(M)animals – Das Tier im Manne

27.04.2012  |  Text: Dirk-Boris Rödel  |   Bilder: TM-Archiv
(M)animals – Das Tier im Manne
Alle Bilder »
Tiere und ihre oft erstaunlichen Eigenschaften wurden von Menschen seit jeher bewundert und beneidet. Schon vor Jahrtausenden hofften Menschen, sich Eigenschaften wie Kraft, Weisheit und Potenz aneignen zu können, indem sie sich Bilder der entsprechenden Tiere in die Haut stachen.



Miss Arianna, Skinwear, Rimini (IT), Tattoo von Slicknick · 25 to Life Tattoos · Rotterdam (NL)
Die Kraft des Löwen und die Angriffslust des Hahns, vereint in einer Chimäre. Tattoo von Miss Arianna, Skinwear, Rimini (IT). Tiger, Hai und Adler gelten in ihrem jeweiligen Element als die Könige im Tierreich. Das Hai-Porträt stammt von Slicknick, 25 to Life Tattoos, Rotterdam (NL).


Magischer Einfluss: Beherrschung durch Darstellung
Tiere gehörten zu den ersten konkreten Motiven, die sich Menschen in die Haut tätowierten. Tier-Tattoos finden sich auf Jahrtausende alten Eis-Mumien aus Sibirien und auch heute noch sind tätowierte Abbildungen von Tieren verschiedenster Art bei Naturvölkern in Südostasien und der Pazifik-Region weit verbreitet. Anthropologen gehen davon aus, dass tätowierte Darstellungen von Tieren und Höhlenmalereien, die Tiere zum Thema hatten, einem vergleichbaren Sinn und Zweck dienten. Durch die Darstellung des Tieres hofften die Menschen, auf dieses Einfluss nehmen, es beherrschen zu können. So wie man im Bild den Jagderfolg über Büffel und Rotwild darstellen konnte, sollte es auch auf der tatsächlichen Jagd eintreffen. Diese Art von Analogie-Zauber, der wahrscheinlich ältesten Form magisch-kultischer Handlungen, bei dem das Beherrschen eines Avatars Einfluss auf das eigentliche Objekt haben soll, findet sich in den magischen Kulten und Ritualen vieler Völker; nach ähnlicher Logik sollen auch Voodoo-Puppen funktionieren. Man darf davon ausgehen, dass vom tätowierten Bild eines Tieres ein noch höherer Grad der Einflussnahme und Nähe des Jägers zu eben diesem Zielobjekt erwartet wurde, da das Abbild des Tieres mit dem Träger des Tattoos eine körperliche Einheit bildete.

Tattoo von Tim Pangburn · Art Machine Productions · Philadelphia (US) Tattoo von Morof · Moro Tattoo · Genua (IT)
Neben seiner sprichwörtlichen Angriffslust wird dem Hahn auch gern Stolz angedichtet. Tattoo von Morof, Moro Tattoo, Genua (IT). Marderhunde werden in Japan oft mit grotesk überdimensionierten Hoden dargestellt, die sie als Potenz-Symbol ausweisen. Tattoo von Tim Pangburn, Art Machine Productions, Philadelphia (US).



Tierbilder als Ausdruck von Seelenverwandtschaft und zum Schutz
Viele Indianerstämme Nordamerikas waren überzeugt davon, dass jeder Mensch geistig und seelisch eng mit einem bestimmten Tier oder einer bestimmten Tierart verbunden sei, dem so genannten Totem. Oft haben Stammes-Tattoos mit Tiermotiven auch den Sinn, den Träger vor eben dem dargestellten Tier zu schützen; wer das Tattoo einer Schlange oder eines Skorpions trug, so hoffte man, sei damit vor dem Gift dieser Tiere geschützt. Das Tragen einer tätowierten Darstellung eines Tieres kann daher auch als spezielle Form des Amulett-Zaubers angesehen werden. In vielen Fällen geht es bei Tier-Tattoos aber einfach darum, bestimmte Eigenschaften eines Tiers auf den Träger der Tätowierung zu übertragen. Von jeher waren sich Menschen ihrer physischen Einschränkungen im Vergleich zu den körperlichen Fähigkeiten vieler Tiere bewusst und suchten nach Möglichkeiten, diese Defizite auszugleichen.





