Köpfe, die die Welt veränderten

27.04.2013  |  Text: Dirk-Boris  |   Bilder: Archiv TätowierMagazin
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Köpfe, die die Welt veränderten
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Sie haben Politik gemacht, Kriege geführt, Traumschlösser erbaut oder die Fantasie der Menschen angeregt. Dass Persönlichkeiten wie Ho Chi Min, Ludwig II, Edgar Allan Poe oder Mahatma Gandhi unvergessen bleiben, dafür sorgen die Tattoos, mit denen sich manche Tattoo-Fans an sie erinnern.
Sie haben Politik gemacht, Kriege geführt, Traumschlösser erbaut oder die Fantasie der Menschen angeregt. Dass Persönlichkeiten wie Ho Chi Min, Ludwig II, Edgar Allan Poe oder Mahatma Gandhi unvergessen bleiben, dafür sorgen die  Tattoos, mit denen sich manche Tattoo-Fans an sie erinnern.

Che Guevara von Alex Keller, East Tattoo (Enschede, NL)

Che Guevara - Die Fotografie eines Revolutionärs 

Es gibt Porträts, die so bekannt sind, dass sie beinahe schon wie Symbole funktionieren. Eines der berühmtesten Konterfeis dieser Art ist sicher das des kubanischen Revolutionärs Ernesto Guevara de la Serna, besser bekannt als Che Guevara. Er war Rebell, gutaussehend und starb relativ jung – im Alter von 39 Jahren – einen gewaltsamen Tod. Das sind die besten Voraussetzungen, um zur Legende zu werden. Letztlich unsterblich wurde Che Guevara durch das Foto von Alberto Korda, das als berühmtestes fotografisches Abbild einer Person gilt. Das Foto des »Guerillero Heroico«, des heldenhaften Guerilla-Kämpfers, ziert wohl Millionen von T-Shirts, Aufklebern, Plakaten und Postern – und wurde auch als Tattoo schon abertausende Male gestochen. Nur in den seltensten Fällen dürften sich Träger solcher T-Shirts oder Tattoos ausgiebig mit der historischen Figur des 1928 in Argentinien geborenen Comandante auseinandergesetzt haben: das Porträt ist vielmehr ein Symbol für Freiheit, Rebellion, Unangepasstheit und für die Leidenschaft, sich bis zum Tod für ein höheres Ziel aufzuopfern.

Natürlich war Ernesto Che Guevara aber nicht 24 Stunden am Tag ein heldenhafter, selbstloser Gutmensch, der sich für die gerechte Sache einsetzte – tatsächlich war er beispielsweise verantwortlich für die Inhaftierung und auch Hinrichtung von hunderten politischer Gegner – doch das spielt beim Symbol Che Guevara keine Rolle. Die Ikone ist quasi losgelöst von der historischen Figur. So, wie die Fotografie lediglich einen kurzen Augenblick im Leben des Revolutionärs zeigt, steht sie auch nur für einen bestimmten Teil seines Wirkens.
 

Bayernkönig Ludwig II. 
 - Weltfremder Märchenkönig

Gar nicht so unähnlich dem Bild des kubanischen Rebellenführers ist dieses Porträt, auch wenn die Charaktere kaum unterschiedlicher sein könnten. Es zeigt den Bayernkönig Ludwig II., der in Bayern heute noch liebevoll »der Kini« genannt wird. Ebenso wie Che Guevara war Ludwig II. sein früher Tod dabei hilfreich, zur Legende zu werden.

Der Aristokrat starb nur ein Jahr älter als der kubanische Marxist, im Alter von 40 Jahren. Er ertrank im Jahr 1886 im Starnberger See, doch zahlreiche Verschwörungstheorien legen eine Ermordung nahe, was der Legendenbildung nur zusätzlichen Auftrieb gibt. Tatsächlich haben nicht nur die Bayern ihrem Kini viel zu verdanken.

Ludwig war ein Freund der Kunst und unterstützte besonders Richard Wagner und Anton Bruckner. Seine ausufernden Bautätigkeiten, von denen das Schloss Neuschwanstein das bekannteste Beispiel ist, trieben ihn jedoch in große finanzielle Schwierigkeiten. Gleichzeitig zog sich der König immer mehr zurück, vernachlässigte soziale Kontakte und wurde schließlich für unmündig erklärt. Der »Märchenkönig«, dem seine Weltfremdheit zu Lebzeiten das Unverständnis und die Ablehnung seiner Zeitgenossen einbrachte, wird heute wegen eben dieser kindlich-unbeschwerten Kreativität und Fantasie verehrt.

