Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv

26.01.2013  |  Text: Dirk-Boris  |   Bilder: Archiv TätowierMagazin
Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv
Mischwesen - das Beste aus verscheidenen Tieren als Tattoomotiv
Alle Bilder »
Viel mehr als das Offensichtliche hat den Menschen immer schon das fasziniert, was nicht sichtbar war, was er nur erahnen oder sich eben einbilden konnte. Harpyie, Sphinx und Wolpertinger, die fantasievolle Welt der Mischwesen verzauberte die Menschen schon seit alters her.


Elefantenhai von Deno, Circus Tattoo (Madrid, ES).

Der Löwenmensch aus der Steinzeit

Ungefähr 37.000 Jahre alt ist die Skulptur, die Archäologen aus zahlreichen Elfenbein-Splittern wieder rekonstruieren konnten. Ein faszinierender Fund, denn der steinzeitliche Künstler, der diese 30 Zentimeter große Figur aus dem Stoßzahn eines Mammuts geschnitzt hatte, hat einerseits so präzise und realistisch gearbeitet, dass der Kopf der Kreatur eindeutig als der eines Höhlenlöwen, der Rest des Körpers aber als unzweifelhaft menschlich identifiziert werden kann – andererseits ließ er sich aber auch von seiner Fantasie leiten, denn so ein Wesen hat es natürlich niemals gegeben. Die Elfenbeinschnitzerei geht damit weit über eine bloße Beobachtung und Wiedergabe dessen hinaus, was die Menschen damals in ihrer Umgebung wahrnahmen. Der Löwenmensch, der in einer Höhle auf der schwäbischen Alb gefunden wurde, vereint Realismus und Fantasie – ein wahrer Meilenstein in der Entwicklungsgeschichte menschlicher Kultur.

Alles andere als eine Hühnerbrust: ein Fisch-Hahn mit fiesem Gebiss (tätowiert von Hexa, Precious Tattoo (Tampere, FN).


Ungeheuer, menschengemacht

Viel mehr als das Offensichtliche hat den Menschen immer schon das fasziniert, was nicht sichtbar war, was er nur erahnen oder sich eben einbilden konnte. »Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer«, stellte der spanische Künstler Francisco de Goya fest, und von dieser kreativen Leistung, die den Verstand außen vor lässt, machte der Mensch über die Jahrtausende äußerst regen Gebrauch und ließ, beflügelt von Ängsten, Träumen, Begierden und purer Fantasie, die unglaublichsten Wesen entstehen.
 
Mehr als 30.000 Jahre nachdem ein Elfenbeinschnitzer im heutigen Süddeutschland die Figur des Löwenmenschen geschnitzt hatte, wurde die Idee eines Mischwesens aus Mensch und Löwe erneut aufgegriffen und in Form riesiger Steinmonumente umgesetzt, doch diesmal war der Kopf menschlich und der Körper der eines Löwen: Sphinxen verbreiteten sich in Vorderasien und dem östlichen Mittelmeerraum. Die Besonderheit der ägyptischen Sphinxen war, dass sie, obgleich sie einerseits keine tatsächlich existierenden Kreaturen darstellten, andererseits eben doch eine ganz bestimmte Person abbilden sollten, nämlich den jeweils herrschenden Pharao. Die Botschaft, die durch solche Darstellungen an das Volk gegeben wurde, war klar: Der Pharao ist nicht nur Mensch, sondern entstammt zugleich einer Welt, die Sterblichen verschlossen bleibt.
 
Bis heute gilt die Sphinx als Inbegriff für Ewigkeit, Weisheit und das Rätselhafte. Dass als tierischer Teilelieferant nur der Löwe als das stärkste und majestätischste Tier in Frage kam, versteht sich bei der bezweckten Symbolik von selbst. Die Absicht der Pharaonen, sich mit solchen Darstellungen dem Reich der Götter und der jenseitigen Welt zugehörig zu präsentieren, erkennt man auch daran, dass Gottheiten in Ägypten stets als Mischwesen aus Mensch und Tier gezeigt wurden. Horus, Gott der Könige und der Kinder, wurde mit menschlichem Körper und Falkenkopf dargestellt, der Totengott Anubis trug den Schädel eines Schakals und Seth, Gottheit der Wüste und des Chaos, trug einen Kopf, der nicht eindeutig einem bestimmten Tier zugeordnet werden kann.