Den vollständigen Artikel und alle Bilder findet ihr in der Mai-Ausgabe 2012
Szeneshop-Angebote
Dead Fish Art Project

Dead Fish Art Project

 

Die charmanten Fischköppe vom Berliner Tattoostudio »Für Immer« kleckern nicht, sondern klotzen, und präsentierten mit dem »Dead Fish Art Project« eine…

Drei zu eins: Ignorant-Style

Drei zu eins: Ignorant-Style

 

In einem spannenden Vergleich widmen wir uns drei Tätowierern, die sich dem Tätowieren auf ganz andere Weise nähern. Im Netz ist an dieser Stelle oft von…

Von Elfenohren und anderen Körperidealen

Von Elfenohren und anderen Körperidealen

 

Alternativemodel Hedwig von Hohenstein erzählt, wie sie mit 18 Jahren anfing, ihr Äußeres nach ihren Vorstellungen zu verändern und wie sie heute mit Ehemann…

Tattoo-Party am Millerntor

Tattoo-Party am Millerntor

 

Die Hamburger Ink & Ride ist eine Veranstaltung, die den Rahmen normaler Tattooconventions sprengt – das kommt besonders beim jungen Publikum gut an! Wir…

Realistic-Tattoos von Naktata aus Neuss

Realistic-Tattoos von Naktata aus Neuss

 

Auf der Dortmunder Convention gewann der charismatische Tätowierer Nakata den Preis für »Best Realistic«, für »Best of Saturday« sowie für »Best of Sunday«…

The Sinner and the Saint wird 20 Jahre alt

The Sinner and the Saint wird 20 Jahre alt

 

Zwanzig Jahre Liebe und Leidenschaft: Das Studio »The Sinner and the Saint« von Andreas Coenen feiert am 1. November sein zwanzigjähriges Bestehen. Wie…

Keine Porno-Tattoos, sondern Shunga!

Keine Porno-Tattoos, sondern Shunga!

 

Tattoos mit sexuellen Anspielungen sind keine Erfindung unserer mehr oder weniger aufgeklärten Gesellschaft. Schon vor über dreihundert Jahren haben die…

Maurice, Klobürstenmotiv-Träger und Hochzeitsfotograf

Maurice, Klobürstenmotiv-Träger und Hochzeitsfotograf

 

So außergewöhnlich wie Maurices Tätowierungen, sind auch die Hochzeitsfotos, die er zusammen mit seiner Verlobten Caro macht. Wir stellen den Fotografen,…

Europas brutalste Hardcore-Formation: NASTY

Europas brutalste Hardcore-Formation: NASTY

 

»Four dudes doing fucked up music for a fucked up world.« So beschreibt die Band Nasty sich selbst. Nasty, das ist die härteste Hardcore-Beatdown-Band…

Darkwork Tattoos by Ela Pour

Darkwork Tattoos by Ela Pour

 

Märchenhaft, düster und verspielt, ohne dabei kitschig zu wirken – das sind die Tattoos von Ela Pour. Die Berliner Tätowiererin betreibt mit »Pechschwarz«…

Drei verschiedene Tätowierer, ein gemeinsamer Stil: Diesmal: Farbrealistic

Drei verschiedene Tätowierer, ein gemeinsamer Stil: Diesmal: Farbrealistic

 

Drei Tätowierer, ein Stilschwerpunkt. In dieser Ausgabe erklären uns David Giersch, Marco Klose und Michel »Mitch« Schwarzenberger ihre unterschiedlichen…

Mimi Erhardts Kolumne: Mimi erklärt, warum Freundschaftstattoos fetzen

Mimi Erhardts Kolumne: Mimi erklärt, warum Freundschaftstattoos fetzen

 

In ihrer monatlichen Kolumne »Die Kippe danach« schreibt Autorin Mimi Erhardt, Boss Lady des Sexblogs Mimi&Käthe, über kuriose Geschichten und Beobachtungen…

Szeneshop-Angebote
Stand:24 November 2017 15:46:19/motive/%28m%29animals+-+das+tier+im+manne_124.html