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27.01.2017  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: TM-Archiv
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Motivklassiker: Rats Get Fat While Brave Men Die


Der Tattooklassiker »Rats Get Fat While Brave Men Die« ist eine Verneigung an die im Krieg gefallenen Soldaten und Anklage gegen die Profiteure, die sich nicht die Hände schmutzig machen.


Das Motiv

Das Tattoomotiv wird meist sehr stereotyp dargestellt. Eine fette Ratte sitzt auf einem menschlichen Schädel, die Szenerie ist begleitet von einem Lettering, das diesem Motiv auch seinen Namen gibt: »Rats get fat while brave men die« (oder auch »Rats get fat while good men die«), also »Die Ratten werden fetter, während die tapferen/guten Männer sterben«.

Ziemlich aggressive Ratte von Nick Filth von Hidden History Tattoo (Dover, US).

Der Ursprung

Das Motiv stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit von Norman Keith Collins (1911-1973), besser bekannt als Sailor Jerry Collins. Selbst Seemann (1930 ging er zur US Navy), eröffnete Sailor Jerry in den frühen 1930er Jahren sein Studio in Honolulu auf Hawaii. Dort erlebte er den Angriff der japanischen Marineluftstreitkräfte auf Pearl Harbour mit (07.12.1941), und tags darauf die offizielle Erklärung der USA, dass sie in den 2. Weltkrieg eintreten. Unzählige Soldaten wurden auf Hawaii eingeschifft, viele davon ließen sich zuvor von Sailor Jerry tätowieren. Als Patriot und ehemaliger Navy-Angehöriger wollte Norman Collins sich ebenfalls verpflichten, wurde aber aus gesundheitlichen Gründen abgelehnt. Seinen zivilen Dienst fürs Land versah er bei der Handelsmarine, er navigierte bis zum Kriegsende US-amerikanische Versorgungsschiffe durch die gefährliche Regionen des pazifischen Ozeans.

Kris Maron (Pittsburgh, USA) setzte das Tattoo nach der Originalvorlage von Sailor Jerry um.

Verbreitung

Zum ersten Mal tauchte das Motiv in einem Sailor-Jerry-Flashset in den 1960er Jahren auf. Stilistisch wie auch vom Lettering passt es gut in die Reihe mit Motiven aus dieser Zeit, in der er zahlreiche Tattoovorlagen für das US Marinecorps gezeichnet hat. Eine Fotografie aus dem Jahr 1971 zeigt, dass er es selbst auch tätowiert hat. Das Motiv der Ratte, die triumphierend auf einem Schädel sitzt, tauchte später auch bei anderen Künstlern auf, beispielsweise im Cover-Artwork von Rodney Matthews zum Nazareth-Album »No Mean City«.


Satt und zufrieden sitzt diese Ratte auf dem Schädel. Tattoo von Hennes, True Love (Düsseldorf).

Rezeption

Dass so viele Soldaten im 2. Weltkrieg sterben mussten und einige wenige Personen und Firmen sich an deren und ihrer Familien Leid bereichert haben, war für Sailor Jerry ein Skandal. Er war mitnichten ein Pazifist, aber auf der einen Seite sah er die Zahlen von 400 000 getöteten US-Soldaten, die ihr Leben im 2. Weltkrieg ließen, und auf der anderen Seite die Kriegskosten, die sich nach heutigem Wert auf 4000 Milliarden Dollar beliefen und die US-amerikanische Rüstungsindustrie zum größten wirtschaftlichen Profiteur des 2. Weltkriegs machten. Vor diesem Hintergrund ist das Motiv eine Verneigung vor den gefallenen Soldaten und zugleich eine Anklage gegen die »Ratten«, also die schmarotzenden Nutznießer des Krieges, die sich selbst nicht die Hände schmutzig machen.

 

Text: Heide Heim
Bilder: TM-Archiv

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