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Inhalt April 2017


Titelbild: 
Tätowiererin San vom Brüsseler Studio »Deuil Merveilleux«

Fotograf:  
Thomas Krauss
 
Ausgabe April 2017
23. Jahrgang / Nr. 254


Intro

11    Kurz und gut

20    Kunst
        Dekonstruierte Illustrationen von Mattia »Mambo« Calvi    

22    Das TM auf Reisen 

24    Julian Siebert gefällt …
        … das Realistic-Porträt von Benjamin Laukis

26    Uns gefällt …
       … der Papagei von Patch Monnier

28    Herzenssache
        Peter Bobek unterstützt #StandingRockTattoo

30    Auszeit


Tätowierer

34    Sympathische Halunken
        Vielfalt im Bielefelder Studio Halunken

42    In Your Face
        Lettering-Routinier Ben Schafroth aus der Schweiz

48    Mein lieber Schwan!                 
        Graffiti-Tattoos von Carlo Sohl aus dem Studio Alter Schwan in Berlin

56    Drei zu eins
        Girly-Stuff von 
        Jasmin Ballin, Ronja Block und Nancy Mietziii
       

Szene

64   Special: Copycats – nein danke!
        Die TM-Aktion gegen Motivklau
             
74    Tattoo Starlet 2017
        »Behind the Scenes«
        bei der Wahl des hübschesten Tattoomodels
 
78    Der Straßenrapper, der auf der Straße rappt
        Infidelix weiß, worüber er rappt!

84    Hausmarke                    
        Signature-Tattoos von Kelu, Laura Yahna, Klemens und Knarly Gav

92    Der Chronist der Szene                
        Der Fotograf Thomas Krauss gibt intime Einblicke
        in die franko-belgische Tattooszene

98    Kuddls Nachlass
         Wieder entdeckt: Das Vorlagenalbum
         von Karl Finke aus den 920er Jahren

102    Tattoo ErotiCat                    
          Toxy Foxy aus Berlin


Service

104    Motivklassiker der
          Tattoogeschichte
          Hahn und Schwein

106    Jobbörse

108    Tattoo-Akademie
        Der Colt »Peacemaker« und der                 Okkultist Aleister Crowly


Veranstaltungen

110   Tattoo & Lifestyle Leipzig
        Neues Konzept kommt an    

114    Termine



Outro

    117    Galerie
    124    Studios
    128    Die Kippe danach
    130    Vorschau/Impressum


Standards
    
    3    Editorial
    6    Bilder des Monats
    62  TattooZOOM

Editorial April 2017



Klasse Zufall: Als bei unserem Besuch bei Carlo Sohl die sprache auf Copycats fiel, präsentierte sein Kollege Sven dieses noch ganz frische Tattoo von Slawomir Nitschke. Als hätten wir das abgesprochen!
 

Copycats - Nein Danke!
 
Dass Tätowierungen ein Zeichen von Individualität sind, ist kein Naturgesetz. In den allermeisten Kulturen, in denen es Tattootraditionen gibt, sind die Bilder auf der Haut eher Zeichen der Zusammengehörigkeit, etwas, was alle gemeinsam haben. Das Repertoire an verfügbaren Motiven ist dabei oft relativ überschaubar, die jeweilige Bedeutung ist für alle klar erkennbar.
Auch bei uns war es bis vor zwanzig Jahren üblich, sich sein Tattoodesign aus dem Vorlagenordner auszuwählen. Dass unter Umständen Dutzende weiterer Tattoofans dasselbe Motiv trugen, war egal. Eine gewisse Individualität ergab sich zwar dennoch aus dem Tattoo, aber nicht aus der Einzigartigkeit des Motivs, sondern einfach aus der Tatsache, dass man überhaupt tätowiert war. Es gab früher einfach noch nicht soviele Tätowierte.

Ein fantastisches Beispiel für einen solchen Vorlagenkatalog ist das »Tätowirbuch« des Hamburger Tätowierers Karl Finke aus den 1920er Jahren, das Tattooforscher Ole Wittmann bei seinen Recherchen wiederentdeckte. Wir zeigen euch den Sensationsfund ab Seite 100. Anker, Schlangen, Seeleute und Schiffe sind darin in recht überschaubarer Variation dargestellt, der Kundschaft reichte das völlig aus. Auf die Idee, nach einem Unikat oder einem individuell angefertigten Tattoo zu fragen, wäre früher niemand gekommen. Man hob sich mit einem Tattoo zwar von der breiten Masse ab, der Hauptzweck war jedoch, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe anzuzeigen, in diesem Fall die der Seeleute.

Auch später noch war es die Aufgabe von Tattoos, eine Gruppenzugehörigkeit darzustellen, lediglich die Art der Gruppen änderte sich: Waren es anfangs Matrosen, so definierten sich später Rocker, Punks, Skins und Rockabillys über Tätowierungen.
In dem Maße, wie das Tätowieren massentauglich wurde, sich aus klar definierbaren Gruppen herauslöste und zu einem Medium wurde, das der Hervorhebung der eigenen Individualität diente, stieg der Anspruch an die Unverwechselbarkeit der Designs. Gleichzeitig traten auch immer mehr junge Tätowierer mit künstlerischer Vorbildung auf den Plan, die diesen Anforderungen gerecht wurden. Das individuelle Einzelstück wurde zum Standard. Viele junge Tattookünstler ziehen die Befriedigung in ihrer Arbeit aus der Kreation eigenständiger und unverwechselbarer Einzelkunstwerke.

Nun ist aber natürlich nicht jeder Tätowierer ein Künstler, muss aber dennoch den gestiegenen Ansprüchen seiner Kundschaft genügen. Da liegt es natürlich nahe, sich bei den Designs künstlerisch begabterer Kollegen zu bedienen. Das geht so aber nicht: Der Kunde des Original-Tätowierers geht davon aus, dass er ein Unikat erwirbt, das außer ihm niemand trägt, und dafür wurde es auch von seinem Künstler »maßgeschneidert«. Oft haben solche Motive auch einen ganz persönlichen Bezug und einen hohen emotionalen Wert. Wird nun ein solches Tattoo von Dritten abgekupfert, so empfindet das der ursprüngliche Tätowierer als geistigen Diebstahl, der Träger erlebt es als Entwertung eines Bildes, das nur für ihn allein gedacht war. Kurz gesagt: Das unautorisierte Kopieren fremder Tattoomotive ist ein absolutes No-go!

Warum »Copycats« ein echtes Ärgernis sind und was beklaute Tätowierer dazu zu sagen haben, lest ihr in unserem Special ab Seite 66. Also: Klaut anderen Leute nicht ihre Ideen und Designs – ihr seid ja schließlich selbst ein Original und nicht nur eine
Kopie!



Chefredakteur Dirk-Boris
Dirk-Boris
Stand:24 November 2017 15:52:00/magazin+_und_+extras/heftarchiv/content-23531_40-23533_60.html?s=