Bärenstark: Bären als Tattoomotiv

01.06.2015  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Archiv TätowierMagazin
Bärenstark: Bären als Tattoomotiv Bärenstark: Bären als Tattoomotiv Bärenstark: Bären als Tattoomotiv Bärenstark: Bären als Tattoomotiv Bärenstark: Bären als Tattoomotiv Bärenstark: Bären als Tattoomotiv Bärenstark: Bären als Tattoomotiv Bärenstark: Bären als Tattoomotiv Bärenstark: Bären als Tattoomotiv Bärenstark: Bären als Tattoomotiv Bärenstark: Bären als Tattoomotiv
Bärenstark: Bären als Tattoomotiv
Alle Bilder »
Bären-Tattoos sind ein kraftvolles Tiermotiv mit einem großen Kuschelfaktor. Als Teddybär beschützt er die ganz Kleinen, als Tattoo ist er kraftvoll und stark: Bärenstark eben!

Beschützer der Kleinen

Jedes Kind sollte einen Bären haben: So einen plüschigen Kerl mit kleinen Knopfaugen, runden Öhrchen und kurzer Schnauze. Ein Freund, der stark genug ist, die Ängstlichen zu beschützen und die Wagemutigen bei ihren Abenteuern zu begleiten, der sich die Klagen über die Ungerechtigkeit der Eltern anhört und tröstet, wenn man auf die Knie gefallen ist. Keine Übernachtung bei Oma, kein Urlaub, kein Arztbesuch findet ohne diesen Gefährten statt. Und es mag ob der Flut von Kinderspielzeug überraschen: Der Teddybär ist nach wie vor das Lieblingskuscheltier der ganz Kleinen bis drei Jahre.

Süßes grafisches Bären-Pärchen von Lukasz Sokolowski aus dem Krakauer Studio Rock ’n’ Ink Tattoo.

Das Plüschtier wird lebendig

Am 5. Dezember 2006 schien im Berliner Zoo das mit Holzwolle gefüllte Plüschtier lebendig geworden zu sein: Knut, ein kleines, weißes, knuddeliges Ding, das von seiner Eisbärenmutter verstoßen wurde und dank der Handaufzucht durch einen Tierpfleger im Gegensatz zu seinem Zwillingsbruder überlebte, wird zu einem weltweit beachteten Medienphänomen. Fünf Jahre später ertrank Knut im Zoo, als Grund wurde eine durch Viren verursachte Entzündung des Gehirns ermittelt. Es klingt wie Hohn: Knut, der Stellvertreter einer durch Klimawandel bedrohten Tierart aus der Nordpolarregion, ertrinkt im Berliner Zoo.

Blackwork von Kamil Mokot aus dem Berliner Studio Glorious Ink.

Raubtier mit Kindchenschema

Süße Tierbabys spielen sich natürlich mit Leichtigkeit in die Herzen der Menschen, die Anteilnahme von Millionen aus der ganzen Welt an Knuts Leben und Tod war aber ein besonderes Phänomen – womöglich hängt es auch mit der Erinnerung an die enge Verbindung mit dem kuscheligen Kumpel aus Kindheitstagen zusammen. Unterstützt wird dieser Effekt durch »kindliche Merkmale«, die schon der Zoologe und Verhaltensforscher Konrad Lorenz bei Bären ausgemacht hat: Die Rede ist unter anderem von kurzen und dick wirkenden Gliedmaßen, einem zum Körper überproportional großen Kopf und Bewegungen, die einen tolpatschigen Eindruck machen. Das könnte auch die Beschreibung eines Kleinkindes sein und weckt Sympathie für das Raubtier.

Cooler und grimmig schauender Holzfällerbär von Nick Kater, Bläckfisk Tattoo Co in Berlin.

Gottheiten und Gummibärchen

Das Verhältnis von Mensch und Bär war in der Vergangenheit nicht immer nur positiv. Mit dem Wissen um seine Bärenkräfte einerseits und dem sympathischen Aussehen von »Meister Petz« andererseits hat sich ein sehr zwiespältiges Verhältnis zwischen Mensch und Bär entwickelt.

Berichtet wird auf der einen Seite von einer Verehrung des Bären durch die Germanen und Kelten, auch in der griechischen Mythologie spielen Bären eine Rolle. Unter den Völkern von Sibirien über Korea bis hin zu den Ainu Nordjapans wurde ein regelrechter Bärenkult gepflegt. Demgegenüber steht die Nutzung des Bären als Nahrungs- und Felllieferant, aber auch ein regelrecht hasserfüllter Umgang mit den Raubtieren. Als Vergnügungsveranstaltungen verstandene öffentliche Tötungen der Tiere, die so genannte Bärenhatz, war bis ins 18. und teils ins 19. Jahrhundert beliebt. Oder Bärenkämpfe, bei denen man Bären gegeneinander oder gegen Hunde in der Manege kämpfen ließ. Auf Jahrmärkten auftretende Braunbären, die auf Kommando tanzähnliche Bewegungen ausführten, gab es bis ins 20. Jahrhundert. In Bulgarien wurde die grausame Dressur, bei der die Tiere zu Musik auf heiße Metallplatten gestellt wurden, erst 1998 verboten.  
 
