Fuchs muss man sein: Füchse als Tattoomotive!

25.10.2013  |  Text: Dirk-Boris   |   Bilder: Archiv TätowierMagazin
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Fuchs muss man sein: Füchse als Tattoomotive!
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Er gilt als schlau, aber nicht unbedingt als besonders charakterstark und wird zudem oft mit Hexen und dem Teufel in Verbindung gebracht. Der Fuchs ist eine zwiespältige Figur, was ihn auch als Tattoo-Motiv interessant macht.



Imposantes Chestpiece von Valentin Hirsch, Berlin.

Reineke Fuchs ist eine Gestalt, die man nur als widerwärtig bezeichnen kann. Die Hauptfigur aus der gleichnamigen Fabel ist durch und durch schlecht, ein charakterloser Übeltäter, der sich alle Tiere des Waldes zum Feind macht, bis sie ihn schließlich beim König der Tiere, dem Löwen, anklagen. Doch der Fuchs aus dieser Fabel, die sich die Menschen bereits im frühen Mittelalter erzählten, ist nicht nur böse, er ist auch extrem schlau und hinterlistig. Durch Lügen, Verleumdungen und Intrigen schafft es Reineke nicht nur, sich selbst von den Anschuldigungen reinzuwaschen, es gelingt ihm sogar, seine Ankläger, den Wolf und den Bären, als Hochverräter darzustellen.
 
Auch aus einer zweiten Gerichtsverhandlung, die durch einen Zweikampf zwischen Reineke und dem Wolf Isegrim entschieden werden soll, geht der Fuchs als Sieger hervor; durch hinterhältige Tricks bezwingt er den Wolf, gegen den er im fairen Kampf keine Chance gehabt hätte. Der König, dem die Unsportlichkeit Reinekes verborgen bleibt, sieht in seinem Sieg ein Gottesurteil und ernennt den charakterlosen Widerling zu seinem Kanzler.
In der Fabel werden menschliche Charakterzüge und Schwächen wie Gier, Eitelkeit, Dummheit und List thematisiert. Die Geschichte hat kein Happy End. Der Böse triumphiert am Ende, die Rechtschaffenen und Aufrichtigen sind die Verlierer, die Obrigkeit ist unfähig, die Falschheit des Fuchses zu durchschauen und bestraft die Guten, während der Übeltäter nicht nur ungestraft davon kommt, sondern sogar noch belohnt wird.

Der neunschwänzige Fuchsgeist spielt in vielen japanischen Erzählungen eine wichtige Rolle. Links von Bez, Triple Six Tattoo (Sunderland, GB), rechts von Calle, King Carlos (Stockholm).

Der Prototyp des intriganten Emporkömmlings

Der Ursprung der Geschichte von Reineke Fuchs reicht wahrscheinlich über tausend Jahre zurück. Ihr Thema, dass die rechtschaffenen Bürger chancenlos gegen skrupellose Verbrecher sind und dass von der Obrigkeit keine Gerechtigkeit zu erwarten ist, war zu jeder Zeit aktuell. Das Volk identifizierte sich mit dem Bären Braun, dem Hasen Lampe, Grimbart dem Dachs, Kater Hinz und Wolf Isegrim – und verabscheute Reineke Fuchs.

Die uralte Erzählung, in der es eine klare Unterscheidung zwischen Gut und Böse gibt, bestimmte über Jahrhunderte in unserem Kulturraum das Bild, das die Menschen von Füchsen hatten. Es ist geprägt einerseits von Ablehnung des Raubtieres, das man auch als Hühnerdieb kannte, aber gleichzeitig auch von einem gewissen Respekt vor der Schlauheit und Gerissenheit dieses auffällig rot gefärbten Waldbewohners.

Bei Morof von Moro Tattoo aus Genua sagen sich Fuchs und Waschbär Gute Nacht.

