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Inhalt März 2017

Titelbild: 
Jakob Waser

Fotograf: 
Lorenz Walter, Giahi

Titelbild: 
Jakob Waser

Fotograf:  
Lorenz Walter, Giahi
 
Ausgabe März 2017
23. Jahrgang / Nr. 253


Intro

11    Kurz und gut

20    Kunst
        Licht und Schatten: Grafiken von Mishla Nacho Lasalle    

22    Das TM auf Reisen 

24    Andreas Coenen gefällt …
        … die Eule von Carlos von To Die For

26    Uns gefällt …
       … das Body-Konzept von Jake Danielson

28    Herzenssache
        Sandy Kempkens über ihre Spendenveranstaltung »Hab Herz«

30    Auszeit

 
Tätowierer

34    Ein Tattoo-Imperium auf dem Acker 
        Bodenständiger Perfektionismus von Andy Engel  

42    Blaue Clownkotze und  schwarze Witwen 
        Adam Vu mischt Black-and-Grey mit Oriental und Esoterik

48    Im überall zwischen hier und dort
         Schwarze Katzen und romatische Frauen von Katya Krasnova   

56    Drei zu eins
        Japanese-Style von 
        Jan Kurze, Michael Lorber und Tom Schehr  
       

Szene

    66    Spezial: »Und wenn du mal alt bist?«
    Die Antworten von
    68    Jakob Waser (68) 
    70    Annegret (68)
    71    Inge (67)  
    72    Richard Jones (67)
    74    Elvira (62)
    76    Tätowiererlegende Lyle Tuttle (85)

    82    Menschen: »Ich bin auch ein Goonie«
        Der 80er-Jahre-Nerd Dave Grunewald von Annisokay 
             
    88    Tattoo-Starlet 2017
         Diese zehn Models stellen sich auf der Tattoo Expo Leipzig zur Wahl

    90    Love is in the Air
        Mit Liebe gegen Hass! Emrahs Spreadlove-Aktion

    94    Indiens vielfältige Tattookulturen
        Stammes-, Volks- und moderne Tätowierungen in Indien

    100    Tattoo ErotiCat
        Tätowiererin Taryn  Michelle zeigt ihre Tattoosammlung 


Service

    102    Motivklassiker der Tattoogeschichte 
        Rose Of No Man’s Land

    104    Jobbörse 

    106    Tattoo-Akademie 
        Der Morgenstern und die Walküre


Veranstaltungen

108    Tattoo Convention Dresden
        Besucherandrang im Elbflorenz     

110     Termine


Outro

    115    Galerie
    124    Studios
    129    Die Kippe danach
    130    Vorschau/Impressum


Standards
    
    3    Editorial
    6    Bilder des Monats
    64    TattooZOOM

Editorial März 2017

 
Inge (67) erzählt uns in einem sehr persönlichen Interview ihre Tattoogeschichte. Sie ist überzeugt:  »Da kommen noch viele weitere!«

Inge (67) erzählt uns in einem sehr persönlichen Interview ihre Tattoogeschichte.
Sie ist überzeugt:  »Da kommen noch viele weitere!«
 

Altersweisheit
 
Direkt nach »Tut das denn nicht weh?« ist »Was ist denn, wenn du mal alt bist?« wohl die zweithäufigste Frage, die Tätowierte zu hören bekommen. Man könnte sich die Antworten ganz leicht machen. Erstens: »Ja« und zweitens: »Nix«. Was soll denn schon passieren, wenn man mit Tattoos alt wird? Die Frage geht ja von der stereotypen Klischeevorstellung aus, dass Tätowierungen nur etwas für junge Leute sind, etwas Unüberlegtes, was man später im Alter bereut. Eigentlich ist es müßig, sich mit solchen vorurteilsbehafteten Fragen zu befassen, die nur darauf abzielen, dem Befragten das Gefühl unterzujubeln, er sei im jugendlichen Leichtsinn einem flüchtigen Trend hinterhergerannt. Doch die Hartnäckigkeit, mit der Tätowierte mit dieser Frage genervt werden, ließ es uns schließlich notwendig erscheinen, darauf mal deutliche Antworten zu liefern. Und wer könnte das besser, als tätowierte Senioren?

In den Gesprächen mit Tattoofans jenseits der sechzig konnten wir feststellen: Tattoobegeisterung ist nicht nur jungen Leuten vorbehalten. Bei den von uns befragten Tattoosenioren brannte die Leidenschaft für Tätowierungen nicht weniger heiß als bei so manchem 18-Jährigen. Ganz im Gegenteil hatten wir den Eindruck, dass Tattoos für sie eher sogar noch tiefere Bedeutungsebenen ansprechen als dies bei vielen jungen Tätowierten der Fall ist. Denn während es für einen 18-Jährigen heute keine große Sache mehr ist, pünktlich zur Volljährigkeit im Tattoostudio aufzuschlagen, ist es das für eine 70-Jährige durchaus. Wer jahrzehntelang den Wunsch nach einem Tattoo in sich getragen hat, aber das aus Rücksicht auf gesellschaftliche Normen ein Leben lang noch nicht mal offen zugeben durfte, für den ist es ein wirklich, wirklich großes Ding, das im fortgeschrittenen Alter doch noch umzusetzen. Wogegen wollen Junge heute denn noch rebellieren? Man darf doch eh alles.

Die, die wirklich noch gesellschaftliche Ketten sprengen können, sind Menschen der Generation 60+. Und es tut ihnen gut, zu spüren, dass ihr Alter sie nicht automatisch zu Angepasstheit verdammt. Tattoos haben für sie noch mehr Benefits: Tätowierungen verschaffen ihnen Aufmerksamkeit, Anerkennung, ermöglichen neue Kontakte und Gespräche, werden zum neuen Hobby und können sogar die Beziehung zu den eigenen Kindern um ein neues, gemeinsames Interesse bereichern. 

Und diejenigen, die mit ihren Tattoos alt geworden sind? Für die spricht Lyle Tuttle, mittlerweile 85 Jahre alt und wohl einer der bekanntesten Tätowierer der Welt. Und er macht deutlich: Mit Tätowierungen sind immer Geschichten verbunden. Gut, es kann wohl nicht jeder auf so ein wildbewegtes Leben zurückblicken wie er, der Janis Joplin zu einer seiner Kundinnen zählte, aber wenn es so ist, dass einem mit zunehmendem Alter das, was man im Leben erlebt hat, immer wichtiger wird, und wenn Tattoos ein Mittel sind, Erinnerungen an Menschen, Erfahrungen und Emotionen zu bewahren – wie könnte man dann damit in Hinblick auf das Älterwerden etwas falsch machen?  

Uns haben die Gespräche mit tätowierten Senioren nicht nur deshalb viel Spaß gemacht, weil sie uns mit ihrer Begeisterung mitgerissen haben, wir haben dabei auch festgestellt: Unsere Tätowierungen sind nicht nur etwas, was wir im Moment cool finden – es sind auch Investitionen, die uns auch noch in einigen Jahrzehnten viele interessante Begegnungen, Gespräche und Erlebnisse bescheren werden.  



Chefredakteur Dirk-Boris
Dirk-Boris
Stand:24 November 2017 15:33:57/magazin+_und_+extras/heftarchiv/content-23273_40-23270_60.html?s=