Wolpertinger in nachdenklicher Hamlet-Pose. DENO, CIRCUS TATTOO (MADRID, E)

Symbole für Kraft und Verführung

Auch die Griechen kannten Mischwesen wie die Sphinx, die sie aus Ägypten übernahmen, sie schufen in ihrer Mythologie aber auch eigene Monster, wie beispielsweise Asterios, ein Ungeheuer, das aus der Vereinigung der Göttergattin Pasiphae und einem Stier entstand und als Minotaurus bekannt wurde. Die Kombination menschlicher und tierischer Eigenschaften hatte den Zweck, eine bestimmte Qualität besonders hervorzuheben, im Falle des Minotaurus seine übermenschliche Stärke. Dies implizierte wiederum, dass derjenige, der ihn bezwang, über noch herausragendere Fähigkeiten verfügen musste. Theseus, der den Minotaurus in dessen Labyrinth schließlich tötete, gelang dies nur, weil er neben bloßer Kraft auch noch über Intelligenz und Gerissenheit verfügte, was ihn dem Stier-Monster überlegen machte.

Auch die Harpyien entstammen der griechischen Mythologie; die Frauengestalten mit Vogelkörpern symbolisierten zum einen Wind und Stürme, hatten aber auch die Aufgabe, Seelen der Toten in den Tartarus zu bringen, die Hölle der griechischen Mythologie. Teils als verführerische Gestalten, teils als hässliche Dämonen dargestellt, ist ihre äußerliche Erscheinung nicht einheitlich, ihr Image dagegen ist in allen Quellen kein besonders positives; noch heute wird eine streitbare Frau oft despektierlich als Harpyie bezeichnet.


Mit den Harpyien verwandt waren die Sirenen, die mit ihrem verführerischen Gesang Seeleute anlockten, um sie zu töten. In Homers Epos Odyssee werden sie wie die Harpyien als Mischwesen aus Frau und Vogel beschrieben, in anderen Quellen ist auch von Sirenen die Rede, die den Oberkörper einer schönen Frau und den Unterleib eines Fisches haben. Doch anders als die bösartigen Harpyien haben sich die Meerjungfrauen als Nachfahren der Sirenen inzwischen ein eher positives Image erarbeitet: Hans Christian Andersens »Kleine Meerjungfrau« und Disneys »Ariel« haben nicht mehr viel gemeinsam mit den eiskalten Todesdämonen der Antike.

Seefahrer hielten über die Jahrhunderte das Bild vom verführerischen Wesen lebendig; das nackte Mädchen mit dem Unterleib eines Fisches stellte in perfekter Weise die Sehnsucht der Seeleute nach weiblicher Gesellschaft dar, die doch unbefriedigt bleiben musste.

Goldig! Schick geschmückter Wolpertinger auf Vogel-Hasen-Basis. HAKAN HANDGRANAT, LUGNET EFTER STORMEN (HELSINGBORG, SE)

Fabelwesen nach Dino-Vorbild?

Aber nicht nur Mischungen aus menschlichen und tierischen Komponenten beschäftigten die Menschen, auch Kombinationen verschiedener Tiere beflügelten seit jeher die Fantasie. Immer wieder ist es vor allem die Kombination besonders starker Tiere, die deren physische Kraft noch verstärken und potenzieren soll. Insbesondere die Mischung Löwe und Greifvogel brachte unterschiedliche Chimären hervor. Zum einen den geflügelten Markuslöwen, Wappentier der Stadt Venedig und Symbol für den Evangelisten Markus, oder den Greif, der sich vom Markuslöwen dadurch unterscheidet, dass er nicht nur die Flügel eines Raubvogels, sondern auch dessen Kopf trägt.