Fuchsgeister und Fruchtbarkeitsdämonen

Ähnlich ambivalent ist in Asien die Haltung dem Fuchs gegenüber: Man tritt ihm mit Respekt gegenüber, aber nicht mit Sympathie. Der Fuchs gilt in Japan als magisches Tier, als Wesen, das seine Gestalt verändern und Menschen in die Irre führen kann. Einige japanische Legenden handeln von verführerisch schönen Frauen, die einsamen Wanderern wie aus dem Nichts auf abgelegenen Waldwegen begegnen. Oft sind die Menschen, die auf solche Erscheinungen treffen, nicht aufmerksam genug, um die neun Fuchsschwänze zu bemerken, die unter dem Kimono der vermeintlichen Schönheit hervorschauen und den Fuchsgeist verraten würden. Nicht alle solche Begegnungen gehen jedoch tragisch aus. Manchmal heiratet ein weiblicher Fuchsgeist in Form einer Frau sogar einen Menschen und gründet mit diesem eine Familie.

Verführerische Fuchsdame von Prizeman vom Eternal Tattoo im englischen Chelmsford.

Neben den Fuchsgeistern, die zur Familie der Gestaltwandler gehören, kennt man in Japan auch die Füchse, die der Göttin Inari dienen. Sie sind den Menschen gegenüber freundlich und helfen ihnen. Interessanterweise ist Inari die Göttin der Fruchtbarkeit, und auch dieses Attribut findet man wiederum beim Fuchs in der europäischen Mythen- und Sagenwelt. Die Assoziation des Fuchses zu sexuellen Ausschweifungen geht bis in die griechische Antike zurück. Dort war der Fuchs dem Gott Dionysos zugeordnet, dem Gott des Weines, des Rausches und der Ekstase. Auf lediglich sieben Schwänze – im Vergleich zum japanischen Fuchsgeist – bringt es der Fuchs im Märchen »Die Hochzeit der Frau Füchsin«, wo man dem Fuchs als triebhaftem Liebhaber begegnet – die Symbolik der sieben Schwänze bedarf da wohl keiner Freud’schen Psychoanalyse.

Traditional-Fuchs von Ivo, Jaz Tattoo (Montabaur).

Begleiter von Hexen und kleinen Prinzen

Im europäischen Mittelalter wurde diese Vorstellung fortgeführt, indem man den Fuchs als Fruchtbarkeitsdämon ansah. Dies wie auch seine »teuflisch« rote Farbe rückte ihn aus Sicht der Kirche in die Nähe Satans. Der Ausdruck fuchsteufelswild ist auch heute noch ein Beleg dafür. Teilweise war man auch der Meinung, dass Hexen ihre Seelen in den Körper eines Fuchses übertragen konnten, um so auch fernab von ihrem Aufenthaltsort in menschlicher Gestalt Schaden anzurichten.

Der Spannungsbogen zwischen Schlauheit oder auch Weisheit auf der einen, und Bösartigkeit und List auf der anderen Seite macht den Reiz der Fuchsgestalt aus. Hinzu kommt noch die auffällige rote Färbung und der geschmeidige Körperbau mit den großen Ohren und dem imposanten Schwanz. Im Zuge der Besinnung auf heimische Tiermotive wie Hirsch und Hase oder Eber und Eule war es eigentlich nur folgerichtig, dass der Fuchs auch in der Tattoo-Szene immer präsenter wurde. Er ist ein sehr dankbares und optisch ansprechendes Motiv, das sich für realistische Darstellung ebenso eignet wie für den Traditional-Style oder auch für experimentell-grafische Interpretationen. Die dämonisch-animalische Ausstrahlung und seine beinahe aristokratisch-feinen Gesichtszüge machen den Fuchs zu einem sehr auffälligen Tattoo-Motiv.

Und nicht immer ist der Fuchs nur der hinterlistige Übeltäter – in Saint-Exupérys Erzählung »Der kleine Prinz« ist der Fuchs ein guter und weiser Freund, der dem kleine Prinzen sein Geheimnis und damit die wichtigste Erkenntnis dieser Geschichte verrät: »Man sieht nur mit dem Herzen gut – das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar!« 

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