder tragen zum Teil grau-braunes Gefieder. Wer sich also beim Raben-Tattoo strikt an die Realität halten will, ist nicht an Schwarz gebunden, sondern hat ein paar Farben zur Auswahl.

Tattoo von Cesar, Body Garden, Birmingham (UK)
Tattoo von Jón Páll, Reykjavik (IS)

Blau-lila schimmernder Rabe von Jón Páll aus dem isländischen Reykjavik und beobachtender Rabe von Cesar von Body Garden aus Birmingham in England.


Die gefiederten Götterboten 
In Europa leben nur eine Handvoll verschiedene Arten.
Der Kolkrabe, die Dohle, die Saatkrähe, die Aaskrähe sowie die Glanzkrähe sind ihre fünf Vertreter. Im Winter staksen sie im Nebel über brach liegende Äcker, picken hastig im gefrorenen Boden, krächzen (obwohl sie zur Unterordnung der Singvögel gehören) und blicken die Menschen mit zur Seite geneigtem Kopf aus toten, schwarzen Augen an. Doch nicht nur wegen ihrer dämonischen Erscheinung erklärten Christen die völlig harmlosen Tiere zu bösen Unheilbringern. Für Kulturen vor der Zeit der Christianisierung galt der Rabe als mystisches Federvieh.
 

Nicht immer wurden Raben und Krähen von Menschen verdammt,
gefürchtet und mit Unheil in Verbindung gebracht. In Sagen und Märchen eilen sie Menschen immer wieder zu Hilfe und die Götter bedienen sich ihrer wertvollen Eigenschaften. Beispielsweise machten sie sich die Intelligenz und Weisheit der Tiere zu Nutzen. Gott Odin beispielsweise war immerzu von Hugin und Munin umgeben, zwei Kolkraben deren Flugfähigkeit er gut brauchen konnte. Denn von ihren Ausflügen zurückkehrend, verrieten sie ihm, was gerade in der Welt vorging. Hugin und Munin waren seine gefiederten Götterboten.
In einigen Märchen geleiten Raben verirrte Wanderer zurück in Sicherheit. Der US-amerikanische Schriftsteller Edgar Allan Poe (»Der Rabe«) oder die Brüder Grimm (»Die sieben Raben«) griffen auf die faszinierenden Tiere zurück und verliehen ihren Gedichten und Märchen dadurch etwas Düsteres und Mysteriöses.

Tattoo von Ela, Time Travelling Tattoo, Landshut (DE)
Tattoo von Gustav, Zombie Tattoo in Helsinki (FN)
Tattoo von Jakub Settgast, Seven Devils Tattoo, Berlin (DE)

V.l.n.r.: Tattoos von Ela von Time Travelling Tattoo aus Landshut, Gustav von Zombie Tattoo in Helsinki und Jakub Settgast vom Seven Devils Tattoo aus Berlin.

Raben: Tiere der Selbsterkenntnis 
Raben,
und in diesem Zusammenhang auch immer Krähen, sind hochintelligent: Sie erkennen sich im Spiegel wieder. Forscher klebten ihnen rote Punkte an den Hals und setzten den Tieren einen Spiegel vor. Diese versuchten daraufhin den Punkt vom Hals zu lösen, wollwissend dass es ihr Hals ist, der da markiert worden war. Die Tiere sind auch in der Lage Werkzeuge zu bauen und zu benutzen, oder Maschinen und Technik der Menschen zu ihrem Vorteil zu gebrauchen. So lassen sie gesammelte Nüsse und Früchte im Flug aus ihren Schnäbeln auf Straßenkreuzungen fallen und von Autos überfahren. Schaltet die Ampel auf Rot um oder sind keine fahrenden Fahrzeuge in der Nähe, fliegen sie heran um sich das nun offen liegende Futter zu holen und zu verspeisen. Das wiederum schauen sich ihre Artgenossen ab. Forscher entdeckten, dass Tiere wenige Kilometer weiter das gleiche Verhalten an den Tag legten.
Raben und Krähen haben ein sehr gutes Gedächtnis und sind außerdem in der Lage schlau vorauszuplanen und diese Pläne umzusetzen. So schließen sie sich Wölfen bei der Jagd an, verfolgen sie aus der Luft. Hat ein Wolf seine Beute erlegt, gesellen sie sich einfach dazu und klauen sich ihr Stück der Beute. Sie sind sogar in der Lage sich ein Nest aus drahtigen Kleiderbügeln zu bauen, sollten dies die Umstände erfordern. Raben und Krähen begehen also komplexe Handlungen instinktiv und gelten als die Vögel mit der größten Intelligenz. YouTube oder die arte-Mediathek liefern dazu spannende Dokumentationen. 

Tattoo von  Stefan, Hau(p)tsache, Frankfurt/Main (DE)
Tattoo von Vova, Moskau (RU)

Momentan werden Raben und Krähen nur selten mit gespreizten Flügeln tätowiert wie die Arbeit von Tattoo von Stefan, Hau(p)tsache, Frankfurt/Main. Dieser Rabe von Vova aus Moskau mahnt per Taschenuhr im Schutz seines Flügels an die Vergänglichkeit aller Dinge.


Der Rabe braucht Farbe 
Das Problem bei einem Raben-Tattoo ist,
dass es nun mal großflächig schwarz ist. Damit der Rabe also auf der Haut gut wirkt, bedienen sich Tätowierer verschiedener Accessoires die sie ihm umhängen, aufsetzen, anziehen. So entstehen Kontraste, Lichtpunkte und Farbspiele.
Tätowiererin Ela vom Time Travelling Tattoo in Landshut umhängt ihr Tattoo eines Raben dazu mit einem roten Amulett, in eine gelbe Fassung gerahmt. Eine Perlenkette windet sich um Hals und Körper. Der schwarze Kopf wird durch einen orangenen, kreisrunden Hintergrund hervorgehoben. Der Berliner Tätowierer Jakub Settgast setzt seinen neo-traditionellen Raben auf einen braunen Sarg und lässt ihn orange-gelbes Feuer speien. Ohne solche Farbpunkte verkommt der Rabe schnell zum klumpigen Rorschachtest. Doch umsäumt von morbiden oder nostalgischen Accessoires und Farben sticht der Rabe als ein ausdrucksstarkes und ehrwürdiges Hautbild hervor. Häufig wird er auf Oberarmen platziert, die manchmal mit Blau schattierten Flügel am Körper angelegt. Eher selten werden Raben mit gespreizten Flügeln gestochen, dieses Pose wird momentan noch dem Adler überlassen. Eine besonders beeindruckende Wirkung erzeugt der Rabe als liebevoll ausgearbeitetes Tattoo in ausreichender Größe, beispielsweise als Backpiece. So kann er seine ganze Majestät zum Ausdruck bringen. Dazu stilsichere  Kleidung und Accessoires wie Krone, Zepter und Umhang – und seinen Schnabel krächzend gen Himmel gereckt. Ryan Nason hat so ein Prachtexemplar tätowiert.
 

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Stand:20 November 2017 12:57:06/motive/raben+und+kraehen_128.html