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Cover TätowierMagazin März 2016, 03/16

Model: Vicky Vamp
Fotograf: Marcel Hotze (siebzehngradfieber.de)


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TÄTOWIERER
  • Tattoos wie Haute Couture
    Maßgeschneiderte Tattoos gibt es bei Marco Manzo in Rom
     
  • Eine Linie und drei Punkte
    Single-Line-Tätowierungen von Mo Ganji aus Berlin 
       
  • Zur richtigen Zeit am richtigen Ort
    Nancy Mietziii, Drittplatzierte des TM-Nachwuchswettbewerbs

AUS DER SZENE
  • Ruhrpott-Special: Dat is wat!
    Studio, Szene und Tattoos im und aus dem Pott
     
  • Nachgestochen
    Olli Lonien und Lars Wilczinski beurteilen Tattoos
     
  • At least he tried!
    Journalist, Musiker, Maler, Shopguy und Tattoosammler Olli Plöger
     
  • Musik: Frank Carter
    Hardcore-Punk-Sänger und Tätowierer bei Sang Bleu
     
  • Tattoo-Starlet 2016
    Auf der Tattoo Expo Leipzig fällt die Entscheidung
     
  • In Japan droht das Tattooverbot
    Polizei geht mit Hausdurchsuchungen, Verhaftungen und Bußgeldern gegen Tattoostudios vor
     
  • Tattoo Academy
    Brezeln und »Der Wanderer über dem Nebelmeer«
     
  • Tattoo-Art: Von Hand, mit Herz
    Comic-Zines von Ernest Graves
     
  • Tattoo-Erotica-Personality
    Tattoomodel Miss Carnifex aus Magdeburg

VERANSTALTUNGEN
  • Tattoo Expo Zwickau
    Hotspot für Szenegänger und Tattooeinsteiger
     
  • Convention Delhi
    Tattoos unterm Turban

MOTIVE
  • Blumen-Stile
    Tätowierte Blüten von Dotwork bis Aquarell




 
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TätowierMagazin-Chefredakteur Dirk-Boris Rödel, Foto: PixelstylesTätowieren wird in Japan nicht verschwinden

»Einen Nagel, der heraussteht, schlägt man ein«, heißt ein altes japanisches Sprichwort. Es ist selbsterklärend in einem Land, in dem zur Schau gestellte Individualität nicht als Tugend, sondern als Makel angesehen wird, und passt besonders zur Art und Weise, wie Tätowierte dort angesehen werden.

Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts, gerade als die japanische Tätowierkunst begann, sich zu einem professionellen Kunsthandwerk mit eigenständiger Ästhetik herauszubilden, wurde das Tätowieren in Japan verboten. Nur wenige Jahrzehnte später, im Jahr 1841, wurde es noch einmal verboten. Und dann wurde es 1872 erneut verboten. Dass diese Tattooverbote ständig neu verhängt wurden, belegt eines ganz deutlich: Sie waren völlig wirkungslos. Das heißt nicht, dass sie nicht umgesetzt und überwacht wurden. Dass es im 19. Jahrhundert Razzien bei Tätowierern gab, bei denen Nadeln, Vorlagen und Farben konfisziert und Tätowierer inhaftiert wurden, ist historisch belegt. Dennoch konnten die Repressalien der damaligen Shogunatsregierung das Tätowieren nicht unterbinden. Ganz im Gegenteil entwickelte sich die japanische Ausprägung des Tätowierens in genau der Zeit, in der es ständig unter Strafe stand, zu der Kunstform, die auch heute noch eine Sonderstellung unter den traditionellen Tätowierkulturen der Welt einnimmt.

Das bedeutet aber leider nicht, dass die aktuelle Verfolgung von Tätowierern in Japan deswegen nicht so schlimm sei. Traditionell arbeitende Tätowierer werden das drohende Tattooverbot vielleicht noch mit einem Achselzucken hinnehmen. Die meisten von ihnen haben in den vergangenen Jahrzehnten trotz offizieller Aufhebung des Tattoobannes nach dem Zweiten Weltkrieg ohnehin in Privatateliers gearbeitet, die von außen nicht als Tattoostudio erkennbar waren.

Dramatisch ist das drohende Tattooverbot für die jungen Tätowierer, die in offiziellen Studios arbeiten. Sie haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten dafür eingesetzt, dass sich das Tätowieren auch in Japan endlich vom Klischee des Gangster-Accessoires befreit, dass es als eine Möglichkeit erkannt wird, sich selbst mit künstlerisch-kreativen Mitteln auszudrücken, und vor allem: dass es den hygienischen Anforderungen unserer Zeit gerecht wird. Diese jungen Tätowierkünstler haben sich mit ihren Shops nicht mehr versteckt, weil es nichts zu verstecken gab. Und nicht wenige Studios aus Tokio, Nagoya und Osaka haben es in den letzten Jahren zu Weltruhm gebracht. Vor allem aber haben sie dazu beigetragen, ihren Landsleuten den Zugang zu einer der ältesten kulturellen Errungenschaften in all ihren Facetten und stilistischen Ausprägungen zu ermöglichen.

Tätowieren wird in Japan nicht verschwinden. Aber es besteht die Gefahr, dass es wieder in den Untergrund abtaucht, wo es keine Möglichkeit für die Gesundheitsbehörden gibt, die Hygienemaßnahmen zu kontrollieren, und Tätowierern wieder der Beigeschmack von Kriminellen anhaften wird, von dem sie sich eben erst freikämpfen konnten. Es wäre wünschenswert, dass die japanischen Behörden, die für die momentanen Repressalien gegen Tätowierer verantwortlich sind, einen Blick in die Geschichtsbücher werfen, um einzusehen, dass das Tätowieren sich nicht verbieten lässt. An ihnen liegt es nun, ob sie die Hand ergreifen, die viele professionelle Tätowierer Japans ihnen entgegenstrecken oder ob sie sie ausschlagen und damit letztlich das Tätowieren nur in die Illegalität abdrängen.





Dirk-Boris
 

Stand:23 February 2017 03:43:02/magazin/t%C3%A4towiermagazin/content-21468_40-21469_60.html?s=