Augen – Spiegel der Seele

Augen – Spiegel der Seele
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Kein Körperteil hat so viel Ausdruckskraft wie die Augen. Sie machen Gefühle sichtbar, egal ob Liebe, Hass, Wut, Freude oder Trauer. Wer bestimmte Emotionen dauerhaft ausstrahlen möchte, verewigt ein zusätzliches Sehorgan auf der Haut.
 

Ein Auge auf jemanden werfen, einen anderen im Auge behalten, den Nachbarn misstrauisch beäugen, Augenblick, augenscheinlich … das Auge ist in unserer Sprache zahlreich mit ganz unterschiedlichen Bedeutungen vertreten. Ein erster Hinweis darauf, wie wichtig uns das Gesamtgebilde um Augapfel, Iris und Pupille ist. Und wer sich schon einmal mit einer Augenbinde vorwärts bewegt hat, weiß, wie elementar der Sehsinn für unser alltägliches Leben ist. Doch was ist das eigentlich – Sehen? Während wir im Altertum noch glaubten, das Bild unserer Umwelt entstünde durch einen »Sehstrahl«, den wir Menschen aussenden, wurde bereits im Mittelalter der wahre Aufbau unserer Augen entdeckt. Licht fällt durch die Hornhaut ins Auge, wird von der Linse gebündelt und reizt die lichtempfindlichen Empfänger auf der Netzhaut, Photorezeptoren genannt. Stäbchen sorgen für den Hell-Dunkel-Kontrast, Zapfen ermöglichen das farbige Sehen. Per fotochemischer Reaktion leitet der Sehnerv den Lichteindruck ins Gehirn weiter. Dort werden die Signale zu einer Empfindung verarbeitet, die wir als Sehen bezeichnen. Unsere Augen sind also komplexe, faszinierende Objekte – ein Grund, warum sich manch einer nicht mit dem angeborenen Duo zufrieden geben mag.

Fliegendes Auge, angelehnt an das Von Dutch-Logo, von Robert, Inkkitchen (Hengelo, NL). Reptilienauge von Victor Portugal, Dark Times Tattoo (Teneriffa, E)
Horror-Szenario mit Augenschaschlik von Norman, Normans Tattoo (Duisburg) »The Crow«-Logo mit Augenpaar von Nico, Slams Tattoo (Nordhausen)


Was kann das dritte Auge?
Die Vorstellung eines Augen-Trios ist so alt wie die Menschheit selbst. Kein Wunder, da sich um das unsichtbare dritte Organ zahlreiche Mythen und Sagen ranken. So hat, wer hellsehen kann, sprichwörtlich das »dritte Auge« – und damit können Dinge wahrgenommen werden, die Normal-sterblichen verborgen bleiben. Die Esoteriker bezeichnen es als sechstes »Chakra«, eine »Öffnung«, die ebenso wie die rechte und linke Gehirnhälfte Informationen aufnimmt. Das dritte Auge bewertet diese Wahrnehmungen jedoch nicht, es wertet sie hingegen aus. Es bildet mit den beiden natürlichen Augen eine Dreiheit, die an die göttliche Dreieinigkeit angelehnt ist und die Sicht des Augen-Paares um die »räumliche« Wahrnehmung erweitert. Auch das »innere Sehen«, intuitives Fühlen, Denken und Handeln, wird durch das dritte Auge möglich. Wer jetzt neidisch durch die Straßen läuft und seine Mitmenschen forschend auf die Stirn starrt, etwa in die Mitte der Augen (denn genau dort soll das dritte Auge liegen), kann beruhigt sein: Jeder hat eines. Zumindest jeder, der dran glaubt. Um mit dem dritten Auge zu arbeiten, muss es allerdings »gereinigt« und »geöffnet« werden. Die Methoden für diesen Zweck sind vielfältig: Diverse Atem- und Lichtmeditationen werden in Büchern und im Netz der begrenzten Unmöglichkeiten angepriesen.


Auge in der Pyramide als Zeichen des Göttlichen von Tomas, Tattoo Tomas (Erlangen) Lemme, Body Temple (Potsdam) Jean, Harai Tattoo (Gent, B)


Augen als Tattoo
Für alle, denen im Schneidersitz die Kniescheibe ’rausspringt oder die beim Wort Chakra einen spontanen Würgereiz verspüren, gibt es eine weitere Möglichkeit, ein drittes – oder auch viertes – Auge sichtbar zu machen: mit Nadel und Tinte. Egal, ob als Gewissensfunktion für sich selbst und andere, durch ein Augenpaar mit mahnendem Ausdruck; als Andenken an einen lieb gewonnenen Menschen, dessen Blick man für immer erhalten und bei sich tragen möchte; als Kunstwerk und Hommage an die faszinierenden Kräfte der Sehwerkzeuge: Kaum ein Motiv hat eine so starke und so unterschiedliche Ausdrucksmacht wie einzelne tätowierte Augen oder auch ein Paar. Wer von grünen Katzenaugen träumt oder Terence-Hill-blauen Guckies, kann per Hautzeichnung sein Ideal realisieren, auch ohne Tragen unbequemer Haftschalen, etc. Ob ein Augentattoo den Blickwinkel und Horizont des Trägers erweitert, ist dabei allerdings eher fraglich, bzw. abhängig von der individuellen Persönlichkeit. Und es gilt, bei aller Begeisterung für den Sehsinn und die -organe, den alten Poesiealbumsspruch nicht zu vergessen: Man sieht nur mit dem Herzen gut!

Text: Stephanie • Fotos: Archiv TätowierMagazin
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