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Inhalt Juli 2017


Titelbild: 

Model: Das Tattoo Starlet 2017 Annitotheka
Foto: Teddy Marks 
(www.teddymarksphotography.com)
 
Ausgabe Juli 2017
23. Jahrgang / Nr. 257



Intro

9    Kurz und gut

14    Aleksy Marcinov gefällt …
        … die Kobra von Burton Ursae Minoris

16    Uns gefällt …
        … der zweiköpfige Wolf von Mariñe Perez und Tayri Rodriguez

18    Das TM auf Reisen

20    Auszeit

22    Herzenssache
        Dea Vectorink setzt sich für Bienen ein

24    Kunst: Stille Wasser sind deep    
        »Digimatismus« von Stanislaw Wilczynski 

 
Tätowierer

28    Dualismus als Lebens- und Arbeitsprinzip 
        Neo-Traditionals und Blackwork im Golden Times in Köln

 36    Waldspaziergang mit Kamasutra
        Claudia Ottaviani tätowiert Traditionals mit indischem Touch    

42    Nutten, Rapper, Zuhälter 
        Harry Weiss tätowiert auf dem Hamburger Kiez

48    Bunte Republik Deutschland
        In deiner Nähe: Zehn Tattoostudios im Kurzporträt

56    Drei zu eins
        Tierporträts von Marco Schmidgunst, Valentin Hirsch und André Zechmann 
       

Szene

SPECIAL:     

64     New York City Tattoo History    
        Die Geburt der modernen Tattooszene

68    Das Tattooverbot in N.Y. 

69    Brad Finks Tattoomuseum    


70    Born to cook
        Eyck Zimmer, der volltätowierte Meisterkoch

76    Das Tattoo Starlet 2017  
        Covermodel Annitotheka startet nach ihrem Titelgewinn voll durch

80    This is real shit
        Harley Flanagan und die Hardcoreszene New Yorks

84    Berlin Strength
        Ein Fitnessstudio für Tätowierte

88    Ein tätowiertes Reisetagebuch
        Martin Dobsons ganz spezielle Tattoosammlung

90    TM-Nachwuchscontest
        Deutschlands wichtigster Wettbewerb für Jungtätowierer startet jetzt!

92    TATTOO-ErotiCat Laura aus Berlin


Service

96    Motivklassiker der Tattoogeschichte 
        Sailor’s Grave/Homeward Bound

98     Jobbörse 

100    Tattoo-Akademie 
        Pommesgabel und die eulenäugige Göttin der Weisheit

102    Cover-ups
        Zweite Chance für verpfuschte Tattoos


Veranstaltungen

106    »King of Tattoo Final« 
        Die letzte Tokio-Convention

110     Tattooconvention Worms     
        Bärte, Bier und Bademäntel

112    Termine


Outro

115    Galerie

124    Studios

128    Die Kippe danach

130    Vorschau/Impressum


Standards

3    Editorial

6    Bild des Monats

62    TattooZOOM

Editorial Juli 2017



Im besten Fall muss man zweimal ganz genau hinschauen, wo die zu überdeckende Tätowierung war. Wie hier bei diesem Cover-up von Dan Berry aus dem Custom Propaganda in Southampton. Alles über Cover-ups erfahrt ihr in unserem Ratgeber.
 

Zweite und letzte Chance
 
Es taucht ja immer wieder die Frage auf, welches denn nun die Königsdisziplin des Tätowierens sei: Hyperrealistische Porträts mit feinsten Details und Lichteffekten, großformatige Ganzkörpertätowierungen aus einem Guss oder vielleicht besondere Tätowiertechniken wie das polynesische Klopfen oder das japanische Stupfen? Man kann das wahrscheinlich nur subjektiv beantworten, ich selbst hatte jedenfalls immer schon allergrößten Respekt vor Tätowierern, die die hohe Kunst des Cover-ups beherrschen.

Zunächst ist da die technische Herausforderung, eine olle Gurke so mit einem neuen Motiv zu überdecken, dass im allerbesten Fall niemand überhaupt auch nur auf die Idee kommt, dass da mal was drunter war. Damit verbunden ist natürlich eine starke Einschränkung in Kreativität und Gestaltung, da sich das Cover-up nicht wie ein komplett neues Werk völlig frei auf jungfräulicher Haut entfalten kann, sondern stets einfach Mittel zum Zweck ist. Der Tätowierer räumt mit einem Cover-up sozusagen den Mist von unfähigen Kollegen auf und muss dabei den suboptimalen Gegebenheiten durch die Gurke Rechnung tragen. In gewisser Weise ist das Stechen eines Cover-ups also ein selbstloser Akt, eine Selbstverleugnung zum Wohle des Kunden, bei der das, was vielen Tätowierern das Wichtigste ist – nämlich sich selbst kreativ zu entfalten – nur begrenzt möglich ist. Cover-up-Tätowierer sind, um einen ziemlich hinkenden Vergleich aufzufahren, so etwas wie die Feuerwehrleute der Tattooszene, die bei schlimmen Katastrophen ausrücken und Hilfe bringen, wo viele schon die Hoffnung aufgegeben haben. Und auch wenn das gerade ein wenig arg pathetisch klingt, die Dankbarkeit und Erleichterung eines Kunden sind natürlich besonders groß, wenn er sich nach Jahren der Scham und Peinlichkeit mit einem geglückten Cover-up endlich wieder ins Schwimmbad trauen kann. 

Die großartigen Beispiele von Cover-ups, die man auf Instagram oder Facebook oft sieht, sollten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass in diesem Bereich inzwischen zwar vieles, aber eben längst nicht alles machbar ist. Und noch mehr als bei »normalen« Tattoos fällt hier ins Gewicht, ob das Cover-up im frischen, im abgeheilten Zustand oder erst nach ein paar Jahren fotografiert wurde. Denn was direkt nach dem Stechen wie eine perfekte Abdeckung aussieht, kann nach einigen Monaten durchaus Spuren des darunterliegenden Tattoos offenbaren – die Art und Weise, wie und wo Farbpigmente in der Haut eingelagert werden und wie diese sich im Laufe der Zeit verhalten, spielt bei dieser Tattoodisziplin eine große Rolle. Cover-ups sind deshalb stets eine Herausforderung und das Ergebnis ist für Kunden wie auch für Tätowierer oft nur ein Kompromiss und kein Allheilmittel, um problemlos Tattoosünden ungeschehen zu machen. 
Der wichtigste Beitrag zum Gelingen eines Cover-ups muss ohnehin vom Kunden geleistet werden: Der hat nämlich die Aufgabe, sich für seine zweite Chance einen besseren Tätowierer als beim ersten Mal zu suchen!

Chefredakteur Dirk-Boris Rödel   

Chefredakteur Dirk-Boris
Dirk-Boris
Stand:24 November 2017 15:38:20/magazin+_und_+extras/heftarchiv/content-24298_40-24296_60.html?s=