Tattoo-Motivklassiker: Aloha-Affe

01.11.2017  |  Text: Heider Heim  |   Bilder: Archiv TM
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Tattoo-Motivklassiker: Aloha-Affe
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Tattooklassiker erleben derzeit eine Renaissance. Doch woher stammen diese zeitlosen Motive, was bedeuten sie und wie wurden sie zu Klassikern, die teilweise schon seit über hundert Jahren in Tattooshops gestochen werden? Dieses Mal im Motiv-Check: Das Aloha-Äffchen.

Das Motiv 

Womöglich ist der Aloha-Affe das berühmteste Motiv der US-amerikanischen Tätowiererlegende Norman Keith Collins, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Sailor Jerry (1911–1973). Das Motiv zeigt einen Schimpansen von hinten, der sich nach vorn beugt und seinen Kopf fröhlich lachend durch seine krummen Beine steckt. Auf der einen Pobacke steht »AL« und auf der anderen »HA«, das fehlende »O« wird durch den Anus des Affen ergänzt. »Aloha« ist die hawaiianische Grußformel, die sowohl als Willkommens- als auch Abschiedsgruß verwendet wird.

ie Vorlage zum Aloha-Affen soll Sailor Jerrys Affe Romeo gewesen sein.

Der Ursprung

Der in Reno (Nevada) geborene Sailor Jerry kam 1930 nach Hawaii, wo er erst in diversen Studios arbeitete, bevor er 1942 sein eigenes in der Hotel Street in Honolulus Chinatown eröffnete. Dort hielt er auch einen Schimpansen mit dem Namen Romeo als Haustier, dem er genau diese Tätowierungen auf die Arschbacken gestochen haben soll. 

Der Aloha-Affe gilt als ein Beispiel für den bizarren Humor, der Sailor Jerry ausgezeichnet hat. Selbst in den 50er Jahren war es sicherlich nicht üblich, einen Affen zu tätowieren, noch dazu an dieser Körperstelle. Konventionen zu übertreten war nicht nur für seine Arbeit als Tätowierer typisch, sein skurriler Humor äußerte sich auch bei anderen Gelegenheiten. So soll er beispielsweise einem Kollegen den ultimativen Tipp für die Zubereitung seiner Farben gegeben haben, dass er nur ein paar Tropfen Urin in diese mischen müsse, was der wohl bis zum Ende seiner Karriere gemacht haben soll. 

Die Grußformel mit einem dem Betrachter hingestreckten Hintern zu kombinieren, führt diese ja regelrecht ad absurdum. An diesem Widerspruch hatte Sailor Jerry großes Vergnügen. 
Wann genau Sailor Jerry dieses Motiv als Flash gezeichnet und dann auch als Tattoo umgesetzt hat, ist nicht belegt. Nur selten hat er seine gezeichneten Flash-Sheets mit Datum versehen. Man kann aber annehmen, dass dies Anfang der 1950er Jahre war. Gestochen wird es auch heute noch, zwar nicht sehr häufig, doch der Aloha-Affe ist auf der ganzen Welt bekannt und wird mit dem Namen Sailor Jerry in Verbindung gebracht. 

Ein besonders schön ausgeführter Aloha-Affe von Diamond Jim, ehemals Old Style Tattoo (Köln). Die Augenpartie hat Jim etwas aufgehübscht, und die Fliegen am Hintern ergänzt. Das darunterstehende Akronym für »Fuck The World« hätte Sailor Jerry sicherlich gefallen.

Verbreitung 

Im Zuge des Oldschool-Revivals wurde auch dieses Motiv wieder populär. Da es doch einen etwas anzüglichen Charakter hat, wird es auch von ausgesprochenen Traditionalisten nicht sehr häufig gewählt. Wer es sich tätowieren lässt, für den spielt sicherlich der Respekt für die Leistung des wohl berühmtesten Tätowierers der Welt eine große Rolle. Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass es nur wenige Variationen des Aloha-Affens gibt, fast immer wird das Originalflash eins zu eins kopiert.

Strikt an die Vorlage gehalten hat sich Brother Greg vom San Clemente Tattoo (San Clemente, USA).

Am Rande 

Wie verrückt es im Studio zugegangen sein muss, zeigt auch die Anekdote über den Schimpansen Romeo. Dieser konnte sich eines Nachts befreien und hat im Studio randaliert und in seinem nächtlichen Freiheitsrausch auch ein Fläschchen Pelikan-Tinte getrunken. Nachdem Jerry am nächsten Tag wieder klar Schiff gemacht hatte, besuchte ihn ein Kunde in seiner weißen Navy-Ausgehuniform und begrüßte ihn mit den Worten »Hey Jerry! Wie seh’ ich aus?«. Romeo soll schreiend auf den adrett angezogenen Mann zugerannt sein, sich ihm in die Arme geworfen und in der Aufregung einen Schwall schwarz gefärbter Exkremente über dessen Brust entlassen haben. Aloha!

Mit zwei allerliebst ausgeführten Klickern stattet Tätowierer Klemens der Dritte (Das dritte Loch, Saalfeld) sein Aloha-Affen-Klemännchen aus.


 
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