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28.02.2017  |  Text: Jula Reichard  |   Bilder: Robin Brecht
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SV Waldhof Mannheim 07: Hier mischen sich Fußballkultur und Tattooleidenschaft


Wer Mannheimer Realness sucht, wird hier fündig: Auf dem Waldhof, wo das Herz vieler »Barrackler« schlägt. Wir waren zu Gast beim SV Waldhof Mannheim und schauten uns Spieler, Fans und ihre Tattoos genauer an.


Waldhofgeschichten

Eine Liebe, die unter die Haut geht – so beschreiben nicht wenige Fußballfans die Beziehung zu ihrem Herzensclub. Bei den Anhängern vom SV Waldhof 07 ist das nicht anders, der »Waldhof« geht ihnen über alles und die Liebe geht tief – im wahrsten Sinne. Was mir bei meinen seltenen Besuchen hier im Carl-Benz-Stadion immer auffiel: Viele Fans hier tragen ihren Fanstolz in Form von Tattoos auf der Haut. Für unser Regional-Special brainstormten wir vor Wochen natürlich, welche Ecken im Magazin stattfinden sollen und ich hatte sofort das Gefühl, den Waldhof und seine Fans hier sehen zu wollen. Denn der Waldhof ist real, das ist »working class football«, Barracke, Heimat, »Monnemer« Dialekt und echte Freundschaft.

Moh, 42 Jahre: »Ich bin ein Monnemer Original, man kennt mich hier.« Moh, das heißt übrigens Mann ohne Hals. »Und schreibt bitte, dass ich vom Fanclub Barrikaden komme!«

Wir waren am 17. Spieltag gegen den FC Nöttigen zu Gast und trafen die Fans, deren Waldhof-Liebe unter die Haut geht. Doch nicht nur die Fans haben wir getroffen und ihre Tattoos unter die Lupe genommen. Wir wollten auch wissen, wie es um die Körperkunst der »Buwe« bestellt ist, wie sich die Spieler vom Regionalligisten aus Mannheim nennen. Mittelfeldspieler Ali Ibrahimaj und Kapitän Michael Fink gaben uns Einblicke in ihre eigene Tattoogeschichte – und nirgendwo sonst hätte das besser gepasst als in der heiligen Spielerkabine.
 

Fußballer Ali Ibrahimaj über seine Tattoos


Der junge Mittelfeldspieler steckt voller Energie und Lebenslust. Mit dem SVW hat sich der 25-Jährige hohe Ziele gesetzt.

Ali ist ein Familienmensch, seine Tattoos haben alle einen sehr engen Bezug hierzu. »Meinen Arm zieren Porträts meiner Eltern. Mein Vater mit 22, als Soldat. Darunter meine Mama mit gerade mal 18 Jahren«, erzählt er stolz. Seine Wurzeln möchte er stets vor Augen behalten, daher gehört neben seinem Geburtsjahr (91) auch der Name seines Geburtsortes im Kosovo zu seinem Sleeve. Zu dem Familiennamen am Oberarm gesellen sich die Anfangsbuchstaben seiner fünf Schwestern. Bei der geballten Girlpower, mit der Ali aufwuchs, ist es nur logisch, dass er sich später den Namen seines Neffen tätowieren ließ – dem ersten männlichen Nachkommen seit ihm. Die meisten seiner Tattoos entstanden in Mainz, doch seit geraumer Zeit trägt Ali auch ein Tattoo aus Mannheim vom Max Laloi. Er wird ihm bald auch noch einen gurkigen Löwen auf dem anderen Oberarm covern. Mit frischgestochenen Tattoos zu trainieren, findet er nicht so tragisch – eher, dass er durch die Trainingsintensität kaum Zeit findet, zum Tätowierer zu gehen. »Aber dafür eignet sich die Winterpause dann ja ganz gut.«


Auch Michael Fink liebt Tätowierungen


Michael Fink ist im Fußballgeschäft viel rumgekommen. Auf seinem Körper trägt der 34-Jährige Jugendsünden, aber auch Tattoos mit tiefer Bedeutung.

Michael Fink spielt wie sein Kollege Ali jetzt in der zweiten Saison beim Waldhof – anders als der Jungspund blickt er allerdings schon langsam Richtung Karriereende. »Mir war es wichtig, einem Traditionsverein wie dem Waldhof mit meiner Erfahrung weiterzuhelfen und hier wichtige Schritte in Richtung Profifußball zu machen. Dort wollen wir hier ja alle hin!«, erzählt der erfahrene Bundesligaspieler. Sein erstes Tattoo war wohl so ein »Trendding« damals, so gab es mit 16 Jahren chinesische Zeichen am Unterarm, die er mittlerweile aber ganz gut verstecken kann. »Mit 16 ist man eben noch zu jung und naiv«, gibt der sympatische Abwehrmann zu. Sein zweites Tattoo, ein Kreuz auf seiner Wade, ist ein Urlaubsmitbringsel aus San Diego – »eine Spontanaktion zwischen meinem Kumpel und mir, wir waren unterwegs und hatten ein bisschen was getrunken.« Michael ist zur Hälfte Österreicher und wurde sehr katholisch aufgezogen. Wie Ali ist auch er ein Familienmensch. »Mir war wichtig, mit meinen Tattoos die Nähe zu meinem Glauben zu verewigen«, erklärt er mir und sucht dabei seinen Arm ab.

Himmlischer Beistand auf dem Platz? Der Glaube spielt bei Michaels Tattoos eine große Rolle. Er wuchs sehr katholisch auf.

»Deshalb befinden sich auf meinem Arm ein Jesus sowie eine alte Schriftrolle mit den lateinischen Worten ›deo volente‹ .« (So Gott will/Gottes Wille; Anm. d. Red.) Hierzu passt der Engel auf seinem Oberarm und sogar das Kreuz, das ja mehr aus einer spaßigen Laune heraus entstand. Die Motive, die im Laufe der Zeit hinzukamen, haben zum Teil eine tiefere Bedeutung. »Der Sugar Skull zum Beispiel symbolisiert für mich, dass viele Leute zwei Gesichter haben – oft erkennst du das erst spät. Das musste ich im Laufe der Zeit leider auch feststellen.« Der Spruch »every saint has a past, every sinner has a future« ist ein weiteres Beispiel. Für Michael heißt das ganz klar: »Jeder Mensch kann sich ändern und jeder hat eine zweite Chance verdient.« Auch für Michael geht es bald weiter auf der Haut.


Nach dem netten Kabinenplausch stürzen wir uns noch mal draußen tief in die rotzige, »Monnemer« Fanszene – zutraulich sind sie hier alle ...


Roland, 56 Jahre: Eine 40-jährige Beziehung, er spricht zu Recht von der größten Leidenschaft und hat sich diese auf die Unterarme tackern lassen.

Steffen, 35 Jahre: Sein Sleeve stach besonders heraus. Nicht nur, weil er mit Qualität und Kreativität besticht, sondern weil er gleich zwei Fußballvereinen gewidmet ist. Hier finden wir auch Eintracht- Frankfurt- Symbolik. Das rührt von der Fanfreundschaft her, die beide Vereine verbindet. Für Steffen ist klar: »Mannheim und Frankfurt lebt man, da bist du nicht nur Fan!« Zum ersten Mal kam er 1983 durch seinen Papa hier- her.
 

Text: Jula Reichard
Bilder: Robin Brecht

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Ausgabe 6/17 erscheint am 19. Mai

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