Mein lieber Schwan - Schwäne als Tattoomotiv

09.05.2015  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Archiv TätowierMagazin
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Mein lieber Schwan - Schwäne als Tattoomotiv
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Schwäne stehen seit ewigen Zeiten für Schönheit, Eleganz und Liebe. Aber auch andere Eigenschaften werden ihnen zugeschrieben: Sie gelten als unerschrockene Beschützer und sogar als aggressive Angreifer. Kein Wunder also, dass die weißen Entenvögel ein beliebtes Tattoomotiv sind.

Schwanen-Tattoo von Alex Dörfler, Hardcore Ink, Kassel.

Liebestanz

Welch schöner Anblick! Zwei weiße Schwäne im Duett, die sich wie Synchronschwimmer bewegen; ihre Kreise auf dem Wasser ziehen, sich voneinander entfernen, um sich dann wieder anzunähern. Sie liebkosen sich und schlingen ihre Hälse umeinander. Im beginnenden Frühling, von März bis April, ist Balzzeit und selbst für weniger ausgebuffte Birdspotter die beste Gelegenheit, in den frühen Morgenstunden auf Seen oder in leicht fließenden Gewässern den anmutigen Balztanz der Schwäne zu beobachten.

Schwanen-Tattoo von Cory Capelli, Signs and Wonders, Berlin.

Herz aus Hals

Vor allem die an einem Wulst über dem Schnabel gut zu identifizierenden Höckerschwäne sind bei uns die populationsgrößte aller heimischen Arten; als Jungtier noch mit graubraunem Gefieder, wechseln die Schwäme mit der Geschlechtsreife von zirka drei Jahren ihre Farbe in ein strahlendes Weiß. Und auch der Schnabel bekommt dann seine typische orange Farbe. Ihre elegante Erscheinung verdanken die Tiere auch ihrem meist S-förmig gebogenen Hals, der ein weiteres typisches Merkmal des Höckerschwans ist. Besonders schön wirkt diese Halsstellung, wenn die Pärchen zur Begrüßung frontal aufeinander zupaddeln und die beiden geschwungenen Hälse zusammen ein Herz bilden. Das ist keine kitschige Vorstellung, das machen Schwanenpärchen wirklich. Symbolischer kann man Liebe nicht darstellen.

Schwanen-Tattoo von Aaron Willett, Unique Tattoo, Portsmouth, UK.

Aggressiv

Und für Treue stehen diese prächtigen Tiere auch noch. Hat sich ein Paar gefunden, bleibt es in der Regel ein Leben lang zusammen. Das Brüten übernimmt allein das Weibchen, sind die Jungen geschlüpft, werden sie aber von beiden Elternteilen versorgt. Bis der Nachwuchs selbstständig ist, ist für den Menschen Vorsicht geboten. Die ausgewachsenen, bis zu zwanzig Kilogramm schweren Vögel haben teilweise eine Flügelspannweite von mehr als zwei Metern und können es gar nicht leiden, wenn Paddler und Schwimmer in ihr Revier eindringen und dem Nachwuchs zu nahe kommen. So ernsthaft, wie die Männchen die Rolle im Liebeswerben ausfüllen, so verhalten sie sich auch als Beschützer des Nachwuchses. In der Brutzeit im März und April und beim Führen des Nachwuchses von Mai bis Juli reagieren sie auf potenzielle Gefahr aggressiv. Die Drohgebärden des Vogels sollte man unbedingt ernst nehmen: Die Schwingen hochgespreizt, den Hals stark gestreckt, schwimmt er fauchend auf die Eindringlinge zu. Selbst von Angriffen aus der Luft wird berichtet. Mit Glück konzentriert sich das Tier beim Ruderer auf das Paddel, aber es wird auch von Attacken auf den Kopf berichtet. Ein Schlag mit dem Flügel kann einen Menschen ausknocken.

Schwanen-Tattoo von Karin Schwaiger, Cutekarin Tattoo, Rotterdam.

Reinheit

Ihre Schönheit und ihr stolzes Erscheinungsbild haben die Menschen immer schon inspiriert. In vielen Kulturen wird den Schwänen eine besondere Rolle zugesprochen. Von keltischer bis zu germanischer oder nordischer Mythologie, von Indien bis Finnland: Schwäne haben eine besondere Rolle und eine starke Symbolkraft. Die berühmteste Geschichte stammt aus der griechischen Mythologie: Göttervater Zeus nimmt die Gestalt eines Schwanes an und verführt Leda. Zahlreiche Maler wie Leonardo da Vinci, Peter Paul Rubens oder auch Paul Cezanne nahmen sich des Themas an und schufen Werke, die den erotischen Charakter dieser Verführung herausstellen. Doch trotz diese sexuellen Anspielungen in der historischen Schwanensymbolik steht das Tier auch wegen seines weißen Gefieders für Reinheit.

Schwanen-Tattoo von Domme, Stechwerk, Kempten.

Anmut

Ein musikalisches Denkmal setzte dem Schwan der Komponist Pjotr Tschaikowski mit dem Ballett »Schwanensee« (1877). Das dreiminütige Tanzsolo »Der sterbende Schwan« von Michel Fokine für die Primaballerina Anna Pawlowa von 1905 ist ein weiterer Höhepunkt der internationalen Ballettgeschichte: Die tänzerische Darstellung eines geradezu elegant verendenden Schwans gilt als eine der anspruchsvollsten Tanzrollen und ist sogar sprichwörtlich geworden. Mit der Redewendung »Er spielt den sterbenden Schwan« wird jemand bedacht, der besonders theatralisch leidet. Ebenfalls im Sprachgebrauch eingebürgert hat sich der Ausdruck »Schwanengesang« für das letzte Werk eines Musikers oder Dichters, aber auch für die letzte Rede eines Politikers. Der Begriff geht auf die griechische Mythologie zurück, wonach Schwäne vor dem Tod noch einmal singen.

Schwanen-Motiv von Carola Deutsch, Decasa Kreativstudio, Graz, AT.

Erlösung durch Liebe

Die starke Beziehung zwischen Menschen und Schwänen zeigt sich auch in diversen Märchen. »Die wilden Schwäne« von Hans Christian Andersen und das von den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm aufgeschriebene Märchen »Die sechs Schwäne« ähneln sich sehr. Bei beiden geht es um die Erlösung der in Schwäne verwandelten Brüder durch ihre Schwester. »Das hässliche Entlein«, ebenfalls Andersen, handelt auch von Verwandlung, diese Geschichte aber hat die Bedeutung, sich gegen alle Widrigkeiten zu dem zu entwickeln, was man tatsächlich ist: ein ansehnlicher Schwan.

Schwanen-Tattoo von Matthis Graul, Red Corner, Salzwedel.

Eleganz

Mit ihrem schön geschwungenen Hals und dem weißen Gefieder wirken Schwäne anmutig und elegant und sind damit prädestiniert, als Tattoomotiv einen Menschen zu schmücken, meist eine Frau. Um ihre Bedeutung – Liebe, Anmut, Treue – weiß die Trägerin. Es ist ein dezentes Motiv und ein wunderschönes noch dazu.

Schwanen-Tattoo aus dem Studio Kustom Kings, Hannover.
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Stand:24 November 2017 15:30:40/motive/mein+lieber+schwan_154.html