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19.05.2017  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: TM-Archiv
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Der Tattoo-Motivklassiker: Man’s Ruin


Sex, Drugs und … nein, beim »Man’s Ruin« ist nicht der Rock’n’Roll das dritte Laster, sondern das Spiel. Das Motiv zeigt in seiner Urform ein im Martini-Glas sitzendes Pin-up-Girl, umrahmt von weiteren Symbolen wie beispielweise Whiskyflaschen, Würfel und Spielkarten.


Das Motiv: Die deutsche Übersetzung für das Man’s-Ruin-Motiv heißt »Der Ruin des Mannes«. Verantwortlich für dessen Untergang sollen sein: Frauen, Alkohol und Spiel. Das klassische Man’s-Ruin-Motiv zeigt ein in einem Martiniglas sitzendes Pin-up-Girl, ihr beiseite gestellt sind Symbole für Alkohol und Spiel. Als zentrale Konstante in allen Variationen dieses Klassikers steht eine aufreizend leichtbekleidete Frau. Das Thema Alkohol wird je nach Interpretation meist mit Whiskey- oder Bierflaschen dargestellt. Vielfältiger ist die Symbolik für das Spiel, sie reichen von Würfel und Spielkarten über Billardkugeln bis hin zu Pferdeköpfen als Zeichen für Pferdewetten und Hufeisen als Glücksbringer für die Spiel- und Wettleidenschaft. Und je nach Ausprägung der Laster zeigt das Tattoo auch alle Symbole in einem Bild vereint.

Motivklassiker Mans Ruin: Nicht in ein Martini-, sondern in ein Weinglas setzt Uptown Danny (Vienna Electric, Wien, AT) die weibliche Versuchung. Für das Spiel stehen die Würfel, der Revolver für die Gefahren des Lebens. Die Zigarette ist wohl eher ein Accessoire, das der aktuellen Definition eines Lasters entspricht.

Der Ursprung:  Das Motiv geht zurück zu den Anfängen des modernen Tätowierens. Ab den 1940er Jahren wurden Pin-ups in allen Variationen gestochen und finden sich in den Vorlagealben von Cap Coleman, Doc Webb, Amund Dietzel, Paul Rogers und natürlich auch in denen von Sailor Jerry Collins. Das Man’s-Ruin-Motiv geht jedoch über die gefällige Abbildung einer jungen und hübschen Frau hinaus und schreibt ihr eine weitere Bedeutung zu: die der Sünde! Es liegt auf der Hand, dass sich die Männer dieses Motiv nicht als Mahnung haben stechen lassen, sich vor Frauen, Alkohol und Spiel zu hüten. Das Gegenteil war der Fall, es war eher ein Kokettieren mit dem Unerlaubten, ein Auflehnen gegen die herrschenden Moralvorstellungen. Vor allem bei Soldaten, die die Gefahr des Todes vor Augen hatten, war es verständlicherweise verbreitet: im Angesicht des Todes wird die Sünde zur Tugend.

Motivklassiker Mans Ruin: Mädchen, Spiel, Alkohol, Wetten … alles auf eine Spielkarte setzt Ivan Zaninovich (1900 Salón de tatuajes, La Plata, AG).

Verbreitung: In den 60er und 70er Jahren verlor das Man’s-Ruin-Motiv an Attraktivität. Ein Revival erlebte es mit der Rockabilly-Bewegung in den 1980ern und ging einher mit dem Aufkommen des New-School-Stils, bei dem alte Motive aufgepeppt und frisch umgesetzt wurden.
Unter den Rockabillys, deren Lebensstil sich stark an der US-Jugendkultur der 50er Jahre orientierte (Kleidung, Autos, Rock ’n’ Roll), ließen sich auch die Tattoomotive der 50er tätowieren. Das Motiv Man’s Ruin war bestens geeignet, an diese rebellische Zeit zu erinnern.
Wie die Wandlungsfähigkeit des Motivs auch Zeichen seiner Zeit sein kann, verdeutlichen die Varianten heute: Musiknoten, Hanfblätter, Computer und sogar Zigaretten werden unter den Schriftzug gestellt. Rebellische Zeiten.

Motivklassiker Mans Ruin in der hessischen Variante mit Äppelwoi-Bembel. Tätowiert von Moik, Last Teardrops Tattoo, Rodgau.

Text: Heide Heim
Bilder: TM-Archiv

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Stand:23 October 2017 02:28:34/motive/motivklassiker+mans+ruin_175.html