Mein Einhornname ist Zuckerschnute! Einhörner als Tattoo-Motiv

27.02.2015  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: TM-Archiv
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Mein Einhornname ist Zuckerschnute! Einhörner als Tattoo-Motiv
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Wie kein anderes mythisches Wesen sind Einhörner zurzeit in der Populärkultur präsent. Auch als Tattoo haben sie sich ihren festen Platz als beliebtes Motiv wieder zurückerobert.


Vorreiter des Revivals:  Bereits 2011 tätowierte der Berliner Fabian Nitz vom Studio Rose of No Mans Land dieses Einhorn.

Zuckerschnute oder Amazing Banana? Für einen der beiden Einhornnamen kann ich mich entscheiden. Wenn es schon sein muss, fällt meine Wahl auf Zuckerschnute, also die Variante, die mir die Internetseite »Kotzendes Einhorn« vorschlägt – bereits der Name suggeriert Einhorn-Credibility. Dafür nehme ich die Anfangsbuchstaben meines Vor- und Nachnamens und ordne diese den vorgegebenen Begriffen zu. Mein Kollege Dirk-Boris Rödel darf sich nach diesem Dein-Einhornname-Code »Daunen-Butterkuss« nennen und Boris Glatthaar »Butterglück«. Ich denke nicht, dass sie damit glücklich sind; toll finde ich meinen Namen aber auch nicht.

Die Einhörner sind wieder unter uns! Beeindruckendes Statement tätowiert von Döner, PMA Tattoo in Hannover.

Sei ein Einhorn!

Am Thema Einhorn kommt man momentan nicht vorbei; vor allem nicht, wenn man Kleinkinder zuhause hat, aber auch Jugendliche haben keine Berührungsängste. Selbst Lebensweisheiten kursieren im Zusammenhang mit dem Fabeltier – sie sind zwar keine echte Hilfe, aber zumindest lustig: »Sei immer du selbst! Außer du kannst ein Einhorn sein, dann sei immer ein Einhorn!«

Mädchen haben eine viel größere Affinität zur Welt der Einhörner, das Alter spielt hingegen keine Rolle. Ich selbst habe mir im fortgeschrittenen Alter ein Backförmchen und eine Jutetasche mit Einhornmotiv zugelegt. Nicht in Frage kommt hingegen die Teilnahme am diesjährigen 3. Einhorn Sommercamp in Kassel, das mir Freunde nahelegten. Dabei geht es um die »Spiritualität und die Kraft, die uns die Magie der Einhörner vermitteln kann«, wie der Veranstalter erklärt. Vor drei Jahren war ein Programmpunkt »Julia Jannsen erzählt ihre Geschichte als inkarniertes Einhorn«; in diesem Jahr steht »Der Seelenblick der Pegasus-Einhörner« auf dem Programm. Diese Herangehensweise an Einhörner ist mir aber zu ernsthaft.

Ein echtes Zeitdokument! Aus einem in den 90er Jahren sehr populären Flash-Set stammt die Vorlage, die von Thomas Kst von Tintenkunst Tätowierungen in Hamburg 1:1 umgesetzt wurde.

Die 80er grüßen

Ich denke, ich bin im Umgang mit den Einhörnern auf dem Stand der Pubertierenden stehen geblieben: Einhörner sind süß und kitschig und nur mit einem Augenzwinkern erträglich. Und das scheint mir auch der Ansatz derer zu sein, die sich heute ein Einhornmotiv tätowieren lassen, denn Einhörner sind regelrecht in Mode gekommen. »Wieder« muss man wohl sagen. Bereits in den 80er Jahren war dieses Motiv wie beispielsweise auch der Delfin sehr beliebt, und sie wurden beide gleichermaßen als langweiliges Standardtattoo verspottet. Das hat sich geändert. TM-Kolumnist Dr. Mark Benecke wurde von den Tattoofans für sein kürzlich gestochenes Delfintattoo regelrecht gefeiert, und auch die Träger von Einhörnern setzen sich heute nicht mehr dem Spott Dritter aus.

Einhorn-Populärkultur heute! Eine Mischung aus My Little Pony und Einhorn kreierte der US-Amerikaner David Corden von Off the Map Tattoo.

Sternenstaub-Pupse

Wieso Einhorntattoos gerade jetzt, also gut 20 Jahre nach ihrem letzten Erscheinen, wieder hoch im Kurs stehen, mag mit dem Phänomen der »Kawaii-Kultur« zusammenhängen (kawaii: Japanisch für »niedlich, süß«, siehe TM 01/2015). Kindliche Motive und eine entsprechende Umsetzung sind ein vor allem in Japan sehr populäres gesellschaftliches Phänomen, das auch bei hiesigen Tattoofans Anklang findet; und mythische, pferdeähnliche Wesen in Rosa, die auf einem Regenbogen reiten und Sternenstaub pupsen, sind ja wohl »kawaii« hoch drei. Und deshalb male ich auch Monat für Monat mein Sternenstaub-Furz-Einhorn als Korrekturkürzel auf die Layout-Ausdrucke des TätowierMagazins – zur Freude der Kollegen, denn ich bin grafisch nicht sonderlich talentiert.

