TätowierMagazin September 2016, Covermodel: Jennifer Lynn


Model: Jennifer Lynn
Fotograf: Derek Miller

 
TÄTOWIERER
  • Die Tradition mit Leben füllen
    Japan-Style at it's best von Shige aus dem Yellow Blaze in Yokohama
     
  • TM-Nachwuchscontest
    Die zehn Halbfinalisten stellen sich den Lesern zur Wahl
     
  • Der Hahn im Quadrat
    Traditionals von Clemens Hahn aus Mannheim
  • Alles real
    Realistic von Eugene Knysh aka Levgen vom Voice of Ink in Breslau
 
AUS DER SZENE
  • Musik: Nathan Gray von Boysetsfire            
    Der Sänger der Hardcoreband spricht über das Leben und den Tod
  • Tattoo Academy
    Über Schriftsteller und Gangster: Edgar Allen Poe und Ned Kelly

     
  • Nachgestochen
    Han und Lars Becker beurteilen Tattoos
     
  • Wenn Satzzeichen Leben retten
    Das »Project Semicolon«: Tätowiertes Bekenntnis zum Leben

     
  • Still Stoned
    Das Stoner-Rock-Festival: Stoned from the Underground

     
  • Tattoo Art
    Von Tieren, Menschen und Mischwesen: Surreale Radierungen von Otto D’Ambra
     
  • Kommt die Berufsausbildung für Tätowierer?
    Ministerium plant Zugangsregelungen für Tätowierer

     
  • Tattoo-Erotica-Personality
    Model und Künstlerin Kelly-Ann Williams
 
VERANSTALTUNGEN
  • Urlaub am Bodensee
    Tattoo Convention Friedrichshafen

MOTIVE
  • Klassiker der Tattoogeschichte
    Pharaoh’s Horses: Aus Verehrung für einen Araberhengst 
 
STANDARDS

Editorial
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Text: Redaktion

TätowierMagazin-Chefredakteur Dirk-Boris Rödel, Foto: PixelstylesBedeutung wird nicht in Quadratzentimetern gemessen

Schon wieder so ein Mini-Trend-Tattoo wie Sternchen, Notenschlüssel und Unendlichkeitsschleife? Ein sinnloses, völlig mit Bedeutung überfrachtetes 08/15-Bildchen für Leute, die auch tätowiert sein wollen, aber sich nicht für ein ordentliches Motiv entscheiden können? Nein. Das Strichpunkt- oder Semikolon-Tattoo ist tatsächlich mal ein sinnvolles Minitattoo. Ein Semikolon ist ein Satzzeichen, das man verwendet, wenn man einen Satz mit einem Punkt beenden könnte, ihn aber dann doch noch weiterführt. Viele Menschen, die dieses Satzzeichen als diskretes kleines Tattoo tragen, standen kurz vor der Entscheidung, ihrem Leben ein Ende zu setzen – und haben sich dann doch dazu entschieden, es weiterzuführen. Die kleine Tätowierung dient ihnen dazu, sich diese Entscheidung fürs Leben immer wieder bewusst zu machen. Es ist außerdem auch ein Erkennungszeichen und Symbol der Verbundenheit, das ihnen zeigt, dass sie nicht die einzigen sind, die einmal vor dieser Entscheidung standen. Es ist ein sehr, sehr kleines Tattoo, nichts, woran Tätowierkünstler ihren Stil verwirklichen oder sich künstlerisch austoben können, aber dennoch ist es ein Zeichen, das seinen Trägern oft mehr bedeutet als ein komplettes Rückentattoo. Aber Bedeutung wird ja nicht in Quadratzentimetern gemessen. Mehr über das »Project Semicolon« erfahrt ihr ab S. 82.

Als ich mich vor fünfundzwanzig Jahren zum ersten Mal tätowieren ließ, geschah das tatsächlich im Hinterzimmer einer Rockerkneipe. Die offiziellen Tattoostudios in ganz Baden-Württemberg konnte man damals an den Finger einer Hand abzählen. Tätowieren war ein Randphänomen. Schon wenn man eine Rose oder ein Mini-Teufelchen als Tattoo trug, galt man im Ort als »der Tätowierte« (meist gab es eh nicht mehr als einen …). Tätowierer bewegten sich damals weit unter dem Radar der Politik, an Vorschriften und Regelungen für dieses Außenseiterphänomen dachte damals niemand. Heute, wo jeder Zehnte tätowiert sein soll, sieht die Sache schon anders aus. Regeln und Gesetze sind praktisch unvermeidlich bei einem Thema, das mittlerweile Millionen betrifft. Die Angst vieler Tätowierer: Realitätsferne Vorschriften und Überregulierungen machen das Tätowieren unmöglich und beschneiden die künstlerische Freiheit. Der Vorstoß des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft (in dessen Geschäftsbereich der Verbraucherschutz fällt), Christian Schmidt, der neulich bundesweite Regeln angekündigt hat, führt da natürlich zu Verunsicherungen. Im Gespräch mit Daniel Krause vom Bundesverband Tattoo e.V. (ab S. 98) zeigt sich jedoch: gesetzliche Regelungen können, wenn sie in Zusammenarbeit mit Tattooexperten entwickelt werden, eine echte Chance für die Szene darstellen.  




Dirk-Boris
 

Text: Dirk-Boris Rödel
Bilder: Pixelstyles

Stand:26 September 2016 07:21:38/magazin/aktuelle+ausgabe/