Der Greif ist unter den fantastischen Mischwesen insofern interessant, als es zu seiner Entstehung vielleicht sogar einen konkreten Ursprung gibt. In Vorderasien, von wo die ersten Berichte über diese Kreatur stammen, findet man auch heute noch oft hervorragend erhaltene Skelett-Versteinerungen eines Dinosauriers namens Protoceraptos, dessen überdimensionaler Schnabel und dem einer Raubkatze nicht unähnlichen Körper möglicherweise mit etwas Fantasie bei den früheren Bewohnern dieser Region das Bild eines solchen Fabelwesens entstehen ließen.

Ein Seepferdchen (tätowiert von Sebastian Ermer, Por Siempre Tattoo, Hannover)!


Wolpertinger und Elwetritsche: Fabelwesen im Taschenformat


Aber nicht immer müssen es die größten und stärksten Tiere sein, die sich in ihre Bestandteile zerlegt, zu neuen Kreaturen zusammenfügen lassen. Es geht auch ein paar Nummern kleiner. Insbesondere die Wälder Süddeutschlands werden von eher kleinformatigen Fabelwesen bewohnt, die unter den unterschiedlichsten Namen bekannt sind. Die Sagenforscher Jacob und Wilhelm Grimm schrieben Mitte des 18. Jahrhunderts Berichte über den bayerischen Kreißl auf, der auch als Rammeschucksn, Rasselbock, Raurackl oder Oibadrischl bekannt war. Letztere Bezeichnung klingt nicht unähnlich wie im Südwesten der Elwetritsch.

Bei all diesen Wesen, die heute vor allem als Wolpertinger bekannt sind, handelt es sich um eher possierliche Tierchen, die aussehen, als ob ein Tierpräparator überzählige Teile von Karnickeln, Enten, Rehen und Füchsen zusammengenäht hat. Was im übrigen auch tatsächlich der Ursprung dieser Viecher ist: Im 19. Jahrhundert wurde angeblich in Bayern damit begonnen, solche Präparate an leichtgläubige Touristen zu verkaufen – auch heute noch sind die gehörnten Häschen mit Entenflügeln, von denen jedes wieder ein bisschen anders aussieht, ein Verkaufshit.

Die ägyptische Gottheit Horus wurde mit einem Falkenkopf dargestellt. Tattoo von Gunnar, Headliner Tattoo, Güstrow.

Fabelwesen heute

Heute muss man allerdings keine Kleintiere mehr zerlegen, um sich ein einzigartiges Fabelwesen zusammenbasteln zu lassen. Tätowierer wie Deno aus Madrid, Miss Arianna aus Rimini oder Hakan Handgranat aus Helsingborg customizen nach Kundenwunsch die schrägsten, absurdesten oder auch bedeutungsschwangersten Fabelwesen, die der Kunde sich nur ausdenken kann. Zähnefletschende Fisch-Hähne und pfeiferauchende Hai-Elefanten lassen Kreaturen wie Minotaurus und Greif geradezu altbacken und langweilig aussehen. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Fabelwesen uns auch in Zukunft nur als Tattoos erfreuen und keine Genforscher auf alberne Ideen bringen.  

Ein Geißbock (gestochen von Matteo Pasqualin, Matteos Tattoo (Porto Viro, IT), wie man ihn sicherlich nicht in Brehms Tierleben findet.
Szeneshop-Angebote
Speedrocker V8 Wankers

Speedrocker V8 Wankers

 

Gegründet im Jahr 2000, können die Offenbacher Kult-Speedrocker V8 Wankers nun auf 15 Jahre Bandgeschichte zurückblicken. Zum 15-Jährigen erzählt Frontmann…

Das etwas andere Cover-up: Blast over!

Das etwas andere Cover-up: Blast over!