Armstrong Custer 
 - An allen Schlachten beteiligt 

Lediglich 36 Jahre alt wurde Generalmajor George Armstrong Custer. Er starb in der Schlacht am Little Bighorn im Jahr 1876 im Kampf gegen Indianer der Stämme der Sioux, der Arapaho und der Cheyenne, die unter der Führung von Sitting Bull und Crazy Horse kämpften. Vor seiner historischen Niederlage war Custer als Kommandeur im amerikanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Union an sämtlichen wichtigen Schlachten beteiligt, so auch an der berühmten Schlacht von Gettysburg. Custer hatte deutsche Wurzeln, sein Familienname ist die amerikanisierte Version des deutschen Namens Küster. Einer seiner Vorfahren war der deutsche Offizier Paulus Küster aus Krefeld, einer der ersten deutschen Auswanderer, der 1693 mit seiner Familie nach Amerika kam.
 

Edgar Allen Poe, tätowiert von Miguel Ochoa, Lowrider Tattoo (Fountain Valley, USA)

Edgar Allan Poe - Inspirierte Iron Maiden

Seine Werke kennen viele, das dazugehörige Gesicht nur wenige: Der 1809 in Boston geborene Schriftsteller Edgar Allan Poe war wegweisend in der Kriminalliteratur, aber auch in den Genres der fantastischen Erzählungen und Horrorgeschichten. Zu seinen bekanntesten Werken zählt das Gedicht »Der Rabe«, das ebenso wie beispielsweise die Erzählung »Der Doppelmord in der Rue Morgue« Rockbands wie Allan Parsons Project oder Iron Maiden zu musikalischen Würdigungen inspirierte.

Poes fantastische Geschichten beeinflussten spätere Autoren wie Jules Verne oder Arthur Conan Doyle, den geistigen Vater von Sherlock Holmes. In vielen Arbeiten des Schriftstellers sind anscheinend persönliche Erfahrungen verarbeitet, so spielt immer wieder der Tod schöner Frauen eine Rolle in seinen tragischen Geschichten; Poes Kusine Virgina, die er heiratete, als diese erst 13 Jahre alt war, verstarb an Tuberkulose. Auch seine Furcht, lebendig begraben zu werden, thematisierte Poe in mehreren Werken, so zum Beispiel in der Erzählung »Der Fall des Hauses Usher« oder auch »Lebendig begraben«. Er starb im Alter von 40 Jahren, doch die genaue Todesursache ist nicht bekannt.

Ho Chi Minh - Den Feind verstehen 


Der vietnamesische Revolutionär und Politiker Ho Chi Minh gilt neben Mao Zedong und Che Guevara als einer der einflussreichsten und auch erfolgreichsten sozialistisch geprägten Guerillakämpfer, auch wenn er nie den Bekanntheitsgrad seiner beiden revolutionären Kollegen erreichte. 1890 geboren, lehnte sich Ho Chi Minh schon als Jugendlicher gegen Frankreich auf, das damals Vietnam als Kolonie ansah. Um den Feind besser zu verstehen, reiste Ho Chi Minh nach Frankreich, wo er sich der sozialistischen Partei anschloss.

Auch in Moskau und China tauschte sich Ho Chi Minh mit anderen Kommunisten aus. 1946 gelang es ihm, mit dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle den Kompromiss auszuhandeln, Vietnam als freien Staat innerhalb der französischen Union anzuerkennen, doch schon ein halbes Jahr später war diese Vereinbarung hinfällig und der Kampf gegen die Kolonialherren ging weiter. Ho Chi Min hwar 1946 zum Präsidenten Vietnams gewählt worden, 1954 wurde er Präsident der Demokratischen Republik Nordvietnam. Er starb 1969 im Alter von 79 Jahren.


Kaiser Horihito, tätowiert von Washun, Last Gate Tattoo (Tokio, JP)
 

Kaiser Hirohito - Mensch oder Gott? 


