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26.02.2016  |  Text: Travelingmic  |   Bilder: Travelingmic   

In Japan droht das Tattoo-Verbot

Tattooverbot in Japan


Es wird richtig eng für die Tätowierer in Japan: Studios schließen reihenweise, es gab bereits Hausdurchsuchungen durch die Polizei, Verhaftungen, hohe Bußgelder. Ist das der Anfang vom Ende einer jahrhundertealten Kultur?


Taiki Masuda, ein 27-jähriger Tätowierer, hat den juristischen Kampf gegen das drohende Tattooverbot in Japan aufgenommen.
Taiki Masuda, ein 27-jähriger Tätowierer, hat den juristischen Kampf gegen das drohende Tattooverbot in Japan aufgenommen.


Ich bin Japaner und ich bleibe auch in Japan. Ich bereite mich jetzt vor für den Kampf!« So dramatisch klingt ein bekannter Tattookünstler, als er angesichts der momentanen Lage nach seiner eigenen Zukunft gefragt wird. Er bleibt lieber anonym, denn die Aufmerksamkeit der Behörden kann jemand wie er gerade gar nicht gebrauchen.  
Doch die Luft wird langsam, aber sicher sehr dünn für Tätowierer; und das in dem Land, das eine der beeindruckendsten Ausprägungen der Tätowierkunst hervorgebracht hat.
 
 
Taiki Masuda auf dem Weg zum Gericht. Er gründete die Initiative »Save Tattooing in Japan«.Öffentlichkeitsarbeit ist ein Weg, dem drohenden Tattooverbot in Japan zu begegnen.
 
Taiki Masuda auf dem Weg zum Gericht. Er gründete die Initiative »Save Tattooing in Japan«.


Das Ende der Toleranz?

Da in Japan Tätowierungen in der Öffentlichkeit mit kriminellen Yakuza-Gruppen in Verbindung gebracht werden, sieht man auf der Straße und in den Medien so gut wie nie bunte Haut. Wer Tattoos hat, egal ob verdeckt oder nicht, braucht sich auf eine Stelle im öffentlichen Dienst oder bei einer großen Firma gar nicht erst bewerben. Workout im Fitness-Studio? Vergiss es! Ein Bad im Swimmingpool des Fünf-Sterne-Hotels: Tätowierte unerwünscht!
Auf dem traditionellen Sanja-Matsuri-Festival in Tokio, früher bekannt für die großartig tätowierten Teilnehmer, schreitet die Polizei bei sichtbaren Tattoos inzwischen rigoros ein. Und selbst von so manchem öffentlichen Strand werden unbedarfte Tattoofans mittlerweile verwiesen.
Daher ist die Nachfrage nach Hautkunst in Japan viel geringer, als man in westlichen Ländern vermutet. Lediglich in den Szenevierteln der Großstädte gibt es leicht zugängliche Studios und diese sind manchmal nicht gerade die Aushängeschilder der Szene. Viele Profis arbeiten lieber diskret hinter verschlossenen Türen oder treten unter wenig aussagekräftigen Firmennamen auf.
 


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Stand:23 February 2017 03:41:14/kultur+und+szene/in+japan+droht+das+tattoo-verbot+_162.html