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Inhalt Oktober 2017

Model: Hedwig von HohensteinFoto:Photography MadeByKevin

Titelbild:

Model: Hedwig von Hohenstein
Foto: Photography MadeByKevin
 
Ausgabe Oktober 2017
23. Jahrgang / Nr. 260


Intro

9    Kurz und gut

18    Sofie Lee gefällt …
        … das Handrückentattoo von Martin Jahn

20    Uns gefällt …
        … der Blast-over-Bodysuit von Gakkin

22    Das TM auf Reisen

24    Auszeit

26    Herzenssache
        Peggy Miksch hilft Gewaltopfern

28    Kunst:
        Aldi – das Gucci der Straße
        Cartoon-Graffitis von Lugosis    
 
Tätowierer

32    Zwanzig Jahre Liebe und Leidenschaft
        Andreas Coenen und sein Studio The Sinner and the Saint

40    Death Cloak
        Schädel, Palme, Sonnenuntergang – Signature-Tattoos von Frankie Caraccioli

48    Realistic aus Neuss
        Nakata, der neue Shooting-Star

54    Bunte Republik Deutschland
        In deiner Nähe: Zehn Tattoostudios im Kurzporträt

61    Drei zu eins
        Ignorant-Style von Elektric Uwe, TattooTattaa und Tobi der Dude
       
Szene
    
70    SPECIAL:  Kein Porno, sondern Shunga!    
        Die erotischen Farbholzdrucke Japans und ihr Einfluss auf westliche Tätowierer


82    Hedwig von Hohenstein
        Covermodel Hedwig über Elfenohren und andere Körperideale

86    Dead Fish Art Project
        Umfangreiche Gruppenausstellung  im Berliner Studio »Für Immer«

88    TATTOO-ErotiCat
        Model und Schauspielerin Julia Jasmin Rühle aka JJ

Service

92    Motivklassiker der Tattoogeschichte
        Sailor Jerrys Aloha-Affe

94    Ratgeber: Bitte warten sie
        So läuft die Terminvergabe in Tattoostudios

98     Jobbörse

100    Tattoo-Akademie
        Muppets little Miss Sunshine und der Tabubruch im Götterhimmel

Veranstaltungen

102    Sommer Breeze Open Air                
        Metal at it's best mit dem Most Metal Tattoo Contest

108     Tattooparty am Millerntor            
        Ink & Ride in Hamburg

112    Termine

Outro

115     Galerie

122     Studios

126     Nachrufe
    
128     Die Kippe danach

130    Vorschau/Impressum


Standards

3    Editorial

6    Bild des Monats

68  TattooZOOM

Editorial Oktober 2017

Wofür ein aufwendiges Realistic-Tattoo mit hundertdrölfzig Farbschattierungen, wenn sich die Message auch mit ein paar Strichen rüberbringen lässt? Tattoo von Electric Uwe, der in dieser Ausgabe bei Drei zu eins vorgestellt wird.

Wofür ein aufwendiges Realistic-Tattoo mit hundertdrölfzig Farbschattierungen,
wenn sich die Message auch mit ein paar Strichen rüberbringen lässt?
Tattoo von Electric Uwe, der in dieser Ausgabe bei Drei zu eins vorgestellt wird.
 

Punkt, Punkt, Komma, Strich – der neue Minimalismus
 
In letzter Zeit setzt sich in vielen Bereichen die Erkenntnis durch, dass gar nicht immer alles perfekt, mega und galaktisch sein muss. Es ist in Ordnung, wenn man keine Modelfigur, sondern ein paar Speckröllchen hat, wenn man keinen Spitzen-Traumjob hat für den man sechzehn Stunden am Tag brennt, sondern einen, der akzeptabel ist und einfach die Miete bezahlt und wenn man überhaupt mal grundsätzlich einsieht, dass nicht immer alles für jeden »superklasse und spitzenmäßig« sein kann, sondern, dass es eben auch einfach eine Menge »simpel, aber okay« geben muss. Es ent-stresst ja auch ziemlich, wenn man zur Erkenntnis kommt, dass es vielleicht gar nicht dringend nötig ist, immer dem Allerbesten hinterherrennen zu müssen.

Vielleicht muss man vor diesem Hintergrund die Tattooströmung sehen, die wir mit »Ignorant-Style« betitelt haben. Man kann heute Porträts stechen, die Fotografien in nichts mehr nachstehen, man kann den kompletten Körper mit großartigen Konzepttattoos bedecken, kann mit Farb- und Lichteffekten dramatische Tiefenwirkung erzeugen – und die Tätowierer des Ignorant-Style sagen, ja, schön, aber lass mal, ich mach hier mal mit fünf oder sechs Strichen ein kleines Tattoo, das man als Anker erkennen kann.

Dass Tattooartists, die viel Zeit, Energie und Arbeit investieren, um das Tätowieren technisch und künstlerisch auf neue Level zu katapultieren, sich angesichts solcher minimalistischer Hautbildchen ziemlich verhohnepiepelt fühlen, kann man verstehen. Aber andrerseits, letzten Endes ist es der Kunde, der entscheidet. Und nach jedem Ausschlag des Pendels in die eine Richtung erfolgt eben nach einiger Zeit auch ein Rückschwung. Also, kommt jetzt nach dem Hyperrealismus die Invasion der Tattoostrichmännchen und der Haus-vom-Nikolaus-Tätowierungen? Wahrscheinlich nicht, dafür ist dieser extrem reduzierte Stil sicher zu speziell. Aber eine etwas nähere Betrachtung ist uns der Punkt-Punkt-Komma-Strich-Trend schon wert. Ab Seite 61 erklären vier Tätowierer, was es mit dem neuen Minimalismus auf sich hat.

Ziemlich eindeutig und auf den Punkt sind auch die Shunga, zu Deutsch »Frühlingsbilder«, erotische Bilder, die ab dem 18. Jahrhundert in Japan aufkamen und sich in der Tattooszene immer größerer Beliebtheit erfreuen. Dabei sind die expliziten Darstellungen körperlicher Intimität nicht einfach plumper Schmuddelkram, sie geben Einblicke in die Kultur des Bürgertums, in das damalige Geschlechterverhältnis und – mit den skurrilen Genitalien-Geistern, die eine kleine Sonderform der Shunga bilden – auch in den schrägen Humor des feudalen Japan. Wir informieren ab Seite 70 über die Entstehung und Hintergründe der Frühlingsbilder und stellen mit Alina Bushman und Dan Sinnes zwei Tätowierer vor, die diese Kunsttradition mit ihrem eigenen Twist ins Medium Tattoo übertragen.

Ob ihr euch nun eher von Strichmännchen, von den Frühlingsbildern oder von einer unserer anderen Reportagen inspirieren lasst, überlasse ich ganz euch, ich wünsche euch aber auf alle Fälle viel Spaß mit unserer Oktober-Ausgabe.

Chefredakteur Dirk-Boris Rödel   

Chefredakteur Dirk-Boris
Dirk-Boris
Stand:18 November 2017 05:51:21/magazin+_und_+extras/heftarchiv/content-24969_40-24966_60.html?s=