Grauenhafte Tattoos: Figuren aus Horrorfilmen als Tattoo-Motive

24.09.2014  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Archiv TätowierMagazin
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Grauenhafte Tattoos: Figuren aus Horrorfilmen als Tattoo-Motive
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Horrorfilme faszinieren uns auf eine seltsame und intensive Weise. Oft geht die Faszination so weit, dass wir uns zentrale Szenen oder Hauptpersonen als Tattoo stechen lassen.
Gut 90 Jahre liegen zwischen dem Film Nosferatu (1922), in dem Graf Orlok seine Zähne im Hals der schönen Ellen versenkt, und dem großen Finale in Evil Dead (2013): Die junge Mia reißt sich auf der Flucht vor dem Dämon ihre unter dem Auto eingeklemmte Hand ab und hält dem Angreifer die Kettensäge ins Gesicht. Fast ein Jahrhundert der Filmgeschichte und Geschichten voller Angst, Grauen, Ekel und Abscheu: Horrorfilme!

Dracula mit ungesunder Hautfarbe von Steve Soto, Goodfellas Tattoo Art, USA.
 

Die Lust am Grusel

So unterschiedlich wie die beiden Filmszenen sind auch die unter dem Genre »Horror« und ihren diversen Sub-Genres systematisierten Werke. Allen gemein ist die gewünschte Wirkung: Horrorfilme sollen eigentlich als unangenehm wahrgenommene Gefühle in uns auslösen, die paradoxerweise eine anziehende Wirkung auf uns haben. Ein Phänomen, das in der Psychologie mit dem Begriff »Angstlust« beschrieben wird. Zombie-, Monster- oder Vampirattacken lösen eine starke emotionale und körperliche Erregung aus, die in einer sicheren Umgebung genossen werden kann. Wenn der Film zu Ende ist, die dramatische Musik verstummt und das Licht im Kino wieder angeht, ist der Spuk vorbei. Das funktioniert besonders gut, wenn das Böse vernichtet oder ihm zumindest vorübergehend Einhalt geboten wurden.

Psycho, der Horror-Klassiker schlechthin.

Effektvolle Darstellung

Diesen Effekt von Anspannung und anschließender Entspannung kennen wir nicht nur von Horrorfilmen, er findet sich bei kindlichen Mutproben wie dem Klettern auf einen hohen Baum genauso wie beim Sprung am Bungee-Seil von der Brücke. Er gehört offensichtlich zur Entwicklung und zum normalen Verhalten des Menschen, er will je nach persönlicher Komfortzone immer wieder seine eigenen Grenzen austesten und auch überschreiten – bei Horrorfilmen auch die Grenzen der Angst. Wenn das Herz klopft, sich die Muskeln bis zum Zerreißen anspannen, wenn sich der Blick nicht vom fürchterlichen Geschehen abwenden kann, dann genießen das die Zuschauer vor allem deswegen, weil sie genau wissen, dass das Gesehene fiktional und eine Rückkehr in die Sicherheit des heimeligen Wohnzimmers jederzeit möglich ist. Die besonders realistische Darstellung des Grauenerregenden gehört dazu. Und natürlich ist die Grenze dessen, was an Handlung noch als erträglich angesehen wird, sehr unterschiedlich.

Schweigen der Lämmer-Tattoo vom Porträt-Papst Andy Engel aus Kitzingen.

Einbruch des Bösen

Die Bedrohung, das Nicht-Rationale, hat viele Formen. Neben Figuren aus den klassischen Horrorgeschichten wie Mumien (seit 1932 mindestens 14 mal in der Hauptrolle, zuletzt etwa 2008 in Die Mumie: Das Grabmal des Drachenkaisers), Vampiren – angefangen mit Nosferatu, eine Symphonie des Grauens (1922) bis zur erfolgreichen Neuinterpretation von Bram Stoker's Dracula durch Francis Ford Coppola (1992) – gibt es zahlreiche Variationen des Themas Blutsauger auf dem Weg zur Weltherrschaft. Darüber hinaus bedrohen uns Zombies und Monster, okkulte und übernatürliche Gestalten wie Hexen, Teufel oder Dämonen; allesamt Wesen, die die Macht über die Menschen ­gewinnen wollen.

Der moderne Horrorfilm bringt das Szenario noch näher an unsere Lebenswirklichkeit heran. Der Film zeigt Menschen wie dich und mich, die ein ganz normales Leben führen, das uns als Zuschauern mehr oder weniger bekannt vorkommt. In dieses Alltagszenerio bricht es ein: das Unbegreifliche, noch nie Gesehene, abgrundtief Böse, das Übernatürliche. Es rückt uns auf die Pelle, kommt ganz nah, und wenn dann noch – wie im Slasher-Film Scream (1996) – die scheinbar netten Jungs aus der Nachbarschaft die Monster sind, dann schaut man vor dem Zubettgehen vielleicht doch noch mal, ob die Haustür tatsächlich abgeschlossen ist und unter dem Bett nur die Wollmäuse liegen.