Wie »normal« diese als Volksbelustigung deklarierte Tierquälerei auch bei uns war, zeigt der ursprüngliche Name der Gummibärchen: Als diese Erfindung von HARIBO-Gründer Hans Riegel 1922 in den Handel kam, hießen sie nämlich noch »Tanzbären«, erst 1960 wurden sie in »Goldbären« umbenannt, was 1967 als Warenzeichen eingetragen wurde.

Wilder Braunbär von Sake aus dem gleichnamigen Studio in Athen.

Wild und stark

Bären als Tattoomotiv haben sich heimlich still und leise in das Repertoire der Tätowierer eingeschlichen – zusätzlich zu Fuchs und Eule, möglicherweise ist man dieser Motive auch überdrüssig und sucht wieder das Wilde und Starke. Die Symbolkraft des Bärenmotivs ist so eindeutig, dass man sich kaum traut, sie noch aufzuschreiben. Schon in den zahlreichen Redewendungen kommt das zum Ausdruck: bärenstark sein, Bärenkräfte haben, einen Bärenhunger haben, bärbeißig sein – in Zusammenhang mit Bären geht es immer in die Vollen. Richtig daneben geht es nur, wenn man »jemandem einen Bärendienst erweist« und jemandem eine gut gemeinte Unterstützung zukommen lässt, die für den Betroffenen ungewollt negative Auswirkungen hat. Super Motiv, für das man nicht Ursula – »ursus« ist Latein und bedeutet »Bär« – heißen muss.

Erklärbär: Der Koala wird häufig den Bären zugeordnet, ist aber mit dem Känguru verwandt. Tattoo von Charissa Gregson vom Jolie Rouge Tattoo in London.
Szeneshop-Angebote
Das etwas andere Cover-up: Blast over!

Das etwas andere Cover-up: Blast over!

 

Ein Blast-over ist eine Cover-up-Variante für Tätowierungen, die im eigentlichen Sinne gar keine ist: Das neue Tattoo wird über das alte gestochen, ohne…

Der Tattoo-Motivklassiker: Man’s Ruin

Der Tattoo-Motivklassiker: Man’s Ruin

 

Sex, Drugs und … nein, beim »Man’s Ruin« ist nicht der Rock’n’Roll das dritte Laster, sondern das Spiel. Das Motiv zeigt in seiner Urform ein im Martini-Glas…

Mein Einhornname ist Zuckerschnute! Einhörner als Tattoo-Motiv

Mein Einhornname ist Zuckerschnute! Einhörner als Tattoo-Motiv

 

Wie kein anderes mythisches Wesen sind Einhörner zurzeit in der Populärkultur präsent. Auch als Tattoo haben sie sich ihren festen Platz als beliebtes…

Maßgeschneiderte Tattoos

Maßgeschneiderte Tattoos

 

Bei der Suche nach dem Tätowierer sollte man sich vor allem nach dem Stil richten, der einem am besten gefällt, denn eine Motividee kann in vielen Stilrichtungen…

Max Laloi gefällt … das Schädeltattoo von Christian Otto.

Max Laloi gefällt … das Schädeltattoo von Christian Otto.

 

Tätowierer haben naturgemäß einen kritisch-professionellen Blick auf die Arbeiten anderer Tätowierer. Wir fragen Tattookünstler, welches Werk von Kollegen…

Der Motivklassiker »Death Before Dishonor«

Der Motivklassiker »Death Before Dishonor«

 

Das Tattoomotiv »Death Before Dishonor« – »Tod vor Schande« ist ein echter Klassiker. Das Motiv zeigt einen Dolch, der von einer Banderole mit dem Schriftzug…

Battle of the Best - Der TätowierMagazin-Nachwuchscontest 2016

Battle of the Best - Der TätowierMagazin-Nachwuchscontest 2016

 

Deutschlands einziger Tätowierer-Nachwuchscontest mit spektakulärem Finale auf der Tattoomenta in Kassel!

Kängurus mit Eingeweiden

Kängurus mit Eingeweiden

 

Obwohl Aborigines nie tätowiert waren, wurden Symbolik und Stil ihrer traditionellen Kunst zur Inspirationsquelle für die australische Tätowiererin Tatu…

Der große TätowierMagazin Nachwuchscontest 2015

Der große TätowierMagazin Nachwuchscontest 2015

 

Die TM-Redaktion hat aus den eingesandten Bewerbungen die zehn Halb-Finalisten des diesjährigen TM-Nachwuchswettbewerbs ausgewählt, jetzt seid ihr dran,…

Tattoo-Motive: Zehn aktuelle Tattoo-Stile!

Tattoo-Motive: Zehn aktuelle Tattoo-Stile!

 

Nie waren die Einflüsse aus der Welt der etablierten Kunst aufs Tätowieren so groß wie heute. Das kommt vor allem in den neuen Stilrichtungen zum Ausdruck,…

Massen-Tattoomotive von Feder über Traumfänger bis Unendlichkeitschleife

Massen-Tattoomotive von Feder über Traumfänger bis Unendlichkeitschleife

 

Pusteblumen, Infinity-Schleifchen und Traumfänger gelten für viele Tätowierer als Inbegriff der Ideenlosigkeit. Aber auch diese Medaille hat zwei Seiten.…

Szeneshop-Angebote
Stand:24 November 2017 15:42:35/motive/baerenstark_154.html