Motivklassiker: »Homeward Bound« und »Sailor’s Grave«

23.07.2017  |  Text: Heide Heim   |   Bilder: Archiv TM
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Motivklassiker: »Homeward Bound« und »Sailor’s Grave«
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Die Hoffnung auf eine gute Heimfahrt drücken sich in den Seemannstätowierungen »Homeward Bound«- und »Sailor’s Grave«-Motiv aus.
Das Motiv: Ausnahmsweise fassen wir hier zwei Tattoomotive zusammen, nämlich »Homeward Bound« (Heimwärts) und »Sailor’s Grave« (Seemannsgrab), da sie zwei Variationen eines Themas darstellen. Zentrales Bildelement bei beiden ist ein Segelschiff, wobei dieses beim ersten Motivklassiker unter voller Wäsche stolz und imposant durch die Wellen pflügt, beim zweiten schauen lediglich noch die Mastspitzen eines sinkenden Schiffes aus dem düsteren Wellenmeer hervor. Ergänzt wird das Bildelement mit einem Schriftzug, der die jeweilige Bedeutung in Worte fasst.

Eine wunderschöne, klassische Traditional-Umsetzung des »Homeward Bound« von Cionka (Forever St. Pauli, Hamburg).

Der Ursprung: Womöglich gehen die beiden Motive schon bis ins 18. Jahrhundert zurück. In die Zeit, als Kapitän James Cooks zweite Reise (1772-1775) unter anderem nach Neuseeland, Tahiti und zu den Osterinseln führte, wo er die Tätowierungen der Insulaner sah und in der Folge auch das Wort »tatau« für die Praxis des Tätowierens in Europa einführte. Bereits auf der Heimfahrt sollen sich Teile der Mannschaft nach dem Vorbild der Polynesier gegenseitig tätowiert haben.

Pfiffig in einem Rettungsring platziert: »Sailor’s Grave« von Han aka King of Kings, Flaming Star (Stuttgart).

Das Tätowieren setzte sich unter den Seeleuten durch und Tattoos wurden zu einer Art Standeszeichen. Neben eindeutig definierten Erinnerungstattoos für besondere Ereignisse ihres Seefahrerlebens sowie patriotischen und auch privaten Motiven waren Schutzsymbole unter den als abergläubisch bekannten Seeleuten häufig. Dem Unbill des Meeres ausgesetzt, griffen sie nicht nur auf bekannte religiöse Symbole (Glaube, Liebe, Hoffnung) zurück, sondern erschufen darüber hinaus eine ganz eigene, typisch maritime Bildsprache, mit der sie der Hoffnung Ausdruck verliehen, wieder wohlbehalten nach Hause zurückzukommen. Eine eher positive Beschwörung der zerstörerischen Kräfte des Meeres ist das »Homeward Bound«-Tattoo, das die Vorstellung einer gewünschten gelungenen Überfahrt zeigt. Anders das »Sailor’s Grave«-Motiv, das ein sinkendes Schiff darstellt und die Hoffnung ausdrückt, dass durch die bildliche Vorwegnahme des Unglücks das reale nicht stattfinden wird.

»Sailor’s Grave« in einer modernen, graphischen Variante von Ulrich Krammer (Face the Fact, Linz, AT).

Verbreitung: Die Entwicklung einer Motivsymbolik, die auf die Lebenswelt der Männer auf See abzielte, hat sich Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Etablierung mehr oder weniger professionell arbeitender Tätowierer in den Hafenstädten herausgebildet und verfestigt. Seefahrermotive werden heute mit dem Wiedererstarken des Oldschool-Tätowierstils in großer Zahl gestochen und entsprechende Seefahrertattoos von Leuten getragen, die womöglich über die Erfahrung einer Tretbootfahrt nicht hinausgekommen sind. Gründe dafür reichen von der Romantisierung des Seefahrerlebens über den Wunsch, das Bildgut am Leben zu erhalten, bis hin zu einer metaphorischen Ebene, wobei das Segelschiff zum Symbol des Lebens im Allgemeinen wird und mit der Tätowierung der Wunsch Ausdruck findet, den Stürmen und Widernissen des Lebens zu trotzen und immer wohlbehalten nach Hause zurückzukehren.

Eine besonders schöne und vor allem originelle Variante des »Homeward Bound« von Cionka (Forever St. Pauli, Hamburg): Im aufgeschlagenen Buch findet sich ein Verweis auf das Motiv »Sailor’s Grave«.
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