Aus Sternenstaub entstanden! Einhorn im grafischen Aquarell-Stil von Panda Conny aus dem Studio Sissi Got Inked in Wien.

Es ist wieder da!

Einfluss auf das Revival hatte vielleicht auch die Entdeckung eines »Einhorns« in einem Wildpark in Italien im Jahr 2008. Das wundersame Tier, dem der Namen »Unicorno« gegeben wurde, trägt zwar ein Horn mitten auf der Stirn, wurde aber als Rehbock identifiziert, dem auf Grund eines genetischen Defekts nur eine Geweihstange wächst. Auf Spiegel Online wird Gilberto Tozzi, Direktor des Naturwissenschaftlichen Zentrums Prato (CSN), zur Bedeutung von Unicorno zitiert: »Das ist der Beweis, dass das legendäre Einhorn wirklich existiert haben kann.«
 

Auch Chinesen lieben Einhörner! Der Sleeve im Neotraditional-Stil stammt von F. Cheung aus Macau.

Mythische Kräfte

Eine gewagte These, denn ein Einhorn ist ja nicht nur ein Tier mit einem schneckenartig gedrehten, langen Horn, sondern dem Wesen werden auch besondere Fähigkeiten zugeschrieben. Prinzipiell steht es für das Gute, es soll karge Landschaften zum Erblühen bringen, seine Tränen sollen versteinerte Lebewesen erwecken, sein Blut um den Preis eines unglücklichen Lebens sogar Unsterblichkeit verleihen; trinkt man aus einem Gefäß aus Einhorn-Horn, soll das gegen die Pest helfen und unempfindlich gegen Feuer und Gift machen. Die Verbindung von heilenden Kräften und dem Fabelwesen kann man übrigens noch heute sehen, eine Einhorn-Apotheke gibt es in jeder mittelgroßen Stadt.

In Ermangelung tatsächlicher Hörner wurde im Mittelalter der Stoßzahn des Narwals für das Horn eines Einhorns gehalten; es ist spiralig gedreht, so dass die Verwechslung naheliegend war. Es galt als sehr kostbar, sein Wert überstieg den von Gold bis um ein  Zehnfaches. Noch heute existieren zahlreiche Herrscherinsignien wie beispielsweise der Thron der Könige von Dänemark und Zepter und Reichsapfel des Österreichischen Kaiserhauses, die aus dem Stoßzahn des Wals gefertigt sind.

Ein Traum in Blau, gestochen von Julian aus dem Studio Corpsepainter in München.

Lockvogel Jungfrau

Die ihm zugeschriebenen Eigenschaften und der Wert des Horns weckten natürlich Begehrlichkeiten bei den Menschen, sie wollten des Zauberwesens unbedingt habhaft werden. In Conrad Gesners »Thierbuch« (erstmals 1565 erschienen) ist nachzulesen, wie der Fang zu bewerkstelligen sei: Eine Jungfrau lockt die Fabelwesen an. Sobald es mit dem Kopf auf deren Schoß eingeschlafen ist, können es die Jäger einfangen. Allerdings darf das Tier nicht älter als zwei Jahre sein, da es ansonsten zu stark und aggressiv sei. So ganz überzeugt war der Schweizer Arzt und Naturforscher zwar nicht von der Existenz des Einhorns und dessen Fang mittels Jungfrauen – ganz aus seinem »Thierbuch« weglassen wollte der Universalgelehrte es aber anscheinend auch nicht.
Die Vorstellung, dass man ein Einhorn mittels einer Jungfrau fangen könne, spiegelt sich auch in der christlichen Kunst wider; anstatt einer x-beliebigen Jungfrau nimmt Maria diesen Platz ein. Die älteste überlieferte Darstellung stammt aus dem 12. Jahrhundert. Bekannte Maler wie Raffael, Hieronymus Bosch und Lucas Cranach der Ältere nutzen die Abbildung des Tieres als Symbol für Unschuld und Jungfräulichkeit.

Mit Jungfrauen fängt man Einhörner! Krasse Interpretation des Belgiers Piet du Congo.

Doch den Nimbus der seltenen und schwer zu findenden Fabelwesen haben die Einhörner heutzutage längst eingebüßt; dafür sind sie – zumindest als Tattoo – inzwischen viel zu zahlreich …

Ein Opfer der gnadenlosen Einhornjagd, gestochen von Andrew vom Seven Devils Tattoo in Berlin.

 
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Stand:24 November 2017 15:45:12/motive/mein+einhornname+ist+zuckerschnute_152.html