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22.05.2017  |  Text: Heide Heim  |   Bilder: Horitomo
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Monmon Cats: Katzen mit Tattoos und der »Awwww«-Garantie


Der Tätowierer Horitomo aka Kazuaki Kitamura zeichnet und tätowiert Katzen und schmückt sie sowohl mit traditionellen japanischen Tätowiermotiven als auch mit solchen, die einen stärkeren Bezug zu unserer heutigen Zeit haben. Immer aber entlockt er dem Betrachter seiner Bilder ein seliges Lächeln. Horitomos »Monmon Cats« erobern nicht nur die Herzen von Katzenfreunden.


Es hat etwas Magisches, wenn Horitomo mit schnellem Pinselstrich die Umrisse einer Katze skizziert. Wie selbstverständlich fliegt sein bevorzugtes Arbeitsgerät, der Pentel-Pinselstift, über das Papier. Alleine schon die Linienführung verleiht dem Tier Eleganz und Geschmeidigkeit, das für das Arbeitsgerät typische Spiel mit den sich verjüngenden und verdickenden Linien gibt ihm die erforderliche Körperspannung. Eine Katze auf der Jagd nach einer Maus. Aber das ist nur das Vorspiel, die eigentliche Kunst folgt erst jetzt, nämlich dann, wenn er die Katze mit Motiven der japanischen Tätowierkunst mit Wasserfarben bemalt und sie in Drachen, Dämonen, Geishas oder auch zu Tätowierern verwandelt. Er schafft eine Metamorphose, die nie bemüht aussieht, sondern bringt bei den Haustieren etwas zum Vorschein, was quasi schon immer im Verborgenen da war, aber erst durch ihn sichtbar gemacht wurde. Die Katzen bekommen durch Horitomo nicht nur eine neue Gestalt, sondern werden zum Charakter, den der Künstler für sie auserwählt hat.

Horitomos Hauskatze inspirierte ihn

Monmon Cats nennt Horitomo seine Serie mit tätowierten Katzen, die er sowohl auf Papier als auch als Tattoo auf die Haut bringt. Angefangen hat das Projekt im Jahr 2001 und gipfelte in seinem Buch »Monmon Cats« (2013). Seither ist das Interesse an und die Begeisterung über seine tätowierten Katzen nicht abgeflaut, eher ist das Gegenteil der Fall. »Alles fing mit meinen Calico-Katzen (Anm. d. Red.: dreifarbige Perserkatzen mit weißer, schwarzer und roter Fellzeichnung) an. Die Musterung ihres Fells erinnerte mich an einen japanischen Bodysuit und damit war die Idee von Katzen mit Tätowierung in meinem Kopf«, erklärt Kazuaki Kitamura, wie der Künstler mit bürgerlichem Namen heißt. Den bekennenden Katzenfan inspirierten und inspirieren nicht nur die Äußerlichkeiten, auch ihr Charakter hat Einfluss auf seine Arbeit. »Katzen sind mysteriös, manche sind freundlich, andere nicht, gemeinsam ist ihnen aber, dass es sehr unabhängige Tiere sind. Ich liebe auch Tiger, und Katzen können ähnliche Verhaltensweisen zeigen wie die Raubtiere. Darüber hinaus sind sie aber auch noch unglaublich süß!«

Mit »Awwwwww«-Garantie: Horitomos Monmon Cats 

Die Variationen, mit der Horitomo seine Katzen darstellt, sind sehr unterschiedlich. Katzen schlüpfen in die Rolle eines Menschen, der einen Katzenkunden auf traditionelle Weise tätowiert, oder sie sind, was sie sind, nämlich einfach Katzen, die Mäuse jagen oder sie werden zu einem Katzendämon wie beispielsweise ein Nekomata, zu einem Wächter wie Fudō Myōō, zu einem Glücksbringer wie die Nekomaki oder zu einem kraftvollen  Drachen. Was die Katze jeweils darstellen soll, plant er nicht im Voraus. »Das entwickelt sich. Manchmal nehme ich ein Thema auf, mit dem ich mich gerade beschäftigt habe, manchmal ist es ein besonderer Anlass wie beispielsweise, dass das Jahr des Drachen beginnt, oder es ist einfach pure Intuition. Ich lass mich da wirklich von meinem Gefühl leiten«, erläutert der im State-of-Grace-Studio arbeitende Tätowierer seine Herangehensweise. 

Dass der Tätowierer großen Spaß an seiner Arbeit hat, ist jedem seiner Motive anzumerken. Betrachter seiner Bilder entlocken sie meist ein »Awwwwwww« und danach breitet sich ein Grinsen über ihr Gesicht aus. Humor ist etwas, was sich in seinen Katzenbildern zeigt, und damit folgt er einer alten Tradition. »In den Ukiyo-e-Holzschnittbildern der Edo-Periode finden sich viele humoristische Darstellungen, vor allem die Arbeiten von Kuniyoshi haben mich stark inspiriert. Und natürlich auch die noch viel älteren Choju-Giga aus dem 12. und 13. Jahrhundert, einer Bilderrolle mit satirischen Tierdarstellungen von Fröschen und Hasen in menschlichen Posen.«
 

Horitomos Arbeit und Projekte

Das Potential der Monmon-Katzen ist für Horitomo noch nicht ausgereizt. Ein zweites Buch ist in Planung und auch die Palette an Monmon-Accessoires kommt bei Tattoo- und Katzenfreunden sehr gut an. Und darüber hinaus tätowiert er ja auch noch vollkommen katzenfreie Motive und das auch in der traditionellen Tebori-Technik.

Wortherkunft Monmon

Als Japaner hat Horitomo natürlich einen einfacheren Zugang zu Informationen über japanische Tätowierungen, als dies ein Nicht-Muttersprachler haben kann. Das zeigt sich auch an der Namensgebung seines Katzenprojekts. »Der Ausdruck ›Mon‹ kam in der Edo-Periode auf und bedeutet übersetzt Muster. »Es ist somit ein sehr altes Wort für Tattoo, das heute auch überwiegend von älteren Leuten benutzt wird. Ich mochte einfach den Klang des Wortes Monmon, es hört sich komischer, drolliger an als die Begriffe Irezumi oder Gaman für Tattoo.«

Monmon Cats im Buch und als Accessoires

Das Buch »Monmon Cats« wie auch die Monmon-Accessoires können in Horitomos Onlineshop
monmoncats.myshopify.com bestellt werden. Zum Preis für das Buch von 20,00 $ addieren sich noch die Shipping-Gebühren von circa 27 $, nach momentanem Kurs sind das circa 25,00 Euro. 

Monmon Cats von
Katzuaki Horitomo Kaitamaru
118 Seiten, 13,5 x 18,5 cm, Hardcover



Kontakt

Horitomo
State of Grace
221 Jackson
USA - San Jose, CA 95112

stateofgracetattoo.com
instagram.com/horitomo_stateofgrace
www.monmoncats.com

Text: Heide Heim
Bilder: Horitomo

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Stand:24 June 2017 03:58:21/blog/monmon+cats+katzen+mit+tattoos+und+der+awwww-garantie+_174.html