Keine Angst vorm bösen Wolf: Wölfe als Tattoomotive

14.12.2012  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Archiv TätowierMagazin
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Keine Angst vorm bösen Wolf: Wölfe als Tattoomotive
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Lieb und schnuckelig sind Reh und Hase, Wölfe sind wild, aggressiv und blutrünstig. Die Kraft des Wolfs-Motivs liegt genau in dieser Symbolik. Nachdem die ersten Wolfsrudel wieder in Deutschland heimisch geworden sind, kehrt auch das Wolfs-Tattoo wider zurück!
Lieb und schnuckelig sind Reh und Hase, Wölfe sind wild, aggressiv und blutrünstig. Die Kraft des Wolfs-Motivs liegt genau in dieser Symbolik. Das ist sicherlich nicht gerecht und ignoriert alle Erkenntnisse über das Leben und Verhalten der Wölfe. Sie sind Raubtiere, aber keine Bestien. Traditionelle Wolfsmotive sind aber auch keine Tier-Doku, sondern eher ein Spiegel der Mensch-Wolf-Beziehung. Und die war in den letzten 700 Jahren keine gute.

Realistic wie von Andy Engel aus Kitzingen.

Blutrünstige Bestie 

Seit dem Mittelalter prägten große Ängste das Verhältnis von Mensch und Wolf im dicht besiedelten Europa. Dass Wölfe Menschen angegriffen haben, kam wohl nur in wenigen Fällen vor, und wenn, dann bei tollwütigen Tieren. Prinzipiell passt der Mensch nicht in das Beuteschema des im Rudel jagenden Raubtiers; er interessiert sich eher für Paarhufer wie Rehe, Wildschweine, Hirsche. Wenn Wölfe hungrig sind, wagen sie sich aber auch an weidendes Vieh. Sie können durchaus Rinder, Schafe, Schweine und Pferde reißen, was für die Menschen in früherer Zeit einen großen wirtschaftlichen Schaden darstellte und nicht selten existenzbedrohend war. Wenn die einzige Milchkuh weg war, dann hatte das Auswirkungen auf das Überleben der Familie. Zudem war der Wolf auch Konkurrent bei der Jagd nach Wildtieren.

Vollkommen anders war das Image des Wolfs in Kulturen, die nicht sesshaft waren und sich ebenfalls von der Jagd ernährten. In der amerikanischen Kultur der Ureinwohner genossen die Tiere wegen ihrer Jagdtechnik ein hohes Ansehen, sie wurden bewundert und sogar verehrt. In der nordischen Mythologie standen beispielsweise dem Siegesgott Odin neben zwei Raben auch die Wölfe Geri und Freki zur Seite. Sie galten als göttliche Tiere und waren das Symbol für Sieg.

Wolf von Ishi von Illsynapse Tattoo, Nagoya.

Der Wolf heult wieder 

Einen positiven, eher von Bewunderung geprägten Blick auf den Wolf findet man übrigens in der Tattoo-Szene Mitte der 90er Jahre. Das Motiv »Heulender Wolf vor Vollmond« war äußerst beliebt und wurde bevorzugt in der Fine-Line-Technik tätowiert, womit im Vergleich zur traditionellen Tätowiertechnik eine realistischere Darstellung möglich war. Vor allem Männer ließen sich dieses Motiv stechen; neben der Bewunderung für das Tier identifizierte sich der Träger häufig selbst mit ihm: als Einzelgänger, der einsam und stolz sein Leben meistert. Aber auch dieses Motiv ist eher eine Projektion und entspringt einer idealisierten Vorstellung, denn tatsächlich leben die Grauen im Familienverband. Fakt ist: Damals heulten mehr Wölfe als Tattoos auf der Haut, als in West- und Mitteleuropa noch in Freiheit lebten. Die Populationen wurden seit dem Mittelalter systematisch ausgerottet, das letzte Exemplar wurde in Deutschland im Jahr 1904 erschossen.

Sonny vom Traitors Island Studio in München.

Das Gen der Angst 

Und die Angst vor dem Wolf wird früh geschürt. Auch heute noch. Bereits Kinder hören in Märchen von der Eitelkeit, Rücksichtslosigkeit, List, Gier, Bösartigkeit und auch Tölpelhaftigkeit des Isegrim, wie der Wolf in der Fabel Reineke Fuchs genannt wird. Zahlreiche Märchen wie »Der Wolf und die sieben Geißlein« oder »Rotkäppchen« schlagen in die gleiche Kerbe, bei Rotkäppchen wird er sogar zum Verführer des  unschuldigen Mädchens, das trotz der Warnung der Mutter vom rechten Weg abkommt und vom Wolf gefressen wird.

Aber all diese negativen Attribute sind harmlos gegen die Vorstellung, dass sich ein Mensch – meist bei Vollmond – selbst in einen Wolf verwandelt. Nichts scheint abscheulicher und verderblicher, als dieser Wechsel von der Seite des Guten zum Bösen. Im Mittelalter gipfelte dieser Aberglaube in Hexenprozessen. Die männlichen Beschuldigten wurden angeklagt, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen zu haben. Später setzte sich die Annahme durch, dass bereits der Biss eines Werwolfes ausreichte, um selbst einer zu werden. Dass in hellen Vollmondnächten das Heulen eines Wolfes Angst und Schrecken unter den Menschen auslöste, verwundert da nicht.

So macht er sich keine Freunde: Aggressive Wölfe von Jukan, Stilbruch Tätowierungen in Berlin.

Imageprobleme 

Aber es gibt auch positive Darstellungen dieses faszinierenden Raubtiers, wenn auch wenige: Im Dschungelbuch beispielsweise wird das Menschenkind Mogli von einer Wolfsfamilie vor dem Tiger Schir Khan gerettet. Mit der Hilfe von Balu dem Bären und dem Panther Baghira überzeugt die Familie das Wolfsrudel, Mogli bei sich aufzunehmen. Und auch in Joanne K. Rowlings Harry-Potter-Serie ist Remus Lupin, der Lehrer für die Verteidigung gegen die dunklen Künste, unter den Schülern beliebt und ein Sympathieträger. Als durch eine Intrige herauskommt, dass er sich in Vollmondnächten in einen Werwolf verwandelt, wird der soziale Druck so groß, dass er freiwillig die Schule verlässt.

Als Verführerin interpretiert Eva Schatz vom Mint Club Tattoo Atelier in Salzburg das Rotkäppchen.

Keine Angst vorm bösen Wolf 

Die letzten Jahre haben wir den Wolf in faszinierenden Dokumentationen im Fernsehen gesehen, nun wird es aber wieder ernst. Erst wurden nur vereinzelt Tiere gesichtet, aber vor gut zehn Jahren entdeckte man in der Lausitz ein ganzes Rudel, das jetzt in Sachsen sein festes Revier hat. Erster Nachwuchs ist auch schon da.

Naturschützer kämpfen also nicht nur für diesen Lebensraum, sondern auch gegen tief sitzende Ängste der Menschen. Wölfe sind gegenüber dem Menschen nicht aggressiv und wenn sie ab und an ein Schaf jagen, steht heute sicherlich auch nicht mehr die Existenz einer Familie auf dem Spiel. Das Motto muss also heißen: Keine Angst vorm bösen Wolf! Grausam und böse sind die Tiere nur als Tattoo-Motiv.

Oldschool-Motiv von Ole Kröger vom Lübecker Original Tattoo.
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Stand:22 November 2017 08:23:19/motive/keine+angst+vorm+boesen+wolf_1212.html