Szeneshop-Angebote
21.04.2017  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Archiv TM
Alle Bilder »

Der Motivklassiker »Death Before Dishonor«


Das Tattoomotiv »Death Before Dishonor« – »Tod vor Schande« ist ein echter Klassiker. Das Motiv zeigt einen Dolch, der von einer Banderole mit dem Schriftzug »Death Before Dishonor« umwickelt ist. Wir erklären, woher das Motiv kommt und warum es ursprünglich vor allem von Soldaten als Tattoomotiv ausgewählt wurde.


Das Motiv

Das »Death-Before-Dishonor«-Motiv wird dargestellt als ein Dolch, der von einer Banderole umwickelt ist, auf der der Schwur steht. In der deutschen Übersetzung bedeutet er »Tod vor Schande«.

Der Ursprung

Der Schwur »Tod vor Schande« soll auf den Sturz eines Königs und die Gründung des römischen Reiches (509 v. Chr.) zurückgehen, zumindest, wenn man dem griechischen Geschichtsschreiber Dionysios von Halikarnass und seinem Werk zur »Römischen Geschichte« Glauben schenkt, das er 7. n. Chr. veröffentlichte. Stark verkürzt steht dort, dass ein Sohn des Königs Tarquinius Superbus Lucretia, die Ehefrau seines Vetters Collatinus, verführen wollte, und die Hübsche wie Tugendsame nach ihrer Weigerung vergewaltigte. Am folgenden Tag berichtete die Geschändete ihrem Vater und einer Vielzahl seiner Freunde und Getreuen, was in der Nacht vorgefallen war, und nahm den Männern den Schwur ab, sie zu rächen. Danach zückte sie den Dolch und erstach sich selbst. Der König wurde fortgejagt und Rom wurde Republik.  

Fettes Backpiece von Judd Ripley (Sailor‘s Grave, Kopenhagen).

Die aktuelle Bedeutung des Motivs wurde jedoch insbesondere durch den römischen Feldherrn Agricola geprägt. Vor der Schlacht gegen die britannischen Stämme am Mons Graupius (83 oder 84 n. Chr.) motivierte er sein Heer unter anderem mit den Worten »Honesta mors turpi vita potior« (Ein ehrenvoller Tod ist besser als ein Leben in Schande) und tatsächlich soll er damit die Kampf- und Todesbereitschaft seiner Soldaten erhöht haben.
Diese Einstellung ist aber nicht auf die Denkweise westlicher Krieger beschränkt, sondern auch aus dem asiatischen Raum bekannt. »Bushido – the Soul of Japan« von Inazo Nitobe (1899) schrieb den mündlich überlieferten Moralkodex des japanischen Militäradels nieder, der bis ins japanische Mittelalter (von 1185 bis etwa 1600) zurückreicht. Dort ist auch Seppuku beschrieben (bei uns bekannter unter der Bezeichnung Harakiri), also die Selbstentleibung der Samurai, denn wenn die Ehre verloren ist, ist es besser zu sterben, der Tod ist eine sichere Rettung vor der Schande. Selbstmord galt als Akt der Ehre.

Verbreitung

Ganz in der historischen Tradition wurde das Motiv überwiegend von Soldaten gewählt. Es ist anzunehmen, dass es schon während des 1. Weltkriegs tätowiert wurde. Belege finden sich aber vor allem ab den 1920er-1930er Jahren. Unter den Flashs des US-amerikanischen Tätowierers Sailor Jerry Collins (1911-1973) findet sich eine ganze Reihe entsprechender Vorlagen, beispielsweise eine patriotische Variante mit US-Weißkopfadler auf dem Dolch, aber auch eine, die den Sailor-Jerry-typischen Humor zeigt: Auf die Banderole schrieb die Tätowiererlegende »Death before Chastity«, also »Tod vor Keuschheit«, und zielte damit wohl auf die weibliche Kundschaft ab. Im Nachlass des Tätowierers Joseph Hartley aus dem englischen Bristol findet sich eine Zeichnung des Motivklassikers aus den 1930er Jahren. Und selbst nach Hamburg schaffte es die englische Version, nämlich in Christian Warlichs Vorlagenalbum, das dieser in den 1930er Jahre benutzte. Auch darin findet man den Dolch mit Banderole. Als Vorlage eignet es sich indes nur bedingt: »Dead before Dishonour« ist jetzt nicht ganz fehlerfrei geschrieben.

Text: Heide Heim
Bilder: Archiv TM

Kommentare zum Artikel





Aktuell am Kiosk: TätowierMagazin 8/17

Artikel aus der Ausgabe: 8/17

Mimi Erhardts Kolumne: Mimi erklärt, warum Freundschaftstattoos fetzen
Mimi Erhardts Kolumne: Mimi erklärt, warum Freundschaftstattoos fetzen
Groteske Dämonen-Tattoos von Ruco
Groteske Dämonen-Tattoos von Ruco
Dotwork-Tattoos als Mantra
Dotwork-Tattoos als Mantra
Sommer, Sonne und Tattoos
Sommer, Sonne und Tattoos
Realtalk mit Hiphop-Duo SXTN
Realtalk mit Hiphop-Duo SXTN
Die Residents des Eisenherz Tattoostudios in Magdeburg
Die Residents des Eisenherz Tattoostudios in Magdeburg

Ausgabe 9/17 erscheint am 25. August

Im Huber-Verlag erscheinen auch:

Weitere, relevante Artikel
  • Der Tattoo-Motivklassiker: Man’s Ruin

    Sex, Drugs und … nein, beim »Man’s Ruin« ist nicht der Rock’n’Roll das dritte Laster, sondern das Spiel. Das Motiv zeigt in seiner Urform ein im Martini-Glas sitzendes Pin-up-Girl, umrahmt von weiteren Symbolen wie beispielweise Whiskyflaschen, Würfel und Spielkarten.

  • Motivklassiker Schwein und Hahn

    Ein auf die Füße tätowiertes Hahn- und ein Schweinmotiv sollte die Seefahrer vor dem Ertrinken retten. Wir erklären, wie man auf so eine Idee kommen kann. In unserer Rubrik »Motivklassiker« widmen wir uns immer wieder besonderen Ikonen unter den Tattoomotiven.


Stand:28 July 2017 08:52:36/motive/der+motivklassiker+death+before+dishonor_174.html