 

Ein Blast-over ist eine Cover-up-Variante für Tätowierungen, die im eigentlichen Sinne gar keine ist: Das neue Tattoo wird über das alte gestochen, ohne…

»Ich steche Tattoos, keine Aufkleber!« – Tätowiererin Xenija Wokresenskaja

»Ich steche Tattoos, keine Aufkleber!« – Tätowiererin Xenija Wokresenskaja

 

Farbenfroh, elegant und illustrativ: Wie aus einem Fabel- oder Märchenbuch entsprungen, wirken die ausdrucksstarken Tierdarstellungen der Tätowiererin…

The Beautiful Struggle – Tätowierer Millo

The Beautiful Struggle – Tätowierer Millo

 

Längst im ganzen Land für seine preisgekrönten Neo-Traditionals bekannt, führt der 39-jährige Millo aus Ramstein weiterhin einen Kampf mit seinem Kuns…

Massen-Tattoomotive von Feder über Traumfänger bis Unendlichkeitschleife

Massen-Tattoomotive von Feder über Traumfänger bis Unendlichkeitschleife

 

Pusteblumen, Infinity-Schleifchen und Traumfänger gelten für viele Tätowierer als Inbegriff der Ideenlosigkeit. Aber auch diese Medaille hat zwei Seiten.…

Endlich Sommer - Tattoomotive mit Sommerfeeling!

Endlich Sommer - Tattoomotive mit Sommerfeeling!

 

Eigentlich braucht jeder ein Sommertattoo! Ein Bild, das die Erinnerungen an die schönste Jahreszeit wachhält.

Tattoo-Lexikon

Tattoo-Lexikon

 

Was ist ein Blast-over, ein Whip-Shading, Magnum-Nadeln? Fachbegriffe, meist aus dem Englischen übernommen, dominieren den Sprachgebrauch in der Tattooszene.…

Revival der Haïda-Kultur

Revival der Haïda-Kultur

 

Für die Wiederbelebung der Tätowierkunst der Haïda, der an der Nordwestküste Kanadas lebenden Indianerstämme, setzt sich der gebürtige Kanadier und jetzt…

Alles so süß hier! Süße Tattoo-Motive der japanischen Kawaii-Kultur

Alles so süß hier! Süße Tattoo-Motive der japanischen Kawaii-Kultur

 

Süße Tattoo-Motive sind auch bei Erwachsenen angesagt. In Japan hat die Kultur des Verniedlichens einen Namen: Kawaii. Bei uns werden sogenannte Kidults,…

Woodkid – Tätowiererin Freulein Fux

Woodkid – Tätowiererin Freulein Fux

 

Tätowiererin Freulein Fux ist ein Kind des Waldes. Sie sticht ausschließlich Tiermotive und schottet sich weitgehend von der Zivilisation ab in ihrem Atelier…

Keine Porno-Tattoos, sondern Shunga!

Keine Porno-Tattoos, sondern Shunga!

 

Tattoos mit sexuellen Anspielungen sind keine Erfindung unserer mehr oder weniger aufgeklärten Gesellschaft. Schon vor über dreihundert Jahren haben die…

Tattoo Starlet 2016: Sara Surprisink

Tattoo Starlet 2016: Sara Surprisink

 

Sara Surprisink wurde auf der Tattoo Expo Leipzig zum TATTOO STARLET 2016 gekürt. Wir sprachen mit der 24-Jährigen über den Wahlsieg, Modelaufträge und…

Der Heilige Gral - das Original-Vorlagenalbum des Tätowierers Christian Wahrlich

Der Heilige Gral - das Original-Vorlagenalbum des Tätowierers Christian Wahrlich

 

Über fünfzig Jahre nach dem Tod von Christian Warlich rückt das Lebenswerk der Hamburger Tätowierers wieder in den Blickpunkt der Szene. Mit dazu beigetragen…

Szeneshop-Angebote
Stand:24 November 2017 15:31:30/motive/mischwesen_131.html