Mörderpuppe Chucky, gestochen von Cecil Porter.


Tabus brechen

Die härtere Gangart markieren Streifen, die dem Splatter-, Gore- oder Exploitation-Genres zugeordnet werden und weniger mit der Fantasie der Zuschauer spielen als recht eindeutig ihre Kannibalen auf das Publikum loslassen und Tabus brechen – wie in Omnivoros, das letzte Ma(h)l (2013) oder Sadisten in Saw, einem Siebenteiler aus den Jahren 2004 bis 2010. Streifen wie diese gehen nicht nur für feingeistige Cineasten häufig über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus.

Während manche Freunde des Horror­films eher auf die subtil ausgefeilte Geschichte mit einer unerwarteten Entwicklung des Handlungsstrangs stehen und ein paar Blutspritzer schon ausreichen, damit die Zuschauer spitze Schreie ausstoßen und ihr Puls hochschnellt, wird eine entsprechende Schockwirkung bei Splatter- und Exploitation-Fans erst durch eine zügellose Gewaltchoreographie ausgelöst, die mit den Mitteln von Maske und Special-Effects jeden Zerstückelungsakt mit dem Blick in die Eingeweide enden lassen. Solche Filme rufen natürlich auch besorgte Geister auf den Plan, die häufig einen Werteverfall in unserer Gesellschaft erkennen wollen und neben Horrorfilmen auch Computerspielen die Schuld an einer angeblich erhöhten Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen geben.

Sehr beliebt als Tattoo-Motiv: Billy, die Puppe des Psychopathen Jigsaw. Gestochen von Valerio Serpetti vom Blood Colour Tattoo aus Rom.

Wirkung von Gewaltdarstellung

Die Frage, ob das Anschauen von Filmen mit Gewaltdarstellungen, insbesondere von Horrorfilmen, Auswirkungen auf das Verhalten der Zuschauer hat, wird seit Jahrzehnten erforscht. Es gibt unter­schiedliche Theorien zur Wirkung von Gewaltdarstellungen. Grob lassen sie sich in drei Hauptrichtungen einteilen: Mediengewalt ist hilfreich, schädlich oder bedeutungslos.
Von Befürwortern von Horrorfilmen wird meist die Katharsistheorie ins Feld geführt, wonach das Schauen von Gewaltdarstellungen eine Ventilfunktion hat. Dagegen spricht die Habitualisierungstheorie, die von Abstumpfungseffekten beim Zuschauer ausgeht. Die Suggestionstheorie versucht zu belegen, dass sensible Menschen unbewusst beeinflusst werden, und die in der Richtung noch weitergehenden Modelltheoretiker gehen davon aus, dass Gewaltdarstellungen im Film eine Art Blaupause für das Verhaltensschema der Zuschauer im privaten Umfeld darstellen.

Kurz und gut: Wissenschaftliche Untersuchungen haben bisher keine Klarheit über die Wirkung von Gewaltdarstellungen gebracht. So darf sich jeder die Studie herausfischen, die seine Meinung zum Thema unterstreicht. Oder einfach den Untersuchungsansatz verändern. So konstatiert der Psychologe Christopher Ferguson: »Es ist Zeit, unsere Frage umzudrehen, und weniger danach zu fragen, inwieweit wir ein Produkt der medialen Gewalt sind, und mehr danach, was uns unser Bedürfnis nach medialer Gewalt darüber sagt, wer wir eigentlich sind.«

Werwolf mit auffallend gepflegtem Gebiss …

Horror auf der Haut

Freddy Krüger, Pinhead, Adam alias Frankensteins Monster oder Leatherface sind Motiv-Klassiker, die weder im Film noch als Tattoo an Attraktivität verloren haben. Mitte der 80er Jahre kam eine wahre Flut an Horrorfilmen in die Kinos und gipfelte in Filmreihen, die mittlerweile in die zehnte Runde gehen und die Figuren selbst in den Kultstatus erho­ben. Die Lust am Grusel hört aber nicht im Kinosaal oder im heimischen Wohnzimmer auf, sondern setzt sich auf der Haut fort. Je gruseliger das Tattoo, um so besser, womit natürlich nicht die Qualität der Tätowierungen selbst gemeint ist. Horrortattoos sind oft anspruchsvolle Porträtarbeiten, die ihre schockierende Wirkung eben nur dann entfalten, wenn das Monster nicht aussieht, als wäre es gerade der Sesamstraße entsprungen.

Jack Nicholson in seiner Rolle in Shining, tätowiert von Mel vom Schattenwerk, Konstanz.

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Stand:20 November 2017 12:57:51/motive/grauenhafte_tattoos_149.html