Mensch oder Gott? Kaiser Hirohito, geboren 1901, 124. Kaiser Japans, wurde während seiner Regentschaft von 1926 bis 1989 von den meisten Japanern als Gottkaiser angesehen, der direkt von der Sonnengöttin Amaterasu Omikami abstammte. Nach ihrem Tod werden Kaiser in Japan nicht mehr nach ihrem ursprünglichen Namen, sondern nach ihrer Regierungsdevise benannt, dementsprechend heißt er heute »Showa-Tenno«, Kaiser des Friedensweges. Das ist insofern paradox, als Hirohito vor allem mit Japans unrühmlicher Rolle im Zweiten Weltkrieg an der Seite von Nazi-Deutschland und den von Japan verübten Kriegsgräueln in Verbindung gebracht wird. Ob und wie viel Einfluss der Kaiser tatsächlich auf die Politik während dieser Zeit  hatte, ist bis heute nur schwer zu klären. Viele halten ihn für einen Kriegsverbrecher, andere sind der Meinung, dass Hirohitos Bemühungen um Frieden vom einflussreichen Militär blockiert wurden.
Nach der Atombombe auf Hiroshima drängte Hirohito zur Kapitulation, doch die Generäle und die Regierung zögerten. Als drei Tage später Nagasaki bombardiert wurde, gab der Kaiser eigenmächtig seine legendäre Rede ab, in der er die Kapitulation Japans bekannt gab: »Es ist die Zeit gekommen, das Unerträgliche zu ertragen« waren die Worte, mit denen er die Niederlage Japans eingestand. Der Kaiser nahm gegenüber den USA alle Verantwortung auf sich, wurde aber entgegen der ursprünglichen Absicht der Siegermacht nie vor Gericht gestellt oder verurteilt.
 
 

Nelson Mandela - 27 Jahre Gefängnis 

27 Jahre verbrachte Nelson Mandela für sein Engagement gegen Apartheid, Unterdrückung und Rassismus in Südafrika im Gefängnis. Mandela, der nach Entlassung aus seiner Haft von 1994 bis 1999 Präsident Südafrikas wurde und 1993 den Friedensnobelpreis erhielt, erfährt heute weltweit große Wertschätzung und Bewunderung für seinen Einsatz für ein demokratisches Südafrika, doch noch 1988 wurde er vom US-amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan sowie von der mittlerweile verstorbenen britischen Premierministerin Thatcher als Terrorist eingestuft.
Trotz der Verteufelung des Bürgerrechtskämpfers durch konservative Politiker wurde Mandela bereits während seiner Haft von vielen Künstlern, Politikern und Musikern unterstützt. Ebenfalls im Jahr 1988 fand zum 70. Geburtstag des sich damals  immer noch in Haft befindlichen Mandela im Londoner Wembley-Stadion ein Tribute Concert statt, bei dem Künstler wie Meat Loaf, Dire Straits, Eric Clapton, Joe Cocker, Bryan Adams oder Whitney Houston ihre Solidarität bekundeten.

Mahatma Gandhi  - Festhalten an der Wahrheit 

Mohandas Karamchand Gandhi, besser bekannt als Mahatma Gandhi, lebte von 1869 bis 1948. Der Rechtsanwalt wurde berühmt durch seinen gewaltlosen Widerstand gegen die britische Kolonialmacht in Indien. Statt Waffen setzte Gandhi zivilen Ungehorsam, Streiks, Boykotte, Provokation von Verhaftungen durch Nichteinhaltung ungerechter Gesetze sowie Nichtkooperation und Hungerstreiks als Mittel im Kampf gegen Unterdrückung und Ungleichbehandlung ein. Gandhi bezeichnete seine Überzeugung als »Satyagraha«, als »Festhalten an der Wahrheit« und erklärte dazu: »Die Wahrheit schließt die Ausübung von Gewalt aus, da die Menschen nicht fähig sind, die absolute Wahrheit zu erkennen und deshalb auch nicht bestrafen dürfen.«
Da Wahrheit und Gott für Gandhi gleichbedeutend waren, waren für ihn auch seine politischen Aktionen stets religiös begründet. Gandhi, der auch als der »indische Franziskus« bezeichnet wurde, war mehrmals für den Friedensnobelpreis nominiert worden, doch hatte ihn zeitlebens nie erhalten. Als er 1948 durch ein Attentat starb, wurde der Friedensnobelpreis deshalb symbolisch in diesem Jahr nicht vergeben.
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Stand:24 November 2017 15:46:54/motive/koepfe+die+die+welt+veraenderten_134.html